Kategorie: U-Boote Klasse 206A

U-Boote der Klasse 206A – modernisierte Küsten-U-Boote der Deutschen Marine

Die U-Boote der Klasse 206A entstanden durch die umfassende Modernisierung von zwölf Einheiten der ursprünglich 18 Boote umfassenden Klasse 206. Die zwischen 1973 und 1975 in Dienst gestellten U-Boote waren ursprünglich für den Einsatz in den flachen Küstengewässern der Ostsee und Nordsee entwickelt worden.

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Mit der Modernisierung zur Klasse 206A erhielten ausgewählte Boote ab Ende der 1980er-Jahre neue Ortungs-, Führungs-, Navigations- und Waffensysteme. Dadurch konnten sie weit über die ursprünglich vorgesehene Nutzungsdauer hinaus eingesetzt werden.

Die modernisierten Boote blieben teilweise bis 2010 im Dienst und bildeten über viele Jahre gemeinsam mit den später zulaufenden U-Booten der Klasse 212A das Rückgrat der deutschen U-Boot-Waffe.

Entstehung der Klasse 206A

Die Klasse 206 war aus den Erfahrungen mit den vorhergehenden Klassen 201 und 205 entwickelt worden. Ihre Boote waren klein, wendig und aufgrund ihres aus nichtmagnetisierbarem Stahl gefertigten Druckkörpers nur schwer durch magnetische Ortungsverfahren zu erfassen.

In den 1980er-Jahren zeigte sich jedoch, dass die vorhandene Sensorik, Navigationstechnik und Waffenleitanlage nicht mehr den gestiegenen Anforderungen entsprachen. Anstatt sofort eine vollständig neue U-Boot-Klasse zu beschaffen, entschied sich die Bundesmarine für eine umfassende Kampfwertsteigerung eines Teils der vorhandenen Boote.

Zwischen Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre wurden zwölf Einheiten auf den neuen Standard umgerüstet. Die modernisierten Boote erhielten anschließend die Klassenbezeichnung 206A.

Die zwölf modernisierten Boote

Zur Klasse 206A wurden folgende U-Boote umgebaut:

S 194 U 15
S 195 U 16
S 196 U 17
S 197 U 18
S 171 U 22
S 172 U 23
S 173 U 24
S 174 U 25
S 175 U 26
S 177 U 28
S 178 U 29
S 179 U 30

Die Boote U 13, U 14, U 19, U 20, U 21 und U 27 wurden nicht modernisiert. Sie blieben Einheiten der ursprünglichen Klasse 206 und wurden bis Ende der 1990er-Jahre außer Dienst gestellt.

Umfang der Modernisierung

Beim Umbau zur Klasse 206A wurden wesentliche Teile der elektronischen und technischen Ausrüstung erneuert. Die Boote erhielten ein modernes Sonarsystem, ein digitales Führungs- und Waffeneinsatzsystem sowie verbesserte Navigations- und Fernmeldeanlagen.

Auch die Feuerleittechnik und die Möglichkeiten zum Einsatz moderner drahtgelenkter Torpedos wurden angepasst. Die Besatzungen konnten Ziele dadurch genauer orten, verfolgen und bekämpfen.

Weitere Veränderungen betrafen die Energieversorgung, die Klimatisierung sowie verschiedene Arbeits- und Wohnbereiche. Die räumlichen Verhältnisse blieben aufgrund der geringen Größe der Boote dennoch äußerst beengt.

Die Modernisierung erhöhte nicht nur den Kampfwert, sondern verlängerte die mögliche Dienstzeit der Boote um viele Jahre. Ein Beispiel ist U 17, das von September 1989 bis Mai 1991 auf den Standard der Klasse 206A umgerüstet wurde.

Auftrag und Einsatzprofil

Die U-Boote der Klasse 206A waren vor allem für die verdeckte Aufklärung sowie die Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe und U-Boote vorgesehen. Darüber hinaus konnten sie wichtige Seewege überwachen und mit Seeminen sperren.

Ihre geringe Größe und Wendigkeit ermöglichten Operationen in flachen und stark befahrenen Gewässern. Besonders in der Ostsee, der Nordsee und den angrenzenden Meerengen konnten die Boote ihre Stärken ausspielen.

Der aus nichtmagnetisierbarem Stahl gefertigte Bootskörper verringerte die Gefahr durch Magnetminen und erschwerte die magnetische Ortung. Gemeinsam mit der niedrigen Geräuschentwicklung machte dies die Boote zu schwer auffindbaren Gegnern.

Auch bei Übungen verbündeter Marinen waren die deutschen Küsten-U-Boote deshalb gefragte Übungspartner. Ihre geringe akustische und magnetische Signatur stellte selbst moderne U-Boot-Jagdverbände vor erhebliche Herausforderungen.

Bewaffnung

Die Boote verfügten über acht nach vorn gerichtete Torpedorohre. Eingesetzt werden konnten moderne drahtgelenkte Schwergewichtstorpedos gegen Überwasser- und Unterwasserziele.

Zusätzlich konnten außerhalb des Druckkörpers Minengürtel befestigt werden. Mit diesen ließen sich bis zu 24 Seeminen mitführen, ohne die Torpedobeladung im Bootsinneren zu verringern.

Durch diese Kombination konnten die Boote sowohl offensive Kampfaufträge als auch verdeckte Minenlegeoperationen übernehmen.

Verbandszugehörigkeit und Heimathäfen

Die Boote der Klasse 206 und später 206A gehörten zum 1. und 3. Ubootgeschwader. Die Zuordnung einzelner Boote änderte sich im Verlauf ihrer Dienstzeit mehrfach.

Ursprünglich war ein Teil der Boote in Kiel stationiert. Mit der Konzentration der deutschen U-Boot-Waffe wurde Eckernförde zum gemeinsamen Heimathafen der verbliebenen Einheiten.

Im Februar 1998 wurde das 3. Ubootgeschwader aufgelöst. Die noch vorhandenen U-Boote wurden im 1. Ubootgeschwader zusammengefasst. Eckernförde blieb damit der zentrale Standort der deutschen U-Boot-Waffe.

Neue Aufgaben nach dem Kalten Krieg

Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich das Einsatzprofil der Klasse 206A. Neben der Landes- und Bündnisverteidigung gewannen internationale Ausbildungsfahrten, maritime Überwachung und die Zusammenarbeit mit verbündeten Marinen an Bedeutung.

Obwohl die Boote ursprünglich für den küstennahen Einsatz in Nord- und Ostsee entwickelt worden waren, bewährten sie sich auch auf längeren Unternehmungen und in weiter entfernten Seegebieten.

Die modernisierte Elektronik und Bewaffnung erlaubten es, die kleinen Boote noch viele Jahre als vollwertige Einsatz- und Ausbildungsplattformen zu verwenden.

Das Ende der Klasse 206A

Mit der Einführung der wesentlich größeren und moderneren Klasse 212A begann die schrittweise Ablösung der Klasse 206A. Mehrere Boote wurden bereits in den Jahren vor 2010 außer Dienst gestellt.

Die letzten sechs noch vorhandenen Einheiten waren ursprünglich für einen Weiterbetrieb vorgesehen. Aufgrund von Einsparmaßnahmen entschied das Bundesministerium der Verteidigung jedoch 2010, alle verbliebenen Boote vorzeitig aus dem aktiven Dienst zu nehmen.

Damit endete nach rund 37 Jahren die Dienstzeit der Klassen 206 und 206A in der deutschen Marine. Die Bundeswehr nennt für die gesamte Klasse 206 einschließlich der modernisierten Boote einen Einsatzzeitraum von 1973 bis 2010.

Verbleib der Boote

Der größte Teil der außer Dienst gestellten Boote wurde zur Verwertung verkauft und später abgewrackt. Der hochwertige nichtmagnetisierbare Stahl war dabei besonders begehrt.

Einige Einheiten fanden jedoch eine andere Verwendung. U 23 und U 24 wurden von Kolumbien übernommen und dort für Ausbildungs- und Unterstützungsaufgaben eingesetzt. Nach Angaben der Bundeswehr dienten sie unter anderem der Bekämpfung des Drogenschmuggels und der Eindämmung von Ölverschmutzungen.

U 17 blieb erhalten und wurde dem Technik Museum Sinsheim Speyer als Leihgabe überlassen. Dadurch ist wenigstens eines der modernisierten deutschen Küsten-U-Boote dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich.

Von Kameraden für Kameraden

Die U-Boote der Klasse 206A waren klein, technisch anspruchsvoll und für ihre Besatzungen eine besondere Herausforderung. Etwas mehr als 20 Männer lebten und arbeiteten über längere Zeit auf engstem Raum.

Privatsphäre gab es kaum. Jeder Kamerad musste seine Aufgabe beherrschen und jederzeit auf die anderen Besatzungsmitglieder vertrauen können. Unter Wasser war das Zusammenspiel der gesamten Besatzung entscheidend für die Sicherheit des Bootes.

Die Klasse 206A steht deshalb nicht nur für eine technisch erfolgreiche Modernisierung. Sie steht vor allem für mehrere Generationen deutscher U-Boot-Fahrer, die diese Boote während des Kalten Krieges und in der neu ausgerichteten Deutschen Marine nach 1990 betrieben.

Technische Daten

Bootstyp: konventionelles Küsten-U-Boot
Klasse: 206A
Ursprung: modernisierte Boote der Klasse 206
Anzahl der umgebauten Boote: 12
Umbauzeitraum: Ende der 1980er- bis Anfang der 1990er-Jahre
Letzte Außerdienststellungen: 2010
Verbände: 1. und 3. Ubootgeschwader
Heimathäfen: zunächst Kiel und Eckernförde, später Eckernförde

Länge: etwa 48,6 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 4,3 bis 4,5 Meter
Verdrängung über Wasser: etwa 450 Tonnen
Verdrängung getaucht: etwa 498 Tonnen
Antrieb: dieselelektrisch
Propeller: einer
Höchstgeschwindigkeit über Wasser: etwa 10 Knoten
Höchstgeschwindigkeit getaucht: etwa 17 Knoten
Reichweite über Wasser: etwa 4.500 Seemeilen bei 6 Knoten
Einsatzdauer: bis zu 30 Tage
Tauchtiefe: etwa 100 Meter
Besatzung: etwa 22 bis 23 Mann
Bewaffnung: acht Torpedorohre für Schwergewichtstorpedos; zusätzlich bis zu 24 Seeminen in außen angebrachten Minengürteln

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