Kategorie: Fregatte F225 RHEINLAND-PFALZ

F 225 RHEINLAND-PFALZ – Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse

Die Fregatte RHEINLAND-PFALZ mit der Kennung F 225 ist die vierte und letzte Einheit der Baden-Württemberg-Klasse, Klasse 125. Sie wurde am 13. Juli 2022 in Wilhelmshaven in Dienst gestellt und gehört zum 4. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2.

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Mit ihrer Indienststellung war die Übernahme aller vier Fregatten der Klasse 125 in die Deutsche Marine abgeschlossen. Die RHEINLAND-PFALZ ist zugleich die jüngste Fregatte dieser Klasse.

Wie ihre Schwesterschiffe wurde sie ursprünglich für lang andauernde Stabilisierungseinsätze, maritime Überwachung, die Sicherung von Seewegen und die Führung multinationaler Verbände entwickelt. Aufgrund der veränderten europäischen Sicherheitslage wird sie inzwischen jedoch zunehmend auch für Übungen und Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung herangezogen.

Bau und Fertigstellung

Die RHEINLAND-PFALZ entstand als letzte Einheit des Beschaffungsprogramms F125. Gebaut wurden die vier Fregatten durch die Arbeitsgemeinschaft ARGE F125, die aus thyssenkrupp Marine Systems und der damaligen Fr. Lürssen Werft bestand.

Wie bei ihren Schwesterschiffen erfolgte der Bau arbeitsteilig. Große vorgefertigte Sektionen wurden auf verschiedenen Werften hergestellt, anschließend zusammengefügt, ausgerüstet und erprobt.

Beim Bau der letzten Einheit konnten bereits Erfahrungen aus der Fertigung und Erprobung der BADEN-WÜRTTEMBERG, der NORDRHEIN-WESTFALEN und der SACHSEN-ANHALT berücksichtigt werden.

Taufe und Namensgebung

Die Fregatte wurde auf den Namen des Bundeslandes Rheinland-Pfalz getauft.

Sie führt damit einen traditionsreichen Namen innerhalb der Deutschen Marine fort. Ihre unmittelbare Namensvorgängerin war die Fregatte F 209 RHEINLAND-PFALZ der Bremen-Klasse, die von 1983 bis 2013 im Dienst stand.

Die Kennung F 225 war zuvor von der Fregatte BRAUNSCHWEIG der Köln-Klasse geführt worden. Zwischen der früheren F 225 BRAUNSCHWEIG und der heutigen RHEINLAND-PFALZ besteht jedoch keine Namens- oder Traditionsfolge.

Die Patenschaft verbindet das Schiff und seine wechselnden Besatzungen mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz.

Übernahme und Indienststellung

Die RHEINLAND-PFALZ wurde als letzte Einheit der Klasse an die Bundeswehr übergeben. Ihre offizielle Indienststellung erfolgte am 13. Juli 2022 in Wilhelmshaven.

Mit diesem Tag war das F125-Bauprogramm aus Sicht der Marine vollständig abgeschlossen. Alle vier vorgesehenen Schiffe befanden sich nun im aktiven Dienst:

  • F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG

  • F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN

  • F 224 SACHSEN-ANHALT

  • F 225 RHEINLAND-PFALZ

Die Indienststellung bedeutete jedoch noch nicht automatisch die vollständige operative Einsatzbereitschaft. Wie bei modernen Kriegsschiffen üblich, folgten weitere Ausbildungsabschnitte, technische Nachweise und militärische Fähigkeitsüberprüfungen.

Verbandszugehörigkeit

Die RHEINLAND-PFALZ gehört zum 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.

Das Geschwader ist Teil der Einsatzflottille 2 und führt alle vier Fregatten der Klasse 125 sowie die für sie vorgesehenen Besatzungen. Zu den Aufgaben des Verbandes gehören großflächige Seeraumüberwachung, Schutz maritimer Nachschubwege, Abwehr hybrider Bedrohungen und die Führung multinationaler Marineverbände.

Mehrbesatzungskonzept

Die RHEINLAND-PFALZ ist nicht dauerhaft nur einer einzigen Stammbesatzung zugeordnet.

Für die vier Fregatten der Klasse 125 stehen mehrere Besatzungen zur Verfügung. Diese werden unabhängig von einer bestimmten Plattform ausgebildet und können nacheinander auf verschiedenen Schiffen der Klasse eingesetzt werden.

Das Schiff kann dadurch grundsätzlich im Einsatzgebiet verbleiben, während seine Besatzung in einem geeigneten Hafen ausgewechselt wird. Das ursprüngliche Konzept sieht vor, dass ein Schiff bis zu zwei Jahre außerhalb des Heimathafens betrieben werden kann und die Besatzungen sich ungefähr im Viermonatsturnus ablösen.

Diese Trennung von Schiff und Besatzung gehört zu den größten organisatorischen Neuerungen der Klasse 125.

Aufgabenprofil

Die RHEINLAND-PFALZ wurde ursprünglich vor allem für lang andauernde Einsätze niedriger und mittlerer Intensität entwickelt.

Zu ihren vorgesehenen Aufgaben gehören:

  • großflächige Seeraumüberwachung,

  • Schutz internationaler Schifffahrtswege,

  • Sicherung militärischer Nachschubwege,

  • Durchsetzung von Embargos,

  • Bekämpfung von Piraterie und Schmuggel,

  • Abwehr asymmetrischer Bedrohungen,

  • Einsatz von Boarding- und Spezialkräften,

  • Evakuierungs- und Rettungsoperationen,

  • Unterstützung von Kräften an Land,

  • Führung multinationaler Marineverbände.

Mit der stärkeren Ausrichtung der Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung gewinnen inzwischen auch klassische Gefechtsaufgaben, die Zusammenarbeit mit NATO-Kampfverbänden und der Schutz vor Flugkörpern, Flugzeugen und gegnerischen Überwassereinheiten an Bedeutung.

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung der RHEINLAND-PFALZ besteht aus einem 127-Millimeter-Geschütz auf dem Vorschiff.

Das Geschütz kann gegen Ziele auf See und an Land eingesetzt werden. Die große Reichweite ermöglicht grundsätzlich auch die Unterstützung eigener oder verbündeter Kräfte in Küstennähe.

Zur weiteren Bewaffnung gehören:

  • Seezielflugkörper RGM-84 Harpoon,

  • zwei Starter für das Nahbereichsflugabwehrsystem RIM-116 RAM,

  • zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen,

  • fünf ferngesteuerte schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter,

  • Täuschkörperwurfanlagen des Typs MASS.

Die leichten und mittleren Waffen sind so angeordnet, dass Bedrohungen durch kleine, schnelle Boote aus mehreren Richtungen bekämpft werden können.

Die serienmäßige Flugabwehr beschränkt sich hauptsächlich auf das RAM-System für den Nahbereich. Eine weitreichende Verbandsflugabwehr wie bei der Sachsen-Klasse gehörte nicht zum ursprünglichen Entwurf der F125.

Sensoren und elektronische Aufklärung

Die RHEINLAND-PFALZ verfügt über moderne Radar-, Infrarot- und elektronische Aufklärungssysteme.

Zur Ausstattung gehören unter anderem:

  • Multifunktionsradar TRS-3D/NR,

  • elektronische Aufklärungsanlage KORA,

  • optische und infrarotgestützte Zielverfolgungssysteme,

  • 360-Grad-Infrarotüberwachung,

  • Navigationsradare,

  • Freund-Feind-Kennung,

  • Taucher-Detektionssonar.

Ein klassisches weitreichendes U-Boot-Jagdsonar gehört nicht zur ursprünglichen Hauptausstattung. Darin unterscheidet sich die Klasse deutlich von älteren deutschen Fregatten, deren Hauptauftrag in der U-Boot-Jagd lag.

Bordhubschrauber

Die RHEINLAND-PFALZ besitzt ein großes Flugdeck und einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber.

Bordhubschrauber erweitern den Aufklärungs- und Einsatzradius der Fregatte erheblich. Sie können unter anderem verwendet werden für:

  • Seeraumüberwachung,

  • Aufklärung,

  • Transport von Personal und Material,

  • Unterstützung von Boardingkräften,

  • Seenotrettung,

  • Bekämpfung von Seezielen.

Während einer Übung vor Norwegen wurde die Zusammenarbeit der RHEINLAND-PFALZ mit einem Marinehubschrauber des Typs Sea King öffentlich dokumentiert. Dabei wurden Personal und Material zwischen Hubschrauber und Fregatte transportiert.

Einsatzboote und zusätzliche Kräfte

Die Fregatte führt mehrere schnelle Festrumpfschlauchboote mit.

Sie können seitlich aus speziellen Bootsnischen zu Wasser gelassen werden und dienen insbesondere:

  • dem Einsatz von Boardingteams,

  • dem Transport von Spezialkräften,

  • der Kontrolle verdächtiger Schiffe,

  • Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen,

  • Verbindungs- und Transportaufgaben.

Zusätzlich zur regulären Stammbesatzung können abhängig vom Auftrag weitere Kräfte eingeschifft werden, darunter Angehörige des Seebataillons, Sanitätspersonal, Sprachmittler, Stabspersonal und Hubschrauberbesatzungen.

Antrieb

Die RHEINLAND-PFALZ besitzt einen kombinierten dieselelektrischen und Gasturbinenantrieb nach dem CODLAG-Prinzip.

Vier Dieselmotoren erzeugen elektrische Energie. Zwei Elektrofahrmotoren treiben bei wirtschaftlicher Fahrt die beiden Verstellpropeller an. Für höhere Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.

Die Gesamtleistung beträgt rund 29.000 Kilowatt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 26 Knoten. Ein Bugstrahlruder erleichtert das Manövrieren im Hafen und bei langsamer Fahrt.

Ausbildung nach der Indienststellung

Nach ihrer Indienststellung begann für die RHEINLAND-PFALZ die Phase der Ausbildung und Herstellung der Einsatzbereitschaft.

Dabei mussten Schiff und Besatzungen umfangreiche Fähigkeiten nachweisen:

  • Navigation und Seemannschaft,

  • technische Betriebsführung,

  • Brand- und Leckabwehr,

  • Flugdienst,

  • Einsatz der Waffen,

  • elektronische Kampfführung,

  • Versorgung auf See,

  • Einsatz von Boardingkräften,

  • Zusammenarbeit mit anderen Schiffen,

  • Führung innerhalb multinationaler Verbände.

Da die Besatzungen der Klasse 125 unabhängig von einem einzelnen Schiff eingesetzt werden, müssen sowohl die jeweilige Plattform als auch die auf ihr eingesetzte Besatzung ihre Befähigung nachweisen.

Übung Heimdall 2022

Bereits 2022 nahm die RHEINLAND-PFALZ an der Übung Heimdall im Nordmeer vor Norwegen teil.

Dabei wurde unter anderem die Versorgung auf See trainiert. Der Einsatzgruppenversorger BERLIN versorgte gleichzeitig die Fregatten RHEINLAND-PFALZ und SCHLESWIG-HOLSTEIN.

Solche Manöver gehören zu den wichtigsten Voraussetzungen für längere maritime Operationen. Treibstoff, Material und Versorgungsgüter werden dabei während der Fahrt zwischen den beteiligten Schiffen übertragen.

Die Übung zeigte zugleich, dass die jüngste Fregatte der Klasse bereits kurz nach ihrer Indienststellung in größere Ausbildungsverbände eingebunden wurde.

Missile Firing Exercise 2023

Im Jahr 2023 nahm die RHEINLAND-PFALZ an der Missile Firing Exercise im Nordmeer teil.

Die Übung diente dem scharfen Schuss und der Gefechtsausbildung unter realitätsnahen Bedingungen. Gemeinsam mit der Flugabwehrfregatte HESSEN trainierte die Besatzung die gegenseitige Sicherung und das Zusammenwirken unterschiedlicher Schiffstypen.

Während die RHEINLAND-PFALZ als Fregatte der Klasse 125 für lang andauernde Seeraumüberwachung und Stabilisierungseinsätze ausgelegt ist, besitzt die HESSEN besonders leistungsfähige Fähigkeiten zur Flugabwehr. Beide Schiffe ergänzten sich deshalb innerhalb des Übungsverbandes.

Die Teilnahme war ein wichtiger Schritt bei der Ausbildung für anspruchsvollere Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung.

Öffentlichkeitsarbeit

Die RHEINLAND-PFALZ wurde auch für repräsentative und öffentlichkeitswirksame Aufgaben eingesetzt.

Bei einem Tag der offenen Tür im Marinearsenal Wilhelmshaven konnte die Fregatte von Besucherinnen und Besuchern besichtigt werden. Gemeinsam mit weiteren Marineeinheiten vermittelte sie dabei einen Einblick in die Aufgaben, Technik und Arbeitsbedingungen an Bord eines modernen Kriegsschiffes.

Solche Veranstaltungen stärken die Verbindung zwischen Marine, Patenland und Öffentlichkeit.

Bisheriger Einsatzstand

Bis zum Stand Juli 2026 ist für die RHEINLAND-PFALZ in den ausgewerteten offiziellen Quellen kein länger andauernder eigenständiger Auslandseinsatz mit ausreichend belastbaren Einzelangaben dokumentiert.

Ihr bisher nachvollziehbarer Dienstweg ist vor allem geprägt durch:

  • Übernahme und Indienststellung,

  • Ausbildung der Besatzungen,

  • technische und militärische Fähigkeitsnachweise,

  • Versorgung auf See,

  • Übungen im Nordmeer,

  • scharfe Waffenausbildung,

  • Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der Deutschen Marine,

  • Öffentlichkeitsarbeit.

Das bedeutet nicht, dass das Schiff ausschließlich in deutschen Gewässern eingesetzt wurde. Es bedeutet lediglich, dass derzeit kein längerer Einsatz mit einer ähnlich ausführlichen offiziellen Dokumentation vorliegt wie bei den UNIFIL-Fahrten der BADEN-WÜRTTEMBERG oder NORDRHEIN-WESTFALEN.

Technische Daten

  • Schiffstyp: Fregatte

  • Klasse: Baden-Württemberg-Klasse

  • Klassenbezeichnung: Klasse 125

  • Kennung: F 225

  • Namensgeber: Bundesland Rheinland-Pfalz

  • Indienststellung: 13. Juli 2022

  • Heimathafen: Wilhelmshaven

  • Verbandszugehörigkeit: 4. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2

  • Länge über alles: 149,5 Meter

  • Breite: 18,8 Meter

  • Tiefgang: 5,4 Meter

  • Verdrängung: etwa 7.200 Tonnen

  • Antrieb: CODLAG

  • Gasturbine: eine

  • Dieselmotoren zur Stromerzeugung: vier

  • Elektrofahrmotoren: zwei

  • Gesamtleistung: rund 29.000 Kilowatt

  • Propeller: zwei Verstellpropeller

  • Bugstrahlruder: eines

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 26 Knoten

  • Stammbesatzung: etwa 126 Personen

  • Bordhubschrauber: bis zu zwei

  • Hauptgeschütz: ein 127-Millimeter-Geschütz

  • Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon

  • Nahbereichsflugabwehr: RIM-116 RAM

  • weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und fünf ferngesteuerte 12,7-Millimeter-Maschinengewehre

  • Täuschkörpersystem: MASS.

Aktueller Status

Die Fregatte RHEINLAND-PFALZ befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine.

Sie gehört zum 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven und ist die jüngste der vier Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse. 

Historische Einordnung

Die Indienststellung der RHEINLAND-PFALZ markierte den Abschluss eines der bedeutendsten deutschen Marineschiffbauprogramme der vergangenen Jahrzehnte.

Mit ihr standen erstmals alle vier Fregatten der Klasse 125 für Ausbildung und Einsatz zur Verfügung. Die RHEINLAND-PFALZ übernahm dabei als jüngste Einheit bereits früh Aufgaben innerhalb größerer Marineverbände und nahm an anspruchsvollen Übungen im Nordmeer teil.

Ihre bisherige Laufbahn zeigt zugleich den Wandel des Einsatzprofils der Klasse:

Ursprünglich wurden die Schiffe vor allem für lang andauernde Stabilisierungseinsätze, Embargokontrollen und maritime Präsenzmissionen entworfen. Inzwischen werden sie zunehmend für Szenarien der Landes- und Bündnisverteidigung ausgebildet.

Die Zusammenarbeit mit der Flugabwehrfregatte HESSEN bei der Missile Firing Exercise 2023 und die Versorgung im Verband während Heimdall 2022 stehen beispielhaft für diese Entwicklung.

Als aktive und erst 2022 in Dienst gestellte Fregatte befindet sich die Geschichte der RHEINLAND-PFALZ noch in ihrer Anfangsphase. Künftige Übungen, Missionen und technische Weiterentwicklungen werden ihren Lebenslauf weiter ergänzen.