GEIER verband hohe Geschwindigkeit mit einer für ein Schnellboot außergewöhnlich starken Bewaffnung. Vier Seezielflugkörper, zwei 76-mm-Geschütze, Torpedorohre und moderne Führungs- und Feuerleitanlagen ermöglichten den Einsatz gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte sowie die Sicherung und Überwachung wichtiger Seegebiete.
Bau und Indienststellung
S 63 GEIER wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut.
Am 2. Juni 1976 wurde das Boot in Dienst gestellt und dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Es führte die deutsche taktische Bezeichnung S 63 und die internationale NATO-Kennung P 6113. GEIER gehörte zu den ersten in Dienst gestellten Booten der Klasse 143.
Die Boote der Klasse waren zunächst hauptsächlich unter ihren taktischen Nummern bekannt. Die traditionellen Tiernamen wurden offiziell erst später wieder gemeinsam mit den Bootsnummern geführt. Der Name GEIER knüpfte an frühere deutsche Schnellboote gleichen Namens an.
Das 2. Schnellbootgeschwader
GEIER gehörte während seiner gesamten deutschen Dienstzeit zum 2. Schnellbootgeschwader.
Erster Heimathafen war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm das Boot an der Geschwaderausbildung sowie an nationalen und multinationalen Übungen in Nord- und Ostsee teil.
Im Jahr 1994 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader mit seinen Booten von Olpenitz zum Marinestützpunkt Warnemünde. Warnemünde blieb anschließend bis zur Außerdienststellung der Heimathafen von S 63 GEIER.
Zum 1. Oktober 1999 wurden jeweils fünf Boote zwischen dem 2. und dem 7. Schnellbootgeschwader ausgetauscht. Danach verfügten beide Geschwader über Boote der Klassen 143 und 143A.
S 63 GEIER gehörte nicht zu den getauschten Einheiten. Das Boot verblieb gemeinsam mit S 61 ALBATROS, S 62 FALKE, S 64 BUSSARD und S 65 SPERBER beim 2. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Ausrüstung
Die Schnellboote der Klasse 143 waren ursprünglich für den Einsatz in der Nord- und Ostsee sowie in den angrenzenden Küstengewässern vorgesehen.
Ihr Hauptauftrag bestand während des Kalten Krieges im schnellen und überraschenden Angriff auf gegnerische Überwasserstreitkräfte. Darüber hinaus konnten die Boote eigene Verbände und Seeverbindungen sichern, Seegebiete überwachen und zur Aufklärung eingesetzt werden.
Die Hauptbewaffnung von GEIER bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Sicherung im Nahbereich
Vier MTU-Dieselmotoren mit einer Gesamtleistung von etwa 18.000 PS wirkten auf vier Wellen. Damit erreichten die Boote eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 40 bis 42 Knoten.
Zur technischen Ausstattung gehörten See- und Navigationsradar, ein integriertes Feuerleitsystem, Einrichtungen zur elektronischen Kampfführung sowie Systeme zum Ausbringen von Täuschkörpern. Die Boote erhielten außerdem die elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS.
Ausbildung und Fahrten
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt der Ausbildung von GEIER in der Nord- und Ostsee. Das Boot nahm gemeinsam mit den übrigen Einheiten des 2. Schnellbootgeschwaders regelmäßig an Geschwaderübungen, Schießabschnitten und multinationalen NATO-Manövern teil.
Nach der deutschen Wiedervereinigung erweiterten sich die Aufgaben der Deutschen Marine. Die Schnellboote wurden zunehmend auch für längere Ausbildungsfahrten, internationale Präsenzaufgaben und Einsätze außerhalb der traditionellen Operationsgebiete verwendet.
Für die Jahre 1994 und 1995 ist die Teilnahme von GEIER an Übungen und Ausbildungsabschnitten im Mittelmeer dokumentiert. Diese Fahrten zeigten, dass die ursprünglich für die vergleichsweise engen Seegebiete Nord- und Ostsee entwickelten Boote auch über größere Entfernungen und in multinationalen Verbänden eingesetzt werden konnten.
Operation Active Endeavour
Von September bis Dezember 2003 nahm S 63 GEIER an der NATO-Operation Active Endeavour teil.
Das Boot wurde im Bereich der Straße von Gibraltar eingesetzt. Aufgabe der beteiligten Einheiten war die Überwachung des Schiffsverkehrs und der Schutz wichtiger maritimer Verbindungen vor terroristischen Bedrohungen.
GEIER beteiligte sich dabei an der Begleitung und Sicherung von Handelsschiffen, die militärisches Material transportierten. Der Einsatz gehörte zu den bedeutendsten belegten Einsatzabschnitten der letzten Dienstjahre des Bootes.
Im Jahr 2004 nahm GEIER noch an weiteren internationalen Übungen teil. Dabei war das Boot unter anderem in der Ostsee und erneut im Mittelmeer unterwegs.
Patenschaft mit Herne
Patenstadt von S 63 GEIER war die nordrhein-westfälische Stadt Herne.
Die Patenschaft setzte eine bereits bestehende Verbindung fort. Herne war zuvor mit dem Schnellboot S 11 GEIER verbunden, das von 1959 bis 1975 im Dienst der Bundesmarine gestanden hatte.
Nach der Indienststellung des neuen S 63 GEIER wurde die Patenschaft mit dem Boot der Klasse 143 weitergeführt. Sie wurde durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und Begegnungen zwischen Besatzungsangehörigen und Bürgern der Patenstadt gepflegt.
Außerdienststellung
Nach nahezu drei Jahrzehnten im Dienst wurde S 63 GEIER am 29. September 2005 außer Dienst gestellt.
Das Boot gehörte damit zu den letzten Einheiten der Klasse 143, die aus dem aktiven Dienst der Deutschen Marine ausschieden. Die übrigen Boote der Albatros-Klasse folgten bis zum Ende des Jahres 2005.
Verbleib und Dienst in Tunesien
Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 63 GEIER an die tunesische Marine abgegeben.
Dort erhielt das Boot den Namen HIMILCON und die Kennung 507. Es wurde als Patrouillen- beziehungsweise Schnellboot für Aufgaben der Küsten- und Seegebietsüberwachung weiterverwendet.
Mit der Übernahme durch Tunesien begann für das Boot eine zweite Dienstphase unter neuer Flagge. Die Weiterverwendung zeigt die robuste Bauweise der Klasse 143, deren Einheiten auch nach fast 30 Jahren deutscher Dienstzeit noch für maritime Sicherungsaufgaben eingesetzt werden konnten.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,8 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 390 bis 405 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 40 bis 42 Knoten
Besatzung: ungefähr 40 bis 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung
Dienstzeit im Überblick
Name: GEIER
Deutsche Bezeichnung: S 63
NATO-Kennung: P 6113
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 2. Juni 1976
Außerdienststellung: 29. September 2005
Geschwader: während der gesamten Dienstzeit 2. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis 1994: Olpenitz
Heimathafen ab 1994: Warnemünde
Patenstadt: Herne
Späterer Name: HIMILCON
Spätere Kennung: 507
Spätere Marine: Tunesien
Von Kameraden für Kameraden
S 63 GEIER stand fast drei Jahrzehnte im Dienst und begleitete mehrere Generationen von Schnellbootfahrern durch eine Zeit grundlegender Veränderungen.
Die ersten Dienstjahre waren vom Kalten Krieg, der Geschwaderausbildung in der Ostsee und der ständigen Einsatzbereitschaft geprägt. Später führten Ausbildungsfahrten und internationale Operationen das Boot weit über seine ursprünglichen Einsatzgebiete hinaus.
Auf einem Schnellboot war die Besatzung auf engstem Raum unmittelbar aufeinander angewiesen. Hohe Geschwindigkeit, schwere See, lange Wachen und die komplexe Technik verlangten von jedem Einzelnen Aufmerksamkeit, Erfahrung und Verlässlichkeit.
Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen steht der Name GEIER deshalb nicht allein für ein leistungsfähiges Kriegsschiff. Er steht auch für gemeinsam bestandene Seefahrten, für das Leben an Bord und für eine Kameradschaft, die weit über die aktive Dienstzeit hinaus erhalten blieb.