Kategorie: Troßschiff A1413 FREIBURG

A 1413 FREIBURG – Troßschiff der Lüneburg-Klasse

Das Troßschiff A 1413 FREIBURG war die dritte Einheit der Lüneburg-Klasse, Klasse 701. Mit einer Dienstzeit von mehr als 35 Jahren gehörte es zu den am längsten unter deutscher Flagge eingesetzten Schiffen seiner Klasse.

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Die FREIBURG versorgte Schiffe und Boote der Bundesmarine und später der Deutschen Marine mit Kraftstoff, Frischwasser, Munition, Proviant, Ersatzteilen und weiteren Versorgungsgütern. Durch einen umfangreichen Umbau und die Verlängerung des Rumpfes wurde sie an die gestiegenen logistischen Anforderungen der Flotte angepasst.

Nach ihrer Außerdienststellung übernahm die uruguayische Marine das Schiff. Unter dem Namen GENERAL ARTIGAS begann für die ehemalige FREIBURG eine zweite außergewöhnlich lange Laufbahn, die bis heute andauert.

Bau und Indienststellung

Die FREIBURG wurde bei Blohm + Voss in Hamburg unter der Baunummer 843 gebaut. Teile des Schiffes entstanden bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft. Der Stapellauf erfolgte am 15. April 1966.

Am 27. Mai 1968 wurde das Troßschiff mit der Kennung A 1413 für das 2. Versorgungsgeschwader in Dienst gestellt. Das ursprüngliche internationale Rufzeichen lautete DSFP.

Am selben Tag wurde bei Blohm + Voss auch das Schwesterschiff A 1417 OFFENBURG in Dienst gestellt. Beide Schiffe lagen während der Zeremonie Heck an Heck an der Werftpier.

Stationierung in Cuxhaven und Wilhelmshaven

Nach der Indienststellung wurde die FREIBURG zunächst im Marinestützpunkt Cuxhaven stationiert. Dort machte sie am 29. Mai 1968 erstmals fest.

Obwohl das Schiff zum 2. Versorgungsgeschwader in Wilhelmshaven gehörte, blieb Cuxhaven zunächst sein Liegeplatz. Am 30. September 1969 wechselte die FREIBURG in den Marinestützpunkt Heppenser Groden nach Wilhelmshaven, der danach ihr dauerhafter Heimathafen wurde.

Von Wilhelmshaven aus unterstützte sie Marineverbände bei Übungen, Ausbildungsreisen und längeren Unternehmungen in Nord- und Ostsee, im Atlantik und im Mittelmeer.

Auftrag als Troßschiff

Die FREIBURG war ein schwimmender Versorgungsstützpunkt. Ihre Aufgabe bestand darin, andere Marineeinheiten auch fernab ihrer Heimatstützpunkte einsatzfähig zu halten.

Sie konnte unter anderem folgende Versorgungsgüter transportieren und abgeben:

  • Dieselkraftstoff,

  • Frischwasser,

  • Munition,

  • Torpedos und später auch Flugkörper,

  • Lebensmittel und Kühlgut,

  • Ersatzteile,

  • technische Verbrauchsgüter,

  • Bekleidung und allgemeinen Bordbedarf.

Die Zusammenstellung der Ladung richtete sich nach den jeweils zu unterstützenden Verbänden. Dadurch konnte das Schiff gezielt mit den Ersatzteilen, Betriebsstoffen und Munitionsarten ausgerüstet werden, die von den begleiteten Einheiten benötigt wurden.

Versorgung auf See

Die Versorgung erfolgte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See.

Kraftstoff und Frischwasser wurden über Schlauchverbindungen übergeben. Munition, Proviant, Ersatzteile und anderes Stückgut konnten mithilfe von Kränen, Ladegeschirr und Versorgungsstationen zwischen den Schiffen bewegt werden.

Bei einem Versorgungsmanöver auf See mussten Troßschiff und Empfänger Kurs und Geschwindigkeit genau aufeinander abstimmen. Während zwischen den Schiffen Schläuche, Leinen und Ladegeschirr ausgebracht waren, arbeiteten Brückenbesatzung, Maschine, Decksdienst und Versorgungsbereiche eng zusammen.

Die FREIBURG stand damit für jene Arbeit, die außerhalb der Marine nur selten wahrgenommen wurde, für die Einsatzfähigkeit der Flotte jedoch unverzichtbar war.

Neues Rufzeichen

Im Zuge einer umfangreichen Neuordnung der internationalen Rufzeichen innerhalb der NATO erhielt die FREIBURG 1981 ein neues Rufzeichen.

Das bisherige Rufzeichen DSFP wurde durch DRKC ersetzt.

Umbau und Verlängerung

Die Einführung neuer Schiffe und Waffensysteme stellte höhere Anforderungen an die Troßschiffe der Klasse 701. Besonders die Versorgung moderner Fregatten erforderte zusätzliche Lagerkapazitäten für Munition, Torpedos, Flugkörper und Ersatzteile.

Die FREIBURG wurde deshalb von 1983 bis 1984 bei den Motorenwerken Bremerhaven umfassend umgebaut. Dabei wurde der Rumpf um etwa 14,5 Meter verlängert. Zusätzlich erhielt das Schiff ein Hubschrauberlandedeck.

Nach dem Umbau wurde die FREIBURG als Klasse 701E geführt. Mit einer Länge von rund 118,75 Metern war sie deutlich größer als die nicht verlängerten Einheiten der Lüneburg-Klasse.

Die neue Rumpfsektion vergrößerte die Lager- und Transportkapazitäten. Das Hubschrauberlandedeck ermöglichte zudem die Übergabe von Personal und Material auf dem Luftweg. Ein Hangar für die dauerhafte Einschiffung eines Bordhubschraubers war jedoch nicht vorhanden.

Die umgebaute FREIBURG war insbesondere auf die logistische Unterstützung der Fregatten der Bremen-Klasse, Klasse 122, ausgerichtet.

Technische Daten nach dem Umbau

Kennung: A 1413
Name: FREIBURG
Klasse: zunächst 701A, nach Umbau 701E
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Länge nach dem Umbau: etwa 118,75 Meter
Breite: etwa 13,23 Meter
Tiefgang: ungefähr 4,2 Meter
Verdrängung: etwa 3.984 Tonnen
Antrieb: zwei Maybach-Dieselmotoren
Anzahl der Wellen: zwei
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Besatzung: rund 99 Soldaten
Rufzeichen: zunächst DSFP, später DRKC.

Zur Bewaffnung gehörten ursprünglich zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten. Hinzu kamen im Laufe der Dienstzeit Täuschkörperanlagen und tragbare Flugabwehrwaffen zum Eigenschutz. Das Schiff verfügte außerdem über eine begrenzte Minenwurfkapazität.

Lange Dienstzeit in Wilhelmshaven

Die FREIBURG blieb während des größten Teils ihrer Laufbahn dem Standort Wilhelmshaven verbunden. Dort gehörte sie über Jahrzehnte zu den vertrauten Einheiten des Marinestützpunktes.

Nach der Auflösung und Umgliederung der ursprünglichen Versorgungsgeschwader änderten sich ihre Unterstellungsverhältnisse. Ihr Auftrag blieb jedoch bestehen: die logistische Unterstützung von Flottenverbänden.

Nach der Wiedervereinigung wurde das Schiff in die Deutsche Marine übernommen. Trotz seines hohen Alters blieb es auch nach der Jahrtausendwende im Dienst.

Insgesamt wurde die FREIBURG während ihrer deutschen Dienstzeit von 13 Kommandanten geführt. Die übliche Besatzung bestand nach dem Umbau aus etwa 99 Soldaten, darunter sieben Offiziere, elf Portepee-Unteroffiziere, 26 Unteroffiziere und 55 Mannschaftsdienstgrade.

Patenschaft mit der Stadt Freiburg

Zwischen dem Troßschiff und der Stadt Freiburg im Breisgau bestand eine über Jahrzehnte gepflegte Patenschaft.

Die Stadt lud regelmäßig Besatzungsangehörige zu Besuchen in die Patenstadt ein. Umgekehrt reisten Delegationen aus Freiburg zum Troßschiff nach Wilhelmshaven. Dabei entstanden zahlreiche persönliche Verbindungen zwischen Besatzungsmitgliedern, Bürgern und offiziellen Vertretern der Stadt.

Die Patenschaft überdauerte die gesamte deutsche Dienstzeit des Schiffes. Auch nach der Außerdienststellung blieb die Erinnerung an A 1413 FREIBURG in der Patenstadt und bei den ehemaligen Besatzungsangehörigen erhalten.

Außerdienststellung

Nach mehr als 35 Dienstjahren wurde A 1413 FREIBURG am 17. Dezember 2003 im Marinearsenal Wilhelmshaven außer Dienst gestellt.

Die Außerdienststellungszeremonie begann um 10 Uhr. Letzter Kommandant des Troßschiffes war Korvettenkapitän Martin Waldmann.

Damit endete eine der längsten deutschen Dienstzeiten innerhalb der Lüneburg-Klasse. Lediglich die MEERSBURG blieb noch etwa ein weiteres Jahr im Dienst.

Übergabe an Uruguay

Nach der Außerdienststellung wurde die ehemalige FREIBURG an Uruguay verkauft.

Am 6. April 2005 wurde das Schiff im Marinestützpunkt Wilhelmshaven für die uruguayische Marine in Dienst gestellt. Es erhielt den Namen ROU 04 GENERAL ARTIGAS. Der Name erinnert an José Gervasio Artigas, den Nationalhelden Uruguays.

Unter uruguayischer Flagge wurde das Schiff weiterhin als Troß-, Transport- und Unterstützungsschiff verwendet. Das vorhandene Hubschrauberlandedeck erweiterte seine Einsatzmöglichkeiten.

Dienst als GENERAL ARTIGAS

Die GENERAL ARTIGAS entwickelte sich zu einer der wichtigsten logistischen Einheiten der uruguayischen Marine. Sie wurde für die Versorgung anderer Schiffe, den Transport von Material und Personal, humanitäre Aufgaben und längere Seereisen eingesetzt.

Besondere Bedeutung erhielt das Schiff bei den uruguayischen Antarktisunternehmungen. Dabei transportierte es Personal, Treibstoff, Ausrüstung und Versorgungsgüter für die uruguayischen Einrichtungen in der Antarktis.

Die robuste Konstruktion und der umfangreiche deutsche Umbau ermöglichten es, das bereits in den 1960er-Jahren gebaute Schiff auch im 21. Jahrhundert weiter einzusetzen.

Modernisierung in Uruguay

Um die weitere Nutzung des Schiffes zu sichern, begann Uruguay 2022 mit einer umfangreichen Modernisierung. Dabei wurden unter anderem die alten Maybach-Dieselmotoren durch moderne Motoren des Typs Caterpillar 3516C ersetzt.

Die Arbeiten hatten nach veröffentlichten Angaben einen Wert von etwa 6,5 Millionen US-Dollar. Nach Abschluss der Modernisierung nahm die GENERAL ARTIGAS ihre Aufgaben wieder auf.

Im Januar 2024 lief das Schiff erneut zu einer uruguayischen Antarktiskampagne aus.

Auch Aufnahmen vom Mai 2026 zeigen die GENERAL ARTIGAS weiterhin im Fahrbetrieb vor der Mündung des Río de la Plata. Die ehemalige FREIBURG steht damit nach derzeitiger Quellenlage noch immer im aktiven Dienst der uruguayischen Marine.

Verbleib

Die ehemalige A 1413 FREIBURG ist als ROU 04 GENERAL ARTIGAS weiterhin erhalten und aktiv.

Das Schiff hat inzwischen eine militärische Gesamtdienstzeit von mehr als 58 Jahren erreicht. Damit gehört es nicht nur zu den langlebigsten Einheiten der Lüneburg-Klasse, sondern zu den ältesten noch verwendeten größeren Versorgungsschiffen weltweit.

Seine lange Laufbahn unter deutscher und uruguayischer Flagge zeigt die außergewöhnlich robuste und anpassungsfähige Konstruktion der Klasse 701.

Kameraden für Kameraden

Die FREIBURG war mehr als 35 Jahre lang ein fester Bestandteil der schwimmenden Logistik der Bundesmarine und Deutschen Marine.

Ihre Besatzungen sorgten dafür, dass andere Schiffe und Boote Kraftstoff, Munition, Proviant, Wasser und Ersatzteile erhielten. Sie arbeiteten in den Laderäumen, an den Versorgungsstationen, auf der Brücke und in der Maschine – häufig unter Bedingungen, bei denen Genauigkeit, Erfahrung und gegenseitiges Vertrauen entscheidend waren.

Der Umbau zum verlängerten Troßschiff, die enge Verbindung zur Patenstadt Freiburg und die außergewöhnlich lange zweite Laufbahn als GENERAL ARTIGAS machen A 1413 zu einer besonderen Einheit der Lüneburg-Klasse.

Die Produkte zur A 1413 FREIBURG erinnern an das Troßschiff, an seine jahrzehntelange Zugehörigkeit zu Wilhelmshaven und an alle Kameraden, die auf ihm ihren Dienst versahen.