Kategorie: Torpedo-Schnellboot P6073 S11 GEIER

P 6073 / S 11 GEIER – Schnellboot der Seeadler-Klasse

Das Schnellboot GEIER gehörte zu den zehn Torpedo-Schnellbooten der Klasse 141. Die nach ihrem Typschiff auch als Seeadler-Klasse bezeichneten Boote waren für schnelle Angriffe auf gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen und bildeten über viele Jahre den Kern des 2. Schnellbootgeschwaders der Bundesmarine.

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Bau und Indienststellung

GEIER wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack unter der Baunummer 281 gebaut.

Am 3. Juni 1959 wurde das Boot als S 11 GEIER für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6073, das Rufzeichen des Bootes war DBRN.

Nach seiner Indienststellung wurde GEIER dem 2. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Das Geschwader war am 1. Juni 1958 mit Heimathafen Wilhelmshaven aufgestellt worden und erhielt sämtliche zehn Boote der Klasse 141.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Der militärische Hauptauftrag von GEIER bestand darin, gegnerische Überwassereinheiten aufzuklären, sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit zu nähern und sie möglichst überraschend mit Torpedos anzugreifen.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • Gefechts- und Verbandsausbildung

  • Nacht- und Schlechtwetterfahrten

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • nationale und internationale Manöver

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Die Boote operierten häufig in Rotten oder größeren Schnellbootverbänden. Navigation, Maschinenanlage, Waffenführung und Nachrichtenverbindungen mussten dabei genau aufeinander abgestimmt werden.

Der sogenannte „Atom-Geier“

GEIER nahm innerhalb der Klasse 141 zeitweise eine besondere Stellung ein. Das Boot wurde versuchsweise umgebaut und erhielt dabei eine veränderte Ausrüstung. In der Überlieferung des 2. Schnellbootgeschwaders wurde es deshalb mit dem Spitznamen „Atom-Geier“ bezeichnet.

Der Name bezog sich nicht auf eine atomare Bewaffnung des Bootes. Er entstand vielmehr im Zusammenhang mit der besonderen Erprobungs- und Versuchsausrüstung. Der Umbau machte GEIER äußerlich und technisch zu einer zeitweise auffälligen Einheit innerhalb des Geschwaders.

Bordleben und Kameradschaft

Der Dienst auf einem Schnellboot der Klasse 141 verlangte der Besatzung viel ab. Die Räume an Bord waren eng, der Seegang wirkte sich auf den kleinen Bootskörper stark aus, und bei hoher Geschwindigkeit waren Besatzung und Material erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Lange Wachzeiten, Übungen bei Nacht und Fahrten bei ungünstigen Wetterbedingungen gehörten zum Alltag. Gerade unter diesen Bedingungen entwickelte sich an Bord eine besonders enge Kameradschaft.

Von Wilhelmshaven nach Olpenitz

Der erste Heimathafen von GEIER war Wilhelmshaven.

Zum 1. November 1970 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz. Damit wechselte auch GEIER von der Nordsee an die Ostsee und absolvierte dort seine letzten Dienstjahre in der Bundesmarine.

Die Ostsee galt mit ihren engen Seegebieten, Küstengewässern und zahlreichen Inseln als besonders geeignetes Einsatzgebiet für schnelle und wendige Torpedoboote.

Patenschaft mit Herne

Patenstadt von S 11 GEIER war die nordrhein-westfälische Stadt Herne. Die Patenschaft ist in den Unterlagen des Freundeskreises des 2. Schnellbootgeschwaders dokumentiert.

Sie wurde durch Besuche der Besatzung in Herne, Gegenbesuche an Bord und persönliche Kontakte zwischen den Kameraden und Vertretern der Stadt gepflegt.

Der Traditionsname GEIER wurde später beim Flugkörperschnellboot S 63 GEIER der Klasse 143 erneut verwendet.

Außerdienststellung

Nach etwas mehr als 16 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6073 / S 11 GEIER am 27. Juni 1975 außer Dienst gestellt.

Die Boote der Klasse 141 wurden im 2. Schnellbootgeschwader schrittweise durch die modernen Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.

Mit dieser Ablösung wandelte sich das Einsatzkonzept der Schnellbootwaffe. An die Stelle des unmittelbaren Torpedoangriffs trat zunehmend der Einsatz weitreichender Seezielflugkörper.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach seiner Außerdienststellung wurde GEIER an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen TYFON, griechisch ΤΥΦΩΝ.

Das ehemalige GEIER wurde zunächst unter der Kennung P 230, später als P 56 geführt. Es trat 1976 in den aktiven Dienst der griechischen Marine und blieb dort bis 2005 im Einsatz.

Damit erreichte das Boot eine militärische Gesamtdienstzeit von rund 46 Jahren. GEIER gehörte somit zu den am längsten verwendeten Booten der Seeadler-Klasse.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Werft: Lürssen, Bremen-Vegesack

  • Baunummer: 281

  • Länge: etwa 42,6 Meter

  • Breite: etwa 7,1 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,3 Meter

  • Einsatzverdrängung: etwa 190 Tonnen

  • Antrieb: vier schnelllaufende Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:

  • vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Bofors-Geschützen

  • Vorrichtungen zur Mitführung und zum Einsatz von Wasserbomben

Da die Torpedorohre nicht geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den errechneten Schusskurs gebracht werden. Ein erfolgreicher Torpedoangriff verlangte deshalb präzise Navigation, hohe Geschwindigkeit und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit der Besatzung.

Von Kameraden für Kameraden

P 6073 / S 11 GEIER stand mehr als 16 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend fast drei Jahrzehnte unter griechischer Flagge. Seine zeitweilige besondere Versuchsausrüstung und die außergewöhnlich lange Gesamtdienstzeit machen das Boot zu einer bemerkenswerten Einheit der Seeadler-Klasse.

Unsere Artikel zu P 6073 / S 11 GEIER erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Herne und die Kameradschaft im 2. Schnellbootgeschwader.

Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.