Mehr als 23 Jahre lang versorgte die COBURG Schiffe und Boote der Bundesmarine mit Kraftstoff, Frischwasser, Munition, Proviant, Ersatzteilen und weiteren Versorgungsgütern. Nach ihrer deutschen Dienstzeit wurde sie von der griechischen Marine übernommen und blieb dort unter dem Namen AXIOS noch jahrzehntelang erhalten.
Bau und Indienststellung
Die COBURG wurde im Rahmen des Bauprogramms für die acht Kleinen Versorger der Klasse 701 gebaut. Als Bauwerft wird die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft genannt. Der Stapellauf erfolgte am 15. Dezember 1965.
Am 9. Juli 1968 wurde das Troßschiff mit der Kennung A 1412 in Dienst gestellt. Das internationale Rufzeichen lautete später DRKB. Die COBURG gehörte zum 1. Versorgungsgeschwader und war in Kiel stationiert.
Besonderheit der Klasse 701B
Die COBURG war zunächst die einzige Einheit der Lüneburg-Klasse, die als Klasse 701B geführt wurde. Im Gegensatz zu den übrigen Troßschiffen konnte sie neben Dieselkraftstoff auch Schweröl nach dem NATO-Code F 82 transportieren und abgeben.
Diese Fähigkeit war für die Versorgung solcher Marineeinheiten vorgesehen, deren Kessel- oder Antriebsanlagen noch mit Schweröl betrieben wurden. Die COBURG war deshalb innerhalb der Versorgungskette der Bundesmarine für einen besonderen Aufgabenbereich ausgerüstet.
Wie ihre Schwesterschiffe führte sie darüber hinaus Frischwasser, Munition, Ersatzteile, Proviant und zahlreiche weitere Verbrauchs- und Versorgungsgüter mit. Damit war sie Tankstelle, Lagerhaus, Munitionsdepot und schwimmender Versorgungsstützpunkt zugleich.
Auftrag als Troßschiff
Der Auftrag der COBURG bestand darin, die Einsatzfähigkeit der ihr zugeordneten Schiffe und Boote auch fernab ihrer Heimatstützpunkte aufrechtzuerhalten.
Die Versorgung konnte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See erfolgen. Kraftstoffe und Frischwasser wurden über Schlauchleitungen abgegeben. Munition, Proviant, Ersatzteile und anderes Stückgut konnten mithilfe der bordeigenen Kräne und Versorgungsanlagen übergeben werden.
Versorgungsmanöver während der Fahrt verlangten von beiden beteiligten Einheiten eine genaue Abstimmung von Kurs und Geschwindigkeit. Während zwischen den Schiffen Schläuche, Leinen und Ladegeschirr ausgebracht waren, mussten Brücken-, Maschinen- und Decksmannschaften eng zusammenarbeiten.
Die Troßschiffe der Klasse 701 waren jeweils bestimmten Verbänden zugeordnet und konnten deren Schiffe und Boote teilweise auch im Heimatstützpunkt unmittelbar aus ihren eigenen Beständen versorgen.
Dienst im 1. Versorgungsgeschwader
Die COBURG gehörte während ihrer deutschen Dienstzeit zum 1. Versorgungsgeschwader und hatte ihren Standort in Kiel.
Von dort aus unterstützte sie Marineverbände bei Übungen, Ausbildungsreisen und längeren Unternehmungen in Nord- und Ostsee sowie darüber hinaus. Zeitzeugen berichten unter anderem von Fahrten in das Kattegat, das Skagerrak, die östliche Ostsee, nach Norwegen und in das Mittelmeer. Solche persönlichen Erinnerungen belegen den vielseitigen Fahrbetrieb, ersetzen jedoch keine vollständige amtliche Einsatzchronik.
Die COBURG gehörte zu den unauffälligen, aber unverzichtbaren Arbeitsschiffen der Flotte. Ihre Besatzung sorgte dafür, dass die unterstützten Einheiten Betriebsstoffe, Munition und Material übernehmen konnten, ohne für jede Versorgung einen Hafen anlaufen zu müssen.
Verlängerung und Umbau zur Klasse 701D
Die steigenden Anforderungen der Flotte und die Einführung neuer Waffensysteme machten in den 1970er- und 1980er-Jahren Umbauten mehrerer Troßschiffe erforderlich.
Bei der COBURG wurde zwischen zwei bestehenden Schiffsabteilungen eine zusätzliche, etwa 10,5 Meter lange Rumpfsektion eingefügt. Dadurch vergrößerten sich die Lager- und Transportkapazitäten des Schiffes. Nach diesem Umbau wurde die COBURG als Klasse 701D geführt.
Die Verlängerung war insbesondere erforderlich, um zusätzliche Munition sowie größere und anspruchsvollere Waffensysteme sicher aufnehmen und transportieren zu können. Neben der Rumpfverlängerung erhielten die Schiffe der Klasse im Verlauf ihrer Dienstzeit verbesserte Ruderanlagen und Bugstrahlruder, da die ursprünglichen Manövriereigenschaften insbesondere bei niedriger Geschwindigkeit als schwierig galten.
Technische Daten nach dem Umbau
Die technischen Daten der COBURG änderten sich durch die Verlängerung und die damit verbundene Umrüstung. Als Einheit der Klasse 701D entsprach sie nicht mehr vollständig der ursprünglichen Bauausführung.
Kennung: A 1412
Name: COBURG
Klasse: zunächst 701B, nach Umbau 701D
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Ursprüngliche Länge: rund 104 Meter
Länge nach Verlängerung: rund 114,5 Meter
Breite: etwa 13,2 Meter
Tiefgang: ungefähr 4,2 Meter
Antrieb: zwei Maybach-Dieselmotoren
Leistung: jeweils rund 2.800 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Bewaffnung: ursprünglich zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten
Internationales Rufzeichen: DRKB
Die allgemeinen Versorgungskapazitäten der Lüneburg-Klasse lagen je nach Umbauzustand bei bis zu rund 1.100 Tonnen Versorgungsgütern, 1.200 Kubikmetern Brennstoff, 200 Kubikmetern Frischwasser und 400 Tonnen Munition. Die genauen Kapazitäten der COBURG änderten sich durch ihren besonderen Schwerölauftrag und den späteren Umbau.
Patenschaft mit der Stadt Coburg
Zwischen dem Troßschiff und seiner namensgebenden Stadt entwickelte sich eine Patenschaft, die durch gegenseitige Besuche und persönliche Kontakte gepflegt wurde.
Ehemalige Besatzungsangehörige erinnern sich unter anderem an Patenschaftsbesuche in Coburg und an den Besuch eines Coburger Jugendorchesters an Bord des Schiffes in Kiel. Diese Begegnungen zeigen, dass die Verbindung zwischen Schiff und Patenstadt nicht nur auf dem Namen und dem Stadtwappen beruhte, sondern von Besatzung und Bürgern aktiv gelebt wurde.
Fahrt in das Gebiet des Persischen Golfs
Im Jahr 1991 wurde die COBURG im Zusammenhang mit den Ereignissen im Persischen Golf eingesetzt. Eine Aufnahme des US-Verteidigungsministeriums zeigt das Troßschiff am 11. März 1991 auf dem Weg in das Gebiet des Persischen Golfs.
Die Fahrt fiel in die Zeit unmittelbar nach den Kampfhandlungen der Operation Desert Storm. Die Quelle belegt die Verlegung des Schiffes in das Einsatzgebiet, erlaubt allein jedoch keine detaillierte Aussage über sämtliche dort ausgeführten Aufgaben. Entsprechend sollte die Fahrt als nachgewiesene Verlegung in das Golfgebiet dokumentiert werden, ohne darüber hinausgehende Einzelaufträge ungesichert zu ergänzen.
Außerdienststellung
Nach mehr als 23 Jahren unter deutscher Flagge wurde A 1412 COBURG am 25. September 1991 außer Dienst gestellt.
Damit gehörte die COBURG zu den ersten Troßschiffen der Lüneburg-Klasse, deren Dienstzeit in der Bundesmarine endete. Für das Schiff begann jedoch bereits kurz darauf eine zweite militärische Laufbahn.
Übernahme durch die griechische Marine
Die ehemalige COBURG wurde an Griechenland abgegeben und bei der griechischen Marine unter dem Namen AXIOS mit der Kennung A 464 weiterverwendet.
Auch unter griechischer Flagge diente das Schiff als Versorgungs- und Unterstützungseinheit. Nach Angaben einer Veröffentlichung über internationale Marineprogramme wurde die AXIOS 1998 nochmals um etwa elf Meter verlängert, um zusätzliche Lagerkapazitäten für Flugkörper und Torpedos zu schaffen. Neben Kraftstoff und Munition konnte sie gekühlte, gefrorene und trockene Versorgungsgüter transportieren.
Diese Angabe deutet auf einen weiteren umfangreichen Umbau während der griechischen Dienstzeit hin. Sie steht allerdings im Widerspruch zu Quellen, nach denen die deutsche COBURG bereits vor ihrer Abgabe um etwa 10,5 Meter verlängert worden war. Möglich ist, dass die griechische Veröffentlichung den früheren Umbau zeitlich falsch zuordnet oder eine weitere Veränderung beschreibt. Deshalb sollte für den Schiffsfinder zunächst festgehalten werden, dass die COBURG bereits in deutscher Dienstzeit zur Klasse 701D verlängert wurde; ein zusätzlicher griechischer Umbau bleibt gesondert prüfenswert.
Spätere Verwendung als Ausbildungsplattform
Nach dem Ende ihrer aktiven Verwendung bei der griechischen Marine blieb die ehemalige COBURG erhalten. Im Jahr 2025 wurde die frühere HS AXIOS nach Marathi auf Kreta verlegt, um beim NATO Maritime Interdiction Operational Training Centre als Ausbildungsplattform genutzt zu werden.
Damit blieb das Schiff auch mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Indienststellung für militärische Ausbildungszwecke nutzbar. Anders als zahlreiche Schwesterschiffe wurde die ehemalige COBURG somit nicht unmittelbar verschrottet oder als Zielschiff versenkt.
Verbleib
Die ehemalige A 1412 COBURG existiert nach der derzeit verfügbaren Quellenlage weiterhin in Griechenland. Unter ihrer griechischen Bezeichnung AXIOS dient sie inzwischen nicht mehr als reguläres Troßschiff, sondern als festliegende Trainingsplattform des NATO-Ausbildungszentrums auf Kreta.
Der Erhalt des Schiffes ist innerhalb der Lüneburg-Klasse bemerkenswert. Die COBURG gehört damit zu den wenigen Einheiten ihrer Klasse, deren Rumpf auch Jahrzehnte nach dem Ende der deutschen Dienstzeit noch vorhanden ist.
Kameraden für Kameraden
Die COBURG war innerhalb der Lüneburg-Klasse ein besonderes Schiff. Ihre Fähigkeit, neben Dieselkraftstoff auch Schweröl zu transportieren, ihre spätere Verlängerung und die lange Weiterverwendung in Griechenland kennzeichnen eine außergewöhnliche Laufbahn.
Für ihre Besatzungen bestand der Alltag jedoch vor allem aus harter und zuverlässiger Arbeit: Kraftstoff übernehmen und abgeben, Munition und Proviant bewegen, Ersatzteile verwalten, Maschinen und Versorgungseinrichtungen bedienen und das Schiff bei anspruchsvollen Manövern sicher auf Position halten.
Die Patenschaft mit der Stadt Coburg, gemeinsame Besuche und die bis heute erhaltenen Erinnerungen ehemaliger Besatzungsangehöriger zeigen, dass dieses Troßschiff weit mehr war als ein schwimmendes Lager.
Die Produkte zur A 1412 COBURG erinnern an ein besonderes Troßschiff der Klasse 701, an seine Dienstzeit in Kiel, seine zweite Laufbahn als AXIOS und an alle Kameraden, die auf ihm ihren Dienst versahen.