Kategorie: Fregatte 123 BRANDENBURG-Klasse
Brandenburg-Klasse – Fregatten der Klasse 123
Die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse, Klasse 123, gehören seit Mitte der 1990er-Jahre zu den wichtigsten Kampfschiffen der Deutschen Marine. Sie wurden als Nachfolger der Zerstörer der Hamburg-Klasse entwickelt und waren die ersten deutschen Kriegsschiffe, die von Beginn an als vielseitig einsetzbare Mehrzweckfregatten ausgelegt wurden.
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Ihr besonderer Schwerpunkt liegt auf der U-Boot-Jagd. Darüber hinaus können die Schiffe Seeziele bekämpfen, sich gegen Luftangriffe verteidigen, Seegebiete überwachen, Handelsschiffe schützen und Führungsaufgaben innerhalb multinationaler Marineverbände übernehmen.
Zur Brandenburg-Klasse gehören:
F 215 BRANDENBURG
F 216 SCHLESWIG-HOLSTEIN
F 217 BAYERN
F 218 MECKLENBURG-VORPOMMERN
Alle vier Fregatten sind in Wilhelmshaven stationiert und gehören zum 2. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2.
Entwicklung der Klasse 123
In den 1980er-Jahren zeichnete sich ab, dass die drei Zerstörer der Hamburg-Klasse langfristig ersetzt werden mussten. Gleichzeitig benötigte die Bundesmarine größere und vielseitigere Schiffe, die moderne Sensoren, Flugkörper, Bordhubschrauber und Führungsmittel auf einer gemeinsamen Plattform vereinen konnten.
Die neue Klasse entstand auf Grundlage des deutschen Mehrzweckfregattenkonzeptes MEKO. Dieses Bauprinzip erlaubte es, bestimmte Waffen-, Sensor- und Elektroniksysteme in weitgehend getrennten Modulen einzubauen. Dadurch sollten spätere Reparaturen, Modernisierungen und der Austausch einzelner Anlagen erleichtert werden.
Die Brandenburg-Klasse stellte gegenüber der älteren Bremen-Klasse einen deutlichen Entwicklungsschritt dar. Sie erhielt größere Aufbauten, verbesserte Führungs- und Kommunikationsanlagen, eine leistungsfähigere Flugabwehr und umfangreiche Einrichtungen für zwei Bordhubschrauber.
Die vier Schiffe wurden zwischen 1994 und 1996 in Dienst gestellt:
BRANDENBURG – 1994
SCHLESWIG-HOLSTEIN – 1995
BAYERN – 1996
MECKLENBURG-VORPOMMERN – 1996
Mehrzweckfregatten mit Schwerpunkt U-Boot-Jagd
Obwohl die Fregatten der Klasse 123 zahlreiche unterschiedliche Aufgaben erfüllen können, liegt ihr ursprünglicher und bis heute fortbestehender Schwerpunkt auf der Bekämpfung von U-Booten.
Zur Ortung getauchter U-Boote verfügen die Schiffe über ein im Vorschiff eingebautes Bugsonar. Die Reichweite der U-Boot-Jagd wird durch zwei Bordhubschrauber erheblich erweitert. Die ursprünglich eingesetzten Sea Lynx Mk 88A können mit Tauchsonar und Torpedos ausgerüstet werden und verdächtige Seegebiete weit entfernt vom Mutterschiff untersuchen.
Die Fregatte koordiniert dabei die Sonarsuche des Schiffes und der Hubschrauber. Wird ein Unterwasserziel geortet, kann es mit leichten Torpedos vom Schiff oder von einem Bordhubschrauber bekämpft werden.
Die ursprünglich vorgesehene Ausstattung mit einem weitreichenden Schleppsonar wurde aus Kostengründen zunächst nicht verwirklicht. Im Rahmen der gegenwärtigen Modernisierung soll die U-Boot-Jagdfähigkeit der Klasse erneuert und erweitert werden. Auch künftig sollen die vier Fregatten schwerpunktmäßig für die Unterwasserkriegführung eingesetzt werden.
Bewaffnung gegen Luftziele
Die Brandenburg-Klasse war die erste Schiffsklasse der Deutschen Marine, die mit einer im Rumpf eingebauten Senkrechtstartanlage ausgerüstet wurde.
Vor der Brücke befindet sich ein Vertical Launching System Mk 41 mit 16 Zellen. Aus diesen Zellen konnten ursprünglich Flugkörper des Typs NATO Sea Sparrow Missile zur Verteidigung gegen Flugzeuge und anfliegende Seezielflugkörper gestartet werden.
Zur Nahbereichsverteidigung verfügen die Schiffe über zwei RAM-Flugkörperstarter. Diese dienen vor allem als letzte Verteidigungslinie gegen anfliegende Flugkörper, können aber auch gegen Flugzeuge, Hubschrauber und kleinere Seeziele eingesetzt werden.
Ergänzt wird die Flugabwehr durch die Bordartillerie und leichte Rohrwaffen. Die Brandenburg-Klasse ist jedoch kein spezialisierter Verbandsflugabwehrer wie die spätere Sachsen-Klasse 124. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Selbstverteidigung und dem Schutz des unmittelbaren Nahbereichs.
Bekämpfung von Seezielen
Für die Bekämpfung größerer Überwasserziele waren die Schiffe ursprünglich mit französischen Seezielflugkörpern des Typs Exocet MM38 ausgestattet.
Nach dem Ende der Nutzungsdauer dieser Flugkörper erhielten die Fregatten vorübergehend Startanlagen für den amerikanischen Harpoon. Im Zuge der Modernisierung ist die Integration des schwedisch-deutschen Seezielflugkörpers RBS15 Mk3 vorgesehen. Dieser Flugkörper kann nicht nur Schiffe auf große Entfernung bekämpfen, sondern grundsätzlich auch gegen ausgewählte Ziele an Land eingesetzt werden.
Auf dem Vorschiff befindet sich außerdem ein 76-mm-Geschütz. Es kann gegen See- und Luftziele sowie zur Bekämpfung von Küstenzielen eingesetzt werden.
Zusätzliche leichte Geschütze und Maschinenwaffen dienen vor allem der Abwehr kleiner und schneller Boote, dem Eigenschutz in Häfen und der Unterstützung von Boardingoperationen.
Zwei Bordhubschrauber
Ein wesentliches Merkmal der Brandenburg-Klasse ist der große Hubschrauberbereich im Achterschiff.
Jede Fregatte verfügt über einen Flugdeck- und Hangarkomplex für zwei Bordhubschrauber. Die Sea Lynx wurden nicht nur für die U-Boot-Jagd eingesetzt, sondern auch für:
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die See- und Luftraumüberwachung,
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den Transport von Personal und Material,
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die Suche und Rettung,
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die Unterstützung von Boardingteams,
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den Verwundetentransport,
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sowie die Aufklärung außerhalb der Reichweite der Schiffssensoren.
Die Bordhubschrauber vergrößern den überwachten und beeinflussten Bereich einer Fregatte erheblich. Da sie unabhängig vom direkten Sicht- und Radarhorizont des Schiffes operieren können, gehören sie zu den wichtigsten Einsatzmitteln der Klasse.
Führungsfähigkeit
Die Fregatten verfügen über umfangreiche Funk-, Satelliten-, Datenübertragungs- und Führungssysteme. Dadurch können sie nicht nur als Einzelschiffe, sondern auch als Führungseinheiten in nationalen und multinationalen Verbänden eingesetzt werden.
Die Operationszentrale bildet das taktische Herz des Schiffes. Dort werden die Informationen der Radar-, Sonar-, Funk- und elektronischen Aufklärungssysteme zusammengeführt und zu einem gemeinsamen Lagebild verarbeitet.
Der Kommandant und seine Einsatzorganisation können von dort aus die eigenen Waffen, Hubschrauber und Sensoren führen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Schiffen und Luftfahrzeugen koordinieren.
Die gut ausgestatteten Fernmelde- und Datenübertragungsanlagen ermöglichen es den Schiffen zudem, zeitweise die Führung multinationaler Einsatzverbände zu übernehmen.
Technische Daten
Klasse: 123
Typ: Mehrzweckfregatte
Anzahl: vier Schiffe
Länge: etwa 139 Meter
Breite: etwa 16,7 Meter
Tiefgang: ungefähr 6,3 Meter
Einsatzverdrängung: etwa 4.900 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit: rund 29 Knoten
Besatzung: ursprünglich etwa 214 Soldaten, abhängig von Einsatz, Umbauzustand und eingeschifften Kräften
Bordhubschrauber: bis zu zwei
Hauptaufgabe: U-Boot-Jagd.
Antrieb
Die Brandenburg-Klasse besitzt einen kombinierten Diesel- und Gasturbinenantrieb.
Für wirtschaftliche Marschfahrt werden Dieselmotoren eingesetzt. Werden hohe Geschwindigkeiten benötigt, kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden. Dieses sogenannte CODOG-System verbindet eine große Reichweite bei normaler Marschfahrt mit der Fähigkeit, kurzfristig Geschwindigkeiten von etwa 29 Knoten zu erreichen.
Die Leistung wird über zwei Wellen auf Verstellpropeller übertragen. Die Fregatten verfügen außerdem über Einrichtungen, die das Manövrieren in Häfen und engen Gewässern unterstützen.
Sensoren und elektronische Kampfführung
Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten verschiedene Radar- und Feuerleitanlagen für die Überwachung des See- und Luftraums. Hinzu kamen das Bugsonar, Navigationsradare, elektronische Aufklärungssysteme sowie Anlagen zur Erkennung und Abwehr gegnerischer Radar- und Flugkörpersysteme.
Täuschkörperwerfer können Radar- und Infrarottäuschkörper ausbringen, um anfliegende Flugkörper von ihrem Ziel abzulenken. Ergänzt werden diese Einrichtungen durch elektronische Gegenmaßnahmen und ein geschlepptes Torpedotäuschsystem.
Die Sensoren und Waffensysteme waren bei der Indienststellung modern, sind nach rund drei Jahrzehnten jedoch teilweise technisch und logistisch überaltert. Ersatzteile sind zunehmend schwer zu beschaffen, während Rechenleistung und Softwarearchitektur den heutigen Anforderungen nicht mehr vollständig entsprechen.
Modernisierung und Nutzungsdauerverlängerung
Damit die vier Fregatten weiterhin eingesetzt werden können, wird die Klasse umfassend modernisiert.
Im Mittelpunkt stehen ein neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem, moderne Radaranlagen, neue Feuerleitgeräte sowie erneuerte Navigations-, Kommunikations- und Datenverarbeitungssysteme.
Als neues Führungs- und Waffeneinsatzsystem ist das schwedische Saab 9LV vorgesehen. Hinzu kommen moderne Radaranlagen der Sea-Giraffe-Familie und neue CEROS-Feuerleitgeräte. Auch die Navigationssysteme werden erneuert.
Die Modernisierung soll die technische Nutzbarkeit der Schiffe verlängern und zugleich ihre Fähigkeit zur U-Boot-Jagd, Seezielbekämpfung und Selbstverteidigung erhalten beziehungsweise verbessern.
Nach dem aktuellen Planungsstand soll dabei eine hohe Systemverwandtschaft zu zukünftigen deutschen Fregatten erreicht werden. Dies betrifft insbesondere Führungs-, Sensor- und U-Boot-Jagdsysteme.
Die Arbeiten sind umfangreich, da nicht nur einzelne Geräte ausgetauscht werden. Große Teile der elektronischen Architektur, der Verkabelung, der Konsolen und der Verarbeitungssysteme müssen erneuert oder angepasst werden.
Einsatzgeschichte der Klasse
Seit ihrer Indienststellung nahmen die Fregatten der Brandenburg-Klasse an zahlreichen nationalen und multinationalen Übungen, NATO-Verbänden und Auslandseinsätzen teil.
Sie wurden unter anderem eingesetzt bei:
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der Überwachung internationaler Seewege,
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Embargo- und Sanktionskontrollen,
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maritimen Sicherungsoperationen,
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der Terrorismusbekämpfung,
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der Piraterieabwehr,
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der Unterstützung internationaler Friedensmissionen,
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der Begleitung von Handelsschiffen,
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sowie in den ständigen Marineverbänden der NATO.
Die Fregatten operierten im Atlantik, in Nord- und Ostsee, im Mittelmeer, am Horn von Afrika, im Indischen Ozean und im Indo-Pazifik.
Dabei zeigte sich, dass die Klasse trotz ihres ursprünglichen Schwerpunktes auf der U-Boot-Jagd für sehr unterschiedliche Aufgaben eingesetzt werden konnte.
Dienst in den NATO-Verbänden
Die vier Fregatten gehörten wiederholt zu den ständigen maritimen Einsatzverbänden der NATO.
Innerhalb dieser Verbände übernahmen sie Aufgaben bei der Seeüberwachung, U-Boot-Jagd, Verbandsführung und Sicherung. Aufgrund ihrer Führungs- und Kommunikationseinrichtungen konnten Einheiten der Klasse auch als Flaggschiff eines multinationalen Verbandes eingesetzt werden.
Die Einsatzgebiete umfassten unter anderem die Ostsee, Nordsee, den Nordatlantik, das Mittelmeer und angrenzende Seegebiete.
Die MECKLENBURG-VORPOMMERN wurde beispielsweise 2023 als Bestandteil der besonders schnell verfügbaren NATO-Eingreifkräfte an der Nordflanke eingesetzt.
Besondere internationale Fahrten
Neben den regulären Einsatzverpflichtungen absolvierten die Fregatten auch weitreichende Ausbildungs- und Präsenzfahrten.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die BAYERN, als sie von August 2021 bis Februar 2022 eine rund siebenmonatige Fahrt in den Indo-Pazifik unternahm. Dabei lief sie Häfen in Europa, Asien, Australien und im amerikanischen Pazifikraum an und nahm an Übungen mit Partnernationen teil.
Solche Unternehmungen dienten nicht nur der Ausbildung der Besatzung. Sie sollten Deutschlands Interesse an freien Seewegen, internationaler Zusammenarbeit und einer regelbasierten maritimen Ordnung sichtbar machen.
Heimathafen Wilhelmshaven
Alle vier Fregatten der Klasse 123 sind in Wilhelmshaven beheimatet.
Der Marinestützpunkt Heppenser Groden ist der größte Stützpunkt der Deutschen Marine und beherbergt einen wesentlichen Teil ihrer Fregatten und Versorgungsschiffe.
Die Brandenburg-Klasse gehört zum 2. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2. Gemeinsam mit den Fregatten der Sachsen-Klasse bilden die Schiffe einen wichtigen Teil der hochseefähigen deutschen Flotte.
Bedeutung der Brandenburg-Klasse
Die Fregatten der Brandenburg-Klasse markieren einen wichtigen Entwicklungsschritt im deutschen Marineschiffbau.
Sie waren die ersten Mehrzweckfregatten der Deutschen Marine, die U-Boot-Jagd, Flugabwehr, Seezielbekämpfung, Führungsfähigkeit und den Einsatz von zwei Bordhubschraubern in dieser Form auf einer gemeinsamen Plattform vereinten.
Ihre Konstruktion bildete zugleich eine Grundlage für die späteren Fregatten der Sachsen-Klasse. Rumpfform, Antriebskonzept und zahlreiche konstruktive Erfahrungen wurden weiterentwickelt und an die spezialisierte Verbandsflugabwehr angepasst.
Mehr als drei Jahrzehnte nach der Indienststellung gehören BRANDENBURG, SCHLESWIG-HOLSTEIN, BAYERN und MECKLENBURG-VORPOMMERN weiterhin zum aktiven Bestand der Deutschen Marine. Die laufende Modernisierung soll sicherstellen, dass sie ihren Auftrag noch über viele weitere Jahre erfüllen können.
Kameraden für Kameraden
Für Tausende Soldatinnen und Soldaten waren und sind die vier Fregatten der Brandenburg-Klasse Arbeitsplatz, Zuhause und ein prägender Teil ihrer Marinezeit.
Lange Seewachen, U-Boot-Jagdübungen, Hubschrauberflugbetrieb, NATO-Verbände, monatelange Auslandseinsätze und die enge Zusammenarbeit aller Hauptabschnitte bestimmen den Alltag an Bord.
Hinter den modernen Sensoren, Flugkörpern und Führungsanlagen stehen Kameraden, die auf der Brücke, in der Operationszentrale, im Maschinenraum, auf dem Flugdeck, in den Werkstätten und in den Versorgungsbereichen ihren Dienst leisten.
Die Produkte zur Brandenburg-Klasse 123 erinnern an vier vielseitige Fregatten der Deutschen Marine – und vor allem an die Kameradinnen und Kameraden, die auf ihnen gefahren sind und bis heute fahren.
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