Kategorie: P6093 S32 WIESEL

P 6093 / S 32 WIESEL – Schnellboot der Klasse 142

Geschichte

Das Schnellboot WIESEL gehörte zur Zobel-Klasse der Bundesmarine und trug die NATO-Kennung P 6093 sowie die deutsche Bootskennung S 32. Es wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut und am 25. Juni 1962 in Dienst gestellt.

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Die WIESEL war die zweite Einheit der Klasse 142. Diese Bootsklasse stellte die letzte deutsche Neuentwicklung eines klassischen Torpedoschnellbootes dar. Sie entstand als Weiterentwicklung der Jaguar- und Seeadler-Klasse und verband deren bewährte Rumpfform mit einer geschlossenen Brücke, verbessertem Schutz der Besatzung und modernerer Einsatztechnik.

Mit ihrer Indienststellung wurde die WIESEL dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband war in Kiel beheimatet und vereinigte schließlich sämtliche zehn Boote der Zobel-Klasse.

Der operative Schwerpunkt lag während des Kalten Krieges in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen. Die WIESEL war für schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Seestreitkräfte und Landungsverbände, für Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben sowie in ihrer ursprünglichen Ausführung auch für das Legen von Seeminen vorgesehen.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

Gemeinsam mit ihren Schwesterbooten nahm die WIESEL an den Ausbildungs- und Übungsvorhaben der Bundesmarine und der NATO teil. Dazu gehörten Geschwaderübungen, Torpedoschießen, Artillerieschießen, taktische Angriffsverfahren und das Zusammenwirken mit anderen See- und Luftstreitkräften.

Die kleinen und schnellen Boote waren besonders für die engen und küstennahen Seegebiete der Ostsee geeignet. Ihre Einsatzweise beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschenden Angriffen und dem geschlossenen Vorgehen mehrerer Boote.

Am 3. September 1968 kam es während einer Typkommandoübung zu einer Kollision zwischen der WIESEL und dem Typschiff S 31 ZOBEL. Der Vorgang ist in den Beständen des Bundesarchivs dokumentiert. Die WIESEL konnte anschließend wieder in den aktiven Dienst zurückkehren.

Umbau zur Klasse 142 mod.

In ihrer ursprünglichen Ausführung besaß die WIESEL vier fest eingebaute Torpedorohre für ungelenkte Torpedos. Zwei Rohre waren nach vorn und zwei nach achtern ausgerichtet. Bei Bedarf konnten die beiden hinteren Torpedorohre entfernt und durch Minenwurfschienen ersetzt werden.

Zwischen 1970 und 1972 wurden sämtliche Boote der Klasse grundlegend modernisiert. Dabei entfielen die vier ursprünglichen Torpedorohre. Die WIESEL erhielt stattdessen zwei nach achtern gerichtete Rohre für drahtgelenkte Torpedos des Typs DM2A.

Nach dem Umbau wurden die Boote amtlich als Klasse 142 mod. bezeichnet. Daneben ist die Bezeichnung Klasse 142A verbreitet.

Durch die Einführung drahtgelenkter Torpedos konnte der Torpedo nach dem Abschuss durch das Boot geführt und bis zum Ziel nachgesteuert werden. Dies erhöhte die Treffwahrscheinlichkeit erheblich. Gleichzeitig entfiel jedoch die bisherige Fähigkeit zum Legen von Seeminen.

Aufgabe und Besonderheiten

Die WIESEL gehörte zu den letzten Schnellbooten der Bundesmarine, deren Hauptbewaffnung aus Torpedos und Rohrwaffen bestand. Erst die nachfolgenden Schnellbootgenerationen erhielten Seezielflugkörper als wichtigste Angriffswaffe.

Angetrieben wurde das Boot von vier schnelllaufenden Dieselmotoren, die jeweils eine eigene Welle antrieben. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 42 Knoten gehörte die WIESEL zu den schnellsten Einheiten der Bundesmarine.

Die hohe Geschwindigkeit ging mit erheblichen Belastungen für Schiff und Besatzung einher. Bei schwerer See waren die Bewegungen des kleinen Bootes besonders stark. Der begrenzte Platz an Bord, die hohe Geräuschentwicklung der Maschinenanlage und die kurzen Ruhezeiten während Übungen verlangten den Besatzungsangehörigen viel ab.

Gerade diese Bedingungen förderten jedoch den engen Zusammenhalt, der für die Besatzungen der Schnellboote charakteristisch war.

Geschwaderzugehörigkeit und Heimathafen

Die WIESEL gehörte während ihrer gesamten aktiven Dienstzeit zum:

7. Schnellbootgeschwader

Heimathafen des Bootes war:

Kiel

Das 7. Schnellbootgeschwader wurde in den frühen 1980er-Jahren schrittweise von der Zobel-Klasse auf die neuen Flugkörperschnellboote der Gepard-Klasse 143A umgerüstet.

Außerdienststellung und Verbleib

Nach fast 22 Dienstjahren wurde die WIESEL am 6. März 1984 außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde anschließend an die türkische Marine abgegeben. Wie weitere ehemalige Einheiten der Zobel-Klasse wurde die WIESEL dort nicht erneut als aktives Schnellboot in Dienst gestellt. Die übergebenen Boote dienten vor allem als Ersatzteilspender für die in der Türkei in Lizenz gebauten Schnellboote ähnlicher Bauart und wurden später schrittweise abgebrochen.

Der Traditionsname WIESEL blieb innerhalb der Schnellbootwaffe erhalten. Bereits am 12. Juli 1984 wurde das neue Flugkörperschnellboot S 79 WIESEL der Gepard-Klasse für die Bundesmarine in Dienst gestellt.

Technische Daten

Klasse: 142, nach dem Umbau Klasse 142 mod.
Typ: Torpedoschnellboot
NATO-Kennung: P 6093
Deutsche Kennung: S 32
Name: WIESEL
Rufzeichen: DBUS
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 25. Juni 1962
Außerdienststellung: 6. März 1984
Geschwader: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen: Kiel

Länge: 42,62 Meter
Breite: 7,10 Meter
Tiefgang: etwa 2,30 Meter
Einsatzverdrängung: rund 206 Tonnen
Besatzung: etwa 39 Soldaten

Antrieb: vier 20-Zylinder-Dieselmotoren Mercedes-Benz MB 518 C
Antriebsanlage: vier Wellen mit vier Propellern
Gesamtleistung: rund 12.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: rund 900 Seemeilen bei 35 Knoten

Ursprüngliche Bewaffnung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • vier Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • bis zu sieben Torpedos

  • alternativ bis zu 23 Seeminen

Bewaffnung nach der Modernisierung

  • zwei 40-mm-Bofors-Schnellfeuerkanonen

  • zwei nach achtern gerichtete Torpedorohre

  • zwei drahtgelenkte Torpedos des Typs DM2A

  • keine Minenlegefähigkeit mehr

Von Kameraden für Kameraden

Mehr als zwei Jahrzehnte gehörte die WIESEL zum festen Bild des 7. Schnellbootgeschwaders in Kiel. Sie stand für hohe Geschwindigkeit, harte Ausbildungsfahrten und den anspruchsvollen Dienst auf den kleinen Torpedoschnellbooten der Ostsee.

Unsere Artikel zur WIESEL erinnern an das Boot und an die Kameraden, die auf S 32 gefahren sind. Sie bewahren ein Stück Geschichte der Schnellbootwaffe und der Bundesmarine – von Kameraden für Kameraden.