Nach ihrer Reaktivierung unterstützte sie von Olpenitz aus vor allem Schnellboot- und andere Marineverbände in der Ostsee. Nach fast 26 Jahren unter deutscher Flagge wurde die SAARBURG von Griechenland übernommen. Dort fährt sie seit 1994 unter dem Namen ALIAKMON und der Kennung A 470.
Bau und Taufe
Die SAARBURG wurde bei Blohm + Voss in Hamburg unter der Baunummer 844 gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 1. März 1966. Am 15. Juli 1966 lief das Schiff vom Stapel.
Die Taufe nahm Madeleine Lorenz vor, die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters der Stadt Saarburg. Das Schiff erhielt den Namen der rheinland-pfälzischen Stadt an der Saar, deren Geschichte bis weit in das Mittelalter zurückreicht.
Indienststellung
Am 30. Juli 1968 wurde das Troßschiff mit der Kennung A 1415 in Dienst gestellt. Erster Kommandant war Korvettenkapitän Ressel. Die SAARBURG wurde zunächst dem 2. Versorgungsgeschwader zugeteilt und in Cuxhaven stationiert.
Von dort aus sollte sie als Kleiner Versorger Schiffe und Boote im Nordseebereich mit Betriebsstoffen, Munition, Frischwasser, Proviant, Ersatzteilen und weiteren Versorgungsgütern unterstützen.
Auftrag als Troßschiff
Die SAARBURG war als schwimmender Versorgungsstützpunkt konzipiert. Sie konnte eine große Zahl unterschiedlicher Güter aufnehmen und entsprechend dem Bedarf der zu unterstützenden Verbände zusammenstellen.
Zu ihrer Ladung konnten unter anderem gehören:
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Dieselkraftstoff,
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Frischwasser,
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Munition,
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Torpedos und später auch Flugkörper,
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Proviant und Kühlgut,
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Ersatzteile,
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technische Verbrauchsgüter,
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Bekleidung und allgemeiner Bordbedarf.
Die Versorgung erfolgte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See. Flüssige Versorgungsgüter wurden über Schlauchverbindungen abgegeben. Munition, Ersatzteile und Stückgut konnten mithilfe der bordeigenen Kräne und Ladeeinrichtungen übergeben werden.
Bei Versorgungsmanövern während der Fahrt mussten beide Schiffe über längere Zeit einen genau abgestimmten Kurs und eine gleichbleibende Geschwindigkeit halten. Während Schläuche, Leinen und Ladegeschirr zwischen den Einheiten ausgebracht waren, arbeiteten Brücke, Maschine, Decksdienst und Versorgungsbereiche eng zusammen.
Vorübergehende Außerdienststellung und Reservezeit
Die erste aktive Dienstphase der SAARBURG dauerte nur etwa zehn Monate. Am 14. Mai 1969 wurde sie der Reserveflottille in Wilhelmshaven zugeteilt.
Das Schiff blieb damit grundsätzlich Bestandteil der Bundesmarine, nahm jedoch zunächst nicht mehr am regulären Fahrbetrieb eines Versorgungsgeschwaders teil. Die Reservezeit dauerte bis Ende 1974.
Die zeitweise Herausnahme aus dem aktiven Dienst ermöglichte es später, das Troßschiff umfassend für einen veränderten Versorgungsauftrag umzubauen.
Umbau und Verlängerung zur Klasse 701C
Ende 1974 wurde die SAARBURG wieder aktiviert und bei der Seebeckwerft in Bremerhaven grundlegend umgebaut.
Zwischen zwei vorhandenen Schiffsabteilungen wurde mittschiffs eine neue, etwa 10,4 Meter lange Rumpfsektion eingefügt. Durch diese Verlängerung entstanden zusätzliche Lager-, Munitions- und Arbeitsräume. Anschließend wurde das Schiff als Einheit der Klasse 701C geführt.
Der Umbau war notwendig geworden, weil die Marine inzwischen größere und technisch anspruchsvollere Versorgungsgüter benötigte. Die SAARBURG sollte nun neben klassischen Verbrauchsgütern auch:
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Flugkörper,
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Torpedos,
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umfangreichere Munitionsbestände,
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größere Ersatzteile,
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sowie spezielle Ausrüstung für Schnellboote, Fregatten und Zerstörer
transportieren und abgeben können.
Die neu eingefügte Schiffssektion verfügte über zusätzliche Lagerräume und Einrichtungen für die Übergabe schwerer Versorgungsgüter mithilfe der bordeigenen Kräne. Zudem wurde die Bestandsführung im Versorgungsbereich durch Datenverarbeitung unterstützt.
Rückkehr in den aktiven Dienst
Am 16. September 1975 war die umgebaute SAARBURG wieder bereit, operative Versorgungsaufgaben zu übernehmen. Ein großer Teil ihrer neuen Besatzung stammte von der GLÜCKSBURG, die zuvor im Ostseebereich eingesetzt worden war.
Nach einer Ausbildungs- und Erprobungsphase in der Ostsee wurde die SAARBURG im Frühjahr 1976 vollständig in den aktiven Dienst der Versorgungsflottille eingegliedert.
Sie gehörte nun zum 1. Versorgungsgeschwader und erhielt den Marinestützpunkt Olpenitz als Heimathafen. Dort löste sie die GLÜCKSBURG im Versorgungsauftrag ab.
Einsatz von Olpenitz aus
Von Olpenitz aus unterstützte die SAARBURG vor allem die in der Ostsee stationierten Marineverbände. Ihre besondere Bedeutung lag in der Versorgung von Schnellbooten, die wegen ihrer begrenzten eigenen Vorräte bei längeren Übungen und Unternehmungen auf regelmäßigen Nachschub angewiesen waren.
Das Troßschiff führte die für die jeweiligen Bootsklassen benötigten Ersatzteile, Munition, Flugkörper, Torpedos, Betriebsstoffe und Verbrauchsgüter mit. Dadurch konnten die unterstützten Einheiten länger im vorgesehenen Seegebiet bleiben und mussten nicht für jede Versorgung einen Marinestützpunkt anlaufen.
Neben Schnellbooten konnte die SAARBURG auch Kanonenboote, Minenabwehreinheiten, Fregatten und Zerstörer unterstützen. Die genaue Zusammenstellung ihrer Ladung richtete sich jeweils nach dem zu versorgenden Verband.
Technische Daten nach dem Umbau
Kennung: A 1415
Name: SAARBURG
Klasse: zunächst 701A, nach Umbau 701C
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Bauwerft: Blohm + Voss, Hamburg
Baunummer: 844
Kiellegung: 1. März 1966
Stapellauf: 15. Juli 1966
Indienststellung: 30. Juli 1968
Länge nach dem Umbau: etwa 114,4 Meter
Breite: etwa 13,2 Meter
Tiefgang: etwa 4,5 Meter
Verdrängung: nach griechischen Angaben rund 4.459 Tonnen
Antrieb: zwei Dieselmotoren
Leistung: zweimal etwa 3.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten.
Zur ursprünglichen Bewaffnung der Lüneburg-Klasse gehörten zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten. Im Verlauf der Dienstzeit kamen auf den Schiffen zusätzliche Schutz- und Täuschmittel hinzu.
Verbindung mit der Stadt Saarburg
Die Namensgebung schuf eine dauerhafte Verbindung zwischen dem Troßschiff und der Stadt Saarburg. Bereits die Taufe durch die Ehefrau des damaligen Bürgermeisters verdeutlichte diese Beziehung.
Der Name und das Stadtwappen begleiteten das Schiff während seiner gesamten deutschen Dienstzeit. Begegnungen zwischen Besatzungsangehörigen und der namensgebenden Stadt gehörten zur Tradition der Marinepatenschaften.
Eine vollständige, durchgehend belegte Chronik sämtlicher Patenschaftsbesuche liegt in den öffentlich zugänglichen Quellen jedoch nicht vor. Deshalb wird die Verbindung zur Stadt bewusst beschrieben, ohne einzelne Veranstaltungen ungesichert zu ergänzen.
Außerdienststellung
Nach fast 26 Jahren seit ihrer ersten Indienststellung wurde A 1415 SAARBURG am 14. April 1994 in Wilhelmshaven außer Dienst gestellt.
Damit endete ihre Laufbahn in der Bundesmarine. Nur wenige Monate später begann für das Schiff jedoch eine zweite, noch längere Dienstzeit.
Übergabe an Griechenland
Die ehemalige SAARBURG wurde an die griechische Marine abgegeben. Am 19. Oktober 1994 wurde auf dem Marinestützpunkt Kreta die griechische Flagge gesetzt.
Das Schiff erhielt den Namen HS ALIAKMON und die Kennung A 470. Der Name bezieht sich auf den Aliakmon, den längsten vollständig innerhalb Griechenlands verlaufenden Fluss.
Die ALIAKMON wurde als allgemeines Versorgungs- und Unterstützungsschiff in die griechische Flotte eingegliedert. Ihr Auftrag blieb dem der deutschen Dienstzeit vergleichbar: Sie sollte Marineverbände mit Betriebsstoffen, Munition, Flugkörpern, Torpedos, Material und weiteren Versorgungsgütern unterstützen.
Dienst als ALIAKMON
Unter griechischer Flagge wurde die ehemalige SAARBURG über viele Jahre im Mittelmeer eingesetzt. Ihre großen Lagerkapazitäten und die Möglichkeit, unterschiedliche Munitions- und Versorgungsgüter mitzuführen, machten sie zu einer vielseitigen logistischen Plattform.
Die griechische Marine führt die ALIAKMON auf ihrer offiziellen Internetseite weiterhin unter den allgemeinen Unterstützungsschiffen der Flotte. Dort werden auch die technischen Daten und die vollständige Vorgeschichte als deutsche SAARBURG dargestellt.
Das Historische Marinearchiv bewertet den aktuellen Status vorsichtiger als unklar. Dort wird vermerkt, dass das Schiff 2023 noch auf der offiziellen Seite der griechischen Marine aufgeführt war, 2024 jedoch keine AIS-Daten mehr festgestellt wurden.
Verbleib
Gesichert ist, dass die ehemalige A 1415 SAARBURG als HS ALIAKMON A 470 bei der griechischen Marine erhalten blieb und dort über Jahrzehnte als Versorgungs- und Unterstützungsschiff verwendet wurde.
Da die griechische Marine das Schiff weiterhin auf ihrer offiziellen Flottenseite führt, kann es grundsätzlich noch zum Bestand gezählt werden. Ob die inzwischen fast 60 Jahre alte ALIAKMON gegenwärtig noch regelmäßig fährt, nur eingeschränkt verwendet wird oder bereits als Reserveeinheit dient, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Quellen nicht zweifelsfrei feststellen.
Damit besitzt die ehemalige SAARBURG eine der längsten Laufbahnen innerhalb der gesamten Lüneburg-Klasse.
Kameraden für Kameraden
Die SAARBURG blickt auf eine ungewöhnliche Geschichte zurück. Nach einer kurzen ersten Dienstphase folgten mehrere Jahre in der Reserve, ein umfangreicher Umbau und anschließend fast zwei Jahrzehnte als verlängertes Troßschiff in Olpenitz.
Ihre Besatzungen versorgten Schnellboote und andere Marineeinheiten mit Kraftstoff, Wasser, Munition, Flugkörpern, Torpedos, Proviant und Ersatzteilen. Hinter jeder Übergabe standen Kameraden, die Ladungen übernahmen, Bestände verwalteten, Kräne und Pumpen bedienten und das Schiff bei anspruchsvollen Versorgungsmanövern sicher auf Kurs hielten.
Die zweite lange Laufbahn als ALIAKMON zeigt, wie robust und zweckmäßig die Troßschiffe der Lüneburg-Klasse gebaut waren.
Die Produkte zur A 1415 SAARBURG erinnern an das Troßschiff, an seine Dienstzeit in Cuxhaven, Wilhelmshaven und Olpenitz sowie an alle Kameraden, die unter deutscher Flagge auf ihm ihren Dienst versahen.