Kategorie: Schnellboot 140 Jaguar-Klasse

Schnellboote Klasse 140 – Jaguar-Klasse

Die ersten Schnellbootneubauten der jungen Bundesmarine

Mit der Jaguar-Klasse begann Ende der 1950er Jahre ein neues Kapitel deutscher Schnellbootgeschichte. Die Boote der Klasse 140 gehörten zu den ersten großen Neubauprogrammen der jungen Bundesmarine und standen für den Wiederaufbau einer eigenständigen deutschen Schnellbootwaffe nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Das Typschiff S-Jaguar P6059 wurde am 16. November 1957 in Dienst gestellt. Es war der erste Schnellbootneubau der Bundesmarine und zugleich eines der frühesten auf einer deutschen Werft gebauten Kriegsschiffe der Nachkriegszeit. Entwickelt wurde die Klasse in der Tradition des deutschen Schnellbootbaus, insbesondere der Lürssen-Werft, jedoch angepasst an die neuen militärischen Anforderungen der NATO im Kalten Krieg.

Insgesamt entstanden zwanzig Boote der Klasse 140. Sie bildeten zusammen mit der technisch sehr ähnlichen Klasse 141 die erste große Generation moderner Schnellboote der Bundesmarine. Während die Klasse 141 später als Seeadler-Klasse bezeichnet wurde, blieb die Klasse 140 als Jaguar-Klasse bekannt.

Aufgabe und Einsatzgedanke

Die Jaguar-Klasse war für den Einsatz in Nord- und Ostsee vorgesehen. In der NATO-Verteidigungsplanung hatten Schnellboote eine besondere Bedeutung, weil sie in küstennahen Gewässern, in der westlichen Ostsee, in den dänischen Meerengen und im Nordseeraum schnell, beweglich und schwer zu fassen waren.

Ihre Hauptaufgabe bestand darin, gegnerische Überwasserverbände, Nachschubkräfte und mögliche Landungsunternehmen mit hoher Geschwindigkeit anzugreifen. Dafür waren die Boote mit schweren Torpedos, Rohrwaffen und der Möglichkeit zum Minenlegen ausgerüstet. Sie sollten schnell anlaufen, zuschlagen und sich anschließend wieder lösen können.

Gerade in der engen Ostsee passte dieses Konzept zur damaligen Lage. Kleine, schnelle Boote mit hoher Feuerkraft konnten dort eine Wirkung entfalten, die weit über ihre Größe hinausging.

Bauweise und Besonderheiten

Die Jaguar-Klasse knüpfte an die bewährte deutsche Schnellboottradition an, war aber keine bloße Fortsetzung alter Entwürfe. Die Boote wurden für die Bundesmarine neu gebaut und auf die Anforderungen der Nachkriegszeit ausgerichtet.

Charakteristisch waren die schlanke Rumpfform, die hohe Geschwindigkeit und die für ein Boot dieser Größe starke Bewaffnung. Mit vier Dieselmotoren und vier Wellen erreichten die Boote Geschwindigkeiten von über 40 Knoten. Die Bewaffnung bestand im Kern aus vier schweren 533-mm-Torpedorohren und zwei 40-mm-Bofors-Geschützen.

Zusätzlich konnten die Boote Wasserbomben mitführen und Minen legen. Damit waren sie nicht nur reine Torpedoträger, sondern vielseitige Kampfeinheiten für den Einsatz im Küstenvorfeld, in der Ostsee und in der Nordsee.

Geschwader und Heimathäfen

Die zwanzig Boote der Klasse 140 wurden auf zwei Schnellbootgeschwader verteilt.

Das 3. Schnellbootgeschwader wurde in Flensburg-Mürwik aufgestellt und erhielt die ersten zehn Boote der Jaguar-Klasse. Dazu gehörten unter anderem Jaguar, Iltis, Wolf, Luchs, Leopard, Tiger, Panther, Löwe, Fuchs und Marder.

Das 5. Schnellbootgeschwader wurde in Neustadt in Holstein aufgestellt und ebenfalls mit zehn Booten der Klasse 140 ausgerüstet. Zu diesem Verband gehörten unter anderem Weihe, Kranich, Storch, Häher, Elster, Reiher, Pinguin, Dommel, Alk und Pelikan. Das Geschwader verlegte später nach Olpenitz.

Damit prägte die Klasse 140 über viele Jahre das Bild der Schnellbootwaffe in Flensburg-Mürwik, Neustadt und Olpenitz. Für viele Marinesoldaten wurden diese Standorte untrennbar mit der Schnellbootzeit der frühen Bundesmarine verbunden.

Ablösung und weiterer Verbleib

Ab den 1970er Jahren wurden die Boote der Jaguar-Klasse schrittweise durch modernere Flugkörperschnellboote ersetzt. Im 3. und 5. Schnellbootgeschwader traten vor allem die Boote der Tiger-Klasse 148 die Nachfolge an.

Ein Teil der Boote wurde nach der Außerdienststellung nicht sofort verschrottet, sondern an befreundete Marinen abgegeben oder anderweitig weiterverwendet. Besonders die Türkei übernahm mehrere Boote dieser Generation. Damit endete die deutsche Dienstzeit der Klasse 140, ihre Geschichte war damit aber noch nicht vollständig vorbei.

Technische Daten

Typ: Torpedo-Schnellboot, Klasse 140
Klassenname: Jaguar-Klasse
Einheiten: 20
Dienstzeit in der Bundesmarine: 1957 bis Mitte der 1970er Jahre
Länge: ca. 42,6 m
Breite: ca. 7,1 m
Tiefgang: ca. 2,1 m
Verdrängung: ca. 190 t
Antrieb: vier Dieselmotoren, vier Wellen
Geschwindigkeit: über 40 kn
Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung:

4 × 533-mm-Torpedorohre
2 × 40-mm-Bofors L/70
Wasserbomben
Minenlegefähigkeit

Von Kameraden für Kameraden

Die Jaguar-Klasse war für viele Marinesoldaten der Einstieg in die Welt der Schnellboote. Wer auf diesen Booten gefahren ist, erinnert sich nicht nur an technische Daten, sondern an das Leben an Bord: enge Räume, laute Maschinen, Gischt über dem Vorschiff, Nachtfahrten, Manöver, Seewache und Kameradschaft auf kleinstem Raum.

Diese Boote verlangten viel von ihren Besatzungen. Sie waren schnell, hart, nass und fordernd. Gerade deshalb haben sie bei vielen ehemaligen Schnellbootfahrern einen besonderen Platz in der Erinnerung behalten.

Namen wie Jaguar, Iltis, Wolf, Luchs, Leopard, Fuchs, Marder, Löwe, Weihe, Kranich, Storch, Häher, Elster, Reiher, Pinguin, Dommel, Tiger, Panther, Alk und Pelikan stehen bis heute für eine prägende Zeit der grauen Flotte.

Die Klasse 140 legte den Grundstein für die jahrzehntelange Geschichte der deutschen Schnellboote in der Bundesmarine. Sie steht für Geschwindigkeit, Seemannschaft, Mut und Kameradschaft – und für eine Generation von Booten, die viele Kameraden nie vergessen haben.