Kategorie: P6099 S40 HYÄNE

P 6099 / S 40 HYÄNE – Schnellboot der Klasse 142

Geschichte

Das Schnellboot HYÄNE gehörte zur Zobel-Klasse der Bundesmarine und trug die NATO-Kennung P 6099 sowie die deutsche Bootskennung S 40. Es wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut und am 10. Mai 1963 in Dienst gestellt.

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Die HYÄNE war nach der Reihenfolge der deutschen Bootskennungen die zehnte und letzte Einheit der Klasse 142. Gemeinsam mit S 38 HERMELIN und S 39 PUMA gehörte sie zu den drei Booten der Klasse, die bei der Kröger-Werft entstanden. Die übrigen sieben Einheiten waren bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut worden.

Die Zobel-Klasse stellte die letzte in Deutschland entwickelte Klasse klassischer Torpedoschnellboote dar. Sie entstand als Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse und verband deren schnellen Holzrumpf mit einer geschlossenen Brücke, moderner Ortungs- und Feuerleittechnik sowie einem verbesserten Schutz der Besatzung.

Mit ihrer Indienststellung wurde die HYÄNE dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war in Kiel beheimatet und verfügte schließlich über alle zehn Boote der Zobel-Klasse.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

Während des Kalten Krieges lag das vorgesehene Einsatzgebiet der HYÄNE vor allem in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen.

Zu ihren Aufgaben gehörten schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten und Landungsverbände, die Überwachung und Sicherung küstennaher Seegebiete sowie das Zusammenwirken mit den übrigen Booten des Geschwaders.

In ihrer ursprünglichen Ausführung konnte die HYÄNE außerdem zum Legen von Seeminen eingesetzt werden. Dazu ließen sich die beiden hinteren Torpedorohre entfernen und durch Minenwurfschienen ersetzen.

Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die HYÄNE an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und NATO-Manövern teil. Torpedo- und Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren, Nachtfahrten und das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften gehörten zum regelmäßigen Dienstbetrieb.

Die Einsatzweise der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem gemeinsamen Angriff mehrerer Boote. Besonders in den engen und küstennahen Gewässern der Ostsee konnten sie ihre geringe Größe und hohe Geschwindigkeit wirkungsvoll einsetzen.

Umbau zur Klasse 142 mod.

In ihrer ursprünglichen Ausführung war die HYÄNE mit vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter bewaffnet. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet. Zusätzlich konnten Reservetorpedos mitgeführt werden.

Für den Einsatz als Minenleger konnten die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und durch Minenwurfschienen ersetzt werden. In dieser Ausführung war die Mitnahme von bis zu 23 Seeminen möglich.

Zwischen 1970 und 1972 wurden sämtliche Boote der Zobel-Klasse umfassend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die HYÄNE erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.

Nach der Modernisierung wurden die Boote amtlich als Klasse 142 mod. geführt. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A gebräuchlich.

Die drahtgelenkten Torpedos konnten nach dem Abschuss vom Boot aus geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dadurch erhöhte sich die Treffwahrscheinlichkeit gegenüber den zuvor verwendeten ungelenkten Torpedos erheblich.

Mit dem Umbau entfiel jedoch die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.

Aufgabe und Besonderheiten

Die HYÄNE gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptangriffswaffe aus Torpedos bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootklassen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Bewaffnung.

Vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils eine eigene Welle an. Mit einer Gesamtleistung von rund 12.000 PS erreichte die HYÄNE eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.

Der leichte und mehrlagig beplankte Holzrumpf ermöglichte die hohe Geschwindigkeit, war bei schneller Fahrt und schwerer See jedoch erheblichen Belastungen ausgesetzt. Auch die Besatzung musste mit starken Bootsbewegungen, Maschinenlärm, beengten Unterkünften und kurzen Ruhezeiten zurechtkommen.

Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das enge Zusammenleben und die besonderen Anforderungen des Schnellbootdienstes förderten den ausgeprägten kameradschaftlichen Zusammenhalt an Bord.

Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen

Die HYÄNE gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:

7. Schnellbootgeschwader

Heimathafen des Bootes war:

Kiel

Zu Beginn der 1980er-Jahre wurde das Geschwader schrittweise von den Torpedoschnellbooten der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.

Patenschaft mit Verden an der Aller

Die HYÄNE war mit der niedersächsischen Stadt Verden an der Aller verbunden.

Die Patenschaft wurde am 16. April 1966 begründet. Sie entwickelte sich zu einer über Jahrzehnte bestehenden Verbindung zwischen der Stadt, der Marinekameradschaft und den Besatzungen der Namensträger HYÄNE.

Gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen prägten die Patenschaft. Nach der Außerdienststellung der ursprünglichen S 40 wurde sie mit dem späteren Flugkörperschnellboot S 80 HYÄNE der Gepard-Klasse fortgeführt.

Erst mit der Außerdienststellung der S 80 im Jahr 2016 endete die Verbindung nach insgesamt fünfzig Jahren.

Außerdienststellung und Verbleib

Nach mehr als 21 Dienstjahren wurde die HYÄNE am 5. Juni 1984 außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde anschließend an die türkische Marine abgegeben. Dort wurde es nicht wieder als reguläres Schnellboot in Dienst gestellt, sondern als Ersatzteilträger für die in der Türkei in Lizenz gebauten Schnellboote ähnlicher Konstruktion verwendet.

Die an die Türkei abgegebenen Boote der Zobel-Klasse wurden nach und nach ausgeschlachtet und später abgebrochen.

Der Traditionsname HYÄNE blieb im 7. Schnellbootgeschwader erhalten. Am 13. November 1984 stellte die Bundesmarine das Flugkörperschnellboot S 80 HYÄNE der Gepard-Klasse 143A in Dienst.

Damit wurde der Name nur wenige Monate nach der Außerdienststellung der ursprünglichen S 40 innerhalb desselben Geschwaders erneut vergeben.

Technische Daten

Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Gebräuchliche Bezeichnung: Klasse 142A
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6099
Deutsche Kennung: S 40
Name: HYÄNE
Rufzeichen: DBVB, später DRCX
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Indienststellung: 10. Mai 1963
Außerdienststellung: 5. Juni 1984
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel
Patenstadt: Verden an der Aller

Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • bis zu sieben Torpedos

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Mehr als 21 Jahre gehörte die HYÄNE zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Als letzte Einheit der Zobel-Klasse nach der deutschen Kennungsfolge steht sie zugleich für das Ende der klassischen Torpedoschnellboote und den Übergang zu den modernen Flugkörperschnellbooten.

Unsere Artikel zur HYÄNE erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 40 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine und ihrer Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden.