Kategorie: SM-Boote SCHÜTZE-Klasse
Schütze-Klasse – Schnelle Minensuchboote der Klassen 340 und 341
Die Schütze-Klasse umfasste 30 Schnelle Minensuchboote, die ab Ende der 1950er-Jahre für die Bundesmarine gebaut wurden. Sie wurden als Klasse 340 und Klasse 341 geführt und standen zwischen 1959 beziehungsweise 1960 und 1995 im Dienst. Ihren Namen erhielt die Klasse nach dem zuerst in Dienst gestellten Boot SCHÜTZE.
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Die Boote waren eine Weiterentwicklung der bewährten deutschen Räumboote. Sie lösten bei den neu aufgebauten Minenstreitkräften der Bundesmarine ältere übernommene Räum- und Minensuchboote ab und begründeten den Typ des Schnellen Minensuchbootes. Neben dem Räumen von Seeminen konnten sie auch selbst Minen ausbringen.
Entwicklung und Bau
Der Entwurf orientierte sich an den Erfahrungen mit den letzten deutschen Räumbooten. Die Schütze-Klasse sollte schnell, wendig und möglichst unempfindlich gegen Magnetminen sein. Insgesamt entstanden 30 Boote für die Bundesmarine:
- 20 Einheiten bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder,
- fünf Einheiten bei der Schiffs- und Bootswerft Gebrüder Schürenstedt in Bardenfleth,
- fünf Einheiten bei der Schlichting-Werft in Travemünde.
Die Boote wurden den Klassen 340 und 341 zugeordnet. Äußerlich und hinsichtlich ihrer Aufgaben waren beide Ausführungen weitgehend gleich. Der wesentliche Unterschied lag in der Motorisierung: Die zehn Boote der Klasse 340 erhielten Mercedes-Benz-Dieselmotoren, während die 20 Einheiten der Klasse 341 mit Maybach-Dieselmotoren ausgerüstet wurden.
Bauweise
Der Schiffskörper bestand überwiegend aus Holz. Der Rumpf war dreifach diagonal mit Teak- und Mahagoniholz beplankt. Auch bei Beschlägen und technischen Bauteilen wurden möglichst wenig oder nicht magnetische Werkstoffe verwendet. Dadurch sollte die magnetische Signatur des Bootes verringert und die Gefährdung durch Magnetminen reduziert werden. Eine magnetische Eigenschutzanlage ergänzte diese konstruktiven Maßnahmen.
Die Verwendung von Holz brachte allerdings langfristig erhebliche Probleme mit sich. Besonders Aufbauten und Schotten aus Ilomba-Holz erwiesen sich als anfällig für Feuchtigkeit und Pilzbefall. Einige Boote benötigten deshalb häufige und umfangreiche Werftaufenthalte. Trotz der ursprünglich deutlich kürzer geplanten Nutzungsdauer blieben einzelne Einheiten mehr als 30 Jahre im Dienst.
Aufgaben
Die Schütze-Klasse war für mehrere Bereiche des Minenkampfes vorgesehen. Zu den wesentlichen Aufgaben gehörten:
- das Räumen von Ankertauminen,
- die Bekämpfung magnetisch und akustisch ansprechender Grundminen,
- das Freihalten und Überprüfen von Fahrwegen,
- das Verlegen eigener Seeminen,
- die Teilnahme an nationalen und multinationalen Minenabwehrübungen.
Für das mechanische Räumen von Ankertauminen führten die Boote Scherdrachengeräte und entsprechendes Schleppgerät mit. Gegen Magnet- und Akustikminen standen verschiedene Simulations- und Räumgeräte zur Verfügung. Ein zusätzlicher leistungsstarker Generator versorgte das elektromagnetische Räumgerät.
Durch ihre hohe Geschwindigkeit von etwa 24 Knoten konnten die Boote Einsatzgebiete rasch erreichen und auch Minensperren in vergleichsweise kurzer Zeit ausbringen. Damit unterschieden sie sich deutlich von den langsameren klassischen Minensuchbooten der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Bewaffnung
Zur Selbstverteidigung trugen die Boote überwiegend ein 40-mm-Bofors-Geschütz L/70 auf der Back. Die Bewaffnung sollte vor allem den Eigenschutz gegen kleinere Seeziele und Luftbedrohungen gewährleisten. Im Mittelpunkt des Entwurfs standen jedoch nicht Kampfaufgaben gegen andere Kriegsschiffe, sondern das Minensuchen, Minenräumen und Minenlegen.
Verbandszugehörigkeit
Die Boote der Schütze-Klasse bildeten über viele Jahre einen wesentlichen Teil der Minenstreitkräfte der Bundesmarine. Sie wurden hauptsächlich im:
- 1. Minensuchgeschwader in Flensburg,
- 3. Minensuchgeschwader in Kiel,
- 5. Minensuchgeschwader zunächst in Neustadt in Holstein und später in Olpenitz
eingesetzt. Das 5. Minensuchgeschwader wurde 1967 von Neustadt nach Olpenitz verlegt.
Die Geschwader operierten vor allem in Nord- und Ostsee. Neben der laufenden Ausbildung gehörten Übungen mit verbündeten Seestreitkräften, das Offenhalten wichtiger Seeverbindungen sowie das Räumen historischer Minen zu ihren Aufgaben.
Klassen 340 und 341
Die Einteilung in zwei Klassen beruhte im Wesentlichen auf den unterschiedlichen Antriebsmotoren:
Klasse 340
Die ersten zehn Boote waren mit zwei Mercedes-Benz-16-Zylinder-Dieselmotoren ausgerüstet. Jeder Motor leistete ungefähr 2.250 PS.
Klasse 341
Die folgenden 20 Boote erhielten zwei Maybach-16-Zylinder-Dieselmotoren. Diese leisteten jeweils etwa 130 PS mehr als die Mercedes-Benz-Motoren der Klasse 340.
Beide Varianten arbeiteten über Untersetzungsgetriebe auf zwei Propeller. In Abmessungen, Ausrüstung und äußerem Erscheinungsbild unterschieden sich die Klassen ansonsten nur geringfügig.
Außerdienststellung und spätere Verwendung
Die ersten Boote wurden ab 1973 außer Dienst gestellt. Ein Teil wurde abgewrackt, andere Einheiten wurden verkauft und später als private Motorjachten, Wohnboote oder Heime von Marinekameradschaften verwendet. Der Zustand und der weitere Lebensweg unterschieden sich dabei von Boot zu Boot erheblich.
Ein besonders ungewöhnlicher Lebenslauf war der der M 1061 STIER. Sie wurde 1970 zum Minentaucherboot umgebaut und blieb später unter der Kennung Y 849 bis 1995 im Dienst. Sie gehörte damit zu den letzten noch genutzten Einheiten dieser Baureihe.
Die lange Dienstzeit einzelner Boote zeigt, dass sich die Konstruktion trotz ihrer Materialprobleme grundsätzlich bewährte. Erst mit der Einführung neuer Minenkampfboote – insbesondere der Hameln-Klasse – endete die aktive Verwendung der Schütze-Klasse in der Deutschen Marine. Die Hameln-Klasse wurde ausdrücklich als Ersatz für die Klassen 340 und 341 eingeführt.
Technische Daten
- Typ: Schnelles Minensuchboot
- Klassen: 340 und 341
- Anzahl: 30 Boote
- Bauzeit: 1958 bis 1963
- Dienstzeit der Klasse: 1959/1960 bis 1995
- Länge: etwa 47,4 Meter
- Breite: etwa 7,2 Meter
- Tiefgang: etwa 2,2 Meter
- Verdrängung: etwa 280 Tonnen
- Antrieb: zwei 16-Zylinder-Dieselmotoren
- Antriebsleistung: je nach Unterklasse ungefähr 4.500 bis 4.760 PS
- Propeller: zwei
- Höchstgeschwindigkeit: etwa 24 Knoten
- Besatzung: ungefähr 31 Mann
- Bewaffnung: ein 40-mm-Bofors-Geschütz L/70
- Ausrüstung: mechanisches, magnetisches und akustisches Minenräumgerät
- Weitere Aufgabe: Verlegen von Seeminen
Bedeutung der Schütze-Klasse
Die Schütze-Klasse prägte die Minenstreitkräfte der Bundesmarine über mehrere Jahrzehnte. Mit ihrer hohen Geschwindigkeit, der vielseitigen Räumausrüstung und ihrer Fähigkeit zum Minenlegen verband sie die Tradition der deutschen Räumboote mit den Anforderungen der jungen Bundesmarine.
Die Boote dienten während des Kalten Krieges in strategisch wichtigen Seegebieten der Nord- und Ostsee. Sie hielten Fahrwege frei, nahmen an NATO-Übungen teil und bildeten Generationen von Minensuchfahrern aus. Zugleich waren sie direkte technische und organisatorische Vorläufer der späteren Schnellen Minensuchboote der Hameln-Klasse.
Beispiel: Die Entwicklungslinie führt vom hölzernen Schnellen Minensuchboot SCHÜTZE der Klasse 341 unmittelbar zum deutlich größeren und moderneren Minenkampfboot HAMELN der Klasse 343. Beide Klassen waren für das Minenräumen und Minenlegen vorgesehen, verkörperten jedoch zwei unterschiedliche technische Generationen der Bundesmarine.
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