Die GLÜCKSBURG begann ihre Laufbahn an der Ostsee, wechselte später nach Wilhelmshaven und wurde in den 1970er-Jahren verlängert und umfassend modernisiert. Nach ihrer Außerdienststellung erhielt sie eine zweite Laufbahn bei der ägyptischen Marine unter dem Namen SHALATEIN.
Bau und Indienststellung
Die GLÜCKSBURG wurde bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 18. August 1965, der Stapellauf am 3. Mai 1966.
Am 9. Juli 1968 wurde das Schiff mit der Kennung A 1414 und dem internationalen Rufzeichen DSFQ für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Es war die vierte von insgesamt acht Einheiten der Lüneburg-Klasse.
Namensgeberin war die Stadt Glücksburg an der Flensburger Förde. Das Schiff führte das Stadtwappen mit dem sogenannten Rost des heiligen Laurentius.
Auftrag als Troßschiff
Die GLÜCKSBURG diente als schwimmender Versorgungsstützpunkt. Sie transportierte die Güter, die andere Einheiten für längere Übungen, Ausbildungsreisen und Einsätze außerhalb ihrer Heimatstützpunkte benötigten.
Dazu gehörten unter anderem:
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Dieselkraftstoff,
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Frischwasser,
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Munition,
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Lebensmittel und Kühlgut,
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Ersatzteile,
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technische Verbrauchsgüter,
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Bekleidung und allgemeiner Bordbedarf.
Die Versorgung konnte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See erfolgen. Kraftstoff und Wasser wurden über Schlauchverbindungen abgegeben. Munition, Proviant, Ersatzteile und anderes Stückgut gelangten mithilfe der bordeigenen Kräne und Versorgungsanlagen auf die zu unterstützenden Einheiten.
Nach ihrem Umbau konnte die GLÜCKSBURG bis zu etwa 1.200 Kubikmeter Kraftstoff, 200 Kubikmeter Frischwasser, 400 Tonnen Munition und rund 1.000 Tonnen sonstige Versorgungsgüter aufnehmen.
Versorgung auf See
Besonders anspruchsvoll waren Versorgungsmanöver während der Fahrt. Das Troßschiff und die zu versorgende Einheit mussten dabei über längere Zeit einen genau abgestimmten Kurs und eine gleichbleibende Geschwindigkeit halten.
Während zwischen den Schiffen Schläuche, Leinen und Versorgungsgeschirr ausgebracht waren, arbeiteten Brückenbesatzung, Maschinenpersonal, Decksdienst und Versorgungsbereiche eng zusammen. Wind, Seegang und die geringe Entfernung zwischen den Schiffen verlangten Erfahrung und höchste Aufmerksamkeit.
Die GLÜCKSBURG gehörte damit zu den Arbeitsschiffen, deren Leistung außerhalb der Marine nur selten sichtbar wurde, die für die Einsatzfähigkeit der Flotte jedoch unverzichtbar waren.
Erste Dienstjahre in Olpenitz
Nach ihrer Indienststellung wurde die GLÜCKSBURG dem 1. Versorgungsgeschwader unterstellt. Der Verband war in Kiel beheimatet, das Troßschiff selbst wurde jedoch im Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee stationiert.
Von Olpenitz aus unterstützte die GLÜCKSBURG vor allem die in der Ostsee eingesetzten Verbände. Der Stützpunkt lag günstig für Unternehmungen in der westlichen Ostsee, den dänischen Gewässern und den Ostseezugängen.
Die Besatzung versorgte die zugeordneten Schiffe und Boote nicht nur während gemeinsamer Fahrten. Die Troßschiffe waren zeitweise fester Bestandteil der Versorgungskette, sodass die Empfängereinheiten auch im Stützpunkt unmittelbar aus den Beständen des Versorgungsschiffes beliefert werden konnten.
Wechsel nach Wilhelmshaven
Mitte des Jahres 1975 wechselte die GLÜCKSBURG vom 1. zum 2. Versorgungsgeschwader. Gleichzeitig wurde ihr Standort von Olpenitz nach Wilhelmshaven verlegt.
Von Wilhelmshaven aus führte sie ihren Versorgungsauftrag im Nordseebereich und bei längeren Unternehmungen im Atlantik, im Mittelmeer und in weiteren Seegebieten fort.
Der Wechsel bedeutete nicht nur einen neuen Heimathafen, sondern auch eine veränderte Zusammensetzung der zu unterstützenden Verbände. Die Ladung des Troßschiffes musste jeweils an deren Bedarf und technische Ausrüstung angepasst werden.
Umbau und Verlängerung zur Klasse 701C
Mit der Einführung moderner Waffensysteme stiegen die Anforderungen an die Lagerung und den Transport von Munition, Flugkörpern und technischen Ersatzteilen. Die ursprünglichen Raumverhältnisse der Klasse 701 reichten dafür zunehmend nicht mehr aus.
Die GLÜCKSBURG wurde deshalb von August 1976 bis April 1977 umfassend umgebaut. Zwischen zwei vorhandenen Schiffsabteilungen wurde eine neue, etwa 10,5 Meter lange Rumpfsektion eingefügt. Das Troßschiff wurde anschließend als Einheit der Klasse 701C geführt.
Durch die Verlängerung entstanden größere Lager- und Transportkapazitäten. Das Schiff konnte nun mehr Munition, Ersatzteile und Versorgungsgüter aufnehmen und war besser auf die Anforderungen moderner Flottenverbände vorbereitet.
Im Zuge der Modernisierung der Lüneburg-Klasse wurden auch die Manövriereigenschaften verbessert. Die Schiffe erhielten nacheinander eine Querschubanlage im Vorschiff und eine leistungsfähigere Ruderanlage. Diese Maßnahmen waren notwendig, weil die ursprüngliche Konstruktion insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten und starkem Seitenwind nur eine eingeschränkte Ruderwirkung besaß.
Technische Daten nach dem Umbau
Kennung: A 1414
Name: GLÜCKSBURG
Klasse: zunächst 701A, nach dem Umbau 701C
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Länge nach dem Umbau: etwa 114,19 Meter
Breite: etwa 13,22 Meter
Tiefgang: ungefähr 3,9 bis 4,2 Meter
Verdrängung: etwa 3.679 Tonnen
Antrieb: zwei Maybach-Dieselmotoren
Leistung: jeweils etwa 2.800 PS
Anzahl der Wellen: zwei
Höchstgeschwindigkeit: ungefähr 17 Knoten
Besatzung: je nach Zeitabschnitt und Organisation etwa 68 bis 99 Soldaten.
Die GLÜCKSBURG verfügte ursprünglich über zwei 40-mm-Breda-Marine-Doppellafetten. Später kamen Düppelwerfer, tragbare Flugabwehrwaffen und eine Torpedo-Täuschungsanlage hinzu. Außerdem bestand eine begrenzte Minenwurfkapazität.
Neues internationales Rufzeichen
Im Jahr 1981 wurden die internationalen Rufzeichen zahlreicher Einheiten der Bundesmarine neu geordnet.
Die GLÜCKSBURG erhielt dabei anstelle ihres bisherigen Rufzeichens DSFQ das neue Rufzeichen DRKD.
Vom Boot zum Schiff
In der Marine wurden die kleinen Versorger der Klasse 701 zunächst organisatorisch als Boote geführt. Mitte des Jahres 1995 wurde die GLÜCKSBURG zum Schiff umgestuft.
Mit dieser organisatorischen Veränderung wurde an Bord auch der Dienstposten eines Ersten Offiziers eingerichtet. Die Größe der Besatzung und die Führungsorganisation wurden damit der tatsächlichen Bedeutung und dem umfangreichen Auftrag des Troßschiffes angepasst.
Unterstellung unter das Troßgeschwader
Am 1. April 1997 wurde die GLÜCKSBURG dem Troßgeschwader der Zerstörerflottille unterstellt. Ihr Standort blieb Wilhelmshaven.
Das Troßgeschwader bündelte verschiedene logistische Unterstützungsschiffe der Marine. Die GLÜCKSBURG setzte dort ihren bisherigen Auftrag fort und versorgte die ihr zugeordneten Verbände mit Betriebsstoffen, Munition, Material und Proviant.
Auch nach der Wiedervereinigung und der Umbenennung der Bundesmarine in Deutsche Marine blieb das inzwischen mehr als 25 Jahre alte Schiff im aktiven Dienst.
Patenschaft mit der Stadt Glücksburg
Zwischen dem Troßschiff und der namensgebenden Stadt Glücksburg bestand eine enge Verbindung. Das Schiff führte das Wappen der schleswig-holsteinischen Stadt am Bug.
Das Wappen zeigt auf goldenem Grund einen roten Rost mit 16 Feldern. Es erinnert an den heiligen Laurentius, den Schutzpatron des 1210 gegründeten Zisterzienserklosters, das für die historische Entwicklung des Ortes von Bedeutung war.
Die Verbindung zur Patenstadt wurde durch gegenseitige Besuche und persönliche Kontakte zwischen Besatzung, Vertretern der Stadt und Bürgern gepflegt. Der Name GLÜCKSBURG und das weithin sichtbare Wappen machten diese Partnerschaft während der gesamten deutschen Dienstzeit deutlich.
Ende der Fahrbereitschaft
Am 1. Juli 2001 wurde die GLÜCKSBURG aus der Fahrbereitschaft genommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Troßschiff während seiner deutschen Dienstzeit mehr als 300.000 Seemeilen zurückgelegt.
Insgesamt wurde das Schiff in den 33 Jahren unter deutscher Flagge von 17 Kommandanten geführt. Letzter Kommandant war Korvettenkapitän Wolfgang Telschow.
Außerdienststellung
Am 1. November 2001 wurde A 1414 GLÜCKSBURG nach mehr als 33 Dienstjahren außer Dienst gestellt.
Anschließend lag das ehemalige Troßschiff im Marinearsenal Wilhelmshaven. Zunächst war noch nicht abschließend entschieden, ob das Schiff verkauft, verwertet oder anderweitig verwendet werden sollte.
Im Mai 2002 fiel die Entscheidung, die GLÜCKSBURG an Ägypten abzugeben.
Vorbereitung für Ägypten
Vor der Übergabe wurde das Schiff im Marinearsenal umfassend überprüft, instand gesetzt und für seinen neuen Eigentümer umgerüstet.
Die Arbeiten dauerten bis Anfang 2003. Danach übernahm eine ägyptische Besatzung das ehemalige deutsche Troßschiff und wurde mit seinen Anlagen, Maschinen und Versorgungseinrichtungen vertraut gemacht.
Zweite Laufbahn als SHALATEIN
Bei der ägyptischen Marine erhielt die ehemalige GLÜCKSBURG den Namen SHALATEIN und die Kennung A 230.
Im April 2003 verließ das Schiff gemeinsam mit dem ehemaligen deutschen Munitionstransporter ODENWALD, der von Ägypten als HALAIB übernommen worden war, Wilhelmshaven. Beide Schiffe liefen mit ihren neuen Besatzungen in Richtung Mittelmeer aus.
Die SHALATEIN wurde bei der ägyptischen Marine weiterhin als Versorgungs- und Unterstützungsschiff verwendet. Ihre großen Lagerkapazitäten und die robuste Konstruktion ermöglichten eine lange Weiterverwendung.
Auch Jahre nach der Übergabe wurde das Schiff noch in ausländischen Häfen und bei internationalen Marineaktivitäten fotografiert. Eine dauerhaft belastbare und aktuelle offizielle Angabe zu seinem heutigen Dienststatus liegt jedoch nicht vor.
Verbleib
Die ehemalige A 1414 GLÜCKSBURG wurde nach ihrer deutschen Dienstzeit nicht verschrottet, sondern als SHALATEIN A 230 von der ägyptischen Marine übernommen.
Das Troßschiff blieb damit auch nach mehr als drei Jahrzehnten unter deutscher Flagge als militärisches Versorgungsschiff erhalten. Wie lange die SHALATEIN tatsächlich im aktiven ägyptischen Flottendienst verblieb beziehungsweise ob sie heute noch verwendet wird, lässt sich anhand der öffentlich zugänglichen Quellen nicht zweifelsfrei feststellen.
Gesichert ist die Übergabe im Jahr 2003 und die anschließende Weiterverwendung unter ägyptischer Flagge.
Kameraden für Kameraden
Die GLÜCKSBURG war mehr als drei Jahrzehnte lang ein zuverlässiges Arbeitsschiff der Bundesmarine und Deutschen Marine.
Ihre Besatzungen versorgten andere Einheiten mit Kraftstoff, Wasser, Munition, Proviant und Ersatzteilen. Sie bewältigten anspruchsvolle Versorgungsmanöver, arbeiteten in Lagerräumen und Munitionskammern, hielten Maschinen und Pumpenanlagen einsatzbereit und sorgten bei Wind und Seegang für einen sicheren Betrieb.
Die Dienstzeit in Olpenitz und Wilhelmshaven, die Verlängerung zur Klasse 701C, die enge Verbindung zur Patenstadt und die spätere Übergabe an Ägypten kennzeichnen eine lange und abwechslungsreiche Laufbahn.
Die Produkte zur A 1414 GLÜCKSBURG erinnern an dieses Troßschiff der Klasse 701 und vor allem an die Kameraden, die mehr als 300.000 Seemeilen auf ihm zurückgelegt und seinen Auftrag zuverlässig erfüllt haben.