Kategorie: U-Jagdboot P6115 THESEUS

P 6115 / P 6056 THESEUS – U-Jagdboot der Thetis-Klasse

Die THESEUS gehörte zu den fünf U-Jagdbooten der Thetis-Klasse, Klasse 420. Gemeinsam mit THETIS, HERMES, NAJADE und TRITON bildete sie über viele Jahre einen festen Bestandteil des Flottendienstgeschwaders der Bundesmarine in Flensburg-Mürwik.

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Die Boote waren ursprünglich als große Torpedofangboote beschafft worden, erfüllten jedoch von Beginn an wesentlich umfangreichere Aufgaben. Neben dem Bergen von Übungstorpedos gehörten die U-Boot-Abwehr, die Ausbildung von Besatzungen, Aufklärungsaufgaben und die Unterstützung größerer Flottenverbände zu ihrem Einsatzspektrum.

Bau und Indienststellung

Die THESEUS wurde auf der Rolandwerft in Bremen gebaut und am 15. August 1963 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie war damit das letzte der fünf Boote der Klasse 420, das in den aktiven Dienst übernommen wurde.

Bei ihrer Indienststellung trug sie die Kennung P 6115 und wurde dem Flottendienstgeschwader in Flensburg-Mürwik zugeteilt. Dieses gehörte zur Zerstörerflottille und vereinte verschiedene Einheiten, die für Ausbildungs-, Unterstützungs-, Aufklärungs- und U-Jagdaufgaben eingesetzt wurden.

Eine Besonderheit der THESEUS bestand darin, dass ihr Rumpf aufgrund einer Abweichung während des Baus etwa 1,5 Meter kürzer ausfiel als der ihrer Schwesterschiffe. In Auftrag, Ausrüstung und Verwendung entsprach sie dennoch weitgehend den übrigen Booten der Klasse.

Vom Torpedofangboot zum Flottendienstboot

Die THESEUS wurde zunächst offiziell als großes Torpedofangboot geführt. In dieser Funktion unterstützte sie die Torpedoausbildung der Bundesmarine und barg Übungstorpedos, die von U-Booten und Überwassereinheiten verschossen worden waren.

Hierfür verfügte das Boot ursprünglich über einen großen Bergekran. Dieser wurde außerdem zum Aussetzen und Einholen der mitgeführten Pinasse verwendet.

Die Bezeichnung Torpedofangboot spiegelte jedoch nur einen Teil des tatsächlichen Aufgabenspektrums wider. Die Boote waren bereits beim Bau für die U-Boot-Abwehr vorgesehen und verfügten über eine entsprechende Sonar- und Waffenausstattung.

Am 1. November 1969 wurden die Boote der Klasse offiziell als Flottendienstboote eingestuft. Im Zuge dieser Änderung erhielt die THESEUS die neue Kennung A 1434.

Umklassifizierung zum U-Jagdboot

Am 22. Januar 1974 erhielten die fünf Boote ihre endgültige Typbezeichnung als U-Jagdboote. Gleichzeitig wechselte die THESEUS erneut ihre Kennung und wurde fortan als P 6056 geführt.

Die neue Bezeichnung entsprach nun auch offiziell ihrer ursprünglichen militärischen Konzeption. Die THESEUS war für die Ortung und Bekämpfung von U-Booten im erweiterten Küsten- und Randmeergebiet der Nord- und Ostsee vorgesehen.

Zur Ortung von Unterwasserzielen verfügte sie über eine Rumpfsonaranlage. Zur U-Boot-Abwehr konnten Torpedos, U-Jagd-Raketen und Wasserbomben eingesetzt werden. Darüber hinaus waren die Boote in der Lage, Seeminen mitzuführen.

Die Bewaffnung gegen See- und Luftziele bestand aus einem 40-mm-Zwillingsgeschütz. Für Navigation und Seeraumüberwachung standen eine Radaranlage und eine einfache Anlage zur elektronischen Kampfführung zur Verfügung.

Aufgaben im Flottendienstgeschwader

Während ihrer langen Dienstzeit nahm die THESEUS an zahlreichen Ausbildungs- und Verbandsvorhaben der Bundesmarine und der NATO teil. Gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen unterstützte sie die Ausbildung von U-Boot-Besatzungen und Überwassereinheiten.

Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem:

  • die Ortung und Bekämpfung von U-Booten während Übungen,

  • das Bergen verschossener Übungstorpedos,

  • die Begleitung und Unterstützung von Flottenverbänden,

  • die Ausbildung von Besatzungen,

  • Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben,

  • die Darstellung gegnerischer Kräfte bei Manövern.

Die Boote waren außerdem für die Übernahme von Kraftstoff auf See vorbereitet. Dadurch konnte ihre Einsatzdauer während längerer Übungs- und Verbandsfahrten erhöht werden.

Fast drei Jahrzehnte unter deutscher Flagge

Die THESEUS blieb vom August 1963 bis zum April 1992 im Dienst der Bundesmarine beziehungsweise der Deutschen Marine. In diesen fast 29 Jahren trug sie drei unterschiedliche Kennungen und wurde nacheinander als Torpedofangboot, Flottendienstboot und U-Jagdboot geführt.

Unverändert blieben ihre Zugehörigkeit zum Flottendienstgeschwader und ihr Heimathafen Flensburg-Mürwik. Für die Besatzungen bedeutete der Dienst auf der THESEUS eine anspruchsvolle Mischung aus U-Jagd, Torpedoausbildung, Manöverfahrten und seemännischem Alltag.

Gemeinsam mit den anderen Booten der Thetis-Klasse gehörte sie zu einer kleinen, aber unverwechselbaren Einheitengruppe der grauen Flotte. Die vergleichsweise geringe Größe der Boote, die langen Seefahrten und der intensive Ausbildungsbetrieb prägten eine besonders enge Bordgemeinschaft.

Außerdienststellung und Übergabe an Griechenland

Am 30. April 1992 wurde die THESEUS bei der Deutschen Marine außer Dienst gestellt. Anschließend wurde sie an die griechische Marine abgegeben.

Nach ihrer Übernahme erhielt das ehemalige deutsche U-Jagdboot den Namen AGON und die Kennung P 66. Die Indienststellung unter griechischer Flagge erfolgte am 8. November 1993.

Vor der weiteren Verwendung wurde die ursprüngliche U-Jagdbewaffnung weitgehend ausgebaut. Die AGON diente anschließend als großes Patrouillenboot.

Im Jahr 2004 wurde die ehemalige THESEUS auch in Griechenland außer Dienst gestellt. 2008 wurde der frühere Rumpf als Zielschiff bei einem Flugkörperschießen mit dem Seezielflugkörper AGM-119 Penguin verwendet.

Damit endete die Geschichte der ehemaligen THESEUS nach mehr als vier Jahrzehnten unter deutscher und griechischer Flagge.

Von Kameraden für Kameraden

Unsere Artikel zur THESEUS erinnern an ein Boot, das fast drei Jahrzehnte zur grauen Flotte gehörte. Sie sind für ehemalige Besatzungsangehörige, ihre Familien, Sammler und Freunde der Bundesmarine gedacht, die ihre Verbindung zu diesem besonderen U-Jagdboot bewahren möchten.

Ob als Erinnerung an die eigene Fahrenszeit, als Geschenk für einen früheren Kameraden oder als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der THESEUS: Jedes Motiv steht für gemeinsame Erlebnisse, seemännische Tradition und die Kameradschaft an Bord.

Von Kameraden für Kameraden – damit die Erinnerung an die THESEUS und ihre Besatzungen lebendig bleibt.

Technische Daten der Klasse 420

Schiffstyp: Torpedofangboot, später Flottendienstboot und U-Jagdboot
Klasse: Thetis-Klasse, Klasse 420
Werft: Rolandwerft, Bremen
Indienststellung: 15. August 1963
Außerdienststellung Deutsche Marine: 30. April 1992
Kennungen: P 6115, A 1434, P 6056
Späterer Name: AGON
Griechische Kennung: P 66
Indienststellung in Griechenland: 8. November 1993
Außerdienststellung in Griechenland: 2004
Länge: etwa 68,3 Meter
Breite: etwa 8,2 Meter
Tiefgang: etwa 2,7 Meter
Verdrängung: etwa 658 Tonnen
Geschwindigkeit: bis zu 23,5 Knoten
Besatzung: 68 Soldaten
Antrieb: zwei MAN-Dieselmotoren auf zwei Wellen
Bewaffnung: 40-mm-Zwillingsgeschütz, U-Jagd-Raketenwerfer, Torpedorohre, Wasserbomben und Minen
Heimathafen: Flensburg-Mürwik
Verbandszugehörigkeit: Flottendienstgeschwader