Kategorie: S 177 U-Boot 28

S 177 U-Boot 28 – U-Boot der Klassen 206 und 206A

Das U-Boot U 28 mit der militärischen Kennung S 177 gehörte zunächst zur Klasse 206 der Bundesmarine. Ende der 1980er-Jahre wurde es als erstes Boot seiner Klasse umfassend modernisiert und anschließend als Einheit der verbesserten Klasse 206A weiterverwendet.

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U 28 wurde bei der Rhein-Stahl-Nordseewerke GmbH in Emden unter der Baunummer 50/448 gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 4. Oktober 1972, der Stapellauf am 22. Januar 1974. Taufpatin des Bootes war Herta Gruschka. Am 18. Dezember 1974 wurde U 28 für die Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst im 1. Ubootgeschwader

Mit seiner Indienststellung wurde U 28 zunächst dem 1. Ubootgeschwader in Kiel zugeteilt. Zu diesem Geschwader gehörten die letzten sechs Boote der Klasse 206, U 25 bis U 30.

Die kleinen Küsten-U-Boote waren für den Einsatz in der flachen und stark befahrenen Ostsee sowie in den Zugängen zur Nordsee ausgelegt. Zu ihren Aufgaben gehörten die Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe und U-Boote, die Aufklärung sowie das Sperren wichtiger Seewege.

Der aus nichtmagnetisierbarem Stahl gefertigte Bootskörper sollte die Gefährdung durch Magnetminen verringern und die Ortung durch magnetische Suchgeräte erschweren. Aufgrund ihrer geringen Abmessungen, ihrer Wendigkeit und ihrer niedrigen Geräuschentwicklung waren die Boote besonders für Operationen in küstennahen Gewässern geeignet.

Umbau zur Klasse 206A

Von 1989 bis 1990 wurde U 28 bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel als erstes Boot der Klasse 206 zur verbesserten Klasse 206A umgebaut.

Im Rahmen dieser Modernisierung erhielt das Boot ein neues Sonarsystem, ein modernes Führungs- und Waffeneinsatzsystem, verbesserte Fernmeldeeinrichtungen sowie eine leistungsfähigere Navigationsanlage. Auch die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Besatzung wurden verbessert.

Die Modernisierung verlängerte die mögliche Nutzungsdauer des Bootes erheblich. Während die nicht umgebauten Einheiten der Klasse 206 bereits in den 1990er-Jahren außer Dienst gestellt wurden, blieben die Boote der Klasse 206A teilweise bis 2011 im Dienst der Deutschen Marine.

U 28 wurde später dem 3. Ubootgeschwader in Eckernförde unterstellt. Nach der Verlegung der Ubootflottille und des 1. Ubootgeschwaders von Kiel nach Eckernförde wechselte das Boot im Februar 1998 wieder zum 1. Ubootgeschwader.

Dienst in Bundesmarine und Deutscher Marine

U 28 erlebte während seiner langen Dienstzeit sowohl die Zeit der Bundesmarine im Kalten Krieg als auch die Neuordnung der deutschen Streitkräfte nach der Wiedervereinigung.

Neben der nationalen Einsatz- und Gefechtsausbildung nahm das Boot an Übungen mit verbündeten Marinen teil. Nach der Modernisierung zur Klasse 206A konnte es auch außerhalb seiner ursprünglich vorgesehenen Einsatzräume verwendet werden.

Während seiner gesamten Dienstzeit verbrachte U 28 insgesamt 2.125 Tage auf See und legte dabei rund 180.377 Seemeilen zurück. Diese Zahlen verdeutlichen die außergewöhnlich intensive Nutzung des Bootes über fast drei Jahrzehnte.

Außerdienststellung und Verbleib

U 28 wurde am 30. Juni 2004 nach nahezu 30 Dienstjahren außer Dienst gestellt. Zuvor war das Boot seit 1974 ohne Unterbrechung Teil der deutschen U-Boot-Waffe gewesen.

Nach seiner Außerdienststellung lag U 28 mehrere Jahre in Emden. Am 14. Mai 2008 wurde das ausgesonderte Boot durch die VEBEG zur Verwertung verkauft.

Die Verschrottung erfolgte anschließend bei der Scheepssloperij Nederland B.V. in ’s-Gravendeel in den Niederlanden. Damit blieb U 28 weder als Museumsschiff erhalten, noch wurde es an eine ausländische Marine abgegeben.

Von Kameraden für Kameraden

Fast 30 Jahre Dienstzeit bedeuten bei einem U-Boot nicht nur Tausende Seemeilen, Tauchfahrten und Übungen. Sie stehen vor allem für mehrere Generationen von U-Boot-Fahrern, die auf engstem Raum miteinander lebten und arbeiteten.

Auf U 28 musste sich jeder Kamerad jederzeit auf den anderen verlassen können. Technik und Ausbildung waren unverzichtbar – doch erst Vertrauen, Zusammenhalt und die gemeinsame Verantwortung machten aus der Besatzung eine funktionierende Einheit.

Mit seiner langen Dienstzeit und dem Umbau zur Klasse 206A steht U 28 zugleich für den Übergang von der U-Boot-Waffe des Kalten Krieges zur Deutschen Marine der Zeit nach der Wiedervereinigung.

Technische Daten

Bootstyp: konventionelles Küsten-U-Boot
Klassen: 206 und nach Umbau 206A
Name: U 28
Kennung: S 177
Bauwerft: Rhein-Stahl-Nordseewerke GmbH, Emden
Baunummer: 50/448
Kiellegung: 4. Oktober 1972
Stapellauf: 22. Januar 1974
Indienststellung: 18. Dezember 1974
Umbau zur Klasse 206A: 1989 bis 1990
Außerdienststellung: 30. Juni 2004

Verbandszugehörigkeiten:

  1. Ubootgeschwader, Kiel

  2. Ubootgeschwader, Eckernförde
    ab Februar 1998 wieder 1. Ubootgeschwader, Eckernförde

Verbleib: in den Niederlanden abgewrackt

Länge: 48,6 Meter
Breite: 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 4,3 bis 4,5 Meter
Verdrängung über Wasser: etwa 450 Tonnen
Verdrängung getaucht: etwa 498 Tonnen
Antrieb: dieselelektrisch
Dieselmotoren: zwei MTU-Zwölfzylinder-Dieselmotoren
Elektromotor: ein SSW-Elektrofahrmotor
Höchstgeschwindigkeit über Wasser: etwa 10 Knoten
Höchstgeschwindigkeit getaucht: etwa 17 Knoten
Reichweite über Wasser: etwa 4.500 Seemeilen bei 6 Knoten
Reichweite getaucht: etwa 280 Seemeilen bei 4 Knoten
Einsatzdauer: bis zu 30 Tage
Tauchtiefe: etwa 100 Meter
Besatzung: etwa 22 bis 23 Mann
Bewaffnung: acht Torpedorohre, zusätzlich bis zu 24 Seeminen in außen angebrachten Minengürteln