Mit hoher Geschwindigkeit, vier Torpedorohren und zwei 40-mm-Geschützen war SPERBER für überraschende Angriffe gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Die Boote waren besonders für Einsätze in den küstennahen Gewässern der Nord- und Ostsee ausgelegt.
Bau und Indienststellung
SPERBER wurde unter der Baunummer 1147 gebaut.
Am 1. Juli 1959 wurde das Boot als S 27 SPERBER für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6076, das Rufzeichen des Bootes war DBSH.
Nach der Indienststellung wurde SPERBER dem 2. Schnellbootgeschwader zugeteilt und zunächst in Wilhelmshaven stationiert.
Dienst im 2. Schnellbootgeschwader
Das 2. Schnellbootgeschwader war mit Wirkung vom 1. Juni 1958 mit Heimathafen Wilhelmshaven aufgestellt worden. Zwischen September 1958 und November 1959 erhielt der Verband alle zehn Boote der Klasse 141.
Der militärische Hauptauftrag von SPERBER bestand darin, gegnerische Überwassereinheiten aufzuklären, sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit zu nähern und sie möglichst überraschend mit Torpedos anzugreifen.
Zum regelmäßigen Dienstbetrieb gehörten:
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Torpedo- und Artillerieschießen
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Gefechts- und Verbandsausbildung
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Nacht- und Schlechtwetterfahrten
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Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben
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nationale und internationale Manöver
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Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee
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Hafenbesuche im In- und Ausland
Die Schnellboote operierten häufig in Rotten oder geschlossenen Verbänden. Navigation, Entfernungsermittlung, Waffenführung, Nachrichtenverbindungen und Maschinenanlage mussten dabei präzise zusammenwirken.
Bordleben und Kameradschaft
Der Dienst auf SPERBER war von den besonderen Bedingungen eines kleinen und schnellen Kampfbootes geprägt. Die Unterkünfte und Arbeitsbereiche waren eng. Bei hoher Fahrt waren Besatzung und Material starken Vibrationen, erheblicher Geräuschentwicklung und den Bewegungen des Bootes im Seegang ausgesetzt.
Lange Wachen, Übungen während der Nacht und ein anspruchsvoller technischer Betrieb verlangten von jedem Besatzungsmitglied hohe Aufmerksamkeit und Zuverlässigkeit.
Gerade unter diesen Bedingungen entstand jene enge Kameradschaft, die für die Schnellbootfahrer prägend war und vielfach noch Jahrzehnte nach der aktiven Dienstzeit fortbestand.
Von Wilhelmshaven nach Olpenitz
Der erste Heimathafen von SPERBER und des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven.
Am 1. November 1970 verlegte das Geschwader in den neu errichteten Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Dort absolvierte SPERBER die letzten Jahre seines aktiven Dienstes in der Bundesmarine.
Die engen Seegebiete, Inseln und küstennahen Fahrwasser der Ostsee galten während des Kalten Krieges als besonders geeignetes Operationsgebiet für schnelle und wendige Torpedoboote.
Patenschaft mit Münster
Patenstadt von S 27 SPERBER war die nordrhein-westfälische Stadt Münster.
Die Patenschaft schuf eine dauerhafte Verbindung zwischen der Besatzung und der Bevölkerung der Stadt. Sie wurde durch gegenseitige Besuche, Empfänge und persönliche Kontakte zwischen den Kameraden und Vertretern der Patenstadt gepflegt.
Der Traditionsname SPERBER wurde später vom Flugkörperschnellboot S 65 SPERBER der Klasse 143 übernommen.
Außerdienststellung
Nach mehr als 16 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6076 / S 27 SPERBER am 27. Februar 1976 außer Dienst gestellt.
Die Torpedo-Schnellboote der Seeadler-Klasse wurden im 2. Schnellbootgeschwader schrittweise durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.
Mit dieser Ablösung wandelte sich das Einsatzkonzept der deutschen Schnellbootwaffe. An die Stelle des unmittelbaren Angriffs mit Torpedos trat zunehmend die Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten mit weitreichenden Seezielflugkörpern.
Abgabe an Griechenland
Nach seiner Außerdienststellung wurde SPERBER zusammen mit den übrigen Booten der Klasse 141 an Griechenland abgegeben.
Anders als sieben seiner Schwesterboote wurde das ehemalige S 27 dort jedoch nicht mehr als aktives Schnellboot in Dienst gestellt. Es diente der griechischen Marine ausschließlich als Material- und Ersatzteilträger für die weiterbetriebenen Boote der Klasse.
Ein griechischer Bootsname oder eine aktive griechische Kennung ist für das ehemalige SPERBER daher nicht belegt.
Technische Daten der Klasse 141
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Typ: Torpedo-Schnellboot
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Klasse: 141, Seeadler-Klasse
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Baunummer: 1147
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Länge: etwa 42,6 Meter
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Breite: etwa 7,1 Meter
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Tiefgang: etwa 2,1 Meter
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Konstruktionsverdrängung: etwa 183 Tonnen
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Antrieb: vier Dieselmotoren auf vier Wellen
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Maschinenleistung: etwa 12.000 bis 14.400 PS
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Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
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Besatzung: etwa 39 Mann
Bewaffnung
Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:
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vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter
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zwei 40-mm-Bofors-Geschützen
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Vorrichtungen zur Mitführung von Wasserbomben
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je nach Auftrag die Möglichkeit zur Mitführung von Seeminen
Da die Torpedorohre nicht geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den berechneten Angriffskurs gebracht werden. Ein erfolgreicher Torpedoangriff erforderte daher hohe Geschwindigkeit, präzise Navigation und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit der gesamten Besatzung.
Von Kameraden für Kameraden
P 6076 / S 27 SPERBER stand mehr als 16 Jahre im Dienst der Bundesmarine. Als Teil des 2. Schnellbootgeschwaders gehörte das Boot zu jener frühen Schnellbootgeneration, die den Aufbau der Bundesmarine und ihren Auftrag während des Kalten Krieges entscheidend mitprägte.
Unsere Artikel zu P 6076 / S 27 SPERBER erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Münster und die Kameradschaft der Schnellbootfahrer.
Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.