Ihr weitgehend amagnetischer Holzrumpf sollte die Gefahr verringern, magnetisch wirkende Seeminen unbeabsichtigt auszulösen. Für die Bekämpfung unterschiedlicher Minenarten standen mechanische und fernwirkende Räumgeräte zur Verfügung. Daneben konnten die Boote im Verteidigungsfall auch zum Legen von Seeminen eingesetzt werden.
Gebaut wurde die HERKULES bei der Schlichting-Werft in Travemünde unter der Baunummer 1293. Der Baubeginn erfolgte am 24. September 1958, der Stapellauf am 25. August 1960.
Am 9. Dezember 1960 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt und dem 5. Minensuchgeschwader zugeteilt. Innerhalb der ursprünglichen laufenden Nummerierung der schnellen Minensuchboote wurde es als SM 27 HERKULES geführt.
Zu den Aufgaben der HERKULES gehörten Minensuch- und Räumübungen, die Ausbildung der Besatzung, Geschwaderfahrten sowie die Teilnahme an nationalen und multinationalen Manövern. Das 5. Minensuchgeschwader war zunächst in Neustadt in Holstein stationiert und verlegte später nach Olpenitz.
Die HERKULES verfügte über mechanische und fernwirkende Räumgeräte. Ein Räumgenerator mit einer Leistung von etwa 900 PS versorgte die elektromagnetische Räumausrüstung. Zur Selbstverteidigung trug das Boot ein 40-mm-L/70-Geschütz.
In den Jahren 1965 und 1966 erhielt die HERKULES eine Grundüberholung. Diese umfangreiche Instandsetzung trug dazu bei, dass das ursprünglich für eine deutlich kürzere Nutzungsdauer ausgelegte Boot noch mehr als zwei weitere Jahrzehnte im aktiven Dienst bleiben konnte.
Nach insgesamt fast 27 Dienstjahren wurde die M 1095 HERKULES am 21. August 1987 außer Dienst gestellt.
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die HERKULES nicht abgewrackt. Im Jahr 1988 begann der Umbau des ehemaligen Minensuchbootes zu einer privaten Motoryacht.
Das Schiff erhielt den Namen ARS VIVENDI. Für die zivile Nutzung wurden die militärischen Einrichtungen entfernt und die Innenräume umfassend umgebaut. Der charakteristische Rumpf der Schütze-Klasse blieb dabei erhalten, während Aufbauten und Ausstattung den Anforderungen einer größeren Motoryacht angepasst wurden.
Im Jahr 1989 ist die ehemalige HERKULES bereits als Motoryacht ARS VIVENDI dokumentiert. Damit begann eine ungewöhnlich lange zivile Nachnutzung des früheren Bundesmarinebootes.
Noch im Jahr 2020 wurde die ARS VIVENDI im Internet als Charteryacht angeboten. Da dabei keine aktuellen Bilder veröffentlicht waren und keine zuverlässigeren neueren Nachweise vorliegen, kann ihr heutiger Zustand nicht mit Sicherheit angegeben werden.
Die HERKULES gehört damit zu den wenigen Booten der Schütze-Klasse, die nach ihrer Marinezeit zu einer seegängigen Yacht umgebaut wurden und noch Jahrzehnte nach der Außerdienststellung in Fahrt nachweisbar waren.
Technische Daten
Klasse: Schütze-Klasse, Klasse 341.27
Typ: Schnelles Minensuchboot
Kennung: M 1095
Name: HERKULES
Ursprüngliche Bezeichnung: SM 27
Bauwerft: Schlichting-Werft, Travemünde
Baunummer: 1293
Baubeginn: 24. September 1958
Stapellauf: 25. August 1960
Indienststellung: 9. Dezember 1960
Außerdienststellung: 21. August 1987
Verbandszugehörigkeit: 5. Minensuchgeschwader
Grundüberholung: 1965/1966
Verdrängung: maximal etwa 266 t
Länge: 47,20 m
Breite: 7,00 m
Tiefgang: 2,20 m
Seitenhöhe: 4,32 m
Antrieb: zwei Maybach-16-Zylinder-Viertakt-Dieselmotoren
Gesamtleistung: etwa 4.400 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 20 kn
Fahrbereich: etwa 1.000 Seemeilen bei 18 kn
Treibstoffvorrat: etwa 31 m³
Bewaffnung: ein 40-mm-L/70-Geschütz
Besatzung: etwa 31 Mann
Räumausrüstung: Räumgenerator mit etwa 900 PS
Spätere Verwendung: ab 1988 Umbau zur Motoryacht ARS VIVENDI
Letzter gesicherter Nachweis: 2020 noch als Charteryacht angeboten