Kategorie: S 182 U-Boot 3
S 182 U-Boot 3 – Küsten-U-Boot der Klasse 201
Das Küsten-U-Boot U 3 mit der Kennung S 182 war die dritte und letzte fertiggestellte Einheit der Klasse 201. Anders als seine Schwesterboote U 1 und U 2 trat es zunächst nicht in den Dienst der Bundesmarine, sondern wurde vorübergehend der Königlich Norwegischen Marine überlassen.
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Dort fuhr das Boot unter dem Namen KNM Kobben und der Kennung S 310. Nach seiner Rückgabe an die Bundesrepublik Deutschland wurde es am 20. Juni 1964 als U 3 in Dienst gestellt. Seine nur gut dreijährige Dienstzeit in der Bundesmarine endete am 15. September 1967. Das Bundesarchiv bestätigt sowohl die Indienststellung als S 182 als auch die spätere Verwendung bei der Uboot-Lehrgruppe und der Erprobungsstelle 71.
Bau und Indienststellung als KNM Kobben
U 3 wurde bei den Howaldtswerken in Kiel gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 12. Oktober 1960, der Stapellauf am 7. Mai 1962. Noch bevor das Boot von der Bundesmarine übernommen wurde, stellte die Königlich Norwegische Marine es am 10. Juli 1962 als KNM Kobben in Dienst.
Norwegen benötigte zu dieser Zeit moderne U-Boote als Ersatz für ältere Einheiten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Gleichzeitig bestand Interesse am deutschen Entwurf der Klasse 201, aus dem später die für Norwegen entwickelte Klasse 207 hervorging.
Die zeitweilige Übernahme von U 3 ermöglichte es der norwegischen Marine, den deutschen Entwurf unter realistischen Einsatzbedingungen zu erproben und Erfahrungen für die Beschaffung ihrer eigenen neuen U-Boot-Klasse zu sammeln.
Dienst in der norwegischen Marine
Als KNM Kobben gehörte das Boot zur norwegischen U-Boot-Waffe und war in Haakonsvern bei Bergen stationiert. Während seiner knapp zweijährigen norwegischen Dienstzeit wurde es intensiv für Erprobungs-, Ausbildungs- und Übungsfahrten eingesetzt.
Dabei legte das Boot rund 12.100 Seemeilen zurück. Die norwegische Marine gewann umfangreiche Erkenntnisse über die Handhabung, die Manövriereigenschaften und den Betrieb des kleinen Küsten-U-Bootes.
Bemängelt wurden unter anderem der große Wendekreis bei niedrigen Fahrstufen und die nur einfach ausgestattete, offene Brücke. Gerade in den engen norwegischen Häfen und zwischen den Schären erschwerte dies den Betrieb ohne Schlepperunterstützung.
Absenkversuch im Oslofjord
Im Herbst 1963 wurde das Boot gemeinsam mit U 5 und U 6 einem Absenkversuch im Oslofjord unterzogen. Die Boote wurden ohne Besatzung und mit gefluteten Tauchzellen an Schwimmkränen in größere Tiefe abgesenkt.
KNM Kobben erreichte dabei eine Tiefe von etwa 114 Metern, ohne erkennbare Schäden davonzutragen. Auf Grundlage dieser Erprobungen wurde die zulässige Tauchtiefe auf etwa 100 Meter festgesetzt.
Diese Versuche dienten nicht der normalen Einsatzfahrt, sondern der Prüfung der Festigkeit des Druckkörpers und der Sicherheitsreserven der neuen deutschen U-Boot-Konstruktion.
Rückgabe an die Bundesmarine
Die norwegische Marine stellte KNM Kobben am 16. Juni 1964 außer Dienst und gab das Boot an die Bundesrepublik Deutschland zurück.
Nur vier Tage später, am 20. Juni 1964, wurde es als U 3 mit der Kennung S 182 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Zunächst erfolgte die Zuordnung zum 1. Ubootgeschwader. Später wurde das Boot vor allem bei der Uboot-Lehrgruppe in Neustadt in Holstein eingesetzt.
Damit unterscheidet sich der Lebenslauf von U 3 deutlich von dem seiner Schwesterboote U 1 und U 2. Diese mussten wegen der Materialprobleme ihrer Druckkörper bereits 1963 vorzeitig aus dem regulären Dienst genommen werden.
Verwendung als Schulboot
Bei der Uboot-Lehrgruppe diente U 3 vor allem der Ausbildung des Personals der jungen U-Boot-Waffe der Bundesmarine.
Auf dem Boot konnten angehende U-Boot-Fahrer die besonderen Abläufe des Bordbetriebs erlernen. Dazu gehörten unter anderem:
- das Fahren und Steuern über und unter Wasser,
- das Bedienen der Tauch- und Regelzellen,
- die Navigation in Küstengewässern,
- der Sonarbetrieb,
- das Verhalten bei technischen Störungen
- sowie das Zusammenwirken der gesamten Besatzung während einer Tauchfahrt.
Aufgrund der begrenzten Zuverlässigkeit des verwendeten amagnetischen Stahls war U 3 jedoch nur eingeschränkt für eine langfristige Verwendung als Frontboot geeignet.
Beteiligung an der letzten Fahrt von U-Hai
Am 14. September 1966 befand sich U 3 gemeinsam mit dem U-Boot Hai, dessen Schwesterboot Hecht sowie den Sicherungsschiffen Lech und Passat auf einer Fahrt von Neustadt nach Aberdeen.
Während dieser Unternehmung geriet Hai in der Nordsee in schwere See und sank. U 3 gehörte damit zu dem Verband, in dessen unmittelbarem Umfeld sich eines der schwersten Unglücke der frühen Bundesmarine ereignete.
Für U 3 selbst blieb diese Fahrt ohne vergleichbaren Schaden. Der Untergang von Hai führte jedoch zu einer umfassenden Untersuchung der Sicherheitsbedingungen und der Einsatzgrenzen älterer deutscher U-Boote.
Die Stahlkrise der Klasse 201
Die Klasse 201 war als erste vollständig neu entwickelte U-Boot-Klasse der Bundesmarine nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden. Ihr Druckkörper bestand aus einem neuartigen amagnetischen Stahl, der die Ortung durch magnetische Sensoren erschweren und die Gefahr durch Magnetminen verringern sollte.
Im praktischen Betrieb zeigte sich jedoch, dass der verwendete Stahl nicht ausreichend korrosionsbeständig war. Es kam zu Spannungsrissen und Materialschäden, welche die strukturelle Sicherheit der Boote infrage stellten.
U 1 und U 2 wurden deshalb bereits 1963 aus dem regulären Dienst genommen. Auch U 3 blieb trotz seiner intensiveren Nutzung in Norwegen und Deutschland von den grundsätzlichen Materialproblemen der Klasse betroffen. Die Serie wurde nach drei Booten beendet.
Außerdienststellung und weitere Erprobung
U 3 wurde am 15. September 1967 außer Dienst gestellt. Seine Verwendung endete damit jedoch noch nicht vollständig.
Nach der Außerdienststellung wurde das Boot bei der Erprobungsstelle 71 der Bundeswehr, der späteren Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, für Festigkeits- und Belastungsversuche genutzt. Das Bundesarchiv nennt ausdrücklich die Weiterverwendung bei der Erprobungsstelle 71.
Teile des Bootes wurden entfernt, bevor der Druckkörper weiteren Versuchen unterzogen wurde. Im Jahr 1970 erfolgte im Druckdock des Marinearsenals Kiel ein abschließender Belastungstest. Dabei wurde der Druckkörper bis zu seiner strukturellen Zerstörung mit Wasserdruck belastet.
Nach Abschluss der Versuche wurde das Boot zur Verschrottung verkauft. Das Bundesarchiv führt aus, dass alle drei Boote der Klasse 201 im Jahr 1971 verkauft wurden.
Von Kameraden für Kameraden
U 3 besaß innerhalb der Klasse 201 einen außergewöhnlichen Lebenslauf. Das Boot fuhr unter zwei Flaggen, trug zwei Namen und half sowohl der norwegischen als auch der deutschen Marine beim Aufbau einer neuen Generation kleiner Küsten-U-Boote.
Für seine Besatzungen bedeutete der Dienst auf nur etwa 42 Metern Länge ein Leben und Arbeiten auf engstem Raum. Jeder Kamerad musste seine Aufgabe sicher beherrschen, denn beim Tauchen, beim Steuern und beim Betrieb der technischen Anlagen hing die Sicherheit des Bootes vom zuverlässigen Zusammenspiel aller Besatzungsmitglieder ab.
Als Schulboot gab U 3 seine Erfahrungen an zahlreiche spätere U-Boot-Fahrer weiter. Als Erprobungsträger lieferte es nach seiner aktiven Dienstzeit zusätzliche Erkenntnisse über die Festigkeit und die Grenzen der frühen deutschen Nachkriegs-U-Boote.
U 3 steht damit nicht nur für die technischen Probleme der Klasse 201. Das Boot steht ebenso für die Kameraden, die trotz dieser Schwierigkeiten wichtige Grundlagen für die späteren und erfolgreicheren U-Boot-Klassen der Bundesmarine schufen.
Technische Daten
Bootstyp: konventionelles Küsten-U-Boot und Schulboot
Klasse: 201
Name in der Bundesmarine: U 3
Kennung in der Bundesmarine: S 182
Norwegischer Name: KNM Kobben
Norwegische Kennung: S 310
Bauwerft: Howaldtswerke, Kiel
Kiellegung: 12. Oktober 1960
Stapellauf: 7. Mai 1962
Indienststellung als KNM Kobben: 10. Juli 1962
Rückgabe durch Norwegen: Juni 1964
Indienststellung als U 3: 20. Juni 1964
Außerdienststellung: 15. September 1967
Verbandszugehörigkeit: zunächst 1. Ubootgeschwader
Spätere Verwendung: Uboot-Lehrgruppe Neustadt und Erprobungsstelle 71
Verbleib: nach Festigkeitsversuchen verkauft und verschrottet
Länge: etwa 42 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 3,8 bis 4 Meter
Verdrängung über Wasser: etwa 350 bis 395 Tonnen
Verdrängung getaucht: etwa 433 bis 450 Tonnen
Antrieb: dieselelektrisch
Dieselanlage: zwei Dieselgeneratoren
Fahrmotor: ein Elektromotor
Antriebsleistung: etwa 1.200 PS
Höchstgeschwindigkeit über Wasser: etwa 10,7 Knoten
Höchstgeschwindigkeit getaucht: etwa 17 Knoten
Reichweite über Wasser: etwa 3.800 Seemeilen bei sechs Knoten
Reichweite getaucht: etwa 230 Seemeilen
Zulässige Tauchtiefe: etwa 100 Meter
Besatzung: etwa 21 Mann
Bewaffnung: acht Torpedorohre mit 533 Millimeter Durchmesser; acht Torpedos oder bis zu 16 Seeminen
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