Gebaut wurde die Jaguar auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack, deren Schnellbootkonstruktionen bereits vor dem Zweiten Weltkrieg weltweit hohes Ansehen genossen. Die Erfahrungen aus dem Schnellbootbau wurden konsequent weiterentwickelt und an die Anforderungen der NATO im Kalten Krieg angepasst.
Die Jaguar gehörte während ihrer gesamten Dienstzeit dem 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg-Mürwik an. Von dort aus nahm sie an zahlreichen Ausbildungsfahrten, Flottenmanövern und NATO-Übungen in Nord- und Ostsee teil. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, im Ernstfall gegnerische Überwasserstreitkräfte und Landungsverbände mit hoher Geschwindigkeit anzugreifen.
Nach fast sechzehn Dienstjahren wurde die Jaguar am 22. Juni 1973 außer Dienst gestellt und durch die modernen Flugkörperschnellboote der Tiger-Klasse ersetzt.
Aufgabe und Besonderheiten
Als Typschiff ihrer Klasse prägte die Jaguar den Wiederaufbau der deutschen Schnellbootwaffe. Sie verband hohe Geschwindigkeit, große Reichweite und gute Seeeigenschaften mit einer für ihre Zeit schlagkräftigen Bewaffnung.
Zu ihren Aufgaben gehörten:
- Bekämpfung gegnerischer Überwasserstreitkräfte
- Sicherung der Ostseezugänge
- Teilnahme an NATO-Manövern
- Minenlegen
- Ausbildungs- und Einsatzfahrten im Rahmen der Bündnisverteidigung
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 42 Knoten gehörte die Jaguar Ende der 1950er Jahre zu den schnellsten Kampfeinheiten der Bundesmarine.
Technische Daten
Klasse: 140 (Jaguar-Klasse)
Typ: Torpedo-Schnellboot
Kennung: S1 / P6059
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 16. November 1957
Außerdienststellung: 22. Juni 1973
Länge: 42,62 m
Breite: 7,10 m
Tiefgang: 2,10 m
Verdrängung: ca. 183 t (Standard)
Antrieb: 4 × Mercedes-Benz MB 518 B Dieselmotoren
Leistung: 12.000 PS
Geschwindigkeit: über 42 kn
Besatzung: 39 Soldaten
Bewaffnung:
- 4 × 533-mm-Torpedorohre
- 2 × 40-mm-Bofors L/70
- Wasserbomben
- Minenlegeeinrichtung anstelle der achteren Torpedorohre möglich
Geschwaderzugehörigkeit
-
3. Schnellbootgeschwader, Flensburg-Mürwik (1957–1973)
Rufzeichen
Internationales Funkrufzeichen: DBYL.
Verbleib
Nach der Außerdienststellung wurde die Jaguar nicht an eine ausländische Marine abgegeben. Sie wurde an eine private Werft verkauft und zu einer Motoryacht umgebaut. Später erhielt sie den Namen „Lina III“. Weitere gesicherte Angaben über ihre spätere Geschichte liegen nicht vor.
Von Kameraden für Kameraden
Die Jaguar war mehr als nur das erste Boot ihrer Klasse. Mit ihr begann der Wiederaufbau der deutschen Schnellbootwaffe nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele Schnellbootfahrer der ersten Generation sammelten auf ihr oder ihren Schwesterschiffen ihre Erfahrungen auf See.
Bis heute steht der Name Jaguar für den Neubeginn einer traditionsreichen Waffengattung der Bundesmarine. Für ihre Besatzungen war sie ein schnelles, zuverlässiges und anspruchsvolles Boot, auf dem Kameradschaft, Vertrauen und professionelles Können untrennbar zusammengehörten. Für viele ehemalige Besatzungsmitglieder bleibt die Jaguar deshalb ein Stück gelebter Marinegeschichte – von Kameraden für Kameraden. ⚓