Die PUMA war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die neunte Einheit der Klasse 142. Sie gehörte gemeinsam mit S 38 HERMELIN und S 40 HYÄNE zu den drei Booten der Klasse, die nicht bei Lürssen in Bremen-Vegesack, sondern bei der Kröger-Werft entstanden.
Die Zobel-Klasse stellte die letzte deutsche Entwicklung eines klassischen Torpedoschnellbootes dar. Sie entstand als Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse und verband deren schnellen Holzrumpf mit einer geschlossenen Brücke, modernerer Ortungs- und Feuerleittechnik sowie einem verbesserten Schutz der Besatzung.
Mit ihrer Indienststellung wurde die PUMA dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war in Kiel beheimatet und verfügte schließlich über sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.
Dienst im 7. Schnellbootgeschwader
Während des Kalten Krieges lag das vorgesehene Einsatzgebiet der PUMA vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.
Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, die Sicherung und Überwachung küstennaher Seegebiete sowie das Zusammenwirken mit den übrigen Booten des Geschwaders.
In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die PUMA zusätzlich zum Legen von Seeminen eingesetzt werden. Dazu ließen sich die beiden hinteren Torpedorohre entfernen und durch Minenwurfschienen ersetzen.
Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die PUMA an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren, Nachtfahrten sowie das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften gehörten zum regelmäßigen Dienstbetrieb.
Die Einsatzweise der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem gemeinsamen Angriff mehrerer Boote. Besonders in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee konnten sie ihre geringe Größe und hohe Geschwindigkeit wirkungsvoll einsetzen.
Umbau zur Klasse 142 mod.
In ihrer ursprünglichen Ausführung war die PUMA mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter bewaffnet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet. Zusätzlich konnten Reservetorpedos mitgeführt werden.
Für einen Einsatz als Minenleger konnten die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und Minenwurfschienen eingebaut werden. In dieser Ausführung war die Mitnahme von bis zu 23 Seeminen möglich.
Zwischen 1970 und 1972 wurden sämtliche Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die PUMA erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.
Nach der Modernisierung wurden die Boote amtlich als Klasse 142 mod. geführt. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.
Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch erhöhte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos erheblich.
Mit dem Umbau entfiel jedoch die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.
Aufgabe und Besonderheiten
Die PUMA gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptangriffswaffe aus Torpedos bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootklassen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Bewaffnung.
Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte die PUMA eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.
Der mehrlagig beplankte Holzrumpf ermöglichte die hohe Geschwindigkeit, war bei schneller Fahrt und schwerer See jedoch erheblichen Belastungen ausgesetzt. Auch die Besatzung musste mit starken Bootsbewegungen, Maschinenlärm, beengten Unterkünften und kurzen Ruhezeiten zurechtkommen.
Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die besonderen Anforderungen des Schnellbootdienstes förderten den ausgeprägten kameradschaftlichen Zusammenhalt an Bord.
Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen
Die PUMA gehörte während ihrer gesamten aktiven Zeit als Schnellboot zum:
7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen des Bootes war:
Kiel
Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde das Geschwader schrittweise von den Torpedoschnellbooten der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.
Außerdienststellung als Schnellboot
Nach rund 19 Jahren im aktiven Schnellbootdienst wurde die PUMA am 17. Dezember 1981 außer Dienst gestellt.
Anders als die meisten Schwesterboote wurde sie anschließend nicht an die türkische Marine abgegeben. Die Bundesmarine behielt den Rumpf für Ausbildungszwecke.
Verwendung als Ausbildungsboot
Die ehemalige PUMA wurde der Technischen Marineschule zugeteilt und in Neustadt in Holstein beziehungsweise später in Brake für die Ausbildung in der Brand- und Leckabwehr verwendet.
Seit April 1984 diente das ehemalige Schnellboot als festliegendes Übungsobjekt. An ihm konnten Soldaten die Bekämpfung von Bränden, das Abdichten von Lecks und das Verhalten bei schweren Schäden an Bord unter möglichst realitätsnahen Bedingungen trainieren.
Damit erfüllte die PUMA auch nach ihrer Außerdienststellung als Kampfeinheit noch über viele Jahre eine wichtige Aufgabe für die Ausbildung des technischen Marinepersonals.
Zum endgültigen Verbleib des Rumpfes finden sich unterschiedliche und teilweise nicht zweifelsfrei nachvollziehbare Angaben. Deshalb wird auf eine abschließende Aussage zu einem späteren Verkauf oder Abbruch verzichtet.
Traditionsname
Der Name PUMA wurde innerhalb des 7. Schnellbootgeschwaders fortgeführt.
Am 24. Februar 1983 stellte die Bundesmarine das Flugkörperschnellboot S 72 PUMA der Gepard-Klasse 143A in Dienst. Damit wurde der Traditionsname nur wenig mehr als ein Jahr nach dem Ende der aktiven Dienstzeit der ursprünglichen S 39 erneut vergeben.
Technische Daten
Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6097
Deutsche Kennung: S 39
Name: PUMA
Rufzeichen: DBUY
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Indienststellung: 21. Dezember 1962
Außerdienststellung als Schnellboot: 17. Dezember 1981
Spätere Verwendung: Ausbildungsboot für Brand- und Leckabwehr
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel
Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten
Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten
Ursprüngliche Bewaffnung
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zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen
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vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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bis zu sieben Torpedos
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alternativ bis zu 23 Seeminen
Bewaffnung nach der Modernisierung
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zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen
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zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre
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zwei drahtgelenkte Torpedos
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keine Minenlegefähigkeit mehr
Von Kameraden für Kameraden
Fast zwei Jahrzehnte gehörte die PUMA zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Nach ihrer aktiven Schnellbootzeit blieb sie der Marine als Ausbildungsboot erhalten und half dabei, Generationen von Soldaten auf die Brand- und Leckabwehr an Bord vorzubereiten.
Unsere Artikel zur PUMA erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 39 gefahren oder später an ihrem Rumpf ausgebildet worden sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine und ihrer Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden.