Kategorie: SM-Boote KULMBACH-Klasse

Kulmbach-Klasse – SM-Boote der Klasse 343

Die fünf Minenjagdboote der Kulmbach-Klasse, in der Deutschen Marine als Klasse 333 beziehungsweise MJ 333 geführt, entstanden durch den Umbau von fünf schnellen Minensuchbooten der Hameln-Klasse. Die Einheiten wurden ursprünglich als Boote der Klasse 343 gebaut und zwischen 1999 und 2002 für die moderne Minenjagd umgerüstet.

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Zur Kulmbach-Klasse gehörten die Boote KULMBACH, ÜBERHERRN, PASSAU, LABOE und HERTEN. Sämtliche Einheiten sind inzwischen außer Dienst gestellt.

Ursprung als schnelle Minensuchboote

Die Boote der späteren Kulmbach-Klasse gehörten zunächst zur zehn Einheiten umfassenden Hameln-Klasse, Klasse 343. Diese schnellen Minensuchboote waren noch während des Kalten Krieges vor allem für das Minenlegen unter Bedrohung vorgesehen.

Dafür verfügten sie über eine für Minenabwehrboote ungewöhnlich starke Bewaffnung und umfangreiche Führungsmittel. Zur ursprünglichen Ausrüstung gehörten zwei radargesteuerte 40-mm-Geschütze, ein taktisches Lagedarstellungssystem sowie mechanische, magnetische und akustische Minenräumgeräte.

Die Boote konnten bis zu 60 Seeminen aufnehmen und sollten verminte Sperren schnell ausbringen können. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts verlor diese Aufgabe jedoch an Bedeutung. Deshalb entschied sich die Marine, alle zehn Boote der Hameln-Klasse für neue Aufgaben umzubauen.

Aufteilung der Hameln-Klasse

Die zehn Boote wurden auf zwei neue Klassen verteilt:

Fünf Einheiten wurden zu Hohlstablenkbooten der Ensdorf-Klasse 352 umgebaut. Die anderen fünf erhielten eine moderne Minenjagdausrüstung und bildeten anschließend die Kulmbach-Klasse 333.

Damit endete die eigenständige Existenz der Hameln-Klasse. Die Bootskörper, Antriebsanlagen und wesentliche Teile der ursprünglichen Ausrüstung blieben jedoch erhalten.

Umbau zur Kulmbach-Klasse

Der Umbau der fünf ausgewählten Boote erfolgte im Zeitraum von 1999 bis 2002. Dabei wurde vor allem die bisherige Minensuch- und Räumausrüstung entfernt oder angepasst.

An ihre Stelle trat eine Minenjagdausrüstung, die gegenüber der ursprünglichen Ausstattung der Frankenthal-Klasse bereits weiterentwickelt war. Die Boote erhielten Systeme zur Ortung, Identifizierung und gezielten Vernichtung einzelner Seeminen.

Der als Einheitsplattform entwickelte Rumpf der Klasse 343 musste dafür nur vergleichsweise geringfügig verändert werden. Diese konstruktive Grundlage ermöglichte es, dieselbe Plattform sowohl für Minenjagd- als auch für Hohlstablenkboote zu verwenden.

Aufgabe der Minenjagdboote

Die Hauptaufgabe der Kulmbach-Klasse bestand im gezielten Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Grund- und Ankertauminen.

Im Unterschied zum klassischen Minensuchen wurde nicht versucht, ein größeres Gebiet mit einem geschleppten Räumgerät zu bearbeiten. Stattdessen wurde der Meeresboden systematisch nach einzelnen verdächtigen Objekten abgesucht.

Ein erkannter Kontakt wurde zunächst bewertet und anschließend mit einem ferngelenkten Unterwasserfahrzeug untersucht. Bestätigte Seeminen konnten danach gezielt vernichtet werden.

Dieses Verfahren war zwar aufwendiger als das großflächige Minensuchen, ermöglichte aber eine wesentlich genauere Untersuchung des Meeresbodens und eine kontrollierte Bekämpfung einzelner Kampfmittel.

Unterwasserdrohne SEEFUCHS

Das wichtigste Minenbekämpfungsmittel der Kulmbach-Klasse war die Unterwasserdrohne SEEFUCHS.

Das System bestand aus unterschiedlichen Varianten. Der Identifizierungs-SEEFUCHS verfügte über eine Kamera und ein Nahbereichssonar. Mit ihm konnte die Besatzung ein verdächtiges Objekt näher untersuchen, ohne Minentaucher einsetzen zu müssen.

Eine zweite Ausführung trug einen Sprengkopf. Diese Einwegdrohne wurde unmittelbar an die erkannte Mine herangeführt und dort zur Detonation gebracht. Dabei wurde sowohl die Drohne als auch die Mine zerstört.

Die Kulmbach-Klasse gehörte damit zu den ersten deutschen Minenjagdbooten, bei denen der SEEFUCHS von Beginn ihrer Verwendung als Minenjagdboot an ein wesentlicher Bestandteil der Ausrüstung war.

Schutz vor Seeminen

Wie die übrigen Einheiten der gemeinsam entwickelten Minenabwehrplattform besaßen die Boote einen Rumpf aus nicht magnetisierbarem Stahl.

Dadurch wurde die magnetische Signatur vermindert und das Risiko reduziert, selbst eine Magnetmine auszulösen. Weitere Maßnahmen dienten der Verringerung der akustischen und magnetischen Eigenwirkung.

Die Boote konnten bei der Minenjagd besonders langsam und präzise manövrieren. Ihre beiden Verstellpropeller ermöglichten gemeinsam mit der Antriebsanlage eine genaue Positionierung über oder neben einem Sonarkontakt.

Starke Bewaffnung

Eine Besonderheit der Kulmbach-Klasse war die gegenüber der Frankenthal-Klasse deutlich stärkere ursprüngliche Überwasserbewaffnung.

Die beiden 40-mm-Geschütze der Hameln-Klasse blieben beim Umbau zunächst erhalten. Die Waffen konnten über eine Feuerleitanlage geführt werden. Damit verfügten die Boote über vergleichsweise gute Fähigkeiten zur Selbstverteidigung gegen kleinere Überwasserziele und begrenzte Luftbedrohungen.

Im Laufe der Dienstzeit begann die Marine, die älteren 40-mm-Geschütze durch das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27 zu ersetzen. Je nach Zeitpunkt und Boot können sich die dokumentierten Bewaffnungsstände deshalb unterscheiden.

Führungs- und Kommunikationsausrüstung

Auch die umfangreiche Führungs- und Kommunikationsausrüstung stammte teilweise noch aus der ursprünglichen Verwendung als schnelle Minensuchboote.

Die Klasse 343 war für taktische Minenlegeoperationen unter Bedrohung konzipiert worden. Deshalb verfügten die Boote über ein Lagedarstellungssystem und einen Datenlink für den Austausch taktischer Informationen.

Ein Teil dieser Fähigkeiten blieb nach dem Umbau erhalten. Dadurch konnten die Boote nicht nur selbstständig Minenjagd betreiben, sondern auch in nationalen und multinationalen Verbänden eingesetzt werden.

Verbandszugehörigkeit

Die zu Minenjagdbooten umgebauten Einheiten wurden dem 3. Minensuchgeschwader unterstellt.

Ihr Heimathafen war zuletzt Kiel. Von dort aus nahmen die Boote an nationalen Übungen, NATO-Manövern und zeitweiligen Unterstellungen unter die ständigen Minenabwehrverbände der NATO teil.

Die Kulmbach-Klasse wurde dabei sowohl in Nord- und Ostsee als auch im Mittelmeer eingesetzt. Einzelne Boote nahmen darüber hinaus an internationalen Einsätzen teil. Die PASSAU war beispielsweise von Oktober 2011 bis März 2012 im Rahmen von UNIFIL vor der libanesischen Küste eingesetzt.

Weitere Aufgaben

Neben der militärischen Minenjagd wurden die Boote auch zur Suche nach historischen Kampfmitteln, Wrackteilen und vermissten Objekten eingesetzt.

Ein Beispiel dafür war die Suche der PASSAU nach einem im Dezember 2012 in die Neustädter Bucht abgestürzten norwegischen Hubschrauber. Das Boot konnte das Wrack mit seiner Unterwasserausrüstung lokalisieren.

Damit zeigte sich, dass die moderne Minenjagdtechnik auch für Seenotfälle, Unfalluntersuchungen und die Suche nach unbekannten Objekten auf dem Meeresboden genutzt werden konnte.

Einheiten der Kulmbach-Klasse

Zur Klasse 333 gehörten fünf Boote:

  • M 1091 KULMBACH

  • M 1095 ÜBERHERRN

  • M 1096 PASSAU

  • M 1097 LABOE

  • M 1099 HERTEN

Die Kennungen waren nicht fortlaufend, weil die Boote ihre bereits bei der Hameln-Klasse geführten Namen und Kennungen behielten. Die übrigen fünf Boote der ursprünglichen Klasse 343 wurden zur Ensdorf-Klasse 352 umgebaut.

Außerdienststellungen

Die Außerdienststellung der Kulmbach-Klasse erfolgte schrittweise:

  • KULMBACH: 21. März 2012

  • LABOE: 28. März 2012

  • PASSAU: 27. September 2013

  • ÜBERHERRN: 30. Juni 2016

  • HERTEN: 30. Juni 2016

Die ÜBERHERRN und die HERTEN blieben länger in Dienst als ursprünglich vorgesehen. Bis zum 30. Juni 2016 wurden sie unter anderem als schwimmende Plattformen für die Nachwuchs- und Öffentlichkeitsarbeit der Marine verwendet. Danach übernahmen verbliebene Boote der Ensdorf-Klasse diese Aufgabe.

Technische Grunddaten

  • Klasse: 333 – Kulmbach-Klasse

  • Ursprüngliche Klasse: 343 – Hameln-Klasse

  • Typ: Minenjagdboot

  • Anzahl: fünf Boote

  • Umbau: 1999 bis 2002

  • Rumpf: nicht magnetisierbarer Stahl

  • Länge: etwa 54,3 Meter

  • Breite: etwa 9,2 Meter

  • Tiefgang: etwa 3 Meter

  • Verdrängung: etwa 635 Tonnen

  • Geschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Antrieb: zwei Dieselmotoren mit zwei Verstellpropellern

  • Minenbekämpfung: SEEFUCHS-Identifizierungs- und Vernichtungsdrohnen

  • Letzter Verband: 3. Minensuchgeschwader

  • Letzter Heimathafen: Kiel

Die technischen Angaben können sich je nach Umbauzustand und Ausrüstungsstand einzelner Boote geringfügig unterscheiden.

Bedeutung der Klasse

Die Kulmbach-Klasse war ein Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der gemeinsamen deutschen Minenabwehrplattform.

Die ursprünglich für schnelles Minenlegen und klassisches Minensuchen entwickelten Boote wurden nach dem Ende des Kalten Krieges erfolgreich zu modernen Minenjagdbooten umgebaut. Dabei blieben die leistungsfähige Antriebsanlage, die robuste Plattform und große Teile der Führungs- und Bewaffnungsausstattung erhalten.

Mit dem SEEFUCHS-System verfügten die Boote über ein modernes Verfahren zur Identifizierung und Vernichtung einzelner Seeminen. Bis zur Außerdienststellung der letzten beiden Einheiten im Jahr 2016 ergänzte die Kulmbach-Klasse die Frankenthal-Klasse und leistete einen wichtigen Beitrag zur deutschen und internationalen Seeminenabwehr.

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