Mit vier Torpedorohren, hoher Geschwindigkeit und einer auf küstennahe Gewässer zugeschnittenen Konstruktion war FALKE für überraschende Angriffe gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen.
Bau und Indienststellung
FALKE wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack unter der Baunummer 280 gebaut.
Am 14. April 1959 wurde das Boot als S 10 FALKE für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6072, das Rufzeichen des Bootes war DBOK.
Nach seiner Indienststellung wurde FALKE dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt und zunächst in Wilhelmshaven stationiert.
Dienst im 2. Schnellbootgeschwader
Das 2. Schnellbootgeschwader war am 1. Juni 1958 aufgestellt worden und wurde vollständig mit den zehn Booten der Klasse 141 ausgerüstet. FALKE gehörte während seiner gesamten deutschen Dienstzeit zu diesem Verband.
Der militärische Hauptauftrag der Torpedo-Schnellboote bestand darin, gegnerische Überwassereinheiten aufzuklären, sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit zu nähern und sie möglichst überraschend mit Torpedos anzugreifen.
Zum regelmäßigen Dienstbetrieb von FALKE gehörten:
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Torpedo- und Artillerieschießen
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Gefechts- und Verbandsausbildung
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Nacht- und Schlechtwetterfahrten
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Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben
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nationale und internationale Manöver
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Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee
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Hafenbesuche im In- und Ausland
Die Boote der Klasse 141 operierten häufig gemeinsam in Rotten oder größeren Schnellbootverbänden. Ein erfolgreicher Angriff verlangte eine präzise Navigation, genaue Entfernungsschätzung und die enge Zusammenarbeit sämtlicher Stationen an Bord.
Bordleben auf einem Torpedo-Schnellboot
Der Dienst auf FALKE stellte hohe Anforderungen an die Besatzung. Die Unterkünfte und Arbeitsbereiche waren eng, die Bootsbewegungen bei Seegang erheblich und der Wach- und Übungsbetrieb anspruchsvoll.
Bei hoher Fahrt waren die Besatzungen starken Vibrationen und einer beträchtlichen Geräuschentwicklung ausgesetzt. Gleichzeitig mussten Navigation, Maschinenanlage, Waffen und Nachrichtenmittel jederzeit zuverlässig bedient werden.
Gerade unter diesen Bedingungen entwickelte sich an Bord jene enge Kameradschaft, die für die Schnellbootfahrer über viele Jahre prägend blieb.
Von Wilhelmshaven nach Olpenitz
Der erste Heimathafen von FALKE und des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven.
Zum 1. November 1970 verlegte das Geschwader nach Olpenitz an die Ostsee. Von dort aus absolvierte FALKE seine letzten Jahre im Dienst der Bundesmarine.
Die Ostsee galt während des Kalten Krieges mit ihren engen Seegebieten, Küstengewässern und zahlreichen Inseln als besonders geeignetes Einsatzgebiet für schnelle und wendige Torpedoboote.
Patenschaft mit Zeven
Patenstadt von S 10 FALKE war die niedersächsische Stadt Zeven. Die Patenschaft ist in der Überlieferung des 2. Schnellbootgeschwaders ausdrücklich dokumentiert.
Solche Patenschaften stärkten die Verbindung zwischen Marine und Bevölkerung. Sie wurden durch Besuche der Besatzung in der Patenstadt, Gegenbesuche an Bord und persönliche Kontakte über viele Jahre gepflegt.
Der Traditionsname FALKE wurde später beim Flugkörperschnellboot S 62 FALKE der Klasse 143 erneut verwendet.
Außerdienststellung
Nach mehr als 16 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6072 / S 10 FALKE am 26. September 1975 außer Dienst gestellt.
FALKE gehörte damit zu den ersten Booten der Seeadler-Klasse, die den aktiven deutschen Dienst verließen. Die Torpedo-Schnellboote wurden im 2. Schnellbootgeschwader schrittweise durch die neuen Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.
Mit dieser Ablösung wandelte sich auch das Einsatzkonzept: An die Stelle des unmittelbaren Torpedoangriffs trat zunehmend die Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten mit weitreichenden Seezielflugkörpern.
Weiterer Dienst in Griechenland
Nach der Außerdienststellung wurde FALKE an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen KATAIGIS, griechisch ΚΑΤΑΙΓΙΣ, und zunächst die Kennung P 197. Später wurde es als P 51 geführt.
KATAIGIS wurde 1976 in den aktiven Dienst der griechischen Marine übernommen. Die weitere Laufbahn des ehemaligen FALKE endete jedoch früher als die vieler Schwesterboote.
Das Boot brannte 1979 aus. Trotz dieses schweren Schadens wird seine formelle Dienstzeit in Griechenland bis 1981 angegeben. Danach wurde es nicht mehr aktiv verwendet.
Damit endete die militärische Laufbahn des ehemaligen FALKE nach insgesamt rund 22 Jahren unter deutscher und griechischer Flagge.
Technische Daten der Klasse 141
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Typ: Torpedo-Schnellboot
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Klasse: 141, Seeadler-Klasse
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Werft: Lürssen, Bremen-Vegesack
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Baunummer: 280
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Länge: etwa 42,6 Meter
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Breite: etwa 7,1 Meter
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Tiefgang: etwa 2,3 Meter
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Einsatzverdrängung: etwa 190 Tonnen
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Antrieb: vier schnelllaufende Dieselmotoren auf vier Wellen
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Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten
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Besatzung: etwa 39 Mann
Bewaffnung
Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:
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vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter
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zwei 40-mm-Bofors-Geschützen
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Vorrichtungen zur Mitführung und zum Einsatz von Wasserbomben
Da die Torpedorohre nicht geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den errechneten Schusskurs gebracht werden. Der Torpedoangriff erforderte daher hohe Geschwindigkeit, exakte Navigation und einen genau abgestimmten Einsatz der gesamten Besatzung.
Von Kameraden für Kameraden
P 6072 / S 10 FALKE stand mehr als 16 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend noch mehrere Jahre unter griechischer Flagge. Das Boot gehörte zu jener Generation von Schnellbooten, die den Aufbau der Bundesmarine und die Geschichte des 2. Schnellbootgeschwaders entscheidend mitprägte.
Unsere Artikel zu P 6072 / S 10 FALKE erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Zeven und die Kameradschaft der Schnellbootfahrer.
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