Kategorie: P6100 S36 FRETTCHEN

P 6100 / S 36 FRETTCHEN – Schnellboot der Klasse 142

Geschichte

Das Schnellboot FRETTCHEN gehörte zur Zobel-Klasse der Bundesmarine und trug die NATO-Kennung P 6100 sowie die deutsche Bootskennung S 36. Es wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut und am 26. Juni 1963 in Dienst gestellt.

Mehr über diese Kollektion erfahren Beschreibung schließen

Die FRETTCHEN war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die sechste Einheit der Klasse 142. Die Zobel-Klasse stellte die letzte in Deutschland entwickelte Klasse klassischer Torpedoschnellboote dar und bildete den Abschluss einer Entwicklungslinie, die über die Jaguar- und Seeadler-Klasse geführt hatte.

Die Boote besaßen einen leichten, mehrlagig beplankten Holzrumpf auf Leichtmetallspanten. Gegenüber den vorhergehenden Schnellbootklassen verfügten sie über eine geschlossene Brücke, verbesserte Radar- und Feuerleittechnik sowie eine ABC-Zitadelle, durch die wichtige Innenräume mit gefilterter Luft versorgt werden konnten.

Mit ihrer Indienststellung wurde die FRETTCHEN dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war seit seiner Aufstellung am 1. April 1961 in Kiel beheimatet und erhielt sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

Während des Kalten Krieges lag das vorgesehene Einsatzgebiet der FRETTCHEN vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben sowie die Überwachung küstennaher Seegebiete. In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die FRETTCHEN außerdem zum Legen von Seeminen eingesetzt werden.

Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm sie regelmäßig an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Zum Dienstbetrieb gehörten Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren, Nachtfahrten sowie das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften.

Die Einsatzweise der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem gemeinsamen Angriff mehrerer Boote. Gerade in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee konnten die Boote ihre geringe Größe und hohe Geschwindigkeit besonders wirkungsvoll einsetzen.

Umbau zur Klasse 142 mod.

In ihrer ursprünglichen Ausführung war die FRETTCHEN mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter bewaffnet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet. Zusätzlich konnten Reservetorpedos mitgeführt werden.

Für einen Einsatz als Minenleger ließen sich die beiden hinteren Torpedorohre entfernen und durch Minenwurfschienen ersetzen. In dieser Ausführung konnte das Boot bis zu 23 Seeminen aufnehmen.

Zwischen 1970 und 1972 wurden sämtliche Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die FRETTCHEN erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.

Die modernisierten Boote wurden amtlich als Klasse 142 mod. bezeichnet. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.

Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch erhöhte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos erheblich.

Mit der Modernisierung entfiel jedoch die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.

Aufgabe und Besonderheiten

Die FRETTCHEN gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptangriffswaffe aus Torpedos bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootklassen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Bewaffnung.

Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte die FRETTCHEN eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.

Die hohe Geschwindigkeit stellte erhebliche Anforderungen an Material und Besatzung. Bei schwerer See waren die Bewegungen des kleinen Bootes besonders stark. Maschinenlärm, enge Unterkünfte, wechselnde Wachen und kurze Ruhezeiten prägten den Alltag an Bord.

Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die besonderen Belastungen des Schnellbootdienstes förderten den ausgeprägten kameradschaftlichen Zusammenhalt, für den die Schnellbootwaffe bekannt war.

Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen

Die FRETTCHEN gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:

7. Schnellbootgeschwader

Heimathafen des Bootes war:

Kiel

Das 7. Schnellbootgeschwader wurde zu Beginn der 1980er-Jahre schrittweise von den Torpedoschnellbooten der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.

Außerdienststellung und Verbleib

Nach etwas mehr als zwanzig Dienstjahren wurde die FRETTCHEN am 9. August 1983 außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde anschließend an die türkische Marine abgegeben. Dort wurde es nicht mehr als reguläres Schnellboot in Dienst gestellt, sondern als Auflieger und Ersatzteilträger für die in der Türkei gebauten Boote ähnlicher Konstruktion verwendet. Später wurde das ehemalige Schnellboot abgebrochen.

Der Traditionsname FRETTCHEN blieb im 7. Schnellbootgeschwader erhalten. Bereits am 16. Dezember 1983 wurde das neue Flugkörperschnellboot S 76 FRETTCHEN der Gepard-Klasse in Dienst gestellt.

Damit wurde der Name nur wenige Monate nach der Außerdienststellung der alten S 36 erneut innerhalb desselben Geschwaders vergeben.

Technische Daten

Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6100
Deutsche Kennung: S 36
Name: FRETTCHEN
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 26. Juni 1963
Außerdienststellung: 9. August 1983
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel

Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • bis zu sieben Torpedos

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Mehr als zwanzig Jahre gehörte die FRETTCHEN zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Ihr Name steht für schnelle Geschwaderfahrten, harte Seetage und den anspruchsvollen Dienst auf den klassischen Torpedoschnellbooten der Ostsee.

Unsere Artikel zur FRETTCHEN erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 36 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine und ihrer Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden.