Kategorie: Troßschiff A1411 LÜNEBURG

A 1411 LÜNEBURG – Troßschiff der Lüneburg-Klasse

Das Troßschiff A 1411 LÜNEBURG war das Typschiff der aus acht Kleinen Versorgern bestehenden Lüneburg-Klasse, Klasse 701. Fast drei Jahrzehnte lang unterstützte es die Schiffe und Boote der Bundesmarine mit Kraftstoff, Frischwasser, Munition, Proviant, Ersatzteilen und zahlreichen weiteren Versorgungsgütern.

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Die LÜNEBURG gehörte zu jenen Einheiten, die nur selten im Mittelpunkt standen, für die Einsatzbereitschaft der Flotte jedoch unverzichtbar waren. Als schwimmendes Warenhaus begleitete sie vor allem Minensuchverbände bei Übungen, Ausbildungsfahrten und längeren Unternehmungen.

Bau und Indienststellung

Die LÜNEBURG wurde beim Bremer Vulkan in Bremen-Vegesack gebaut. Ihre Kiellegung erfolgte am 8. Juli 1964, der Stapellauf am 3. Mai 1965. Taufpatin war Leni Trebchen, die Ehefrau des damaligen Oberbürgermeisters der Stadt Lüneburg. Sie gab dem neuen Troßschiff den Namen der traditionsreichen niedersächsischen Salz- und Hansestadt.

Am 31. Januar 1966 wurde A 1411 LÜNEBURG als erstes Schiff der neuen Klasse in Dienst gestellt. Mit ihr begann die fast vier Jahrzehnte umfassende Geschichte der Troßschiffe der Lüneburg-Klasse.

Auftrag als Troßschiff

Die LÜNEBURG war für die operative Versorgung von Schiffen und Booten auf See vorgesehen. Sie führte rund 10.000 unterschiedliche Versorgungsartikel mit – vom allgemeinen täglichen Bordbedarf bis zu speziellen technischen Ersatzteilen.

Daneben verfügte sie über Transportkapazitäten für:

  • etwa 760 Kubikmeter Dieselkraftstoff,

  • etwa 130 Kubikmeter Frischwasser,

  • rund 200 Tonnen Munition,

  • sowie etwa 100 Tonnen sonstige Versorgungsgüter.

Eine eigene Anlage konnte darüber hinaus täglich bis zu etwa 20 Kubikmeter Frischwasser aus Seewasser herstellen.

Die Übergabe der Versorgungsgüter erfolgte im Hafen, vor Anker, längsseits oder während gemeinsamer Fahrt auf See. Kraftstoff und Wasser wurden über Schlauchverbindungen abgegeben. Munition, Proviant, Ersatzteile und anderes Stückgut konnten mithilfe der bordeigenen Lade- und Versorgungseinrichtungen übergeben werden.

Diese Manöver verlangten von Brücke, Maschine und Decksmannschaft höchste Konzentration. Die beteiligten Schiffe mussten Kurs und Geschwindigkeit genau halten, während zwischen ihnen Schläuche, Leinen und Versorgungsgeschirr ausgebracht waren.

Einsatz für die Minensuchverbände

Die LÜNEBURG war besonders auf die Versorgung der Schnellen Minensuchboote der Bundesmarine ausgerichtet. Zu ihren wichtigsten „Kunden“ gehörten zeitweise das 1. Minensuchgeschwader und das 5. Minensuchgeschwader.

Entsprechend führte das Troßschiff die für diese Boote benötigten Ersatzteile, Betriebsstoffe, Munition und Verbrauchsgüter mit. Bei Übungen, Auslandsreisen und längeren Unternehmungen begleitete die LÜNEBURG die Verbände und stellte deren Versorgung außerhalb der Heimatstützpunkte sicher.

Damit verlängerte sie die Einsatzdauer der vergleichsweise kleinen Minensuchboote erheblich. Diese mussten für die Aufnahme von Kraftstoff, Wasser oder Material nicht ständig einen Hafen anlaufen, sondern konnten länger bei ihrem Verband und im vorgesehenen Operationsgebiet verbleiben.

Verbandszugehörigkeit und Heimathafen

Die LÜNEBURG gehörte zum 1. Versorgungsgeschwader. Dieser Verband führte die hochseefähigen Unterstützungsfahrzeuge der Marine, die im Ostseebereich eingesetzt wurden, und unterstand der Versorgungsflottille.

Der Heimathafen der LÜNEBURG war Flensburg. Dort vertrat sie gemeinsam mit weiteren Unterstützungsschiffen das 1. Versorgungsgeschwader. Die Flensburger Förde bot dem Troßschiff einen günstig gelegenen Ausgangspunkt für Einsätze in der westlichen Ostsee, den dänischen Gewässern und der Nordsee.

Während ihrer langen Dienstzeit begleiteten die LÜNEBURG und ihre Besatzungen zahlreiche Übungen, Ausbildungsreisen und Geschwaderunternehmungen. Mehrere Tausend Soldaten versahen im Laufe der Jahre ihren Dienst auf dem Schiff. Insgesamt wurde die LÜNEBURG während ihrer deutschen Dienstzeit von zehn Kommandanten geführt.

Technische Daten

Die LÜNEBURG blieb anders als mehrere ihrer Schwesterschiffe während ihrer Dienstzeit weitgehend in ihrer ursprünglichen Rumpflänge erhalten.

Kennung: A 1411
Klasse: 701A
Typ: Kleiner Versorger/Troßschiff
Länge: 104,18 Meter
Breite: 13,22 Meter
Tiefgang: 4,29 Meter
Wasserverdrängung: etwa 3.483 Tonnen
Zuladung: rund 1.100 Tonnen
Antrieb: zwei Maybach-Dieselmotoren
Leistung: zweimal 2.800 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Reichweite: etwa 3.200 Seemeilen bei 14 Knoten
Besatzung: im Frieden etwa 68 bis 71 Soldaten
Bewaffnung: zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten, jeweils eine auf dem Vor- und Achterdeck.

Patenschaft mit der Stadt Lüneburg

Zwischen der Besatzung des Troßschiffes und seiner Patenstadt entwickelte sich während der gesamten Dienstzeit eine enge und herzliche Verbindung. Die Stadt Lüneburg, die Marinekameradschaft und zahlreiche Bürger begleiteten das Schiff und seine Besatzungen über viele Jahre.

Die Patenschaft bestand praktisch während der gesamten 28-jährigen Dienstzeit. Gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Begegnungen verbanden die Patenstadt mit den Kameraden an Bord. Noch kurz vor der Außerdienststellung fand 1994 ein letzter offizieller Partnerschaftsbesuch statt.

Außerdienststellung

Nach mehr als 28 Dienstjahren wurde A 1411 LÜNEBURG am 2. Juni 1994 außer Dienst gestellt. Damit endete ihre Laufbahn unter deutscher Flagge.

Die Außerdienststellung bedeutete jedoch noch nicht das Ende des Schiffes. Nach einer mehrjährigen Liegezeit wurde die ehemalige LÜNEBURG an Kolumbien abgegeben.

Zweite Laufbahn in Kolumbien

Am 27. Juni 1997 wurde das Troßschiff offiziell an die kolumbianische Marine übergeben. Dort erhielt es den Namen ARC CARTAGENA DE INDIAS und die Kennung BM 161.

Unter kolumbianischer Flagge begann für das bereits über 30 Jahre alte Schiff eine zweite lange Dienstzeit. Die CARTAGENA DE INDIAS wurde weiterhin als Versorgungs- und Unterstützungsschiff eingesetzt und blieb bis zum 20. Dezember 2017 im aktiven Dienst der kolumbianischen Marine.

Zusammengerechnet erreichte das Schiff damit eine außergewöhnliche militärische Gesamtdienstzeit von nahezu 52 Jahren.

Verbleib

Nach ihrer Außerdienststellung in Kolumbien wurde die ehemalige LÜNEBURG nicht als Museumsschiff erhalten. Im August 2019 wurde sie gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff, der ehemaligen NIENBURG, im Rahmen einer Marineübung im Pazifik versenkt.

Damit endete die Geschichte eines Schiffes, das unter zwei Flaggen mehr als ein halbes Jahrhundert im Dienst gestanden hatte.

Kameraden für Kameraden

Die LÜNEBURG war kein Schiff für große Schlagzeilen. Sie war ein Arbeitsschiff – zuverlässig, vielseitig und immer dort gefordert, wo andere Einheiten Nachschub benötigten.

Hinter jeder erfolgreichen Versorgung standen Kameraden, die Kraftstoffschläuche ausbrachten, Munition und Proviant bewegten, Ersatzteile aus zahllosen Lagerräumen heraussuchten, Maschinenwachen gingen und das Schiff bei Wind und Seegang sicher auf Kurs hielten.

Für mehrere Tausend ehemalige Besatzungsangehörige war A 1411 LÜNEBURG Arbeitsplatz, Zuhause und ein prägender Teil ihrer Marinezeit. Die Erinnerung an das Troßschiff lebt deshalb nicht nur in technischen Daten und Chroniken weiter, sondern vor allem in den Geschichten und der Kameradschaft der Männer, die auf ihm gefahren sind.

Die Produkte zur A 1411 LÜNEBURG erinnern an das Typschiff der Klasse 701, an seine außergewöhnlich lange Laufbahn unter deutscher und kolumbianischer Flagge und an alle Kameraden, die auf diesem Troßschiff ihren Dienst versahen.