Bau und Indienststellung
Die HERMES entstand auf der Rolandwerft in Bremen. Bei ihrer Indienststellung am 16. Dezember 1961 trug sie die Kennung P 6112 und wurde dem Flottendienstgeschwader zugeteilt. Ihr Heimathafen war Flensburg-Mürwik.
Wie ihre Schwesterschiffe war die HERMES ursprünglich als großes Torpedofangboot beschafft worden. Diese Bezeichnung ermöglichte den Bau der Fahrzeuge zunächst als militärische Hilfsschiffe, obwohl sie von Beginn an auch für Aufgaben der U-Boot-Abwehr vorgesehen waren.
Vom Torpedofangboot zum Flottendienstboot
Zu den ursprünglichen Aufgaben der HERMES gehörte das Bergen von Übungstorpedos, die bei Ausbildungsabschnitten von Überwassereinheiten und U-Booten verschossen worden waren. Hierfür verfügten die Boote anfangs über einen leistungsfähigen Bergekran.
Darüber hinaus wurden sie für Ausbildungs-, Erprobungs- und Aufklärungsaufgaben eingesetzt. Mit ihrer Sonaranlage und ihrer U-Jagdbewaffnung konnten sie außerdem zur Ortung und Bekämpfung gegnerischer U-Boote eingesetzt werden.
Im Laufe ihrer Dienstzeit änderten sich sowohl die offizielle Typbezeichnung als auch die Kennung der HERMES. Am 1. November 1969 wurden die Boote der Klasse als Flottendienstboote geführt und erhielten A-Kennungen. Aus P 6112 HERMES wurde A 1431 HERMES.
Am 22. Januar 1974 erfolgte die endgültige Einstufung als U-Jagdboot. Gleichzeitig erhielt die HERMES ihre letzte deutsche Kennung P 6053.
Aufgaben und Ausrüstung
Die U-Jagdboote der Klasse 420 waren für Einsätze im erweiterten Küsten- und Randmeerbereich der Nord- und Ostsee ausgelegt. Neben der U-Boot-Abwehr gehörten die Ausbildung von Besatzungen, die Begleitung von Verbänden sowie verschiedene Unterstützungs- und Flottendienstaufgaben zu ihrem Einsatzspektrum.
Zur U-Boot-Ortung verfügte die HERMES über eine Rumpfsonaranlage. Für die Bekämpfung von Unterwasserzielen standen Torpedorohre, ein U-Jagd-Raketenwerfer und Wasserbomben zur Verfügung. Darüber hinaus konnte das Boot Minen mitführen.
Die Bewaffnung gegen See- und Luftziele bestand aus einem 40-mm-Zwillingsgeschütz. Für Navigation und Seeraumüberwachung waren eine Radaranlage sowie eine einfache Anlage zur elektronischen Kampfführung vorhanden.
Charakteristisch für die Klasse waren der vergleichsweise schlanke Rumpf, die hohen Aufbauten und der ursprünglich auf dem Arbeitsdeck installierte Torpedobergekran. Durch ihre Größe und Geschwindigkeit konnten die Boote auch gemeinsam mit größeren Flottenverbänden eingesetzt werden.
Drei Jahrzehnte im Dienst der Bundesmarine
Die HERMES blieb mehr als 30 Jahre im Dienst. Während dieser langen Zeit änderten sich ihre Bezeichnung, ihre Kennung und Teile ihrer Ausrüstung, während Flensburg-Mürwik und das Flottendienstgeschwader die bestimmenden Konstanten ihrer deutschen Dienstzeit blieben.
Gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen gehörte sie zu einer kleinen, aber markanten Bootsklasse der Bundesmarine. Für viele ehemalige Besatzungsangehörige ist die HERMES bis heute eng mit anspruchsvollen Seefahrten, U-Jagdübungen, Torpedobergungen und der besonderen Kameradschaft an Bord verbunden.
Außerdienststellung und Übergabe an Griechenland
Am 7. September 1992 wurde die HERMES bei der Bundesmarine außer Dienst gestellt und an die griechische Marine übergeben. Dort erhielt sie den Namen KARTERIA und die Kennung P 65.
Vor ihrer weiteren Verwendung wurde die ursprüngliche U-Jagdbewaffnung weitgehend entfernt. Die ehemalige HERMES diente anschließend als großes Patrouillenboot in der griechischen Marine.
Die KARTERIA blieb bis 2004 im Dienst. Damit endete nach mehr als vier Jahrzehnten die aktive militärische Laufbahn des früheren deutschen U-Jagdboots HERMES.
Von Kameraden für Kameraden
Unsere Artikel zur HERMES erinnern an ein Boot, das über drei Jahrzehnte zur grauen Flotte gehörte. Sie sind für ehemalige Besatzungsangehörige, Angehörige, Sammler und Freunde der Bundesmarine gedacht, die ihre Verbindung zu diesem besonderen U-Jagdboot bewahren möchten.
Ob als Erinnerung an die eigene Fahrenszeit, als Geschenk für einen ehemaligen Kameraden oder als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der HERMES: Jedes Motiv steht für gemeinsame Erlebnisse, seemännische Tradition und die Kameradschaft an Bord.
Von Kameraden für Kameraden – damit die Erinnerung an die HERMES und ihre Besatzungen lebendig bleibt.
Technische Daten der Klasse 420
Schiffstyp: Torpedofangboot, später Flottendienstboot und U-Jagdboot
Klasse: Thetis-Klasse, Klasse 420
Werft: Rolandwerft, Bremen
Indienststellung: 16. Dezember 1961
Außerdienststellung Bundesmarine: 7. September 1992
Kennungen: P 6112, A 1431, P 6053
Späterer Name: KARTERIA
Griechische Kennung: P 65
Länge: ca. 69,8 Meter
Breite: ca. 8,2 Meter
Tiefgang: ca. 2,7 Meter
Verdrängung: ca. 660 Tonnen
Geschwindigkeit: ca. 23 Knoten
Besatzung: bis zu 68 Soldaten
Antrieb: Dieselmotoren auf zwei Wellen
Bewaffnung: 40-mm-Zwillingsgeschütz, U-Jagd-Raketenwerfer, Torpedorohre, Wasserbomben und Minen
Heimathafen: Flensburg-Mürwik
Verbandszugehörigkeit: Flottendienstgeschwader