Kategorie: Schnellboot 143 Albatros-Klasse

Schnellboote Klasse 143 – Albatros-Klasse

Die großen Flugkörperschnellboote des 2. Schnellbootgeschwaders

Mit der Albatros-Klasse, offiziell Klasse 143, erhielt die Bundesmarine eine moderne Generation von Flugkörperschnellbooten, die deutlich größer und schwerer war als die älteren Torpedoschnellboote der Klassen 140, 141 und 142. Die Boote wurden in den 1970er Jahren gebaut und lösten im 2. Schnellbootgeschwader die Seeadler-Klasse 141 ab.

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Die Klasse 143 stand für den endgültigen Schritt des 2. Schnellbootgeschwaders in die Flugkörperzeit. Während die frühen Schnellboote vor allem mit Torpedos kämpften, wurden die Boote der Albatros-Klasse um den Seezielflugkörper MM38 Exocet herum konzipiert. Damit konnten sie gegnerische Überwasserziele aus deutlich größerer Entfernung bekämpfen.

Insgesamt wurden zehn Boote der Klasse 143 gebaut. Sie wurden als Albatros-Klasse bekannt, benannt nach dem Typschiff S61 Albatros P6111. Mit ihren Vogelnamen knüpfte die Klasse zugleich an die Tradition der älteren Seeadler-Klasse an.

Entwicklung und Einordnung

Die Klasse 143 entstand als Weiterentwicklung der deutschen Schnellbootwaffe in den 1970er Jahren. Sie war größer als die Tiger-Klasse 148 und verfügte über eine besonders starke Rohrbewaffnung. Gebaut wurden die Boote von den deutschen Werften Lürssen und Kröger.

Die Albatros-Klasse unterschied sich deutlich von den früheren Schnellbooten der Bundesmarine. Sie war nicht mehr das kleine Torpedoboot der Anfangsjahre, sondern ein modernes Flugkörperschnellboot mit leistungsfähiger Elektronik, Feuerleitanlagen, schwerer Artillerie und Seezielflugkörpern.

Zur Hauptbewaffnung gehörten vier Startgeräte für MM38 Exocet-Seezielflugkörper. Dazu kamen zwei 76-mm-Oto-Melara-Geschütze, eines auf dem Vorschiff und eines achtern. Zusätzlich verfügten die Boote über zwei achterliche Torpedorohre. Diese Kombination machte die Klasse 143 zu einer besonders schlagkräftigen Schnellbootklasse.

Aufgabe und Einsatzgedanke

Die Boote der Albatros-Klasse waren für den Einsatz in Nord- und Ostsee vorgesehen. Im Rahmen der NATO-Verteidigung sollten sie gegnerische Überwasserverbände bekämpfen, Seewege sichern und gemeinsam mit anderen Einheiten die Kontrolle über küstennahe Gewässer unterstützen.

Durch die Exocet-Flugkörper konnten die Boote Ziele auf größere Entfernung angreifen. Damit mussten sie nicht mehr wie ältere Torpedoschnellboote nahe an den Gegner heranlaufen. Geschwindigkeit, Überraschung und das gemeinsame Vorgehen im Geschwaderverband blieben aber weiterhin entscheidend.

Die Klasse 143 konnte im Verbund mit anderen Marineeinheiten, Führungsstellen und Lagebildsystemen operieren. Dadurch war sie nicht nur schneller Waffenträger, sondern Teil einer moderneren, vernetzten Seekriegführung.

Bauweise und Besonderheiten

Mit einer Länge von rund 57,6 Metern und einer Verdrängung von etwa 390 Tonnen waren die Boote der Klasse 143 deutlich größer als die frühen Schnellboote der Bundesmarine. Sie besaßen eine robuste Konstruktion, eine leistungsfähige Maschinenanlage und eine starke Bewaffnung.

Angetrieben wurden die Boote von vier MTU-Dieselmotoren, die auf vier Wellen wirkten. Die Geschwindigkeit lag bei etwa 38 Knoten, unter günstigen Bedingungen auch darüber. Damit blieben die Boote trotz ihrer Größe echte Schnellboote.

Auffällig waren die beiden 76-mm-Geschütze, die den Booten eine starke Artilleriewirkung gaben. Die vier Exocet-Startgeräte prägten zusätzlich das Erscheinungsbild. Zusammen mit den Torpedorohren achtern vereinte die Klasse 143 Flugkörper, Artillerie und Torpedobewaffnung auf einem vergleichsweise kleinen, schnellen Boot.

Diese Kombination machte die Albatros-Klasse zu einer der markantesten Schnellbootklassen der Bundesmarine.

Geschwader und Heimathafen

Die zehn Boote der Klasse 143 dienten im 2. Schnellbootgeschwader. Das Geschwader war zuvor mit Booten der Klasse 141 ausgerüstet und wurde ab 1976 auf die neue Albatros-Klasse umgerüstet.

Zur Klasse 143 gehörten:

Albatros P6111
Falke P6112
Geier P6113
Bussard P6114
Sperber P6115
Greif P6116
Kondor P6117
Seeadler P6118
Habicht P6119
Kormoran P6120

Mit diesen Namen führte die Klasse 143 die Tradition der Vogelnamen in der Schnellbootwaffe fort. Gerade für das 2. Schnellbootgeschwader bildete die Albatros-Klasse eine direkte Verbindung zwischen der alten Seeadler-Klasse und der modernen Flugkörperzeit.

Der Heimathafen des Geschwaders war Olpenitz. Für viele ehemalige Besatzungsangehörige ist die Albatros-Klasse deshalb eng mit Olpenitz, der Ostsee, dem Kalten Krieg und den typischen Schnellbootfahrten dieser Zeit verbunden.

Ablösung und weiterer Verbleib

Die Boote der Albatros-Klasse blieben bis in die frühen 2000er Jahre im Dienst. Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderten sich Auftrag und Struktur der Marine. Die Schnellbootwaffe wurde schrittweise verkleinert, und die Klasse 143 wurde schließlich außer Dienst gestellt.

Mehrere Boote wurden nach ihrer deutschen Dienstzeit an andere Marinen abgegeben. Dadurch fuhren einige Einheiten der Klasse 143 auch nach ihrer Zeit bei der Deutschen Marine weiter. Andere Boote wurden verwertet.

Mit der Außerdienststellung der Albatros-Klasse endete ein wichtiger Abschnitt in der Geschichte des 2. Schnellbootgeschwaders. Die Klasse bleibt jedoch als eine der großen deutschen Flugkörperschnellbootklassen in Erinnerung.

Technische Daten

Typ: Flugkörperschnellboot, Klasse 143
Klassenname: Albatros-Klasse
Einheiten: 10
Dienstzeit in Bundesmarine und Deutscher Marine: 1976 bis 2002
Länge: ca. 57,6 m
Breite: ca. 7,8 m
Tiefgang: ca. 2,5 m
Verdrängung: ca. 390 t
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren, vier Wellen
Geschwindigkeit: ca. 38 kn
Besatzung: etwa 40 Mann

Bewaffnung:

4 × MM38 Exocet Seezielflugkörper
2 × 76-mm-Oto-Melara-Geschütze
2 × 533-mm-Torpedorohre achtern
2 × schwere Maschinengewehre
Täusch- und Selbstschutzanlagen

Von Kameraden für Kameraden

Die Albatros-Klasse steht für die moderne Schnellbootzeit des 2. Schnellbootgeschwaders. Wer auf diesen Booten gefahren ist, erinnert sich an Olpenitz, Exocet-Container, die beiden 76er, Torpedorohre achtern, Maschinenlärm, Gefechtsdienst, Seewache und den besonderen Zusammenhalt einer Schnellbootbesatzung.

Trotz ihrer Größe blieb auch die Klasse 143 ein echtes Schnellboot: eng, schnell, laut und fordernd. Jeder Mann an Bord hatte seine Aufgabe, und im Einsatz musste sich die Besatzung blind aufeinander verlassen können.

Namen wie Albatros, Falke, Geier, Bussard, Sperber, Greif, Kondor, Seeadler, Habicht und Kormoran stehen bis heute für die Flugkörperschnellboote des 2. Schnellbootgeschwaders.

Die Klasse 143 war eine starke und markante Generation der grauen Flotte. Sie verband Geschwindigkeit, Feuerkraft und Kameradschaft – und bleibt für viele Kameraden ein fester Teil ihrer Marinezeit.

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