Die NERZ war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die vierte Einheit der Klasse 142. Diese Klasse stellte eine Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse und zugleich die letzte deutsche Entwicklung eines klassischen Torpedoschnellbootes dar.
Der schnelle Holzrumpf auf Leichtmetallspanten wurde mit einer geschlossenen Brücke, moderner Feuerleit- und Ortungstechnik sowie einem verbesserten Schutz der Besatzung verbunden. Die Boote waren außerdem mit einer ABC-Schutzanlage ausgestattet, durch die der Innenbereich weitgehend abgeschlossen und mit gefilterter Luft versorgt werden konnte.
Mit ihrer Indienststellung wurde die NERZ dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war seit seiner Aufstellung im Jahr 1961 in Kiel beheimatet und erhielt sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.
Erprobungsboot für Flugkörper
Eine besondere Rolle innerhalb der Klasse übernahm die NERZ bei der Erprobung neuer Waffensysteme.
Zwischen 1963 und 1969 wurde das Boot für Versuche mit unterschiedlichen Flugkörpersystemen eingesetzt. Dabei diente die NERZ als Erprobungsträger in einer Zeit, in der die Bundesmarine den Übergang vom klassischen Torpedoschnellboot zum späteren Flugkörperschnellboot vorbereitete.
Diese Versuche machten die NERZ zu einem wichtigen Bindeglied zwischen den torpedobewaffneten Schnellbooten der frühen Bundesmarine und den späteren Bootsklassen, deren Hauptbewaffnung aus Seezielflugkörpern bestand.
Die Erprobungen bedeuteten jedoch nicht, dass die NERZ dauerhaft als Flugkörperschnellboot ausgerüstet wurde. Im regulären Geschwaderdienst blieb sie ein Torpedoschnellboot der Klasse 142.
Dienst im 7. Schnellbootgeschwader
Das vorgesehene Einsatzgebiet der NERZ lag vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.
Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, die Überwachung und Sicherung küstennaher Seegebiete sowie die Unterstützung gemeinsamer Operationen innerhalb des Geschwaders.
In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die NERZ außerdem zum Legen von Seeminen eingesetzt werden. Hierzu ließen sich die beiden hinteren Torpedorohre entfernen und durch Minenwurfschienen ersetzen.
Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die NERZ an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren sowie das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften gehörten zum regelmäßigen Dienstbetrieb.
Umbau zur Klasse 142 mod.
Die NERZ war ursprünglich mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter ausgerüstet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern gerichtet. Neben den in den Rohren befindlichen Waffen konnten zusätzliche Reservetorpedos mitgeführt werden.
Zwischen 1970 und 1972 wurden die Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfernte man die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die NERZ erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.
Die modernisierten Boote wurden amtlich als Klasse 142 mod. bezeichnet. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.
Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch verbesserte sich die Treffwahrscheinlichkeit erheblich. Gleichzeitig entfiel mit dem Umbau die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.
Kollision im Jahr 1982
Am 21. Mai 1982 wurde die NERZ bei einer schweren Kollision mit der dänischen Fregatte PETER TORDENSKIOLD erheblich beschädigt.
Das Unglück ereignete sich nur wenige Wochen vor der bereits bevorstehenden Außerdienststellung des Schnellbootes. Die NERZ wurde anschließend nicht mehr vollständig für eine längere weitere Verwendung instand gesetzt.
Die Kollision bildete damit das letzte einschneidende Ereignis in der nahezu zwanzigjährigen Dienstzeit des Bootes.
Aufgabe und Besonderheiten
Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte die NERZ eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.
Der mehrlagig beplankte Holzrumpf machte das Boot leicht und schnell, war bei hohen Geschwindigkeiten und schwerer See jedoch erheblichen Belastungen ausgesetzt. Auch für die Besatzung bedeuteten schnelle Fahrt, starke Bootsbewegungen, Maschinenlärm und die beengten Verhältnisse an Bord eine besondere Herausforderung.
Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die anspruchsvollen Einsatzbedingungen förderten den starken kameradschaftlichen Zusammenhalt, der die Schnellbootwaffe über Jahrzehnte prägte.
Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen
Die NERZ gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:
7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen des Bootes war:
Kiel
Das Geschwader wurde Anfang der 1980er-Jahre schrittweise von der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.
Außerdienststellung und Verbleib
Die NERZ wurde am 8. Juli 1982 nach nahezu zwanzig Dienstjahren außer Dienst gestellt.
Zum späteren Verbleib existieren unterschiedliche Angaben. Nach einer Quelle wurde das Boot als Ausbildungshulk in Olpenitz verwendet. Andere Darstellungen nennen die Abgabe als Ersatzteilspender für die türkische Kartal-Klasse.
Gesichert ist, dass das ehemalige Schnellboot nicht wieder regulär als aktive Kampfeinheit in Dienst gestellt wurde. Wegen der widersprüchlichen Quellenlage wird auf eine genauere Festlegung des endgültigen Verbleibs verzichtet.
Der Traditionsname NERZ wurde bereits im folgenden Jahr erneut vergeben. Am 14. Juli 1983 stellte die Bundesmarine das Flugkörperschnellboot S 74 NERZ der Gepard-Klasse in Dienst.
Technische Daten
Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6096
Deutsche Kennung: S 34
Name: NERZ
Rufzeichen: DBUX
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 11. Januar 1963
Außerdienststellung: 8. Juli 1982
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel
Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten
Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten
Ursprüngliche Bewaffnung
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zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen
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vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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bis zu sieben Torpedos
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alternativ bis zu 23 Seeminen
Bewaffnung nach der Modernisierung
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zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen
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zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre
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zwei drahtgelenkte Torpedos des Typs DM2A
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keine Minenlegefähigkeit mehr
Von Kameraden für Kameraden
Die NERZ war nicht nur ein Boot des 7. Schnellbootgeschwaders, sondern leistete mit ihren Flugkörpererprobungen auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung der deutschen Schnellbootwaffe.
Fast zwei Jahrzehnte stand sie für hohe Geschwindigkeit, anspruchsvolle Manöver und den harten Dienst auf den kleinen Torpedoschnellbooten der Ostsee.
Unsere Artikel zur NERZ erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 34 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine – von Kameraden für Kameraden.