Kategorie: Fregatte 125 BADEN-WÜRTTEMBERG-Klasse

Fregatte 125  BADEN-WÜRTTEMBERG-Klasse

Die vier Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse, Klasse 125, gehören zu den größten und modernsten Kampfschiffen der Deutschen Marine. Sie sind für lang andauernde Einsätze in weit entfernten Seegebieten ausgelegt und übernehmen vor allem Aufgaben der Seeraumüberwachung, Stabilisierung, Präsenz, Führung und Unterstützung spezialisierter Kräfte.

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Im Unterschied zu früheren Fregattenklassen liegt ihr ursprünglicher Schwerpunkt nicht auf der klassischen U-Boot-Jagd oder der weiträumigen Verbandsflugabwehr. Die Klasse 125 ist vor allem für Einsätze in Krisenregionen konzipiert, in denen ein Schiff über viele Monate hinweg Präsenz zeigen, Seegebiete überwachen, Embargos kontrollieren, Piraterie bekämpfen oder maritime Verbände führen muss. Zugleich gewinnt die Landes- und Bündnisverteidigung für die Klasse zunehmend an Bedeutung.

Zur Baden-Württemberg-Klasse gehören:

  • F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG
  • F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN
  • F 224 SACHSEN-ANHALT
  • F 225 RHEINLAND-PFALZ

Die vier Fregatten bilden gemeinsam mit acht wechselnden Besatzungen das 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.

Entwicklung und Indienststellung

Die Baden-Württemberg-Klasse entsteht aus den Erfahrungen der Deutschen Marine mit langen Auslandseinsätzen seit den 1990er-Jahren. Bei diesen Einsätzen zeigt sich, dass Schiffe nicht nur hohe militärische Fähigkeiten benötigen, sondern auch über lange Zeiträume in einem Einsatzgebiet verfügbar bleiben müssen.

Die Klasse 125 wird deshalb von Grund auf für eine besonders intensive Nutzung entwickelt. Automatisierung, Digitalisierung, verlängerte Wartungsintervalle und ein neuartiges Mehrbesatzungskonzept ermöglichen eine deutlich höhere Einsatzverfügbarkeit als bei früheren Fregatten.

Die vier Einheiten werden nacheinander in Dienst gestellt:

  • F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG am 17. Juni 2019
  • F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN am 10. Juni 2020
  • F 224 SACHSEN-ANHALT am 17. Mai 2021
  • F 225 RHEINLAND-PFALZ am 13. Juli 2022

Damit ist die Klasse seit 2022 vollständig in der Deutschen Marine vertreten.

Für lange Einsätze ausgelegt

Ein zentrales Merkmal der Klasse 125 ist ihre Fähigkeit zur Intensivnutzung. Die Schiffe können für lange Zeiträume im Einsatzgebiet verbleiben, ohne regelmäßig in den deutschen Heimathafen zurückkehren zu müssen.

Dafür stehen vier Schiffe und insgesamt acht Besatzungen zur Verfügung. Die Besatzungen wechseln grundsätzlich im Einsatzgebiet, während das Schiff vor Ort bleibt. So kann eine Fregatte über einen deutlich längeren Zeitraum eingesetzt werden, ohne dieselbe Besatzung dauerhaft zu belasten.

Die Bundeswehr sieht für die Klasse bis zu 5.000 Betriebsstunden pro Jahr und eine Einsatzdauer von bis zu zwei Jahren außerhalb des Heimathafens vor. Auch die Abstände zwischen größeren planmäßigen Instandsetzungen sind gegenüber älteren Fregatten deutlich verlängert.

Mehrbesatzungskonzept

Die Baden-Württemberg-Klasse verfügt über eine Stammcrew von rund 126 Soldatinnen und Soldaten. Damit ist die feste Besatzung trotz der Größe und technischen Komplexität des Schiffes deutlich kleiner als bei älteren Fregatten.

Möglich wird dies durch einen hohen Automatisierungsgrad und die Zusammenfassung zahlreicher technischer und organisatorischer Abläufe. Für einen konkreten Einsatz kommen zusätzliche Kräfte an Bord, beispielsweise:

  • Bordhubschrauberbesatzungen,
  • Boardingteams,
  • Spezialkräfte,
  • Sanitätspersonal,
  • Stabspersonal,
  • Verbindungsoffiziere.

Dafür stehen bis zu rund 70 zusätzliche Plätze zur Verfügung. Das Schiff kann seine Besatzung und eingeschifften Kräfte damit flexibel an den jeweiligen Auftrag anpassen.

Auftrag und Einsatzspektrum

Die Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse übernehmen ein breites Aufgabenspektrum. Dazu gehören insbesondere:

  • Seeraumüberwachung,
  • Embargokontrolle,
  • Bekämpfung von Piraterie und Schmuggel,
  • Schutz von Seewegen,
  • Begleitung ziviler und militärischer Schiffe,
  • Führung multinationaler Marineverbände,
  • Unterstützung von Spezialkräften,
  • Evakuierungs- und Rettungsaufgaben,
  • Präsenz- und Ausbildungsmissionen,
  • Beiträge zur Landes- und Bündnisverteidigung.

Durch ihre lange Ausdauer und ihre umfangreichen Führungs- und Kommunikationsanlagen können die Schiffe auch als Führungsplattformen für größere Einsatzverbände dienen. Im 4. Fregattengeschwader übernehmen sie unter anderem Aufgaben bei UNIFIL, in NATO-Aktivitäten und bei weltweiten Präsenz- und Ausbildungsfahrten.

Einsatzboote und Spezialkräfte

Eine Besonderheit der Klasse 125 sind die vier großen Festrumpfschlauchboote des Typs Buster. Sie liegen geschützt in seitlichen Bootsnischen und können schnell zu Wasser gelassen werden.

Die Einsatzboote erreichen hohe Geschwindigkeiten und transportieren Boardingteams, Spezialkräfte oder weitere Einsatzkräfte. Sie unterstützen unter anderem bei der Kontrolle verdächtiger Fahrzeuge, beim Schutz von Handelsschiffen, bei Evakuierungen und bei Operationen in küstennahen Seegebieten.

Ergänzt wird diese Fähigkeit durch ferngesteuerte Waffenstationen, optische Sensoren, eine 360-Grad-Überwachung und ein Sonarsystem zur Erkennung von Tauchern. Dadurch kann die Fregatte auch in Häfen, vor Ankerplätzen und in engen Küstengewässern einen umfassenden Eigenschutz aufbauen.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die Bewaffnung der Baden-Württemberg-Klasse ist besonders auf lang anhaltende Stabilisierungsaufgaben, den Schutz gegen asymmetrische Bedrohungen und die Unterstützung von Kräften an Land ausgelegt.

Zur Ausrüstung gehören unter anderem:

  • ein 127-mm-Hauptgeschütz,
  • zwei 27-mm-Marineleichtgeschütze,
  • fünf ferngesteuerte 12,7-mm-Waffenstationen,
  • Seezielflugkörper,
  • zwei RAM-Starter zur Nahbereichsflugabwehr,
  • Täuschkörperanlagen,
  • elektronische Aufklärungs- und Schutzsysteme.

Das 127-mm-Geschütz kann sowohl Seeziele als auch Ziele an Land bekämpfen. Mit reichweitengesteigerter Munition dient es auch der taktischen Feuerunterstützung von Kräften an Land.

Die ferngesteuerten Waffenstationen ermöglichen die Bekämpfung kleiner, schneller Ziele, ohne dass das Bedienpersonal offen an Deck stehen muss. Das erhöht den Schutz der Besatzung insbesondere bei Einsätzen in Küstennähe oder gegen asymmetrische Bedrohungen.

Radar und Sensoren

Das Multifunktionsradar TRS-3D/NR überwacht den Luft- und Seeraum in großer Entfernung. Vier fest angeordnete Antennenflächen gewährleisten eine Rundumabdeckung des Schiffes.

Weitere Sensoren unterstützen:

  • die elektronische Aufklärung,
  • die Freund-Feind-Erkennung,
  • die optische und infrarotgestützte Zielverfolgung,
  • die Navigation,
  • die Überwachung des unmittelbaren Schiffsbereichs,
  • die Erkennung von Tauchern.

Die Klasse 125 verfügt damit über ein umfassendes Lagebild für die Seeraumüberwachung und den Eigenschutz. Sie ist jedoch nicht als Ersatz für die spezialisierten Luftverteidigungsfähigkeiten der Sachsen-Klasse ausgelegt.

Bordhubschrauber

Die Fregatten besitzen ein großes Flugdeck und einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber. Für Einsätze sind Hubschrauber des Typs Sea Lynx Mk 88A vorgesehen.

Die Bordhubschrauber erweitern den Wirkungs- und Aufklärungsradius der Schiffe. Sie übernehmen unter anderem:

  • Seeraumüberwachung,
  • Aufklärung,
  • Transport von Personen und Material,
  • Unterstützung von Boardingoperationen,
  • Rettungseinsätze,
  • Verbindungs- und Versorgungsflüge.

Durch die Verbindung von Hubschraubern, Einsatzbooten und eingeschifften Kräften kann die Fregatte auch weit außerhalb der unmittelbaren Umgebung des Schiffes wirken.

Antrieb und Seefähigkeit

Die Baden-Württemberg-Klasse verfügt über einen kombinierten dieselelektrischen und Gasturbinenantrieb nach dem CODLAG-Prinzip.

Vier Dieselmotoren erzeugen elektrische Energie für die beiden Elektromotoren. Für hohe Geschwindigkeiten wird zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet. Zwei Verstellpropeller treiben das Schiff an; ein Bugstrahlruder unterstützt bei Hafenmanövern.

Die Schiffe erreichen mehr als 26 Knoten und sind für lange Fahrten und hohe jährliche Betriebszeiten ausgelegt. Mit einer Länge von 149,5 Metern und einer Verdrängung von rund 7.200 Tonnen sind sie die größten Fregatten der Deutschen Marine.

Dienst in Wilhelmshaven

Die vier Fregatten sind in Wilhelmshaven stationiert und gehören zum 4. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2.

Das Geschwader führt neben den vier Schiffen auch die acht Besatzungen. Dieses Modell ermöglicht es, Schiffe und Besatzungen getrennt voneinander zu planen. Eine Besatzung bereitet sich in Deutschland auf den nächsten Auftrag vor, während eine andere Crew das Schiff im Einsatzgebiet führt.

Die Fregatten übernehmen regelmäßig Aufgaben in internationalen Einsätzen und Übungen. Die BADEN-WÜRTTEMBERG bestätigt das Konzept der Intensivnutzung bei einer 540 Tage dauernden Fahrt von Oktober 2023 bis April 2025, bei der drei Besatzungen nacheinander das Schiff übernehmen.

Technische Daten der Baden-Württemberg-Klasse

Schiffstyp: Mehrzweckfregatte für lang andauernde Einsätze
Klasse: 125
Einheiten: 4
Länge: 149,5 Meter
Breite: 18,8 Meter
Tiefgang: 5,4 Meter
Verdrängung: rund 7.200 Tonnen
Antrieb: kombinierter dieselelektrischer und Gasturbinenantrieb, CODLAG
Leistung: rund 29.000 Kilowatt
Geschwindigkeit: mehr als 26 Knoten
Stammbesatzung: 126 Soldatinnen und Soldaten
Zusatzpersonal: bis zu rund 70 Personen
Bordhubschrauber: bis zu zwei Sea Lynx Mk 88A
Einsatzboote: vier Buster-Festrumpfschlauchboote
Heimathafen: Wilhelmshaven
Verband: 4. Fregattengeschwader
Hauptaufgaben: Seeraumüberwachung, Stabilisierungseinsätze, Führung, Präsenz und Unterstützung spezialisierter Kräfte

Von Kameraden für Kameraden

Die Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse stehen für eine neue Form des maritimen Einsatzes. Ihre besondere Stärke liegt nicht allein in ihrer Größe, Bewaffnung oder modernen Technik, sondern in der Fähigkeit, über lange Zeiträume fern der Heimat einsatzbereit zu bleiben.

Das Mehrbesatzungskonzept verlangt ein besonders hohes Maß an Vertrauen, Disziplin und Zusammenarbeit. Jede Besatzung übernimmt ein Schiff, das zuvor von anderen Kameradinnen und Kameraden geführt wurde, und trägt die gemeinsame Verantwortung weiter.

Ob auf der Brücke, in der Operationszentrale, im Maschinenraum, auf dem Flugdeck, in den Bootsnischen oder in den technischen und seemännischen Bereichen – der Einsatz gelingt nur durch das Zusammenspiel aller an Bord.

Unsere Artikel zur Baden-Württemberg-Klasse erinnern an vier moderne Fregatten der Deutschen Marine und an die Kameraden, die auf ihnen fahren oder gefahren sind. Sie stehen für Einsatzbereitschaft, weltweite Präsenz, moderne Seemannschaft und eine Kameradschaft, die auch über wechselnde Besatzungen hinweg Bestand hat.


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