Kategorie: Troßschiff A1416 NIENBURG

A 1416 NIENBURG – Troßschiff der Lüneburg-Klasse

Das Troßschiff A 1416 NIENBURG war die sechste Einheit der Lüneburg-Klasse, Klasse 701. Fast 30 Jahre lang versorgte es Schiffe und Boote der Bundesmarine und später der Deutschen Marine mit Kraftstoff, Frischwasser, Munition, Proviant, Ersatzteilen und weiteren Versorgungsgütern.

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Anders als mehrere Schwesterschiffe wurde die NIENBURG während ihrer deutschen Dienstzeit nicht verlängert. Sie behielt weitgehend die ursprüngliche Rumpfform der Klasse 701A und war zuletzt fest in die logistische Unterstützung der Minenstreitkräfte eingebunden.

Nach ihrer Außerdienststellung wurde sie von der kolumbianischen Marine übernommen und unter dem Namen ARC BUENAVENTURA weiterverwendet.

Bau und Indienststellung

Die NIENBURG gehörte zu den acht zwischen 1966 und 1968 in Dienst gestellten Kleinen Versorgern der Lüneburg-Klasse. Ihr Stapellauf erfolgte am 28. Juli 1966. Am 25. Juni 1968 wurde das Troßschiff mit der Kennung A 1416 in Dienst gestellt.

Das internationale Rufzeichen lautete später DRKF.

Namensgeberin war die niedersächsische Stadt Nienburg an der Weser. Das Stadtwappen wurde am Bug des Troßschiffes geführt und machte die Verbindung zwischen Schiff, Besatzung und Patenstadt sichtbar.

Auftrag als Troßschiff

Die NIENBURG diente als schwimmender Versorgungsstützpunkt für Marineverbände. Sie führte die Betriebsstoffe und Materialien mit, die andere Schiffe und Boote für längere Übungen und Unternehmungen benötigten.

Zu den transportierten Gütern gehörten unter anderem:

  • Dieselkraftstoff,

  • Frischwasser,

  • Munition,

  • Proviant und Kühlgut,

  • Ersatzteile,

  • technische Verbrauchsgüter,

  • Bekleidung und allgemeiner Bordbedarf.

Die Troßschiffe der Klasse 701 konnten insgesamt bis zu etwa 1.100 Tonnen Versorgungsgüter, 1.200 Kubikmeter Brennstoff, 200 Kubikmeter Frischwasser und 400 Tonnen Munition mitführen. Die tatsächliche Beladung wurde jeweils an den Bedarf der zu unterstützenden Verbände angepasst.

Versorgung auf See

Die NIENBURG konnte andere Einheiten im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt versorgen.

Kraftstoff und Frischwasser wurden über Schlauchverbindungen abgegeben. Munition, Proviant, Ersatzteile und sonstiges Stückgut konnten mithilfe der bordeigenen Ladeeinrichtungen und Kräne übergeben werden.

Bei Versorgungsmanövern auf See mussten Troßschiff und Empfänger über längere Zeit einen genau abgestimmten Kurs und eine konstante Geschwindigkeit halten. Während Schläuche, Leinen und Ladegeschirr zwischen den Schiffen ausgebracht waren, arbeiteten Brücke, Maschine, Decksdienst und Versorgungsbereiche eng zusammen.

Eine zeitgenössische Filmreportage aus dem Jahr 1976 dokumentierte ein solches Versorgungsmanöver der NIENBURG mit einem Marineverband und vermittelte einen Eindruck von der anspruchsvollen Arbeit an Bord.

Dienst in Wilhelmshaven

Die NIENBURG war in Wilhelmshaven stationiert. Sie gehörte zunächst zur Versorgungsorganisation der Bundesmarine und unterstützte von dort aus Verbände in der Nordsee, der Ostsee und bei längeren Unternehmungen.

Auch größere Einheiten wurden bei Übungen von der NIENBURG versorgt. Für das Jahr 1976 ist beispielsweise ein Versorgungs- und Ausbildungsabschnitt mit der Fregatte EMDEN dokumentiert.

Die Aufgabe der NIENBURG beschränkte sich jedoch nicht auf die Versorgung während der Fahrt. Als schwimmendes Lager führte sie auch zahlreiche speziell auf die unterstützten Einheiten abgestimmte Ersatzteile, Munitionsarten und Verbrauchsgüter mit.

Wechsel zu den Minenstreitkräften

In den späteren Jahren ihrer deutschen Dienstzeit erhielt die NIENBURG eine besonders enge Verbindung zu den Minenstreitkräften.

Anfang der 1990er-Jahre wechselte sie aus der bisherigen Versorgungsorganisation zur Flottille der Minenstreitkräfte. Zuletzt wurde sie dem 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven zugeordnet.

Damit war das Troßschiff unmittelbar für die logistische Unterstützung von Minensuch- und Minenjagdbooten vorgesehen. Diese vergleichsweise kleinen Einheiten verfügten nur über begrenzte eigene Vorräte und waren bei längeren Übungen und Unternehmungen auf regelmäßige Versorgung angewiesen.

Die NIENBURG führte die für die Boote benötigten Betriebsstoffe, Munition, Ersatzteile und Versorgungsgüter mit und trug dazu bei, dass die Minenabwehrverbände länger außerhalb ihrer Heimatstützpunkte operieren konnten.

Technische Daten

Die NIENBURG blieb eine Einheit der ursprünglichen Klasse 701A und wurde nicht wie mehrere ihrer Schwesterschiffe durch eine zusätzliche Rumpfsektion verlängert.

Kennung: A 1416
Name: NIENBURG
Klasse: 701A
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Länge: etwa 104 Meter
Breite: etwa 13,23 Meter
Tiefgang: ungefähr 4,2 Meter
Antrieb: zwei Maybach-Viertakt-Dieselmotoren
Leistung: jeweils rund 2.800 PS
Anzahl der Wellen: zwei
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Besatzung: je nach Zeitabschnitt ungefähr 70 bis 82 Soldaten
Rufzeichen: DRKF.

Zur ursprünglichen Bewaffnung gehörten zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten. Später kamen auf den Schiffen der Klasse zusätzliche Schutz- und Täuschmittel hinzu.

Patenschaft mit der Stadt Nienburg

Zwischen dem Troßschiff und der Stadt Nienburg bestand eine enge und über Jahrzehnte gepflegte Patenschaft.

Die Verbindung wurde gemeinsam von der Stadt, der Marinekameradschaft und später auch der Reservistenkameradschaft Marine Nienburg unterstützt. Bis zur Außerdienststellung im Jahr 1998 wurde die Patenschaft durch gegenseitige Besuche und persönliche Kontakte aktiv gelebt.

Ein besonderer Höhepunkt war die Feier zum 25-jährigen Bestehen des Troßschiffes am 28. August 1993 im Gorch-Fock-Haus in Wilhelmshaven. Zahlreiche Gäste aus der Patenstadt nahmen daran teil. Das Nienburger Stadtwappen am Bug und der Name des Schiffes trugen die Verbindung zur Stadt über viele Jahre in zahlreiche Häfen und Seegebiete.

Außerdienststellung

Nach nahezu 30 Dienstjahren wurde A 1416 NIENBURG am 26. März 1998 außer Dienst gestellt.

Damit endete ihre Laufbahn in der Deutschen Marine. Das Schiff wurde jedoch nicht verschrottet, sondern gemeinsam mit dem ehemaligen Schwesterschiff LÜNEBURG an Kolumbien abgegeben.

Übergabe an Kolumbien

Bei der kolumbianischen Marine erhielt die ehemalige NIENBURG den Namen ARC BUENAVENTURA und die Kennung BL 162, teilweise auch als A 162 wiedergegeben.

Der Name bezog sich auf die bedeutende kolumbianische Hafenstadt Buenaventura an der Pazifikküste.

Unter kolumbianischer Flagge wurde das Schiff weiterhin als Versorgungs- und Unterstützungseinheit eingesetzt. Damit begann für den bereits rund 30 Jahre alten Versorger eine zweite militärische Laufbahn.

Dienst als ARC BUENAVENTURA

Die BUENAVENTURA unterstützte Einheiten der kolumbianischen Marine insbesondere im Pazifikraum. Sie diente als schwimmende Logistikplattform und konnte Betriebsstoffe, Material und Versorgungsgüter für andere Schiffe transportieren.

Die Übernahme der beiden ehemaligen deutschen Troßschiffe BUENAVENTURA und CARTAGENA DE INDIAS ermöglichte Kolumbien, vorhandene Marineverbände über längere Entfernungen von den eigenen Stützpunkten aus zu unterstützen.

Das Schiff blieb über viele weitere Jahre erhalten. Damit erreichte die ehemalige NIENBURG eine militärische Gesamtnutzungszeit von rund einem halben Jahrhundert.

Ende als Zielschiff

Nach dem Ende ihrer aktiven kolumbianischen Dienstzeit wurde die ehemalige NIENBURG als Zielschiff vorgesehen.

Im August 2019 wurde die außer Dienst gestellte ARC BUENAVENTURA bei einem Flugkörperschießen der kolumbianischen Marine getroffen und versenkt. Dabei wurde ein von Südkorea entwickelter Seezielflugkörper von einer modernisierten kolumbianischen Fregatte eingesetzt.

Damit endete die Geschichte der ehemaligen A 1416 NIENBURG endgültig im Pazifik.

Verbleib

Die ehemalige NIENBURG ist nicht erhalten geblieben. Nach fast 30 Jahren unter deutscher und einer langen anschließenden Dienstzeit unter kolumbianischer Flagge wurde sie 2019 als Zielschiff versenkt.

Ihre jahrzehntelange Verwendung durch zwei Marinen unterstreicht die robuste und zweckmäßige Konstruktion der Lüneburg-Klasse.

Kameraden für Kameraden

Die NIENBURG gehörte zu den Troßschiffen, deren tägliche Arbeit für die Einsatzbereitschaft anderer Einheiten unverzichtbar war.

Ihre Besatzungen übernahmen und lagerten Kraftstoff, Wasser, Munition, Proviant und Ersatzteile. Sie bedienten Pumpen, Kräne und Ladeeinrichtungen, gingen Maschinen- und Brückenwachen und sorgten dafür, dass Minensuchboote und andere Einheiten ihren Auftrag fortsetzen konnten.

Die enge Patenschaft mit der Stadt Nienburg, die lange Stationierung in Wilhelmshaven und die spätere Verwendung als BUENAVENTURA machen die Geschichte dieses Schiffes zu einem besonderen Kapitel innerhalb der Lüneburg-Klasse.

Die Produkte zur A 1416 NIENBURG erinnern an das Troßschiff, an seine Dienstzeit bei den Versorgungseinheiten und den Minenstreitkräften sowie an alle Kameraden, die auf ihm ihren Dienst versahen.