Kategorie: S 180 U-Boot 1

S 180 U-Boot 1 – Küsten-U-Boot und Erprobungsträger der Klasse 205 mod

S 180 U-Boot 1 war ein konventionelles Küsten-U-Boot der Klasse 205 mod und ein Ersatzbau für das zuvor unter derselben Kennung geführte U-Boot der Klasse 201.

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Das neue S 180 U-Boot 1 wurde am 26. Juni 1967 in Dienst gestellt und blieb bis zum 29. November 1991 im Bestand der Bundesmarine. Seine Laufbahn war besonders durch technische Erprobungen geprägt. Neben seiner Verwendung als reguläres Küsten-U-Boot wurde es zum Versuchsträger für neue Torpedosysteme und später für einen außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb umgebaut.

Das erste S 180 U-Boot 1 der Klasse 201

Die Geschichte von S 180 begann zunächst mit einem Boot der Klasse 201. Dieses erste U-Boot 1 wurde am 20. März 1962 als einer der ersten deutschen U-Boot-Neubauten nach dem Zweiten Weltkrieg in Dienst gestellt.

Das Boot bestand aus dem amagnetischen Stahl AM 10. Dieser Werkstoff sollte die magnetische Signatur reduzieren, erwies sich jedoch als unzureichend korrosionsbeständig. An den frühen Booten traten Risse und Materialschäden auf, die eine dauerhafte Verwendung unmöglich machten.

Das erste U-Boot 1 wurde deshalb bereits am 22. Juni 1963 außer Dienst gestellt. Nach einer zeitweiligen erneuten Verwendung als Erprobungsträger wurde das Boot ausgeschlachtet und abgebrochen. Der Name und die Kennung S 180 wurden anschließend auf einen faktischen Neubau der verbesserten Klasse 205 übertragen.

Ersatzbau als Klasse 205 mod

Das zweite S 180 U-Boot 1 war trotz der Weiterverwendung von Kennung und Bezeichnung kein einfacher Umbau des ursprünglichen Bootes.

U-Boot 1 wurde vollständig neu aufgebaut und der modifizierten Klasse 205 zugeordnet. Anstelle des problematischen amagnetischen Stahls AM 10 verwendete man den herkömmlichen ferritischen Schiffbaustahl St 52.

Damit unterschied sich S 180 von den späteren Booten U-Boot 9 bis U-Boot 12, bei denen unterschiedliche neue amagnetische Stahlsorten erprobt wurden. Der Neubau aus St 52 bot eine zuverlässige technische Grundlage, besaß jedoch nicht die geringe magnetische Signatur der aus amagnetischem Stahl gefertigten Einheiten.

Indienststellung

Das neu aufgebaute S 180 U-Boot 1 wurde bei den Howaldtswerken in Kiel fertiggestellt.

Am 26. Juni 1967 wurde es als Küsten-U-Boot der Klasse 205 mod für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Das Boot gehörte zum 1. Ubootgeschwader und war zunächst in Kiel stationiert.

Auftrag als Küsten-U-Boot

U-Boot 1 war für den verdeckten Einsatz in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen vorgesehen.

Im Verteidigungsfall sollte das Boot gegnerische Kriegsschiffe, Nachschubverbände und mögliche Landungsfahrzeuge bekämpfen. Seine geringe Größe erlaubte Einsätze in flachen und stark gegliederten Küstengewässern, in denen größere U-Boote nur eingeschränkt operieren konnten.

Die Bewaffnung bestand grundsätzlich aus acht fest im Bug eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter. Neben Torpedos konnten aus den Rohren auch Seeminen ausgestoßen werden.

Die Torpedorohre waren innerhalb des Bootes nicht nachladbar. Nach dem Verschuss der mitgeführten Waffen musste U-Boot 1 zum Nachladen einen Hafen oder eine entsprechend ausgestattete Unterstützungseinrichtung anlaufen.

Erprobung eines Hecktorpedorohres

U-Boot 1 nahm bereits in seinen unterschiedlichen Ausführungen eine besondere Rolle bei der Erprobung neuer Torpedotechnik ein.

Sowohl am ursprünglichen Boot der Klasse 201 als auch am späteren Ersatzbau wurden Versuche mit einem Hecktorpedorohr durchgeführt. Dabei ging es insbesondere um Ablaufrohre für drahtgelenkte Torpedos.

Die Versuche sollten untersuchen, wie ein Torpedo auch gegen ein hinter dem U-Boot liegendes Ziel eingesetzt werden konnte. Zugleich sammelte die Bundesmarine Erfahrungen mit der Führung drahtgelenkter Waffen, deren Kurs nach dem Abschuss weiterhin beeinflusst werden konnte.

Dienst im 1. Ubootgeschwader

Nach der Indienststellung gehörte S 180 U-Boot 1 zum 1. Ubootgeschwader.

Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel. Von dort aus nahm das Boot an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und gemeinsamen Vorhaben mit anderen Einheiten der Bundesmarine und verbündeter Marinen teil.

Die kleinen Küsten-U-Boote waren besonders für den Einsatz in der Ostsee geeignet. Ihre geringen Abmessungen und ihre vergleichsweise leise elektrische Unterwasserfahrt machten sie bei U-Jagdübungen zu anspruchsvollen Gegnern.

Mit der späteren Verlegung der deutschen U-Boot-Verbände wechselte auch U-Boot 1 nach Eckernförde.

Leben und Arbeiten an Bord

Die Besatzung von U-Boot 1 bestand aus etwa 21 bis 22 Mann.

An Bord herrschten äußerst beengte Verhältnisse. Die Gefechtsstationen, technischen Anlagen, Kojen und Aufenthaltsbereiche lagen unmittelbar nebeneinander. Eigene Rückzugsmöglichkeiten standen der Besatzung praktisch nicht zur Verfügung.

Viele Kojen wurden von mehreren Kameraden im Wechsel genutzt. Während ein Besatzungsmitglied Wache ging, konnte ein anderer den Schlafplatz übernehmen.

Der Dienst verlangte deshalb Disziplin, gegenseitige Rücksichtnahme und ein besonders enges Zusammenwirken. Jeder Kamerad musste seine Aufgabe sicher beherrschen und sich jederzeit auf die Männer an seiner Seite verlassen können.

Umbau zum Brennstoffzellen-Erprobungsträger

In den späten 1980er-Jahren erhielt U-Boot 1 eine Aufgabe, die für die spätere Entwicklung des deutschen U-Boot-Baus von großer Bedeutung war.

Das Boot wurde bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft in Kiel zum Erprobungsträger für einen außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantrieb umgebaut.

Ein konventionelles diesel-elektrisches U-Boot musste regelmäßig in Schnorcheltiefe gehen, um die Dieselmotoren zu betreiben und die Batterien aufzuladen. Dabei bestand die Gefahr, durch Radar, Infrarotsensoren oder andere Ortungsmittel entdeckt zu werden.

Die Brennstoffzelle erzeugte dagegen elektrische Energie aus Wasserstoff und Sauerstoff, ohne Außenluft zu benötigen. Dadurch konnte ein U-Boot erheblich länger vollständig getaucht bleiben.

Die erfolgreich durchgeführten Erprobungen auf U-Boot 1 bildeten eine entscheidende technische Grundlage für den späteren Brennstoffzellenantrieb der U-Boote der Klasse 212A.

Rückbau und weiterer Flottendienst

Nach Abschluss der Brennstoffzellenerprobung wurde die Versuchsanlage wieder ausgebaut.

U-Boot 1 kehrte anschließend in den regulären Flotten- und Erprobungsdienst zurück. Die mit dem Boot gewonnenen Erkenntnisse wurden jedoch weiter ausgewertet und beeinflussten die Entwicklung der nächsten Generation deutscher U-Boote.

Damit leistete S 180 einen Beitrag zu einer Technologie, die später zu einem der wichtigsten Merkmale moderner deutscher konventioneller U-Boote wurde.

Außerdienststellung

S 180 U-Boot 1 wurde am 29. November 1991 nach mehr als 24 Jahren Dienstzeit außer Dienst gestellt.

Die Außerdienststellung erfolgte in einer Phase grundlegender Veränderungen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde der Umfang der deutschen Streitkräfte reduziert, während gleichzeitig modernere U-Boot-Systeme vorbereitet wurden.

U-Boot 1 wurde jedoch auch nach dem Ende seiner militärischen Dienstzeit noch einmal für technische Versuche herangezogen.

Weitere Erprobung nach der Außerdienststellung

Nach seiner Außerdienststellung wurde U-Boot 1 von der Bauwerft übernommen.

Das Boot diente anschließend der Erprobung eines weiteren außenluftunabhängigen Antriebskonzeptes. Dabei handelte es sich um einen geschlossenen Kreislaufdieselmotor, der ohne unmittelbare Zufuhr von Außenluft betrieben werden sollte.

Auch diese Versuche verliefen erfolgreich. Das System setzte sich für die neuen deutschen U-Boote jedoch nicht gegen den Brennstoffzellenantrieb durch.

Verbleib

Nach Abschluss der verschiedenen Erprobungsprogramme wurde S 180 U-Boot 1 abgebrochen.

Das Boot blieb somit nicht als Museumsschiff erhalten. Seine historische Bedeutung liegt vor allem in seiner außergewöhnlichen Rolle als Versuchsplattform.

Die auf S 180 gewonnenen Erkenntnisse reichten von der Erprobung drahtgelenkter Torpedos bis zur Entwicklung außenluftunabhängiger Antriebssysteme. Dadurch nahm U-Boot 1 innerhalb der deutschen U-Boot-Geschichte eine besondere Stellung ein.

Bedeutung von U-Boot 1

S 180 U-Boot 1 verband mehrere Entwicklungsstufen des deutschen U-Boot-Baus miteinander.

Seine Geschichte begann mit einem der ersten Nachkriegsneubauten der Klasse 201. Nach dem Scheitern des dabei verwendeten Stahls entstand unter derselben Kennung ein weitgehend neues Boot der Klasse 205 mod.

Dieses zweite U-Boot 1 bewährte sich über mehr als zwei Jahrzehnte im Dienst und wurde zugleich immer wieder für technische Versuche genutzt.

Seine größte Bedeutung erlangte S 180 durch die Erprobung des Brennstoffzellenantriebes. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse ebneten den Weg für die Klasse 212A und damit für eine neue Generation besonders leiser und ausdauernder konventioneller U-Boote.

Von Kameraden für Kameraden

Der Dienst auf S 180 U-Boot 1 verlangte von seinen Besatzungen ein besonders enges und zuverlässiges Zusammenwirken.

Auf engem Raum arbeiteten die Kameraden nicht nur mit den regulären Anlagen eines Küsten-U-Bootes. Sie begleiteten zugleich verschiedene technische Erprobungen, bei denen neue Systeme erstmals unter realistischen Bedingungen eingesetzt wurden.

Damit trugen die Besatzungen von U-Boot 1 unmittelbar zur Weiterentwicklung der deutschen U-Boot-Waffe bei. Ihre Erfahrungen, ihre Beobachtungen und ihr sicherer Umgang mit den Versuchsanlagen waren ein wesentlicher Bestandteil der erfolgreichen Erprobungen.

Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen war S 180 jedoch nicht nur ein technischer Versuchsträger. Es war ihr Boot, ihr gemeinsamer Arbeitsplatz und für einen prägenden Abschnitt ihres Lebens ihr Zuhause unter Wasser.

Unsere Artikel zu U-Boot 1 erinnern an beide unter der Kennung S 180 geführten Boote, an ihre Besatzungen und an alle Kameraden, die während der langen Geschichte dieser Bootsbezeichnung an Bord gefahren sind.

Von Kameraden für Kameraden – zur Erinnerung an das Boot, seine Besatzungen und die gemeinsam gefahrenen Seemeilen.

Technische Daten des Ersatzbaus

Kennung: S 180
Bezeichnung: U-Boot 1
Klasse: Klasse 205 mod
Typ: Konventionelles Küsten-U-Boot, später Antriebs- und Systemerprobungsträger
Bauwerft: Howaldtswerke beziehungsweise Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
Indienststellung des Ersatzbaus: 26. Juni 1967
Außerdienststellung: 29. November 1991
Baumaterial: Ferritischer Schiffbaustahl St 52
Länge: etwa 44,3 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 3,8 bis 4 Meter
Verdrängung: etwa 419 Tonnen aufgetaucht und etwa 455 Tonnen getaucht
Antrieb: Ursprünglich diesel-elektrischer Antrieb mit zwei Dieselgeneratoren und einem elektrischen Fahrmotor
Versuchsantrieb: Zeitweise außenluftunabhängiger Brennstoffzellenantrieb
Geschwindigkeit: etwa 10 Knoten aufgetaucht und bis zu 17 Knoten getaucht
Bewaffnung: Acht Torpedorohre im Bug; zeitweise Erprobung eines Hecktorpedorohres
Besatzung: etwa 21 Mann
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, später Eckernförde
Besondere Verwendung: Erprobung drahtgelenkter Torpedos sowie außenluftunabhängiger Antriebssysteme
Verbleib: Nach Abschluss der Erprobungen abgebrochen