Kategorie: U-Boote Klasse 202

U-Boote der Klasse 202 – Kleine Versuchsboote der Bundesmarine

Die U-Boote der Klasse 202 waren zwei außergewöhnlich kleine Versuchs-U-Boote der Bundesmarine. Sie entstanden parallel zur Entwicklung der größeren Küsten-U-Boote der Klassen 201 und 205 und sollten neue technische Anlagen, Antriebskonzepte und Sonarsysteme erproben.

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Anders als die regulären deutschen U-Boote erhielten die beiden Einheiten keine U-Nummern. Sie wurden nach zwei bedeutenden deutschen U-Boot-Konstrukteuren benannt:

S 172 HANS TECHEL
S 173 FRIEDRICH SCHÜRER

Beide Boote wurden bei den Atlas-Werken in Bremen gebaut. Sie standen nur kurze Zeit im Dienst und wurden bereits am 15. Dezember 1966 wieder außer Dienst gestellt. Ihre geringe Reichweite, die beengten Verhältnisse und verschiedene technische Probleme verhinderten eine längere Verwendung.

Entwicklung der Klasse 202

Beim Aufbau der Bundesmarine wurde neben den regulären Küsten-U-Booten auch ein besonders kleines Boot für Aufklärungs-, Sicherungs- und Erprobungsaufgaben untersucht.

Die ursprünglichen Planungen sahen eine größere Serie kleiner U-Boote vor, die vor allem in der Ostsee eingesetzt werden sollten. Ihre geringe Größe sollte es ihnen ermöglichen, unauffällig in küstennahen und flachen Gewässern zu operieren.

Im Verlauf der Planung änderten sich die Anforderungen jedoch mehrfach. Zeitweise waren bis zu 40 Boote vorgesehen. Diese Zahl wurde zunächst auf zwölf und schließlich auf nur noch drei Einheiten reduziert. Tatsächlich wurden lediglich zwei Boote fertiggestellt.

Ein drittes Boot sollte möglicherweise mit einem neuartigen Walter-Antrieb ausgerüstet werden. Diese Planung wurde jedoch nicht verwirklicht.

Aufgabe als Versuchs-U-Boote

Die Klasse 202 war ursprünglich sowohl für operative Aufgaben als auch für technische Erprobungen vorgesehen.

Zu den geplanten Aufgaben gehörten:

  • die Aufklärung in küstennahen Gewässern,

  • Vorposten- und Sicherungsdienste,

  • die Überwachung der Ostseezugänge,

  • die Bekämpfung gegnerischer U-Boote und Überwassereinheiten,

  • sowie die Erprobung neuer Sonar-, Ruder- und Antriebssysteme.

Während der langen Entwicklungs- und Bauzeit wurden jedoch bereits die größeren U-Boote der Klassen 201 und 205 fertiggestellt. Dadurch kamen die kleinen Boote für viele ihrer ursprünglichen Erprobungsaufgaben zu spät.

Die geringe Reichweite und die begrenzten Vorräte schränkten ihre operative Verwendbarkeit zusätzlich ein. Die Klasse 202 blieb deshalb vor allem ein technisches Versuchsprogramm.

Benennung der Boote

Die beiden Boote erhielten entgegen der bei deutschen U-Booten üblichen Nummerierung eigene Namen.

Hans Techel war ein bedeutender deutscher U-Boot-Konstrukteur und leitete über viele Jahre die U-Boot-Abteilung der Germaniawerft in Kiel. Unter seiner Verantwortung entstanden zahlreiche Entwürfe für deutsche Unterseeboote.

Friedrich Schürer war ebenfalls als Ingenieur und Konstrukteur im deutschen U-Bootbau tätig.

Mit der Namensgebung würdigte die Bundesmarine zwei Männer, die die technische Entwicklung deutscher U-Boote wesentlich mitgeprägt hatten.

Kleine Abmessungen

Mit einer Länge von nur rund 23 Metern waren die Boote der Klasse 202 erheblich kleiner als die gleichzeitig entwickelten Küsten-U-Boote der Klasse 201.

Die Besatzung bestand lediglich aus sechs Soldaten. An Bord mussten dennoch alle für den Betrieb erforderlichen Bereiche untergebracht werden:

  • Zentrale und Steuerstand,

  • Sonar- und Navigationsanlagen,

  • Diesel- und Elektromotoren,

  • Batterien,

  • zwei Torpedorohre,

  • Schlaf- und Aufenthaltsplätze,

  • sowie die notwendigen Vorräte.

Die räumlichen Verhältnisse waren entsprechend beengt. Für längere Unternehmungen oder eine umfangreiche zusätzliche Ausrüstung standen kaum Reserven zur Verfügung.

Nichtmagnetischer Stahl

Wie die Klassen 201 und 205 sollten auch die Boote der Klasse 202 eine möglichst geringe magnetische Signatur besitzen.

Der Druckkörper wurde aus einem ferritischen und nur schwach magnetisierbaren Stahl gefertigt. Dadurch sollten die Boote weniger anfällig für Magnetminen und für die Ortung durch magnetische Suchgeräte sein.

Das verwendete Material erwies sich jedoch als korrosionsanfällig. Auch bei der Klasse 202 traten damit Probleme auf, die bereits die Entwicklung der ersten deutschen Nachkriegs-U-Boote belastet hatten.

Unterschiedliche Heckanlagen

Die beiden Boote waren nicht vollständig baugleich. Ein wesentlicher Unterschied bestand in der Gestaltung des Hecks und der Ruderanlage.

Die HANS TECHEL besaß einen herkömmlichen Propeller mit einer Ruderanordnung, die grundsätzlich der Konstruktion der größeren Küsten-U-Boote ähnelte.

Die FRIEDRICH SCHÜRER erhielt dagegen eine drehbare Kortdüse. Dabei befand sich der Propeller in einer ringförmigen Düse, die zur Steuerung des Bootes geschwenkt werden konnte.

Mit dieser Ausführung sollte untersucht werden, ob sich die Manövrierfähigkeit eines kleinen U-Bootes verbessern ließ. Die beiden Boote dienten damit auch dem direkten Vergleich unterschiedlicher Steuerungs- und Antriebskonzepte.

Antrieb

Die Klasse 202 verfügte über einen konventionellen diesel-elektrischen Antrieb.

Bei der Fahrt an der Oberfläche beziehungsweise im Schnorchelbetrieb wurde ein Daimler-Benz-Dieselmotor verwendet. Dieser trieb einen Generator an und lud die Batterien.

Unter Wasser erfolgte der Antrieb durch einen Elektromotor. Zusätzlich stand ein kleiner Schleichfahrtmotor zur Verfügung. Dieser ermöglichte eine besonders langsame und geräuscharme Unterwasserfahrt.

Die Boote erreichten unter Wasser eine Geschwindigkeit von ungefähr 13 Knoten. Damit waren sie getaucht schneller als bei der Fahrt an der Wasseroberfläche.

Bewaffnung

Die Boote verfügten über zwei nach vorn gerichtete Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter.

In jedem Rohr konnte ein Torpedo mitgeführt werden. Aufgrund der geringen Größe standen keine Reservetorpedos zur Verfügung.

Die Bewaffnung hätte grundsätzlich Angriffe gegen kleinere Überwasserschiffe oder U-Boote ermöglicht. Die Klasse wurde jedoch nicht als reguläre Kampfeinheit eingesetzt. Der Schwerpunkt ihrer kurzen Dienstzeit lag auf Erprobung und Ausbildung.

Sensoren

Zur Ausrüstung gehörten:

  • eine Sonaranlage,

  • eine Waffenleitanlage,

  • ein Navigationsradar,

  • ein Sehrohr,

  • sowie die erforderlichen Funk- und Navigationsmittel.

Ursprünglich war eine besonders leistungsfähige Weitsuch-Sonaranlage vorgesehen. Die hierfür benötigte Ausrüstung ließ sich in den kleinen Booten jedoch nur schwer unterbringen.

Auch die geringe Reichweite und der begrenzte Luft- und Energievorrat standen einem längeren operativen Sonareinsatz entgegen.

Technische Daten

Klasse: 202
Typ: Küsten-Kleinst- und Versuchs-U-Boot
Anzahl gebaut: zwei
Ursprünglich geplant: zeitweise bis zu 40, später zwölf beziehungsweise drei
Bauwerft: Atlas-Werke, Bremen
Bauzeit: 1961 bis 1965
Dienstzeit der Klasse: 1965 bis 1966
Länge: 23,10 Meter
Breite: 3,40 Meter
Tiefgang: etwa 2,70 Meter
Verdrängung über Wasser: etwa 100 Tonnen
Verdrängung getaucht: etwa 137 Tonnen
Besatzung: sechs Soldaten
Geschwindigkeit über Wasser: etwa sechs bis zehn Knoten
Geschwindigkeit getaucht: etwa 13 Knoten
Reichweite über Wasser: ungefähr 400 Seemeilen bei zehn Knoten
Unterwasserreichweite: ungefähr 270 Seemeilen bei fünf Knoten
Tauchtiefe: etwa 80 Meter
Bewaffnung: zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
Torpedozuladung: zwei Torpedos.

Leben an Bord

Mit nur sechs Mann Besatzung gehörten die Boote zu den kleinsten bemannten U-Booten der Bundesmarine.

Jeder Soldat musste mehrere Aufgaben übernehmen. Der Ausfall eines einzelnen Besatzungsmitglieds ließ sich kaum ausgleichen. Navigation, Steuerung, Sonar, Funk, Maschinenbetrieb und Torpedowaffe mussten von einer äußerst kleinen Mannschaft bedient werden.

Die Enge war selbst im Vergleich zu anderen Küsten-U-Booten außergewöhnlich. Es gab kaum Bewegungsfreiheit und praktisch keine Rückzugsmöglichkeiten. Die Vorräte, Batterien, Maschinenanlagen und Waffen beanspruchten einen großen Teil des verfügbaren Innenraums.

Auch die Seeeigenschaften waren problematisch. Durch die geringe Größe lagen die Boote bei Überwasserfahrt unruhig im Wasser. Schon bei mäßigem Seegang konnte Gischt bis an die Brücke gelangen und die Sicht erheblich behindern.

S 172 HANS TECHEL

Die HANS TECHEL wurde am 10. Oktober 1961 bei den Atlas-Werken in Bremen auf Kiel gelegt.

Der Stapellauf erfolgte am 15. März 1965. Am 15. Oktober 1965 wurde das Boot mit der Kennung S 172 in Dienst gestellt.

Kommandant war Oberleutnant zur See Jürgen Rautmann. Das Boot wurde der Erprobungsstelle in Kiel zugeteilt.

Bereits während der Ablieferungsfahrt kam es zu einem Wassereinbruch. Als Ursache wurde eine durch Batteriesäure beschädigte und undichte Stelle festgestellt. Die geringe Höhe des Bootes führte außerdem dazu, dass bei Überwasserfahrt bereits bei niedrigem Seegang Wasser und Gischt bis zur Brücke gelangten.

Die HANS TECHEL besaß eine herkömmliche Propeller- und Ruderanordnung.

Nach nur 14 Monaten wurde das Boot am 15. Dezember 1966 außer Dienst gestellt. Es wurde anschließend im Marinearsenal Kiel aufgelegt und einige Jahre später verschrottet.

S 173 FRIEDRICH SCHÜRER

Die FRIEDRICH SCHÜRER wurde ebenfalls am 10. Oktober 1961 bei den Atlas-Werken in Bremen auf Kiel gelegt.

Der Stapellauf erfolgte am 10. November 1965. Am 6. April 1966 wurde das Boot mit der Kennung S 173 in Dienst gestellt.

Kommandant war Oberleutnant zur See Hans-Jürgen Hoschatt. Auch dieses Boot wurde für technische Erprobungen in Kiel verwendet.

Die wichtigste Besonderheit der FRIEDRICH SCHÜRER war die drehbare Kortdüse am Heck. Mit ihr sollte ein alternatives Steuerungs- und Antriebskonzept für kleine Unterwasserfahrzeuge untersucht werden.

Auch die FRIEDRICH SCHÜRER erfüllte die Erwartungen der Marine nicht. Bereits am 15. Dezember 1966, nur gut acht Monate nach ihrer Indienststellung, wurde sie gemeinsam mit der HANS TECHEL außer Dienst gestellt.

Das Boot wurde anschließend aufgelegt und später verschrottet.

Kurze Dienstzeit

Die Klasse 202 stand insgesamt nur etwas mehr als ein Jahr im Dienst.

Die Boote waren für einen regulären operativen Einsatz zu klein, besaßen nur eine geringe Reichweite und boten kaum Möglichkeiten für zusätzliche Sensoren, Vorräte oder Reservetorpedos.

Gleichzeitig hatten sich die größeren U-Boote der Klassen 201 und 205 inzwischen so weit entwickelt, dass viele der ursprünglich für die Klasse 202 vorgesehenen Erprobungsaufgaben bereits anderweitig durchgeführt werden konnten.

Die Marine entschied deshalb, die beiden Boote aus wirtschaftlichen und militärischen Gründen nicht weiterzuverwenden.

Verbleib der Klasse

Beide U-Boote wurden nach ihrer Außerdienststellung zunächst im Marinearsenal Kiel aufgelegt.

Eine Weitergabe an eine andere Marine oder eine zivile Verwendung erfolgte nicht. Nach einigen Jahren wurden die HANS TECHEL und die FRIEDRICH SCHÜRER verschrottet.

Keines der beiden Boote ist erhalten geblieben. Modelle, Fotografien, technische Zeichnungen und Unterlagen im Bundesarchiv erinnern heute an diese ungewöhnliche Versuchsklasse. Das Bundesarchiv bewahrt umfangreiche Zeichnungssätze und technische Dokumentationen zu beiden Booten auf.

Bedeutung der Klasse 202

Die Klasse 202 war kein erfolgreicher U-Boot-Typ und eignete sich nicht für den vorgesehenen operativen Einsatz.

Dennoch lieferten die beiden Boote praktische Erfahrungen mit:

  • sehr kleinen U-Boot-Konstruktionen,

  • unterschiedlichen Heck- und Ruderanlagen,

  • geräuscharmen Elektromotoren,

  • kompakten Sonarsystemen,

  • nichtmagnetischen Werkstoffen,

  • sowie dem Betrieb eines U-Bootes mit einer äußerst kleinen Besatzung.

Die kurze Laufbahn zeigte zugleich die Grenzen bemannter Kleinst-U-Boote. Eine starke Bewaffnung, eine brauchbare Reichweite, leistungsfähige Sensoren und menschenwürdige Arbeitsbedingungen ließen sich auf einem nur 23 Meter langen Boot kaum miteinander verbinden.

Kameraden für Kameraden

Die HANS TECHEL und die FRIEDRICH SCHÜRER standen nur kurze Zeit im Dienst und gehörten nie zu den regulären Einsatzbooten der U-Boot-Flottille.

Für ihre kleinen Besatzungen war der Dienst dennoch anspruchsvoll. Sechs Kameraden mussten auf engstem Raum sämtliche Aufgaben bewältigen, das Boot erproben und gleichzeitig mit technischen Problemen und schwierigen Seeeigenschaften umgehen.

Die Klasse 202 blieb eine kurze Episode in der Geschichte der Bundesmarine. Sie zeigte aber, welche Wege beim Wiederaufbau der deutschen U-Boot-Waffe untersucht und schließlich wieder verlassen wurden.

Die Produkte zu den U-Booten der Klasse 202 erinnern an die Versuchsboote HANS TECHEL und FRIEDRICH SCHÜRER – und an die Kameraden, die diese ungewöhnlichen Kleinst-U-Boote erprobten.

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