Kategorie: U-Boote Klasse 201

U-Boote der Klasse 201 – Der Neubeginn der deutschen U-Boot-Waffe

Die U-Boote der Klasse 201 waren die ersten in Deutschland neu entwickelten und gebauten U-Boote nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit ihnen begann Anfang der 1960er-Jahre der Wiederaufbau der U-Boot-Waffe der Bundesmarine.

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Die Klasse sollte ein besonders kleines, schnelles und schwer zu ortendes Küsten-U-Boot hervorbringen. Eine wesentliche Neuerung war der Bau des Druckkörpers aus nichtmagnetischem Stahl. Dadurch sollten die Boote weniger empfindlich gegenüber Magnetminen sein und von magnetischen Ortungsgeräten gegnerischer U-Jagdkräfte schwerer erfasst werden können.

Das technisch anspruchsvolle Vorhaben scheiterte jedoch zunächst an schweren Materialproblemen. Bereits kurz nach der Indienststellung traten Risse und Korrosionsschäden am verwendeten Stahl auf. Von ursprünglich zwölf geplanten Booten wurden deshalb nur drei Einheiten der Klasse 201 fertiggestellt:

U 1 – S 180
U 2 – S 181
U 3 – S 182

U 1 und U 2 mussten bereits nach etwas mehr als einem Jahr wieder außer Dienst gestellt werden. U 3 wurde zunächst von der norwegischen Marine erprobt und anschließend noch bis 1967 als Schulboot der Bundesmarine eingesetzt.

Entwicklung der Klasse 201

Nach der Aufstellung der Bundesmarine im Jahr 1956 bestand ein großer Bedarf an modernen U-Booten für die Verteidigung der deutschen Küsten und der Ostseezugänge.

Die Bundesrepublik unterlag zu dieser Zeit noch internationalen Rüstungsbeschränkungen. Für deutsche U-Boote war zunächst eine maximale Standardverdrängung von 350 Tonnen vorgesehen. Der neue Entwurf musste deshalb klein bleiben und dennoch moderne Sensoren, Torpedobewaffnung, eine ausreichende Reichweite und eine hohe Unterwassergeschwindigkeit miteinander verbinden.

Am 15. Januar 1958 wurde das Ingenieurkontor Lübeck unter der Leitung des U-Boot-Konstrukteurs Ulrich Gabler mit der Entwicklung beauftragt. Im März 1959 erhielt die Howaldtswerke AG in Kiel den Auftrag zum Bau von zunächst zwölf Booten.

Die Klasse 201 war vor allem für den Einsatz in der Ostsee, den dänischen Meerengen und den küstennahen Gewässern der Nordsee vorgesehen. Dort sollten die Boote gegnerische Überwasserschiffe aufklären und mit Torpedos bekämpfen.

Optimiert für die Unterwasserfahrt

Anders als ältere U-Boote, die einen großen Teil ihrer Fahrt an der Wasseroberfläche zurücklegten, wurde die Klasse 201 von Beginn an stärker auf den getauchten Einsatz ausgerichtet.

Der Rumpf war vergleichsweise klein und strömungsgünstig gestaltet. Die schmale Turmverkleidung und die kompakte Bauweise sollten den Wasserwiderstand verringern und eine hohe Unterwassergeschwindigkeit ermöglichen.

Getaucht erreichten die Boote etwa 17 Knoten. Damit waren sie unter Wasser deutlich schneller als an der Oberfläche, wo die Höchstgeschwindigkeit bei ungefähr 10,7 Knoten lag. Diese Auslegung entsprach dem modernen Verständnis des U-Bootes als echtes Unterwasserfahrzeug und nicht mehr hauptsächlich als tauchfähiges Überwasserschiff.

Nichtmagnetischer Stahl

Die wichtigste technische Besonderheit der Klasse 201 war der aus nichtmagnetischem Stahl gefertigte Druckkörper.

Magnetminen reagieren auf Veränderungen des natürlichen Erdmagnetfeldes, die durch einen darüberfahrenden Stahlrumpf verursacht werden. Ein weitgehend unmagnetischer Bootskörper sollte das Risiko verringern, eine solche Mine auszulösen.

Zugleich erschwerte die geringe magnetische Signatur die Ortung durch U-Jagdflugzeuge und Hubschrauber, die mit magnetischen Detektoren ausgerüstet waren.

Für den Druckkörper wurde der österreichische Stahl AM 10 verwendet. Das Material erwies sich jedoch bereits nach kurzer Dienstzeit als ungeeignet. In den Tauchzellen und später auch in weiteren Bereichen wurden Risse und Korrosionsschäden festgestellt.

Die Stahlkrise

Die ersten Schäden wurden im Sommer 1962 an U 1 entdeckt. Weitere Untersuchungen zeigten, dass auch andere Boote betroffen waren.

Der verwendete Stahl besaß nicht die für einen U-Boot-Druckkörper erforderliche Beständigkeit. Die damaligen Prüfverfahren hatten diese Schwächen vor dem Baubeginn nicht ausreichend erkennen lassen.

Die als Stahlkrise bekannt gewordene Entwicklung führte zu einem Baustopp und zu einem der ersten größeren Rüstungsskandale der jungen Bundeswehr. Zu diesem Zeitpunkt waren U 1, U 2 und U 3 bereits fertiggestellt. Auch mehrere im Bau befindliche Boote der nachfolgenden Klasse 205 waren betroffen.

U 1 und U 2 wurden bereits 1963 aus dem regulären Dienst genommen. U 3 durfte wegen der Materialprobleme zeitweise nur noch bis zu einer stark begrenzten Tiefe tauchen.

Trotz des Rückschlags wurden die Entwicklungserfahrungen nicht aufgegeben. Verschiedene neue Stahlsorten wurden erprobt. Schließlich wurde mit PN 18 S2 ein geeigneter nichtmagnetischer Stahl gefunden, der bei späteren deutschen U-Boot-Klassen verwendet wurde.

Bewaffnung

Die Boote verfügten über acht nach vorn gerichtete Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter.

Da aufgrund der geringen Größe kein Raum für Reservetorpedos vorhanden war, befand sich in jedem Rohr bereits eine Waffe. Insgesamt konnten somit acht Torpedos mitgeführt werden.

Alternativ war die Aufnahme von bis zu 16 Seeminen möglich. Damit konnten die Boote neben der Bekämpfung gegnerischer Schiffe auch zum verdeckten Legen von Minensperren eingesetzt werden.

Bei U 1 wurde zeitweise zusätzlich ein nach achtern gerichtetes Torpedorohr erprobt. Es diente Versuchen mit drahtgelenkten Torpedos, wurde jedoch nicht in die späteren Serienboote übernommen.

Sensoren und Ortungsmittel

Die Klasse 201 verfügte über Sonaranlagen zur Unterwasserortung, ein Sehrohr, Navigationsmittel und Einrichtungen zur Feuerleitung.

Das Sonar war für ein U-Boot von besonderer Bedeutung. Da die Boote ihre Ziele möglichst unbemerkt unter Wasser verfolgen sollten, erfolgte die Aufklärung vor allem durch das Hören und Auswerten von Schiffsgeräuschen.

Über das Sehrohr konnten Ziele optisch beobachtet, Entfernungen geschätzt und Torpedoangriffe vorbereitet werden. Der Einsatz des Sehrohres musste jedoch möglichst kurz bleiben, da der aus dem Wasser ragende Mast vom Gegner entdeckt werden konnte.

Technische Daten

Klasse: 201
Typ: konventionelles Küsten-U-Boot
Anzahl gebaut: drei
Ursprünglich geplant: zwölf
Bauwerft: Howaldtswerke AG, Kiel
Bauzeit: 1960 bis 1962
Dienstzeit der Klasse: 1962 bis 1967
Länge: etwa 42,4 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 3,8 Meter
Verdrängung über Wasser: ungefähr 395 Tonnen
Verdrängung getaucht: ungefähr 433 Tonnen
Besatzung: 21 Soldaten
Höchstgeschwindigkeit über Wasser: etwa 10,7 Knoten
Höchstgeschwindigkeit getaucht: etwa 17 Knoten
Reichweite über Wasser: etwa 3.800 Seemeilen bei sechs Knoten
Zulässige Tauchtiefe: ursprünglich etwa 100 Meter
Bewaffnung: acht Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
Zuladung: acht Torpedos oder bis zu 16 Seeminen.

Antrieb

Die Boote besaßen einen diesel-elektrischen Antrieb.

Bei der Fahrt an der Oberfläche oder während des Schnorchelbetriebes erzeugten zwei Dieselgeneratoren den benötigten Strom. Dieser wurde zum Antrieb des Elektromotors und zum Laden der Batterien genutzt.

Bei vollständig getauchter Fahrt bezog der Elektromotor seine Energie ausschließlich aus den Batterien. Dadurch konnten die Boote unter Wasser nahezu geräuschlos fahren, waren jedoch durch die begrenzte Batteriekapazität in Reichweite und Fahrtdauer eingeschränkt.

Der Elektromotor leistete rund 1.200 PS und wirkte auf eine einzelne Welle.

Leben an Bord

Mit einer Länge von nur rund 42 Metern und einer Besatzung von 21 Mann waren die U-Boote der Klasse 201 äußerst eng.

Die Torpedorohre, Batterien, Maschinenanlagen, Zentrale, Funk- und Sonargeräte, Kombüse sowie die Wohn- und Schlafplätze mussten auf kleinstem Raum untergebracht werden.

Privatsphäre gab es praktisch nicht. Viele Einrichtungen erfüllten mehrere Funktionen. Freie Kojen wurden im Wachwechsel von unterschiedlichen Besatzungsmitgliedern genutzt. Lebensmittel und persönliche Ausrüstung mussten in jedem verfügbaren Zwischenraum verstaut werden.

Die Luft an Bord war von Dieselgeruch, Maschinenöl, Batterien, Feuchtigkeit und den Ausdünstungen der Besatzung geprägt. Während längerer Tauchfahrten stiegen Kohlendioxidanteil, Wärme und Luftfeuchtigkeit spürbar an.

Der Dienst verlangte deshalb nicht nur technisches Können, sondern auch körperliche Belastbarkeit, Disziplin und eine besonders enge Kameradschaft.

U 1 – S 180

U 1 war das Typschiff der Klasse 201.

Das Boot wurde am 8. Juni 1960 auf Kiel gelegt und lief am 21. Oktober 1961 vom Stapel. Die Taufe nahm die Ehefrau des früheren U-Boot-Kommandanten Otto Kretschmer vor. Das Boot führte als Wappen ein nach oben geöffnetes Hufeisen auf blauem Grund.

Am 20. März 1962 wurde U 1 beim 1. Ubootgeschwader in Kiel in Dienst gestellt. Bereits im Sommer desselben Jahres wurden jedoch die ersten Schäden am verwendeten Stahl entdeckt.

Am 22. Juni 1963 wurde das Boot außer Dienst gestellt. Nach einem Umbau wurde U 1 von März 1965 bis März 1966 nochmals als Erprobungsträger für ein Hecktorpedorohr und drahtgelenkte Torpedos verwendet.

Anschließend wurde das Boot ausgeschlachtet und verschrottet. Ein weitgehend neu gebautes U-Boot der Klasse 205 übernahm später erneut den Namen U 1.

U 2 – S 181

U 2 wurde am 1. September 1960 auf Kiel gelegt und am 25. Januar 1962 getauft.

Das Boot führte einen schwarzen Kater als Wappen und knüpfte damit an das frühere U 98 an. Am 3. Mai 1962 wurde U 2 beim 1. Ubootgeschwader in Kiel in Dienst gestellt.

Auch an diesem Boot traten die durch den ungeeigneten Stahl verursachten Schäden auf. Bereits am 15. August 1963 wurde U 2 wieder außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde später ausgeschlachtet und verschrottet. Ebenso wie bei U 1 wurde der Name anschließend von einem weitgehend neu gebauten Boot der Klasse 205 übernommen.

U 3 – S 182

U 3 wurde am 12. Oktober 1960 auf Kiel gelegt und am 7. Mai 1962 getauft. Patenstadt war St. Georgen im Schwarzwald, deren Wappen das Boot führte.

Noch vor der Indienststellung in der Bundesmarine wurde das fertiggestellte Boot an die norwegische Marine ausgeliehen. Dort fuhr es von Juli 1962 bis Juni 1964 unter dem Namen KNM KOBBEN und der Kennung S 310.

Norwegen nutzte das Boot zur Erprobung und zur Ausbildung eigener U-Boot-Besatzungen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen flossen in die Entwicklung der norwegischen Kobben-Klasse 207 ein.

Wegen der inzwischen bekannten Stahlprobleme wurde die zulässige Tauchtiefe zunächst auf 40 Meter begrenzt. Bei einem unbemannten Absenkversuch im Oslofjord erreichte das Boot später eine Tiefe von 114 Metern, ohne unmittelbar erkennbare Schäden zu erleiden. Daraufhin wurde die zulässige Tauchtiefe wieder auf 100 Meter erhöht.

Nach der Rückgabe durch Norwegen wurde U 3 am 20. Juni 1964 bei der Bundesmarine in Dienst gestellt. Es gehörte zur Ubootlehrgruppe in Neustadt in Holstein und wurde hauptsächlich als Schulboot verwendet.

Am 15. September 1967 wurde U 3 außer Dienst gestellt. Anschließend diente der Druckkörper noch für Festigkeits- und Ansprengversuche. Im Jahr 1970 wurde er bei einem Belastungstest im Druckdock des Marinearsenals Kiel bis zur Zerstörung geprüft und danach verschrottet.

Bedeutung für Norwegen

Die Erprobung von U 3 durch die norwegische Marine war für die weitere Entwicklung deutscher U-Boote von großer Bedeutung.

Norwegen benötigte einen Ersatz für seine älteren britischen und deutschen U-Boote. Da kein passender amerikanischer Typ verfügbar war, entschied sich das Land für eine veränderte Ausführung der deutschen Klasse 201.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Klasse 207, die in Norwegen als Kobben-Klasse bekannt wurde. Sie war der erste größere Exporterfolg des westdeutschen U-Bootbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Klasse 207 wurde mit einem geeigneteren Druckkörperstahl gebaut und erwies sich als erfolgreich. Mehrere Boote dienten später auch in Dänemark und Polen.

Vom Fehlschlag zur Grundlage späterer Klassen

Die Klasse 201 blieb wegen der Stahlprobleme nur wenige Jahre im Dienst. Dennoch wäre es falsch, sie lediglich als gescheitertes Projekt zu betrachten.

Mit ihr wurden grundlegende Konstruktionsmerkmale eingeführt, die den deutschen U-Bootbau über Jahrzehnte prägten:

  • ein kompakter, strömungsgünstiger Rumpf,

  • eine starke Ausrichtung auf den Unterwassereinsatz,

  • eine geringe magnetische Signatur,

  • hohe Unterwassergeschwindigkeit,

  • eine vergleichsweise kleine Besatzung,

  • sowie der Einsatz in flachen und küstennahen Gewässern.

Die bei Entwicklung, Bau und Erprobung gewonnenen Erfahrungen flossen unmittelbar in die Klassen 205 und 206 sowie in zahlreiche Export-U-Boote ein.

Auch der während der Stahlkrise gefundene amagnetische Stahl bildete eine wichtige Grundlage für spätere deutsche U-Boot-Generationen.

Verbleib der Klasse

Keines der drei U-Boote der Klasse 201 ist erhalten geblieben.

U 1 und U 2 wurden nach ihrer kurzen Dienstzeit ausgeschlachtet und verschrottet. U 3 wurde nach seiner Verwendung als Schul- und Erprobungsboot bei Belastungstests zerstört und ebenfalls abgewrackt.

Damit existiert heute kein vollständiges Originalboot dieser ersten deutschen Nachkriegs-U-Boot-Klasse mehr. Modelle, Fotografien, technische Unterlagen und Erinnerungsstücke bewahren jedoch die Geschichte der drei Boote.

Kameraden für Kameraden

Die U-Boote der Klasse 201 standen nur kurze Zeit im Dienst. Für die Besatzungen waren diese Jahre dennoch ein bedeutender Neubeginn.

Die Männer an Bord betraten technisch und organisatorisch weitgehend neues Gebiet. Sie erprobten die ersten deutschen U-Boot-Neubauten nach dem Zweiten Weltkrieg und sammelten Erfahrungen, auf denen alle späteren U-Boot-Klassen der Bundesmarine aufbauen konnten.

Der Dienst auf den kleinen Booten verlangte technisches Verständnis, Vertrauen und eine besonders enge Gemeinschaft. Auf nur 42 Metern Länge war jeder Kamerad auf die zuverlässige Arbeit des anderen angewiesen.

Die Klasse 201 erfüllte die Erwartungen an eine einsatzreife U-Boot-Serie nicht. Ihre technischen Probleme führten jedoch zu Erkenntnissen, die den deutschen U-Bootbau entscheidend weiterbrachten.

Die Produkte zu den U-Booten der Klasse 201 erinnern an U 1, U 2 und U 3 – an den schwierigen Neubeginn der deutschen U-Boot-Waffe und an die Kameraden, die diese ersten Boote erprobten und auf ihnen ihren Dienst versahen.

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