Kategorie: P6059 S1 Jaguar

Schnellboot S1 JAGUAR (P6059)

Geschichte

Die Jaguar (S1) war das Typschiff der Klasse 140 und gilt als das erste nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebaute Kriegsschiff der Bundesmarine. Mit ihrer Indienststellung am 16. November 1957 begann eine neue Ära der deutschen Schnellbootwaffe. Nach ihr erhielt die gesamte Klasse ihren Namen.

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Gebaut wurde die Jaguar auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack, deren Schnellbootkonstruktionen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg weltweit hohes Ansehen genossen. Die Erfahrungen aus dem Schnellbootbau wurden konsequent weiterentwickelt und an die Anforderungen der NATO im Kalten Krieg angepasst.

Die Jaguar gehörte während ihrer gesamten Dienstzeit dem 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg-Mürwik an. Von dort aus nahm sie an zahlreichen Ausbildungsfahrten, Flottenmanövern und NATO-Übungen in Nord- und Ostsee teil. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, im Ernstfall gegnerische Überwasserstreitkräfte und Landungsverbände mit hoher Geschwindigkeit anzugreifen.

Nach fast sechzehn Dienstjahren wurde die Jaguar am 22. Juni 1973 außer Dienst gestellt und durch die modernen Flugkörperschnellboote der Tiger-Klasse ersetzt.


Aufgabe und Besonderheiten

Als Typschiff ihrer Klasse prägte die Jaguar den Wiederaufbau der deutschen Schnellbootwaffe. Sie verband hohe Geschwindigkeit, große Reichweite und gute Seeeigenschaften mit einer für ihre Zeit schlagkräftigen Bewaffnung.

Zu ihren Aufgaben gehörten:

  • Bekämpfung gegnerischer Überwasserstreitkräfte
  • Sicherung der Ostseezugänge
  • Teilnahme an NATO-Manövern
  • Minenlegen
  • Ausbildungs- und Einsatzfahrten im Rahmen der Bündnisverteidigung

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 42 Knoten gehörte die Jaguar Ende der 1950er Jahre zu den schnellsten Kampfeinheiten der Bundesmarine.


Technische Daten

Klasse: 140 (Jaguar-Klasse)

Typ: Torpedo-Schnellboot

Kennung: S1 / P6059

Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack

Indienststellung: 16. November 1957

Außerdienststellung: 22. Juni 1973

Länge: 42,62 m

Breite: 7,10 m

Tiefgang: 2,10 m

Verdrängung: ca. 183 t (Standard)

Antrieb: 4 × Mercedes-Benz MB 518 B Dieselmotoren

Leistung: 12.000 PS

Geschwindigkeit: über 42 kn

Besatzung: 39 Soldaten

Bewaffnung:

  • 4 × 533-mm-Torpedorohre
  • 2 × 40-mm-Bofors L/70
  • Wasserbomben
  • Minenlegeeinrichtung anstelle der achteren Torpedorohre möglich

 


Geschwaderzugehörigkeit

  • 3. Schnellbootgeschwader, Flensburg-Mürwik (1957–1973)

Rufzeichen

Internationales Funkrufzeichen: DBYL.


Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde die Jaguar nicht an eine ausländische Marine abgegeben. Sie wurde an eine private Werft verkauft und zu einer Motoryacht umgebaut. Später erhielt sie den Namen „Lina III“. Weitere gesicherte Angaben über ihre spätere Geschichte liegen nicht vor.


Von Kameraden für Kameraden

Die Jaguar war mehr als nur das erste Boot ihrer Klasse. Mit ihr begann der Wiederaufbau der deutschen Schnellbootwaffe nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Schnellbootfahrer der ersten Generation sammelten auf ihr oder ihren Schwesterschiffen ihre Erfahrungen auf See.

Bis heute steht der Name Jaguar für den Neubeginn einer traditionsreichen Waffengattung der Bundesmarine. Für ihre Besatzungen war sie ein schnelles, zuverlässiges und anspruchsvolles Boot, auf dem Kameradschaft, Vertrauen und professionelles Können untrennbar zusammengehörten. Für viele ehemalige Besatzungsmitglieder bleibt die Jaguar deshalb ein Stück gelebter Marinegeschichte – von Kameraden für Kameraden.