Mit der ZOBEL begann die Einführung der letzten in Deutschland entwickelten Klasse klassischer Torpedoschnellboote. Die Klasse 142 war eine Weiterentwicklung der zuvor gebauten Jaguar- und Seeadler-Klasse. Ihre Boote besaßen weiterhin den bewährten schnellen Holzrumpf auf Leichtmetallspanten, erhielten jedoch modernisierte Aufbauten, eine geschlossene Brücke und einen verbesserten Schutz der Besatzung.
Die ZOBEL wurde mit ihrer Indienststellung dem neu aufgestellten 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Das Geschwader war in Kiel beheimatet und verfügte schließlich über alle zehn Boote der Klasse 142.
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt ihres Auftrags in der Ostsee. Die ZOBEL sollte gemeinsam mit ihren Schwesterbooten gegnerische Seestreitkräfte und Landungsverbände angreifen, die Ostseezugänge sichern und im Verteidigungsfall mit Torpedos oder Seeminen gegen feindliche Schiffsbewegungen vorgehen.
Umbau zur Klasse 142 mod.
In ihrer ursprünglichen Ausführung verfügte die ZOBEL über vier fest eingebaute Torpedorohre für ungelenkte Torpedos. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet. Alternativ konnten die hinteren Torpedorohre ausgebaut und durch Minenwurfschienen ersetzt werden.
Zwischen dem 1. März 1971 und dem 26. Mai 1972 wurde die ZOBEL grundlegend modernisiert. Im Zuge dieses Umbaus entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. An ihrer Stelle erhielt das Boot zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos.
Nach dieser Modernisierung wurden die Boote amtlich als Klasse 142 mod. geführt. Häufig findet sich dafür auch die Bezeichnung Klasse 142A. Mit dem Umbau verloren die Boote ihre bisherige Fähigkeit zum Minenlegen, erhielten dafür jedoch eine wesentlich präzisere und modernere Torpedobewaffnung.
Aufgabe und Besonderheiten
Die ZOBEL gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptbewaffnung ausschließlich aus Torpedos und Rohrwaffen bestand. Erst die nachfolgenden Flugkörperschnellboote wurden für den Angriff mit Seezielflugkörpern ausgerüstet.
Dank ihrer vier leistungsstarken Dieselmotoren erreichte die ZOBEL eine Geschwindigkeit von rund 42 Knoten. Ihre geringe Größe, die hohe Geschwindigkeit und der flache Rumpf machten sie besonders für Einsätze in den engen und küstennahen Seegebieten der Ostsee geeignet.
Die Besatzung bestand aus etwa 39 Soldaten. Das Leben an Bord war durch beengte Verhältnisse, hohe körperliche Belastungen und einen engen kameradschaftlichen Zusammenhalt geprägt. Besonders bei schneller Fahrt und schwerer See verlangte der Dienst auf den vergleichsweise kleinen Booten der Besatzung viel ab.
Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen
Die ZOBEL gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:
7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen des Geschwaders und damit der ZOBEL war:
Kiel
Gemeinsam mit ihren neun Schwesterbooten bildete sie über viele Jahre den Kern des 7. Schnellbootgeschwaders.
Außerdienststellung
Nach mehr als zwanzig Dienstjahren wurde die ZOBEL am 7. September 1982 außer Dienst gestellt. Die Boote der Klasse 142 wurden zu Beginn der 1980er-Jahre schrittweise durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A ersetzt.
Der Traditionsname ZOBEL wurde bereits im folgenden Jahr erneut vergeben. Am 28. September 1983 stellte die Bundesmarine das Flugkörperschnellboot S 75 ZOBEL der Gepard-Klasse in Dienst.
Ein zweifelsfrei belegter endgültiger Verbleib des ursprünglichen Schnellbootes P 6092 ist derzeit nicht nachgewiesen. Deshalb wird auf eine weitergehende Angabe zum Abbruch oder zu einer möglichen späteren Nutzung verzichtet.
Technische Daten
Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6092
Deutsche Kennung: S 31
Name: ZOBEL
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 12. Dezember 1961
Außerdienststellung: 7. September 1982
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel
Länge: etwa 42,6 Meter
Breite: etwa 7,1 Meter
Tiefgang: etwa 2,3 Meter
Verdrängung: rund 190 bis 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten
Antrieb: vier schnelllaufende Mercedes-Benz-Dieselmotoren auf vier Wellen
Leistung: insgesamt rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Ursprüngliche Bewaffnung
-
zwei 40-mm-Bofors-Geschütze
-
vier Torpedorohre für 533-mm-Torpedos
-
wahlweise Ausrüstung zum Legen von bis zu 23 Seeminen
Bewaffnung nach dem Umbau
-
zwei 40-mm-Bofors-Geschütze
-
zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre
-
zwei drahtgelenkte Torpedos
Von Kameraden für Kameraden
Die ZOBEL stand am Beginn einer Schnellbootklasse, die mehr als zwei Jahrzehnte lang das Bild des 7. Schnellbootgeschwaders prägte. Für ihre Besatzungen bedeutete der Dienst schnelle Fahrt, enge Räume, harte Seetage und eine Kameradschaft, wie sie besonders auf den kleinen Booten der Schnellbootwaffe entstand.
Unsere Artikel zur ZOBEL erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 31 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Bundesmarine – von Kameraden für Kameraden.