Kategorie: Lüneburg-Klasse – Troßschiffe der Klasse 701
Lüneburg-Klasse – Troßschiffe der Klasse 701
Die acht Troßschiffe der Lüneburg-Klasse bildeten über mehrere Jahrzehnte einen wichtigen Bestandteil der schwimmenden Logistik der Bundesmarine und später der Deutschen Marine. Sie wurden speziell dafür entwickelt, Schiffe und Boote während längerer Unternehmungen mit Betriebsstoffen, Munition, Verpflegung, Ersatzteilen, Frischwasser und weiteren Versorgungsgütern zu beliefern.
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Der offizielle Typ lautete Kleiner Versorger der Klasse 701. Im Sprachgebrauch der Marine und ihrer Besatzungen waren die Einheiten jedoch vor allem als Troßschiffe bekannt. Das Typschiff LÜNEBURG wurde am 31. Januar 1966 in Dienst gestellt. Bis 1968 folgten die sieben Schwesterschiffe.
Zur Lüneburg-Klasse gehörten:
A 1411 LÜNEBURG
A 1412 COBURG
A 1413 FREIBURG
A 1414 GLÜCKSBURG
A 1415 SAARBURG
A 1416 NIENBURG
A 1417 OFFENBURG
A 1418 MEERSBURG
Alle acht Schiffe trugen Namen deutscher Städte, die auf „-burg“ endeten.
Entstehung und Bau der Klasse
Mit dem Aufbau der Bundesmarine entstand der Bedarf nach einer geschlossenen schwimmenden Versorgungsorganisation. Die neuen Flottenverbände sollten auch außerhalb ihrer Heimatstützpunkte über längere Zeit einsatzfähig bleiben. Hierfür wurden Troßschiffe benötigt, die kleinere und mittlere Kampfeinheiten unmittelbar im Operationsgebiet versorgen konnten.
Die Planungen für die Klasse 701 gingen aus dem Schiffbauprogramm der frühen 1960er-Jahre hervor. Ursprünglich waren neben den kleinen Versorgern auch größere Versorgungsschiffe für Zerstörer und Fregatten vorgesehen. Diese größeren Einheiten wurden jedoch nicht gebaut. Die Versorgung dieser Schiffe wurde später vor allem durch Tanker und Tender sowie durch die Nutzung verbündeter Logistikstrukturen sichergestellt.
Die acht Troßschiffe entstanden auf mehreren deutschen Werften. Dadurch bestanden bereits bei der Ablieferung gewisse Unterschiede in Ausrüstung und Bauausführung. Hinzu kamen spätere Umbauten, sodass die Schiffe während ihrer langen Dienstzeit nicht durchgehend baugleich waren.
Das Typschiff LÜNEBURG wurde beim Bremer Vulkan gebaut. Weitere Einheiten entstanden unter anderem bei Blohm + Voss, der AG Weser, den Nordseewerken und den Howaldtswerken. Die Indienststellungen erfolgten zwischen 1966 und 1968.
Auftrag der Troßschiffe
Die Troßschiffe waren schwimmende Versorgungsdepots. Ihre Aufgabe bestand darin, die Einsatzbereitschaft von Marineverbänden fernab ihrer Stützpunkte aufrechtzuerhalten. Sie konnten eine große Vielfalt an Versorgungsgütern mitführen und entsprechend dem Bedarf der zu betreuenden Einheiten zusammenstellen.
An Bord befanden sich unter anderem:
- Dieselkraftstoff
- Frischwasser
- Munition
- Lebensmittel und Kühlgut
- Ersatzteile und technische Verbrauchsgüter
- Bekleidung und Ausrüstung
- Sanitätsmaterial
- Farben, Schmierstoffe und allgemeiner Bordbedarf
Zeitgenössische Unterlagen beschrieben die LÜNEBURG sinngemäß als ein schwimmendes Warenhaus. Allein das Typschiff konnte etwa 10.000 unterschiedliche Artikel mitführen. Hinzu kamen rund 760 Kubikmeter Dieselkraftstoff, 130 Kubikmeter Frischwasser und ungefähr 200 Tonnen verschiedener Munitionsarten. Eine eigene Anlage konnte zusätzlich täglich Frischwasser aus Seewasser erzeugen.
Die Zusammensetzung der Ladung richtete sich nach den jeweils zu versorgenden Verbänden. Die Troßschiffe konnten deshalb für bestimmte Bootsklassen oder Geschwader gezielt mit Ersatzteilen, Munition und Verbrauchsgütern ausgestattet werden.
Versorgung auf See
Ein wesentlicher Bestandteil des Auftrags war die Versorgung anderer Einheiten während der Fahrt. Kraftstoff und Frischwasser konnten über Schlauchverbindungen abgegeben werden. Stückgut, Ersatzteile, Proviant und Munition wurden mithilfe von Ladegeschirr, Kränen und Versorgungsstationen übergeben.
Je nach Schiffstyp und Seegang erfolgte die Versorgung:
- querab während gemeinsamer Fahrt
- längsseits
- vor Anker
- im Hafen
- über besondere Heck- und Schleppverfahren
Die Troßschiffe mussten dabei Geschwindigkeit und Kurs sehr genau halten. Schon geringe Abweichungen konnten die Schlauchverbindungen oder die zwischen den Schiffen gespannten Versorgungseinrichtungen stark belasten. Die Manöver verlangten deshalb von den Brückenbesatzungen, Decksmannschaften, Maschinisten und Versorgungsdiensten ein eng abgestimmtes Zusammenwirken.
Besonders wichtig waren die Troßschiffe für Schnellboot-, Minensuch-, Minenjagd- und U-Boot-Verbände. Gerade kleinere Boote verfügten nur über begrenzte Vorräte und waren deshalb bei längeren Übungen und Unternehmungen auf eine regelmäßige Versorgung angewiesen.
Technische Grunddaten
In ihrer ursprünglichen Ausführung waren die Schiffe rund 104 Meter lang, etwa 13,2 Meter breit und hatten einen Tiefgang von ungefähr 4,3 Metern. Das Typschiff LÜNEBURG besaß eine Verdrängung von rund 3.483 Tonnen und eine Tragfähigkeit von etwa 1.100 Tonnen.
Der Antrieb bestand aus zwei Maybach-Dieselmotoren mit jeweils rund 2.800 PS. Diese wirkten über zwei Wellen auf Verstellpropeller. Die Höchstgeschwindigkeit lag je nach Bau- und Betriebszustand bei ungefähr 16 bis 17 Knoten. Ein Bugstrahlruder unterstützte die Schiffe bei Hafenmanövern und beim präzisen Positionieren während der Versorgung.
Die Friedensbesatzung des Typschiffs LÜNEBURG wurde zeitgenössisch mit 71 Mann angegeben. Die tatsächliche Besatzungsstärke konnte sich jedoch abhängig vom Umbauzustand, der Verwendung und dem jeweiligen Auftrag unterscheiden.
Zur ursprünglichen Bewaffnung gehörten zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten. Sie dienten hauptsächlich dem Eigenschutz gegen Luft- und kleinere Seeziele. Im Verlauf der Dienstzeit kamen auf einzelnen Schiffen zusätzliche Schutz- und Täuschmittel hinzu.
Varianten und Umbauten
Die Lüneburg-Klasse wurde zunächst in die Ausführungen 701A und 701B unterteilt. Die COBURG bildete als einzige Einheit die Variante 701B, da sie neben Dieselkraftstoff auch Schweröl für entsprechend ausgerüstete Schiffe mitführen konnte.
Die zunehmenden Versorgungsanforderungen der Flotte führten später zu umfangreichen Umbauten. Zwischen 1975 und 1984 wurden fünf Schiffe verändert und anschließend als Varianten 701C, 701D oder 701E geführt.
COBURG, GLÜCKSBURG, SAARBURG und MEERSBURG erhielten eine zusätzliche, etwa 10,5 Meter lange Rumpfsektion. Dadurch vergrößerten sich die Lager- und Transportkapazitäten. Die Schiffe erreichten nach dem Umbau eine Länge von ungefähr 118 Metern.
Auch die FREIBURG wurde umfassend umgebaut und später als verlängerte und leistungsgesteigerte Einheit der Klasse geführt. Die Umbauten unterschieden sich jedoch im Einzelnen, weshalb technische Daten wie Länge, Verdrängung, Besatzungsstärke und Ladekapazität für jedes Troßschiff gesondert betrachtet werden müssen.
LÜNEBURG, NIENBURG und OFFENBURG behielten weitgehend ihre ursprüngliche Rumpflänge.
Verbandszugehörigkeit und Stationierung
Zu Beginn ihrer Dienstzeit wurden die Troßschiffe den beiden Versorgungsgeschwadern der Bundesmarine zugeteilt. Die im Ostseebereich eingesetzten Schiffe gehörten zum 1. Versorgungsgeschwader, während das 2. Versorgungsgeschwader die entsprechenden Aufgaben im Nordseebereich übernahm.
Die Verbände unterstanden zunächst dem Kommando der Troßschiffe. Zum 1. Januar 1967 wurde dieses in Versorgungsflottille umbenannt. Der Sitz der Flottille befand sich zunächst in Cuxhaven. Das 1. Versorgungsgeschwader war in Kiel beheimatet, das 2. Versorgungsgeschwader zunächst in Brake und später in Wilhelmshaven.
Die einzelnen Troßschiffe waren je nach Zeitabschnitt unter anderem in Flensburg, Kiel, Olpenitz und Wilhelmshaven stationiert. Durch Umgliederungen, Auflösungen und Neuaufstellungen änderten sich die Unterstellungsverhältnisse während der jahrzehntelangen Dienstzeit mehrfach. Diese Entwicklung wird deshalb in den Einzelbeschreibungen der jeweiligen Schiffe chronologisch dargestellt.
Dienst bei der Bundesmarine und Deutschen Marine
Die Troßschiffe begleiteten die ihnen zugeordneten Geschwader bei Übungen, Ausbildungsreisen und längeren Unternehmungen. Sie stellten die Versorgung in Nord- und Ostsee, im Atlantik, im Mittelmeer sowie bei Auslandsreisen sicher.
Ihre Arbeit erfolgte meist außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Dennoch waren sie für die Einsatzbereitschaft der Flotte unverzichtbar. Ohne die regelmäßige Versorgung mit Kraftstoff, Wasser, Munition, Lebensmitteln und Ersatzteilen hätten viele kleinere Einheiten ihre Aufträge nur für deutlich kürzere Zeit erfüllen können.
Nach der Wiedervereinigung wurden mehrere Schiffe in die Deutsche Marine übernommen. Trotz ihres inzwischen hohen Alters blieben einzelne Einheiten noch viele Jahre im Dienst. Die FREIBURG wurde erst 2003, die MEERSBURG als letztes Schiff der Klasse am 22. Dezember 2004 außer Dienst gestellt. Damit umfasste die Geschichte der Lüneburg-Klasse nahezu vier Jahrzehnte.
Die acht Troßschiffe
A 1411 LÜNEBURG war das Typschiff der Klasse und stand von 1966 bis 1994 im Dienst. Anschließend wurde es an Kolumbien abgegeben und dort als CARTAGENA DE INDIAS weiterverwendet.
A 1412 COBURG war ursprünglich für den Transport von Dieselkraftstoff und Schweröl ausgerüstet. Nach ihrer Außerdienststellung 1991 wurde sie von Griechenland übernommen und erhielt den Namen AXIOS.
A 1413 FREIBURG blieb bis 2003 im Dienst der Deutschen Marine. Danach ging sie an Uruguay und fuhr dort als GENERAL ARTIGAS.
A 1414 GLÜCKSBURG wurde 2001 außer Dienst gestellt und anschließend an Ägypten abgegeben, wo sie als SHALATEIN weiterverwendet wurde.
A 1415 SAARBURG schied 1994 aus dem Dienst aus und wurde von der griechischen Marine als ALIAKMON übernommen.
A 1416 NIENBURG wurde 1998 außer Dienst gestellt. In Kolumbien diente sie anschließend unter dem Namen BUENAVENTURA.
A 1417 OFFENBURG wurde 1993 außer Dienst gestellt und später zum Abbruch nach Spanien verkauft.
A 1418 MEERSBURG blieb als letzte Einheit der Lüneburg-Klasse bis Dezember 2004 im Dienst.
Bedeutung der Lüneburg-Klasse
Die Troßschiffe der Lüneburg-Klasse waren echte Arbeitspferde der grauen Flotte. Sie standen selten im Mittelpunkt, waren jedoch überall dort gefragt, wo Marineverbände über längere Zeit unabhängig von ihren Heimatstützpunkten operieren mussten.
Ihre Vielseitigkeit unterschied sie von reinen Tankern oder Munitionstransportern. Sie vereinten zahlreiche logistische Aufgaben auf einer vergleichsweise kompakten Plattform und konnten sehr unterschiedliche Einheiten versorgen. Dabei waren sie Materiallager, Tankstelle, Munitionsdepot, Kühlhaus, Ersatzteillager und schwimmender Versorgungsstützpunkt zugleich.
Die lange Dienstzeit und die teilweise jahrzehntelange Weiterverwendung bei ausländischen Marinen zeigen, wie robust und zweckmäßig diese Schiffe konstruiert waren.
Kameraden für Kameraden
Für die Männer, die auf LÜNEBURG, COBURG, FREIBURG, GLÜCKSBURG, SAARBURG, NIENBURG, OFFENBURG oder MEERSBURG ihren Dienst versahen, waren die Troßschiffe weit mehr als schwimmende Warenlager.
Versorgungsmanöver bei Wind und Seegang, lange Stunden beim Laden und Löschen, das Verstauen zahlloser Artikel, Maschinenwachen, Auslandsreisen und das enge Zusammenleben an Bord prägten den Alltag. Hinter jeder erfolgreichen Versorgung standen Kameraden, die oftmals unter schwierigen Bedingungen dafür sorgten, dass andere Schiffe und Boote ihren Auftrag fortsetzen konnten.
Die Produkte zur Lüneburg-Klasse erinnern an acht zuverlässige Troßschiffe der Bundesmarine und Deutschen Marine – und vor allem an die Kameraden, die auf ihnen gefahren sind.
Lüneburg-Klasse – Troßschiffe der Klasse 701
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