Kategorie: P6098 S35 GEPARD

P 6098 / S 35 GEPARD – Schnellboot der Klasse 142

Geschichte

Das Schnellboot GEPARD gehörte zur Zobel-Klasse der Bundesmarine und trug die NATO-Kennung P 6098 sowie die deutsche Bootskennung S 35. Es wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut und am 18. April 1963 in Dienst gestellt.

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Die GEPARD war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die fünfte Einheit der Klasse 142. Diese Klasse stellte eine Weiterentwicklung der Jaguar-Klasse und zugleich die letzte deutsche Entwicklung eines klassischen Torpedoschnellbootes dar.

Der leichte und schnelle Rumpf bestand aus einer dreilagigen Holzbeplankung auf Leichtmetallspanten. Die Aufbauten waren überwiegend aus Leichtmetall gefertigt. Gegenüber den älteren Schnellbootklassen besaßen die Boote eine geschlossene Brücke, eine verbesserte Radaranlage und eine Filter- und Belüftungsanlage für den ABC-Schutz.

Mit ihrer Indienststellung wurde die GEPARD dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der in Kiel beheimatete Verband vereinigte sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

Das vorgesehene Einsatzgebiet der GEPARD lag vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, die Überwachung und Sicherung küstennaher Seegebiete sowie das Zusammenwirken mit anderen Booten des Geschwaders.

In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die GEPARD außerdem zum Legen von Seeminen eingesetzt werden. Hierzu wurden die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und durch Minenwurfschienen ersetzt.

Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die GEPARD an zahlreichen Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren sowie das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften gehörten zum regelmäßigen Dienstbetrieb.

Die Einsatzweise der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem geschlossenen Angriff mehrerer Boote. Besonders in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee konnten sie ihre geringe Größe und hohe Geschwindigkeit ausspielen.

Umbau zur Klasse 142 mod.

In ihrer ursprünglichen Ausführung war die GEPARD mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter ausgerüstet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern gerichtet. Zusätzlich konnten Reservetorpedos mitgeführt werden.

Zwischen 1970 und 1972 wurden sämtliche Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die GEPARD erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos des Typs DM2A.

Die modernisierten Boote wurden amtlich als Klasse 142 mod. bezeichnet. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.

Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch erhöhte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos erheblich.

Mit dem Umbau entfiel jedoch die bisherige Möglichkeit, das Boot zum Legen von Seeminen einzusetzen.

Aufgabe und Besonderheiten

Die GEPARD gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptangriffswaffe aus Torpedos bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootklassen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Bewaffnung.

Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte das Boot eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.

Die hohe Geschwindigkeit stellte große Anforderungen an Material und Besatzung. Bei schwerer See waren die Bewegungen des kleinen Bootes besonders stark. Maschinenlärm, beengte Unterkünfte, wechselnde Wachen und kurze Ruhezeiten prägten den Dienst an Bord.

Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die besonderen Belastungen des Schnellbootdienstes förderten einen starken kameradschaftlichen Zusammenhalt.

Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen

Die GEPARD gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:

7. Schnellbootgeschwader

Heimathafen des Bootes war:

Kiel

Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde das Geschwader schrittweise von den Torpedoschnellbooten der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.

Außerdienststellung und Verbleib

Nach mehr als 19 Dienstjahren wurde die GEPARD am 9. November 1982 außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde anschließend an die türkische Marine abgegeben. Dort wurde es nicht erneut als aktives Schnellboot in Dienst gestellt, sondern als Ersatzteilträger für die in der Türkei in Lizenz gebauten Boote der Kartal-Klasse verwendet und später abgebrochen.

Der Traditionsname GEPARD blieb innerhalb des 7. Schnellbootgeschwaders erhalten. Bereits am 7. Dezember 1982 wurde das neue Flugkörperschnellboot S 71 GEPARD der Klasse 143A in Dienst gestellt.

Damit folgte das neue Boot unmittelbar auf die ehemalige S 35 und führte den Namen GEPARD bis zur Außerdienststellung der letzten deutschen Schnellboote weiter.

Technische Daten

Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6098
Deutsche Kennung: S 35
Name: GEPARD
Rufzeichen: DBVA
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 18. April 1963
Außerdienststellung: 9. November 1982
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel

Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • bis zu sieben Torpedos

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos des Typs DM2A

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Fast zwei Jahrzehnte gehörte die GEPARD zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Ihr Name steht für schnelle Geschwaderfahrten, anspruchsvolle Manöver und den harten Dienst auf den klassischen Torpedoschnellbooten der Ostsee.

Unsere Artikel zur GEPARD erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 35 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine und ihrer Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden.