Kategorie: P6095 S38 HERMELIN

P 6095 / S 38 HERMELIN – Schnellboot der Klasse 142

Geschichte

Das Schnellboot HERMELIN gehörte zur Zobel-Klasse der Bundesmarine und trug die NATO-Kennung P 6095 sowie die deutsche Bootskennung S 38. Es wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut und am 28. November 1962 in Dienst gestellt.

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Die HERMELIN war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die achte Einheit der Klasse 142. Während die ersten sieben Boote der Klasse bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack entstanden, wurden HERMELIN sowie die nachfolgenden Boote PUMA und HYÄNE bei der Kröger-Werft gebaut.

Die Zobel-Klasse stellte eine Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse dar und bildete den Abschluss der klassischen deutschen Torpedoschnellboote. Die Boote verbanden einen leichten und schnellen Holzrumpf mit einer geschlossenen Brücke, moderner Ortungs- und Feuerleittechnik sowie einem verbesserten Schutz der Besatzung.

Mit ihrer Indienststellung wurde die HERMELIN dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war in Kiel beheimatet und verfügte schließlich über sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

Das vorgesehene Einsatzgebiet der HERMELIN lag während des Kalten Krieges vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, die Überwachung und Sicherung küstennaher Seegebiete sowie die Unterstützung gemeinsamer Operationen innerhalb des Geschwaders.

In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die HERMELIN außerdem zum Legen von Seeminen eingesetzt werden. Dazu ließen sich die beiden hinteren Torpedorohre entfernen und durch Minenwurfschienen ersetzen.

Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die HERMELIN an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren, Nachtfahrten und das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften gehörten zum regelmäßigen Dienstbetrieb.

Die Einsatzweise der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem geschlossenen Vorgehen mehrerer Boote. Besonders in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee konnten sie ihre geringe Größe und hohe Geschwindigkeit wirkungsvoll einsetzen.

Umbau zur Klasse 142 mod.

In ihrer ursprünglichen Ausführung war die HERMELIN mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter bewaffnet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet.

Für einen Einsatz als Minenleger konnten die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und durch Minenwurfschienen ersetzt werden. In dieser Ausführung war die Mitnahme von bis zu 23 Seeminen möglich.

Zwischen 1970 und 1972 wurden die Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die HERMELIN erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.

Nach der Modernisierung wurden die Boote amtlich als Klasse 142 mod. geführt. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.

Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch erhöhte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos erheblich.

Mit dem Umbau entfiel jedoch die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.

Aufgabe und Besonderheiten

Die HERMELIN gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptangriffswaffe aus Torpedos bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootgenerationen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Bewaffnung.

Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte die HERMELIN eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.

Die hohe Geschwindigkeit stellte erhebliche Anforderungen an Material und Besatzung. Bei schwerer See waren die Bewegungen des kleinen Bootes besonders stark. Maschinenlärm, beengte Unterkünfte, wechselnde Wachen und kurze Ruhezeiten bestimmten den Alltag an Bord.

Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die besonderen Belastungen des Schnellbootdienstes förderten den ausgeprägten kameradschaftlichen Zusammenhalt an Bord.

Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen

Die HERMELIN gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit als Schnellboot zum:

7. Schnellbootgeschwader

Heimathafen des Bootes war:

Kiel

Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde das Geschwader schrittweise von den Torpedoschnellbooten der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.

Außerdienststellung als Schnellboot

Nach mehr als zwanzig Dienstjahren wurde die HERMELIN am 12. Januar 1983 als Schnellboot außer Dienst gestellt.

Anders als mehrere ihrer Schwesterboote wurde sie nicht an die Türkei abgegeben. Das Boot wurde für eine weitere Verwendung als Versuchs- und Zielschiff hergerichtet.

Weitere Verwendung als Versuchs- und Zielschiff

Die ehemalige HERMELIN wurde am 18. April 1985 erneut in Dienst gestellt und als Erprobungs- und Versuchsfahrzeug verwendet. Sie erhielt die Kennung Y 831 und wurde der Klasse 740 zugeordnet.

Unter der Bezeichnung KOR 2 diente das ehemalige Schnellboot unter anderem als Ziel- und Erprobungsfahrzeug für Versuche mit dem Seezielflugkörper Kormoran. Damit erhielt die HERMELIN nach ihrer Zeit im 7. Schnellbootgeschwader noch eine besondere Aufgabe bei der Erprobung moderner Waffensysteme.

Am 25. September 1987 endete auch diese zweite Dienstphase. Anschließend wurde das Fahrzeug im Marinearsenal Wilhelmshaven aufgelegt.

Im Jahr 1988 wurde die ehemalige HERMELIN an die Eberhard-Werft verkauft. Der endgültige Abbruch erfolgte 1998.

Traditionsname

Der Name HERMELIN wurde innerhalb des 7. Schnellbootgeschwaders fortgeführt.

Am 28. April 1983 stellte die Bundesmarine das Flugkörperschnellboot S 73 HERMELIN der Gepard-Klasse 143A in Dienst. Damit wurde der Traditionsname nur wenige Monate nach der Außerdienststellung der ursprünglichen S 38 erneut vergeben.

Technische Daten

Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6095
Deutsche Kennung: S 38
Name: HERMELIN
Spätere Kennung: Y 831
Spätere Verwendung: Versuchs- und Zielschiff KOR 2
Rufzeichen: DBUW, später DRCV
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Indienststellung: 28. November 1962
Außerdienststellung als Schnellboot: 12. Januar 1983
Erneute Indienststellung als Versuchsfahrzeug: 18. April 1985
Endgültige Außerdienststellung: 25. September 1987
Abbruch: 1998
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel

Länge: etwa 42,6 Meter
Breite: etwa 7,1 Meter
Tiefgang: etwa 2,3 Meter
Einsatzverdrängung: rund 190 bis 205 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier Mercedes-Benz-Dieselmotoren MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 700 Seemeilen bei 35 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

  • Wasserbomben

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Mehr als zwanzig Jahre gehörte die HERMELIN zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Nach ihrer Zeit als Torpedoschnellboot leistete sie als Versuchs- und Zielschiff einen weiteren Beitrag zur Entwicklung und Erprobung moderner Marinesysteme.

Unsere Artikel zur HERMELIN erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 38 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine und ihrer Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden.