Kategorie: Schnellboote Klasse 142/142A Zobel-Klasse

Zobel-Klasse – Schnellboote der Klasse 142 und 142 mod.

Die letzte deutsche Klasse klassischer Torpedoschnellboote

Die Zobel-Klasse, amtlich als Klasse 142 bezeichnet, bestand aus zehn Torpedoschnellbooten der Bundesmarine. Sie bildete den Abschluss der in Deutschland entwickelten klassischen Schnellboote, deren Hauptangriffswaffe der Torpedo war.

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Die Boote entstanden als Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse. Ihre Konstruktion beruhte weiterhin auf dem bewährten leichten und schnellen Verdrängerrumpf aus Holz. Gegenüber den Vorgängerklassen erhielten sie jedoch veränderte Aufbauten, eine geschlossene Brücke, modernere Ortungs- und Feuerleittechnik sowie einen verbesserten Schutz der Besatzung.

Alle zehn Boote gehörten zum 7. Schnellbootgeschwader und waren in Kiel beheimatet. Von dort aus versahen sie während des Kalten Krieges ihren Dienst vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Bau und Indienststellung

Das Typschiff ZOBEL wurde am 12. Dezember 1961 in Dienst gestellt. Bis Oktober 1963 folgten die neun weiteren Einheiten.

Sieben Boote entstanden bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack:

  • P 6092 / S 31 ZOBEL

  • P 6093 / S 32 WIESEL

  • P 6094 / S 33 DACHS

  • P 6096 / S 34 NERZ

  • P 6098 / S 35 GEPARD

  • P 6100 / S 36 FRETTCHEN

  • P 6101 / S 37 OZELOT

Drei weitere Einheiten wurden bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut:

  • P 6095 / S 38 HERMELIN

  • P 6097 / S 39 PUMA

  • P 6099 / S 40 HYÄNE

Die NATO-Kennungen P 6092 bis P 6101 folgten nicht vollständig der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen S 31 bis S 40. Dadurch ergibt sich innerhalb der Klasse eine abweichende Kennungsfolge.

Das 7. Schnellbootgeschwader

Das 7. Schnellbootgeschwader wurde mit Wirkung vom 1. April 1961 aufgestellt. Sein Heimathafen war Kiel.

Die zehn Boote der Zobel-Klasse bildeten über zwei Jahrzehnte den Kern des Verbandes. Gemeinsam nahmen sie an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • taktische Angriffsverfahren

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • Nachtfahrten und Geschwaderfahrten

  • das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften

  • in der ursprünglichen Ausführung auch Übungen im Minenlegen

Die Schnellboote operierten überwiegend gemeinsam. Ihre Einsatzweise beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem geschlossenen Angriff mehrerer Boote.

Auftrag im Kalten Krieg

Das vorgesehene Einsatzgebiet der Zobel-Klasse lag vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Im Verteidigungsfall sollten die Boote gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände mit Torpedos angreifen. Weitere Aufgaben waren die Überwachung küstennaher Seegebiete, die Sicherung eigener Seeverbindungen und die Unterstützung anderer Seestreitkräfte.

Ihre geringe Größe, der vergleichsweise niedrige Tiefgang und die hohe Geschwindigkeit machten die Boote besonders für den Einsatz in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee geeignet.

Die Boote konnten mit hoher Geschwindigkeit aus geschützten Küstenbereichen heraus operieren, ihre Torpedos einsetzen und sich anschließend wieder vom Gegner lösen.

Konstruktion

Die Boote der Zobel-Klasse besaßen einen mehrlagig beplankten Holzrumpf auf Leichtmetallspanten. Auch die Aufbauten bestanden überwiegend aus Leichtmetall.

Der leichte Rumpf ermöglichte hohe Geschwindigkeiten, stellte jedoch besondere Anforderungen an Pflege und Instandhaltung. Bei schneller Fahrt und schwerer See waren Rumpf und Besatzung erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Gegenüber den Vorgängerklassen verfügten die Boote über eine geschlossene Brücke. Damit war die Brückenbesatzung besser gegen Wetter, Seeschlag und die bei hoher Fahrt entstehende Gischt geschützt.

Eine Filter- und Belüftungsanlage ermöglichte es, wichtige Bereiche des Bootes gegen atomare, biologische und chemische Kampfstoffe abzuschirmen und mit gefilterter Luft zu versorgen.

Antrieb und Geschwindigkeit

Die Zobel-Klasse wurde von vier schnelllaufenden Mercedes-Benz-Dieselmotoren des Typs MB 518 C angetrieben.

Jeder Motor wirkte auf eine eigene Welle mit eigenem Propeller. Die vier Motoren leisteten jeweils rund 3.000 PS und erreichten zusammen etwa 12.000 PS.

Damit konnten die Boote eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 42 Knoten erreichen. Sie gehörten damit zu den schnellsten Einheiten der Bundesmarine.

Die Reichweite lag je nach Fahrstufe und Einsatzbedingungen bei mehreren Hundert Seemeilen. Bei hoher Marschfahrt war der Kraftstoffverbrauch entsprechend groß.

Ursprüngliche Bewaffnung der Klasse 142

In ihrer ursprünglichen Ausführung verfügten die Boote über vier fest eingebaute Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter.

Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern gerichtet. Neben den in den Rohren befindlichen Waffen konnten zusätzliche Reservetorpedos mitgeführt werden.

Die Artilleriebewaffnung bestand aus zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen. Ein Geschütz befand sich auf dem Vorschiff, das zweite achtern.

Die Geschütze dienten der Bekämpfung kleiner Seeziele und niedrig fliegender Luftziele. Sie konnten außerdem zur Warnung, zur Selbstverteidigung und gegen ungeschützte Ziele eingesetzt werden.

Einsatz als Minenleger

In ihrer ursprünglichen Ausführung konnten die Boote auch zum Legen von Seeminen vorbereitet werden.

Dazu wurden die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und durch Minenwurfschienen ersetzt. In dieser Ausführung konnten bis zu 23 Seeminen mitgeführt werden.

Damit besaßen die Boote neben ihrer Aufgabe als Torpedoträger eine zusätzliche Möglichkeit, gegnerische Seeverbindungen zu sperren oder bestehende Minenfelder zu verstärken.

Modernisierung zur Klasse 142 mod.

Zwischen 1970 und 1972 wurden alle zehn Boote umfassend modernisiert.

Die vier ursprünglichen Torpedorohre für ungelenkte Torpedos wurden entfernt. Stattdessen erhielten die Boote zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.

Nach dem Umbau wurden sie amtlich als Klasse 142 mod. bezeichnet. Daneben setzte sich die Bezeichnung Klasse 142A durch, die bis heute häufig verwendet wird.

Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus beeinflusst und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch verbesserte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos deutlich.

Mit der Modernisierung entfiel allerdings die Möglichkeit, die Boote weiterhin als Minenleger einzusetzen.

Flugkörpererprobungen mit NERZ

Das Schnellboot S 34 NERZ nahm innerhalb der Klasse eine besondere Rolle ein.

In den 1960er-Jahren wurde das Boot zeitweise für Versuche im Zusammenhang mit einer möglichen Flugkörperbewaffnung herangezogen. Die Untersuchungen gehörten zu den frühen Überlegungen der Bundesmarine, klassische Torpedoschnellboote durch Einheiten mit Seezielflugkörpern zu ergänzen oder zu ersetzen.

Eine dauerhafte Umrüstung der Zobel-Klasse zu Flugkörperschnellbooten erfolgte jedoch nicht. Die Boote blieben bis zum Ende ihrer aktiven Dienstzeit Torpedoschnellboote.

Die bei solchen Erprobungen gewonnenen Erfahrungen flossen in die weitere Entwicklung der deutschen Schnellbootwaffe ein.

Leben und Dienst an Bord

Die Besatzung eines Bootes bestand aus ungefähr 39 Soldaten. Dazu gehörten Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften aus dem nautischen, technischen und seemännischen Dienst sowie aus dem Waffen- und Fernmeldebereich.

Der Platz an Bord war begrenzt. Unterkünfte, Arbeitsräume, Maschinenanlage, Waffen und Vorräte mussten auf einer Länge von nur rund 42 Metern untergebracht werden.

Hohe Geschwindigkeit, starke Bootsbewegungen, Maschinenlärm, wechselnde Wachen und kurze Ruhezeiten machten den Schnellbootdienst körperlich und mental anspruchsvoll.

Gerade diese Bedingungen förderten einen besonders engen Zusammenhalt. Auf den kleinen Booten war jeder Kamerad auf den anderen angewiesen. Die Besatzungen bildeten Gemeinschaften, deren Verbundenheit häufig weit über die aktive Dienstzeit hinaus bestehen blieb.

Das Ende der Zobel-Klasse

Die Außerdienststellung der Klasse begann 1981 mit S 39 PUMA. Als letzte Boote schieden S 33 DACHS und S 40 HYÄNE im Jahr 1984 aus dem aktiven Dienst aus.

Das 7. Schnellbootgeschwader wurde gleichzeitig schrittweise auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet. Diese übernahmen auch sämtliche Tiernamen der alten Zobel-Klasse:

  • S 71 GEPARD

  • S 72 PUMA

  • S 73 HERMELIN

  • S 74 NERZ

  • S 75 ZOBEL

  • S 76 FRETTCHEN

  • S 77 DACHS

  • S 78 OZELOT

  • S 79 WIESEL

  • S 80 HYÄNE

Damit blieben die Namen der zehn Boote im selben Geschwader erhalten.

Mehrere ehemalige Einheiten der Zobel-Klasse wurden nach ihrer Außerdienststellung an die Türkei abgegeben und dort vor allem als Ersatzteilträger genutzt.

Andere Boote erhielten besondere Anschlussverwendungen. Die ehemalige HERMELIN wurde als Versuchs- und Zielschiff eingesetzt. Die PUMA diente nach ihrer aktiven Schnellbootzeit als Ausbildungsobjekt für Brand- und Leckabwehr.

Einheiten der Zobel-Klasse

P 6092 / S 31 ZOBEL
Indienststellung: 12. Dezember 1961
Außerdienststellung: 7. September 1982

P 6093 / S 32 WIESEL
Indienststellung: 25. Juni 1962
Außerdienststellung: 6. März 1984

P 6094 / S 33 DACHS
Indienststellung: 25. September 1962
Außerdienststellung: 6. Dezember 1984

P 6096 / S 34 NERZ
Indienststellung: 11. Januar 1963
Außerdienststellung: 8. Juli 1982

P 6098 / S 35 GEPARD
Indienststellung: 18. April 1963
Außerdienststellung: 9. November 1982

P 6100 / S 36 FRETTCHEN
Indienststellung: 26. Juni 1963
Außerdienststellung: 9. August 1983

P 6101 / S 37 OZELOT
Indienststellung: 25. Oktober 1963
Außerdienststellung: 10. Januar 1984

P 6095 / S 38 HERMELIN
Indienststellung: 28. November 1962
Außerdienststellung als Schnellboot: 12. Januar 1983

P 6097 / S 39 PUMA
Indienststellung: 21. Dezember 1962
Außerdienststellung: 17. Dezember 1981

P 6099 / S 40 HYÄNE
Indienststellung: 10. Mai 1963
Außerdienststellung: 5. Juni 1984

Technische Daten

Klasse: 142
Nach der Modernisierung: Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Klassenname: Zobel-Klasse
Typ: Torpedoschnellboot
Anzahl der Boote: zehn
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel
Bauwerften: Lürssen-Werft und Kröger-Werft
Indienststellungen: 1961 bis 1963
Außerdienststellungen: 1981 bis 1984

Länge: etwa 42,6 Meter
Breite: etwa 7,1 Meter
Tiefgang: etwa 2,2 bis 2,3 Meter
Einsatzverdrängung: rund 205 bis 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier Mercedes-Benz-Dieselmotoren MB 518 C
Leistung: jeweils rund 3.000 PS
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Wellen und Propeller: vier
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • bis zu sieben Torpedos

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Die zehn Boote der Zobel-Klasse prägten über zwei Jahrzehnte das 7. Schnellbootgeschwader und die Schnellbootwaffe der Bundesmarine.

Sie standen für hohe Geschwindigkeit, harte Seetage, anspruchsvolle Manöver und den Dienst in den engen Gewässern der Ostsee. Gleichzeitig bildeten sie das Bindeglied zwischen den klassischen Torpedoschnellbooten der frühen Bundesmarine und den späteren Flugkörperschnellbooten.

Unsere Artikel zur Zobel-Klasse erinnern an die zehn Boote und an die Kameraden, die auf S 31 bis S 40 gefahren sind. Sie bewahren ein wichtiges Kapitel der Geschichte der Bundesmarine – von Kameraden für Kameraden.

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