Die OFFENBURG gehörte zu den drei Einheiten der Klasse, die nicht durch eine zusätzliche Rumpfsektion verlängert wurden. Sie blieb eine Einheit der ursprünglichen Klasse 701A. Ihr langjähriger Heimathafen war Kiel; erst gegen Ende ihrer Dienstzeit wechselte sie nach Olpenitz.
Bau und Taufe
Die OFFENBURG wurde bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut. Der Baubeginn erfolgte 1966. Am 10. September 1966 um 11.40 Uhr lief das Schiff vom Stapel.
Taufpatin war Trude Heitz, die Ehefrau des damaligen Offenburger Oberbürgermeisters Karl Heitz. Da der Oberbürgermeister selbst nicht an der Zeremonie teilnehmen konnte, hielt Bürgermeister Eugen End die Taufrede. Das Schiff erhielt den Namen der badischen Stadt Offenburg.
Indienststellung
Am 27. Mai 1968 wurde das Troßschiff mit der Kennung A 1417 in Dienst gestellt. Am selben Tag wurde bei Blohm + Voss auch das Schwesterschiff A 1413 FREIBURG in Dienst gestellt; beide Schiffe lagen während der Zeremonie Heck an Heck an der Werftpier.
Die OFFENBURG wurde dem 1. Versorgungsgeschwader innerhalb der Versorgungsflottille zugeteilt. Ihr Heimathafen war zunächst Kiel, wo ihr Stammliegeplatz an der Scheermole lag.
Auftrag als Troßschiff
Die OFFENBURG war ein schwimmender Versorgungsstützpunkt. Sie führte die Güter mit, die andere Marineeinheiten für ihren täglichen Betrieb und längere Unternehmungen benötigten.
Dazu gehörten unter anderem:
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Dieselkraftstoff und Schmierstoffe,
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Frischwasser,
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Proviant und Kühlgut,
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Medikamente und Sanitätsmaterial,
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Munition,
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Ersatzteile,
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Farben und technische Verbrauchsgüter,
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Bekleidung und allgemeiner Bordbedarf.
Nach überlieferten Angaben führte die OFFENBURG rund 5.400 unterschiedliche Versorgungsartikel mit. Die Bandbreite reichte von Ersatzteilen und Farben bis zu alltäglichen Verbrauchsgütern und Bundesdienstflaggen.
Damit war das Troßschiff zugleich Tankstelle, Warenlager, Ersatzteillager, Proviantdepot und schwimmender logistischer Stützpunkt.
Versorgung auf See
Die Versorgung anderer Schiffe und Boote konnte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See erfolgen.
Kraftstoff, Öl und Frischwasser wurden über Schlauchverbindungen abgegeben. Proviant, Medikamente, Ersatzteile und andere Stückgüter konnten mithilfe der bordeigenen Kräne, Ladeplattformen und Versorgungseinrichtungen übergeben werden.
Die Einheiten der Klasse 701 verfügten über mehrere Versorgungsstationen für unterschiedliche Übergabeverfahren. Dazu gehörten Querabversorgungen über Hochleinen, das Längsseitsgehen sowie Versorgungsmanöver über Bug und Heck. Die Laderäume waren durch Aufzüge miteinander verbunden, um die Güter vom Lager bis zu den Übergabestationen bewegen zu können.
Solche Manöver verlangten von Brücke, Maschine, Decksdienst und Versorgungsbereichen eine genaue Abstimmung. Beide Schiffe mussten über längere Zeit Kurs, Geschwindigkeit und Abstand möglichst konstant halten.
Unterstützung der Schnellbootverbände
Zu den wichtigsten Aufgaben der OFFENBURG gehörte die Versorgung von Schnellbootverbänden. Das Troßschiff konnte einen Verband aus zehn Schnellbooten und zwei Tendern mit Wasser, Kraftstoff, Öl, Lebensmitteln, Medikamenten und weiterem Material unterstützen.
Die vergleichsweise kleinen Schnellboote verfügten nur über begrenzte eigene Vorräte. Ohne die regelmäßige Versorgung durch Troßschiffe wären längere Übungen und Unternehmungen nur mit häufigen Hafenaufenthalten möglich gewesen.
Die OFFENBURG führte daher nicht nur allgemeine Versorgungsgüter, sondern auch speziell auf die betreuten Bootsklassen abgestimmte Ersatzteile und Verbrauchsmaterialien mit.
Versorgung des 3. Minensuchgeschwaders
Neben den Schnellbooten unterstützte die OFFENBURG auch das 3. Minensuchgeschwader mit seinen Booten und dem zugehörigen Tender.
Auch Minensuchboote waren aufgrund ihrer Größe und ihres besonderen Auftrags auf eine verlässliche schwimmende Versorgung angewiesen. Die OFFENBURG stellte Betriebsstoffe, Proviant, Wasser, Ersatzteile und weitere benötigte Güter bereit und verlängerte damit die Zeit, in der die Boote außerhalb ihres Heimatstützpunktes operieren konnten.
Technische Daten
Die OFFENBURG gehörte während ihrer gesamten Dienstzeit zur ursprünglichen Klasse 701A. Sie wurde nicht wie COBURG, FREIBURG, GLÜCKSBURG, SAARBURG und MEERSBURG verlängert.
Kennung: A 1417
Name: OFFENBURG
Klasse: 701A
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Länge: rund 104 Meter
Breite: 13,23 Meter
Tiefgang: etwa 4,2 Meter
Antrieb: zwei Maybach-Viertakt-16-Zylinder-Dieselmotoren
Leistung: jeweils 2.800 PS
Anzahl der Wellen: zwei
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Besatzung: standardmäßig etwa 72 Soldaten
Bewaffnung: zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten.
Zur späteren Eigenschutz-Ausrüstung der Klasse gehörten außerdem tragbare Flugabwehrwaffen, Düppelwerfer und das Torpedoabwehrsystem NIXIE. Die Rohrwaffen waren im Friedensbetrieb teilweise konserviert und vor allem für den Mobilmachungsfall vorgesehen.
Patenschaft mit der Stadt Offenburg
Zwischen dem Troßschiff und seiner namensgebenden Stadt bestand eine über Jahrzehnte gepflegte Patenschaft. Sie begann mit der Taufe durch Trude Heitz und wurde durch gegenseitige Besuche und persönliche Kontakte zwischen Besatzung und Patenstadt mit Leben erfüllt.
Die Verbindung blieb auch nach dem Ende des Schiffes sichtbar. Die Schiffsglocke der OFFENBURG befindet sich heute im Museum im Ritterhaus in Offenburg und erinnert dort an das Troßschiff und seine Besatzungen.
Reisen und internationale Unternehmungen
Während ihrer langen Dienstzeit nahm die OFFENBURG an zahlreichen Übungen, Ausbildungsreisen und internationalen Unternehmungen teil. Dabei lief sie Häfen in Nord- und Ostsee, im Atlantik, im Mittelmeer und in Übersee an.
Ein besonders gut dokumentierter Aufenthalt fand am 4. Juli 1986 in New York statt. Die OFFENBURG nahm dort an der internationalen Flottenparade im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Freiheitsstatue teil. Eine Aufnahme zeigt die an der Reling angetretene Besatzung im Hafen von New York.
Während ihrer gesamten Dienstzeit legte die OFFENBURG eine Strecke zurück, die mehr als neun Erdumrundungen entsprach.
Wechsel nach Olpenitz
Am 14. Dezember 1989 wurde die OFFENBURG von Kiel zum Marinestützpunkt Olpenitz verlegt.
Damit verbrachte sie die letzten Jahre ihrer aktiven Dienstzeit an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Ihr Auftrag blieb die Versorgung der ihr zugeordneten Schiffe und Boote mit Betriebsstoffen, Material und Proviant.
Brand im E-Werk
Am 27. November 1992 brach in einem der elektrischen Maschinenräume ein Brand aus. Dabei wurden Teile der Antriebsanlage schwer beschädigt.
Der Schaden ereignete sich nur wenige Monate vor der bereits absehbaren Außerdienststellung des inzwischen über 24 Jahre alten Troßschiffes. Eine vollständige Wiederherstellung für eine längere weitere Dienstzeit war daher nicht mehr vorgesehen.
Am 2. Juni 1993 wurde die OFFENBURG mit nur noch einer einsatzfähigen Welle nach Wilhelmshaven überführt. Dort erfolgte die Vorbereitung auf das Ende ihrer Dienstzeit.
Außerdienststellung
Am 30. Juni 1993 wurde A 1417 OFFENBURG nach mehr als 25 Jahren außer Dienst gestellt.
Damit gehörte sie neben COBURG zu den ersten endgültig aus dem deutschen Flottendienst ausgeschiedenen Einheiten der Lüneburg-Klasse.
Verkauf nach Spanien
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die ehemalige OFFENBURG nach Spanien verkauft und dorthin überführt.
Mehrere Darstellungen berichten, dass das Schiff in Spanien ausgeschlachtet und anschließend verschrottet wurde.
Eine aktuelle Dokumentation zur OFFENBURG weist allerdings darauf hin, dass bislang kein unmittelbarer Beleg für den tatsächlichen Abbruch gefunden wurde. Sicher belegt sind damit die Überführung beziehungsweise der Verkauf nach Spanien; die spätere Verschrottung gilt als sehr wahrscheinlich, ist anhand der dort ausgewerteten Unterlagen jedoch nicht abschließend dokumentiert.
Verbleib
Die ehemalige A 1417 OFFENBURG wurde nach Spanien verkauft und dort nach überwiegender Quellenlage ausgeschlachtet und verschrottet.
Da kein belastbarer Hinweis auf eine spätere Weiterverwendung oder einen erhalten gebliebenen Schiffsrumpf vorliegt, ist davon auszugehen, dass das Troßschiff nicht mehr existiert. Der genaue Zeitpunkt und Ort des Abbruchs bleiben jedoch bislang unzureichend belegt.
Kameraden für Kameraden
Die OFFENBURG war mehr als 25 Jahre lang ein zuverlässiges Arbeitsschiff der Bundesmarine.
Ihre Besatzungen versorgten Schnellboote, Minensuchboote und Tender mit Kraftstoff, Wasser, Proviant, Medikamenten, Ersatzteilen und Tausenden weiteren Artikeln. Sie arbeiteten in Lagerräumen und Maschinenanlagen, bedienten Kräne, Pumpen und Ladeeinrichtungen und hielten das Schiff bei anspruchsvollen Versorgungsmanövern sicher auf Position.
Die langen Jahre in Kiel, der spätere Wechsel nach Olpenitz, die Reisen bis nach New York und die enge Verbindung zur Patenstadt prägten die Geschichte dieses Troßschiffes.
Die Produkte zur A 1417 OFFENBURG erinnern an eine Einheit der ursprünglichen Klasse 701A und vor allem an die Kameraden, die auf ihr gefahren sind und dafür sorgten, dass andere Schiffe und Boote ihren Auftrag fortsetzen konnten.