Kategorie: Torpedo-Schnellboot P6071 S9 GREIF

P 6071 / S 9 GREIF – Schnellboot der Seeadler-Klasse

Das Schnellboot GREIF gehörte zu den zehn Torpedo-Schnellbooten der Klasse 141. Die auch als Seeadler-Klasse bezeichneten Boote standen für den Wiederaufbau der deutschen Schnellbootwaffe und bildeten über viele Jahre den Kern des 2. Schnellbootgeschwaders.

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GREIF war für schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Hohe Geschwindigkeit, geringe Abmessungen und eine starke Torpedobewaffnung machten das Boot besonders für Einsätze in den küstennahen Gewässern der Nord- und Ostsee geeignet.

Bau und Indienststellung

GREIF wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut.

Am 3. März 1959 wurde das Boot als S 9 GREIF für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6071.

Nach seiner Indienststellung wurde GREIF dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt und in Wilhelmshaven stationiert.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Das 2. Schnellbootgeschwader war am 1. Juni 1958 aufgestellt und vollständig mit den zehn Booten der Klasse 141 ausgerüstet worden. GREIF gehörte während seiner gesamten Dienstzeit in der Bundesmarine zu diesem Verband.

Der militärische Hauptauftrag der Boote bestand darin, gegnerische Überwasserstreitkräfte aufzuklären, überraschend anzugreifen und mit Torpedos zu bekämpfen. Die Schnellboote operierten dabei häufig in Rotten oder größeren geschlossenen Verbänden.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb von GREIF gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • Gefechts- und Verbandsausbildung

  • Nacht- und Schlechtwetterfahrten

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • nationale und internationale Manöver

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Der Borddienst auf den vergleichsweise kleinen und schnellen Booten stellte hohe Anforderungen an die Besatzung. Enge Räume, starke Bootsbewegungen bei Seegang und ein dichter Wach- und Übungsbetrieb prägten den Alltag an Bord.

Von Wilhelmshaven nach Olpenitz

Der erste Heimathafen von GREIF und des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven.

Zum 1. November 1970 verlegte das Geschwader nach Olpenitz. Damit wechselte auch GREIF von der Nordsee an die Ostsee und absolvierte dort seine letzten Dienstjahre in der Bundesmarine.

Die Ostsee gewann während des Kalten Krieges für die deutschen Schnellbootverbände zunehmend an Bedeutung. Ihre engen Seegebiete und küstennahen Fahrwasser galten als besonders geeignet für den Einsatz schneller und wendiger Torpedoboote.

Patenschaft mit Mannheim

Patenstadt von S 9 GREIF war die baden-württembergische Stadt Mannheim. Die Patenschaft war an den Namen GREIF gebunden und wurde später vom Flugkörperschnellboot S 66 GREIF der Klasse 143 fortgeführt.

Solche Patenschaften stärkten die Verbindung zwischen Marine und Bevölkerung. Sie wurden durch gegenseitige Besuche, offizielle Empfänge und persönliche Kontakte zwischen den Besatzungen und den Patenstädten gepflegt.

Außerdienststellung

Nach mehr als 17 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6071 / S 9 GREIF am 1. Dezember 1976 außer Dienst gestellt.

GREIF gehörte damit zu den letzten Booten der Seeadler-Klasse, die aus dem aktiven deutschen Dienst ausschieden. Die Klasse 141 wurde im 2. Schnellbootgeschwader durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.

Mit der Einführung der neuen Boote wandelte sich auch das Einsatzkonzept. An die Stelle des unmittelbaren Torpedoangriffs trat zunehmend die Bekämpfung gegnerischer Schiffe mit weitreichenden Flugkörpern.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach seiner Außerdienststellung wurde GREIF an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen KYKLON, griechisch ΚΥΚΛΩΝ.

Das ehemalige GREIF führte zunächst die Kennung P 199 und später P 53. Es wurde bereits 1976 in den Dienst der griechischen Marine übernommen und dort weiterhin als Schnellboot eingesetzt.

KYKLON blieb bis 2005 im aktiven Dienst. Damit erreichte das Boot eine militärische Gesamtdienstzeit von rund 46 Jahren und gehörte zu den am längsten genutzten Einheiten der Klasse 141.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Werft: Lürssen, Bremen-Vegesack

  • Länge: etwa 42,6 Meter

  • Breite: etwa 7,1 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,3 Meter

  • Einsatzverdrängung: etwa 190 Tonnen

  • Antrieb: vier schnelllaufende Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:

  • vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Bofors-Geschützen

  • Vorrichtungen zur Mitführung und zum Einsatz von Wasserbomben

Da die Torpedorohre fest im Bootskörper eingebaut waren, musste zum Zielen das gesamte Schnellboot auf den errechneten Angriffskurs gebracht werden. Ein erfolgreicher Torpedoangriff erforderte daher präzise Navigation, hohe Geschwindigkeit und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit der gesamten Besatzung.

Von Kameraden für Kameraden

P 6071 / S 9 GREIF stand mehr als 17 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend fast drei Jahrzehnte unter griechischer Flagge. Das Boot gehörte damit zu den besonders langlebigen Einheiten der deutschen Schnellbootgeschichte.

Unsere Artikel zu P 6071 / S 9 GREIF erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Mannheim und die Kameradschaft im 2. Schnellbootgeschwader.

Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.