Kategorie: Fregatte F222 BADEN-WÜRTTEMBERG

F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG – Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse

Die Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG mit der Kennung F 222 ist das Typschiff der Baden-Württemberg-Klasse, Klasse 125. Sie wurde als erste der vier neuen Fregatten am 17. Juni 2019 in Dienst gestellt und gehört zum 4. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven.

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Die BADEN-WÜRTTEMBERG nimmt innerhalb ihrer Klasse eine besondere Stellung ein. Als Typschiff diente sie nicht nur der Einführung eines neuen Schiffstyps, sondern auch der praktischen Erprobung eines grundsätzlich veränderten Einsatzkonzepts. Dazu gehören eine stark reduzierte Stammbesatzung, eine weitreichende Automatisierung, wechselnde Besatzungen und die Fähigkeit, über sehr lange Zeiträume außerhalb Deutschlands eingesetzt zu werden.

Ihre bisherige Dienstzeit ist deshalb eng mit der Einführung und Bewährung der Klasse 125 verbunden.

Entwicklung und Bauprogramm

Die BADEN-WÜRTTEMBERG entstand im Rahmen des Bauprogramms F125. Die Klasse wurde für lang andauernde Stabilisierungseinsätze, weltweite Präsenz, Seeraumüberwachung und die Führung multinationaler Verbände entwickelt.

Im Unterschied zu den Fregatten der Bremen-, Brandenburg- und Sachsen-Klasse lag der ursprüngliche Schwerpunkt nicht auf der klassischen U-Boot-Jagd oder der weiträumigen Luftverteidigung eines Flottenverbandes. Die neue Klasse sollte vor allem dauerhaft in weit entfernten Krisengebieten operieren können.

Das Beschaffungs- und Erprobungsprogramm verlief nicht ohne Schwierigkeiten. Das Typschiff wurde nach einer ersten Übergabe wegen technischer und konstruktiver Beanstandungen nochmals an die Industrie zurückgegeben. Erst nach weiteren Arbeiten, Prüfungen und Erprobungen konnte die BADEN-WÜRTTEMBERG endgültig übernommen und 2019 in Dienst gestellt werden.

Indienststellung

Am 17. Juni 2019 wurde F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG als erste Einheit der Klasse 125 offiziell in Dienst gestellt. Heimathafen wurde Wilhelmshaven. Die Fregatte gehört seither zum 4. Fregattengeschwader, in dem alle vier Schiffe der Klasse und ihre insgesamt acht Besatzungen zusammengefasst sind.

Mit ihrer Indienststellung begann zugleich die operative Einführung der neuen Klasse in die Deutsche Marine.

Die BADEN-WÜRTTEMBERG war das erste Schiff, an dem die Marine die besonderen Verfahren der Intensivnutzung, der technischen Betreuung und des Besatzungswechsels unter realen Bedingungen umfassend erproben konnte.

Namensgebung und Patenschaft

Namensgeber ist das Bundesland Baden-Württemberg.

Die Namensgebung folgt der bei deutschen Fregatten seit Jahrzehnten gepflegten Tradition, größere Überwasserkampfschiffe nach Bundesländern oder deutschen Städten zu benennen. Zwischen Schiff, Besatzungen und Patenland wird eine dauerhafte Verbindung gepflegt.

Die Kennung F 222 war zuvor bereits von der ersten Fregatte AUGSBURG der Köln-Klasse geführt worden. Zwischen beiden Schiffen besteht jedoch keine direkte Traditions- oder Namensfolge.

Einordnung in die Klasse 125

Die BADEN-WÜRTTEMBERG ist mit einer Länge von 149,5 Metern und einer Verdrängung von etwa 7.200 Tonnen deutlich größer als die älteren deutschen Fregattenklassen.

Trotz ihrer Größe beträgt die reguläre Stammbesatzung nur etwa 126 Personen. Dies wird durch einen hohen Automatisierungsgrad bei Antrieb, Schiffstechnik, Überwachung, Schadensabwehr und Führungssystemen ermöglicht.

Zusätzlich können je nach Auftrag weitere Kräfte eingeschifft werden, beispielsweise:

  • Boardingteams,

  • Angehörige des Seebataillons,

  • Spezialkräfte,

  • Sanitätspersonal,

  • Stabspersonal,

  • Sprachmittler,

  • Hubschrauberbesatzungen und technisches Personal.

Die Fregatte ist dadurch weniger als reines Plattform-Besatzungs-System zu verstehen, sondern als flexibel zusammensetzbarer maritimer Einsatzverband.

Mehrbesatzungskonzept

Die BADEN-WÜRTTEMBERG ist nicht dauerhaft einer einzigen Besatzung zugeteilt.

Das 4. Fregattengeschwader verfügt für die vier Schiffe über insgesamt acht Besatzungen. Diese werden unabhängig von einem bestimmten Schiff ausgebildet und können nacheinander auf unterschiedlichen Einheiten eingesetzt werden.

Bei einem langfristigen Einsatz verbleibt das Schiff im Einsatzgebiet, während die Besatzung grundsätzlich nach etwa vier Monaten in einem geeigneten Hafen gewechselt werden kann. Dadurch soll eine Einsatzdauer von bis zu zwei Jahren möglich sein, ohne dass das Schiff zwischendurch in seinen Heimathafen zurückkehren muss.

Die BADEN-WÜRTTEMBERG wurde zum ersten großen praktischen Erprobungsträger dieses Konzepts.

Aufgaben und Fähigkeiten

Das ursprüngliche Einsatzprofil der Fregatte umfasst vor allem:

  • Seeraumüberwachung,

  • Embargoüberwachung,

  • Schutz internationaler Schifffahrtswege,

  • Bekämpfung von Piraterie,

  • Abwehr asymmetrischer Bedrohungen,

  • Einsatz von Boardingkräften,

  • Unterstützung von Spezialkräften,

  • Evakuierungsoperationen,

  • Führung multinationaler Marineverbände,

  • maritime Präsenz in Krisenregionen.

Das 4. Fregattengeschwader nennt insbesondere die Überwachung großer Seegebiete, die Sicherung von Nachschubwegen und Einsätze wie UNIFIL vor dem Libanon als typische Aufgaben der Klasse.

Mit der erneuten stärkeren Ausrichtung der Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung wird die BADEN-WÜRTTEMBERG inzwischen auch für anspruchsvollere Gefechtsszenarien, maritime Abschreckung und die Zusammenarbeit mit NATO-Kräften herangezogen.

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung der BADEN-WÜRTTEMBERG besteht aus einem 127-Millimeter-Geschütz auf dem Vorschiff.

Das Geschütz kann gegen See- und Landziele eingesetzt werden. Die Bundeswehr gibt seine Reichweite mit mehr als 80 Kilometern an. Damit kann die Fregatte auch Kräfte an Land aus größerer Entfernung unterstützen.

Zur weiteren Bewaffnung gehören:

  • zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen,

  • fünf ferngesteuerte schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter,

  • Seezielflugkörper RGM-84 Harpoon,

  • zwei Starter für den Nahbereichsflugkörper RIM-116 RAM,

  • vier MASS-Täuschkörperwurfanlagen.

Die zahlreichen ferngesteuerten leichten und mittleren Waffen dienen insbesondere der Abwehr kleiner, schneller Boote und anderer Bedrohungen im unmittelbaren Umfeld des Schiffes.

Einsatzboote

Die BADEN-WÜRTTEMBERG führt vier große Festrumpfschlauchboote vom Typ Buster mit.

Diese Boote können Geschwindigkeiten von bis zu 40 Knoten erreichen, jeweils bis zu 15 Personen aufnehmen und besitzen eine Reichweite von etwa 130 Kilometern. Sie dienen unter anderem:

  • dem Transport von Boardingteams,

  • dem Einsatz von Spezialkräften,

  • der Kontrolle verdächtiger Schiffe,

  • Rettungs- und Evakuierungsaufgaben,

  • dem Schutz von Konvois gegen kleine Angreifer.

Die vier Einsatzboote gehören zu den prägendsten taktischen Merkmalen der Klasse.

Bordhubschrauber

Die Fregatte verfügt über ein großes Flugdeck und einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber.

Während ihrer bisherigen Einsatzfahrten kamen vor allem Hubschrauber vom Typ Sea Lynx Mk 88A zum Einsatz. Sie dienen als verlängerter Aufklärungs- und Wirkarm des Schiffes und können Aufgaben bei der Seeraumüberwachung, beim Transport, bei der Unterstützung von Boardingoperationen und bei der Bekämpfung von Seezielen übernehmen.

Während des Indo-Pacific Deployment 2024 begleiteten zwei Sea-Lynx-Bordhubschrauber den deutschen Marineverband und nahmen an zahlreichen Übungen teil.

Sensoren und elektronische Aufklärung

Zur Sensorenausstattung gehören unter anderem:

  • das Multifunktionsradar TRS-3D/NR,

  • das elektronische Aufklärungssystem KORA 18,

  • zwei optische und infrarotgestützte Zielverfolgungssysteme MSP 600,

  • die 360-Grad-Infrarotüberwachung SIMONE,

  • vier Navigationsradare,

  • ein Freund-Feind-Kennungssystem,

  • ein Taucher-Detektionssonar.

Das Multifunktionsradar kann nach Angaben der Bundeswehr mehr als 1.500 Ziele verfolgen und besitzt eine Reichweite von über 250 Kilometern.

Ein klassisches weitreichendes U-Boot-Jagdsonar gehört nicht zur ursprünglichen Hauptausstattung. Dies verdeutlicht die ursprüngliche Ausrichtung der Klasse auf Stabilisierungseinsätze und asymmetrische Bedrohungen.

Antrieb

Die BADEN-WÜRTTEMBERG besitzt einen kombinierten dieselelektrischen und Gasturbinenantrieb nach dem CODLAG-Prinzip.

Vier Dieselmotoren erzeugen elektrische Energie. Zwei Elektrofahrmotoren treiben die beiden Verstellpropeller bei wirtschaftlicher Fahrt an. Für höhere Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.

Die Gesamtleistung beträgt rund 29.000 Kilowatt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 26 Knoten. Ein Bugstrahlruder unterstützt das Manövrieren bei langsamer Fahrt und im Hafen.

Erprobung und Einsatzvorbereitung

Die ersten Jahre nach der Indienststellung waren durch die weitere operative Erprobung, technische Nacharbeiten und die Ausbildung der Besatzungen geprägt.

Für das Typschiff mussten nicht nur klassische Fähigkeiten wie Navigation, Seemannschaft, Schießabschnitte und Flugdienst nachgewiesen werden. Ebenso wichtig waren:

  • der Wechsel vollständiger Besatzungen,

  • die technische Betreuung in fremden Häfen,

  • die Versorgung über lange Zeiträume,

  • die Zusammenarbeit mit zusätzlich eingeschifften Kräften,

  • die Nutzung der Einsatzboote,

  • die Führung des Schiffes durch unterschiedliche Crews.

Erst nach Abschluss der notwendigen Ausbildung und Einsatzprüfung konnte die BADEN-WÜRTTEMBERG zu ihrem ersten regulären Auslandseinsatz auslaufen.

Erster Einsatz bei UNIFIL 2023/2024

Am 20. Oktober 2023 verließ die BADEN-WÜRTTEMBERG Wilhelmshaven zu ihrem ersten Einsatz.

Sie wurde der maritimen Komponente der UN-Mission UNIFIL vor der Küste des Libanon unterstellt. Es war zugleich der erste reguläre Einsatz einer Fregatte der Klasse 125.

Die Maritime Task Force von UNIFIL überwacht das Seegebiet vor dem Libanon. Zu ihren Aufgaben gehört insbesondere, illegalen Waffenschmuggel über See zu verhindern und die libanesische Marine beim Aufbau eigener Fähigkeiten zu unterstützen.

Die BADEN-WÜRTTEMBERG überwachte gemeinsam mit Schiffen anderer Nationen ein Seegebiet von ungefähr 200 mal 80 Kilometern. Dieses Gebiet entspricht in seiner Größe etwa dem Bundesland Schleswig-Holstein.

Zu den praktischen Aufgaben gehörten:

  • Identifizierung und Überwachung von Schiffen,

  • Lagebilderstellung,

  • Kontaktaufnahme mit Handelsschiffen,

  • Einsatz von Boardingkräften,

  • Unterstützung der libanesischen Marine,

  • Zusammenarbeit mit den übrigen Einheiten der UNIFIL Maritime Task Force.

Der Einsatz fiel in eine besonders angespannte Phase nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der anschließenden Verschärfung der Lage im Nahen Osten.

Wechsel der Besatzung

Während der langen Abwesenheit wurde die Besatzung der BADEN-WÜRTTEMBERG mehrfach gewechselt.

Das Schiff blieb dabei außerhalb Deutschlands. In geeigneten Häfen übernahmen neue Besatzungen nach einer geregelten Übergabe die Verantwortung für Plattform, Technik, Einsatzauftrag und eingeschiffte Kräfte.

Damit wurde das Mehrbesatzungskonzept erstmals in einem langen, zusammenhängenden Einsatz- und Ausbildungszeitraum praktisch angewandt.

Indo-Pacific Deployment 2024

Nach der ersten UNIFIL-Phase begann für die BADEN-WÜRTTEMBERG gemeinsam mit dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN das Indo-Pacific Deployment 2024.

Die Fahrt diente der militärischen Zusammenarbeit mit Partnerstaaten, der Teilnahme an internationalen Übungen und der deutschen maritimen Präsenz in einer sicherheitspolitisch und wirtschaftlich besonders wichtigen Region.

Der Verband nahm unter anderem an der multinationalen Großübung RIMPAC 2024 vor Hawaii teil. Erstmals beteiligten sich zwei Schiffe der Deutschen Marine gemeinsam an dieser von den Vereinigten Staaten ausgerichteten Übung.

An RIMPAC nahmen mehr als 25.000 Soldatinnen und Soldaten, rund 40 Schiffe, drei U-Boote und mehr als 150 Luftfahrzeuge teil.

Während der Übung wurde unter anderem trainiert:

  • gemeinsames Operieren großer multinationaler Verbände,

  • Flugabwehr,

  • Bekämpfung von See- und Landzielen,

  • U-Boot-Jagd im Zusammenwirken mit Partnern,

  • Versorgung auf See,

  • humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe.

Auch das 127-Millimeter-Hauptgeschütz der BADEN-WÜRTTEMBERG kam während RIMPAC zum Einsatz.

Hafenbesuche und Zusammenarbeit im Indo-Pazifik

Im Rahmen der Fahrt besuchte die BADEN-WÜRTTEMBERG zahlreiche Partnerstaaten.

Vom 20. bis 27. August 2024 lagen die Fregatte und die FRANKFURT AM MAIN in Tokio und Yokosuka. Der Hafenbesuch diente dem Austausch mit den japanischen Seestreitkräften und der Vertiefung der deutsch-japanischen Sicherheitskooperation.

Weitere Abschnitte der Fahrt führten den Verband durch verschiedene Seegebiete des Pazifiks und Südostasiens. Die Schiffe übten mit Partnern, führten diplomatische Hafenbesuche durch und demonstrierten die Fähigkeit der Deutschen Marine, über große Entfernungen hinweg gemeinsam mit Verbündeten zu operieren.

Rückkehr zu UNIFIL

Nach Abschluss des Indo-Pacific Deployment kehrte die BADEN-WÜRTTEMBERG erneut in das östliche Mittelmeer zurück.

Dort wurde sie wieder in die maritime UNIFIL-Mission eingebunden und patrouillierte vor der libanesischen Küste. Noch im Februar 2025 wurde sie als Teil der multinationalen Maritime Task Force im Einsatzgebiet geführt.

Damit verband die Gesamtfahrt zwei völlig unterschiedliche Einsatzarten:

  • einen operativen UN-Einsatz in einer Krisenregion,

  • eine weitreichende Ausbildungs- und Präsenzfahrt durch den Indo-Pazifik.

Rückkehr nach Wilhelmshaven 2025

Am 11. April 2025 kehrte die BADEN-WÜRTTEMBERG nach Wilhelmshaven zurück.

Sie war seit dem 20. Oktober 2023 insgesamt rund 540 Tage von ihrem Heimathafen abwesend. Während dieser Zeit wurde sie nacheinander von drei Besatzungen betrieben und legte mehr als 82.000 Seemeilen zurück.

Die Reise galt als erster umfassender Nachweis, dass die Intensivnutzung und der Wechsel vollständiger Besatzungen bei einem Schiff der Klasse 125 unter Einsatzbedingungen grundsätzlich funktionieren.

Die Fregatte hatte während der Fahrt:

  • zwei Phasen im UNIFIL-Einsatz absolviert,

  • das Indo-Pacific Deployment 2024 durchgeführt,

  • an RIMPAC teilgenommen,

  • zahlreiche Partnerstaaten besucht,

  • mehrere Besatzungswechsel vollzogen,

  • die Erde in einem weitgespannten Einsatzprofil umrundet.

Bei ihrer Rückkehr befanden sich neben der Stammbesatzung weitere eingeschiffte Kräfte an Bord, sodass die Gesamtstärke 154 Personen betrug.

Maritime Firing Exercise 2025

Im Oktober 2025 nahm die BADEN-WÜRTTEMBERG an der Maritime Firing Exercise 2025 vor der norwegischen Küste teil.

Dabei wurde erstmals ein normalerweise landgestütztes Flugabwehrsystem des Typs IRIS-T SLM auf einer deutschen Fregatte erprobt.

Ein Werfer wurde an Deck installiert. Die bordeigenen Radarsysteme lieferten Daten an das Flugabwehrsystem und schufen damit eine erste funktionale Verbindung zwischen der Schiffssensorik und IRIS-T SLM.

Während der Erprobung wurden drei scharfe Flugkörper planmäßig abgefeuert. Die Versuche sollten Erkenntnisse für eine mögliche spätere Serienbeschaffung und Integration einer leistungsfähigeren Flugabwehr auf Schiffen der Deutschen Marine liefern.

Es handelte sich nicht um eine dauerhafte serienmäßige Nachrüstung der BADEN-WÜRTTEMBERG, sondern um eine technische Erprobung.

Der Versuch war dennoch von großer Bedeutung. Er zeigte, dass die ursprünglich nur mit RAM zur Nahbereichsflugabwehr ausgerüstete Klasse grundsätzlich als Plattform für ein weiterreichendes Flugabwehrsystem genutzt werden könnte.

Erneuter UNIFIL-Einsatz 2026

Nach dem Ende der Langzeitfahrt und weiteren Ausbildungs- und Erprobungsvorhaben wurde die BADEN-WÜRTTEMBERG erneut für UNIFIL vorgesehen.

Nach offizieller Planung sollte sie am 20. Juni 2026 die Fregatte NORDRHEIN-WESTFALEN im Einsatz vor dem Libanon ablösen. Damit befindet sich die BADEN-WÜRTTEMBERG nach dem aktuellen öffentlich dokumentierten Stand im Juli 2026 erneut im UNIFIL-Einsatz.

Ihre Aufgaben bleiben die maritime Überwachung vor dem Libanon, die Unterstützung der libanesischen Marine und die Mitwirkung an der multinationalen Maritime Task Force.

Dieser erneute Einsatz unterstreicht, dass die BADEN-WÜRTTEMBERG inzwischen vom Erprobungs- und Einführungsschiff zu einer regulär eingesetzten operativen Einheit der Deutschen Marine geworden ist.

Technische Daten

  • Schiffstyp: Fregatte

  • Klasse: Baden-Württemberg-Klasse

  • Klassenbezeichnung: Klasse 125

  • Kennung: F 222

  • Namensgeber: Bundesland Baden-Württemberg

  • Indienststellung: 17. Juni 2019

  • Heimathafen: Wilhelmshaven

  • Verbandszugehörigkeit: 4. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2

  • Länge über alles: 149,5 Meter

  • Breite: 18,8 Meter

  • Tiefgang: 5,4 Meter

  • Verdrängung: etwa 7.200 Tonnen

  • Antrieb: CODLAG

  • Gasturbine: eine

  • Dieselmotoren zur Stromerzeugung: vier

  • Elektrofahrmotoren: zwei

  • Gesamtleistung: rund 29.000 Kilowatt

  • Propeller: zwei Verstellpropeller

  • Bugstrahlruder: eines

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 26 Knoten

  • Stammbesatzung: etwa 126 Personen

  • Bordhubschrauber: bis zu zwei

  • Hauptgeschütz: ein 127-Millimeter-Geschütz

  • Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon

  • Nahbereichsflugabwehr: RIM-116 RAM

  • weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und fünf ferngesteuerte 12,7-Millimeter-Maschinengewehre

  • Täuschkörpersystem: MASS

  • Einsatzboote: vier Festrumpfschlauchboote Buster.

Aktueller Status

Die Fregatte BADEN-WÜRTTEMBERG befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine.

Nach dem öffentlich dokumentierten Stand vom Juli 2026 ist sie erneut der UNIFIL-Mission im östlichen Mittelmeer zugeordnet. Ein Abschnitt „Außerdienststellung“ oder „Verbleib“ entfällt daher.

Historische Einordnung

Die BADEN-WÜRTTEMBERG markiert einen grundlegenden Wandel im deutschen Fregattenbau.

Frühere Klassen waren überwiegend für ein mögliches Gefecht zwischen NATO und Warschauer Pakt, die U-Boot-Jagd, Geleitschutz oder Flugabwehr entwickelt worden. Die Klasse 125 entstand dagegen vor allem für lange Stabilisierungseinsätze, Krisenoperationen und dauerhafte Präsenz weit entfernt von Deutschland.

Das Typschiff musste deshalb mehrere neue Konzepte gleichzeitig in die Praxis überführen:

  • reduzierte Besatzungsstärke,

  • starke Automatisierung,

  • langfristiger Betrieb außerhalb des Heimathafens,

  • regelmäßiger Wechsel vollständiger Besatzungen,

  • technische Betreuung in fremden Häfen,

  • Einsatz zusätzlicher Boarding- und Spezialkräfte,

  • weltweite Verwendung in sehr unterschiedlichen Einsatzräumen.

Die Reise von Oktober 2023 bis April 2025 wurde zum entscheidenden Bewährungsnachweis dieses Konzepts. Innerhalb von 540 Tagen verband die BADEN-WÜRTTEMBERG einen UN-Einsatz, eine Weltumrundung, die Teilnahme an der größten multinationalen Marineübung der Welt und mehrere Besatzungswechsel.

Die erfolgreiche Erprobung von IRIS-T SLM im Jahr 2025 steht zugleich für den beginnenden Wandel der Klasse. Aus einer ursprünglich primär für Stabilisierungsoperationen entwickelten Fregatte soll zunehmend eine Plattform werden, die auch den verschärften Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung gerecht wird.

F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG ist damit nicht nur das Typschiff einer neuen Fregattenklasse. Sie ist zugleich ein Versuchsträger für neue Formen des Schiffsbetriebs, der Besatzungsorganisation und der Weiterentwicklung maritimer Kampffähigkeiten innerhalb der Deutschen Marine.