Kategorie: SM-Boot M1091 KULMBACH

M 1091 KULMBACH – Schnelles Minensuchboot der Hameln-Klasse und Minenjagdboot der Kulmbach-Klasse

Das Boot M 1091 KULMBACH wurde ursprünglich als schnelles Minensuchboot der Hameln-Klasse, Klasse 343, gebaut. Ende der 1990er-Jahre erfolgte der Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 333. Als erste fertiggestellte Einheit dieser neuen Variante wurde die KULMBACH zum Namensgeber der gesamten Kulmbach-Klasse.

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Damit umfasste ihre Laufbahn zwei deutlich unterschiedliche Dienstphasen: zunächst als schnelles Minensuch- und Minenlegeboot, später als spezialisiertes Minenjagdboot mit ferngelenkten Unterwasserdrohnen.

Bau und Indienststellung

Die KULMBACH wurde bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut. Das Historische Marinearchiv führt für das Boot die Baunummern 6415 beziehungsweise 13545. Der Stapellauf erfolgte am 15. Juni 1989. Das internationale Rufzeichen lautete DRFU.

Beim Datum der Indienststellung unterscheiden sich die öffentlich zugänglichen Quellen:

  • Das Historische Marinearchiv nennt den 24. April 1990.

  • Andere Übersichten nennen den 23. Mai 1990.

Für unsere einheitliche Arbeitsgrundlage verwende ich das im Historischen Marinearchiv geführte Datum:

Indienststellung: 24. April 1990.

Erste Dienstphase als schnelles Minensuchboot

In ihrer ursprünglichen Ausführung gehörte die KULMBACH zur Hameln-Klasse 343. Diese Boote waren während des Kalten Krieges für mehrere Aufgaben vorgesehen.

Dazu gehörten:

  • das schnelle Ausbringen von Seeminen,

  • das mechanische Räumen von Ankertauminen,

  • das Räumen magnetisch und akustisch auslösender Minen,

  • der Eigenschutz bei Operationen unter möglicher gegnerischer Bedrohung.

Die Hameln-Klasse verfügte deshalb über eine vergleichsweise starke Bewaffnung, leistungsfähige Antriebsanlagen und umfangreiche Führungsmittel. Die Boote konnten nicht nur Minen räumen, sondern bei entsprechender Ausrüstung auch größere Minensperren legen.

Der Rumpf bestand aus amagnetischem beziehungsweise nicht magnetisierbarem Stahl. Dadurch wurde die magnetische Eigenwirkung des Bootes reduziert und das Risiko vermindert, selbst eine Magnetmine auszulösen.

Veränderter Auftrag nach dem Kalten Krieg

Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts veränderten sich die Anforderungen an die deutschen Minenstreitkräfte. Das schnelle Legen großer Minensperren verlor an Bedeutung, während die genaue Ortung und gezielte Bekämpfung einzelner Seeminen wichtiger wurde.

Die zehn Boote der Hameln-Klasse wurden deshalb auf zwei neue Verwendungen verteilt:

Fünf Einheiten wurden zu Hohlstablenkbooten der Ensdorf-Klasse 352 umgebaut. Die anderen fünf erhielten eine moderne Minenjagdausrüstung und bildeten die Kulmbach-Klasse 333.

Die Boote wurden während des Umbaus nicht grundsätzlich aus dem Dienst genommen. Ihre Laufbahn setzte sich mit veränderter Ausrüstung und neuer Klassenbezeichnung fort.

Umbau zum Minenjagdboot

Der Umbau der KULMBACH begann Ende der 1990er-Jahre. Dabei wurden wesentliche Teile der bisherigen Minensuch- und Räumausrüstung entfernt oder ersetzt.

An ihre Stelle trat eine spezialisierte Minenjagdausrüstung. Die KULMBACH wurde als erste Einheit der neuen Klasse am 24. September 1999 fertiggestellt. Dadurch wurde sie zum Typschiff und Namensgeber der Klasse 333.

Die Umrüstung veränderte den Auftrag des Bootes grundlegend. Statt größere Seegebiete mit geschleppten Räumgeräten zu bearbeiten, sollte die KULMBACH nun einzelne verdächtige Unterwasserobjekte orten, untersuchen und gezielt vernichten.

Minenjagd mit SEEFUCHS-Drohnen

Das wichtigste Minenbekämpfungsmittel der Kulmbach-Klasse war das System SEEFUCHS.

Der Identifizierungs-SEEFUCHS verfügte über Kamera und Nahbereichssonar. Er wurde zu einem verdächtigen Objekt gesteuert, damit die Besatzung feststellen konnte, ob es sich tatsächlich um eine Mine, um ein Wrackteil oder um einen ungefährlichen Gegenstand handelte.

Zur Vernichtung einer bestätigten Mine stand eine zweite Variante zur Verfügung. Diese Einwegdrohne trug einen Sprengkopf und wurde direkt an das Ziel herangeführt. Bei der Detonation wurden sowohl die Drohne als auch die Mine zerstört.

Die Minenjagdausrüstung der Klasse 333 galt zum Zeitpunkt ihrer Einführung als weiterentwickelt. Während die Frankenthal-Klasse damals noch überwiegend mit PINGUIN-B3-Drohnen arbeitete, erhielten die Boote der Kulmbach-Klasse bereits das SEEFUCHS-System.

Ablauf eines Minenjagdeinsatzes

Bei der Minenjagd suchte die Besatzung den Meeresboden systematisch nach auffälligen Kontakten ab.

Ein gefundener Kontakt wurde zunächst vermessen und klassifiziert. Anschließend konnte ein SEEFUCHS zur näheren Untersuchung ausgesetzt werden. Bestätigte Minen wurden mit einer Vernichtungsdrohne oder bei besonderen Bedingungen durch Minentaucher beseitigt.

Dieses Verfahren war präziser als das klassische Minensuchen. Es ermöglichte eine kontrollierte Untersuchung einzelner Objekte und verringerte das Risiko, unbekannte Gegenstände unnötig zu sprengen.

Die Minenjagdtechnik konnte außerdem zur Suche nach Wrackteilen, verlorener Ausrüstung und anderen Objekten auf dem Meeresboden eingesetzt werden.

Bewaffnung und Eigenschutz

In ihrer ursprünglichen Ausführung als schnelles Minensuchboot führte die KULMBACH zwei 40-mm-Geschütze.

Diese vergleichsweise starke Bewaffnung stammte aus dem ursprünglichen Konzept der Hameln-Klasse. Die Boote sollten auch unter Bedrohung operieren und sich gegen kleinere Überwasserziele sowie begrenzt gegen Luftziele verteidigen können.

Im Zuge späterer Modernisierungen wurden die älteren 40-mm-Geschütze ausgebaut und durch das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27 ersetzt. Ergänzend standen schwere Maschinengewehre und weitere leichte Waffen zur Verfügung.

Die Hauptfähigkeit des Bootes blieb jedoch die Unterwasseraufklärung und Minenbekämpfung.

Verbandszugehörigkeit und Heimathafen

Die KULMBACH gehörte zuletzt zum 3. Minensuchgeschwader. Ihr Heimathafen war Kiel.

Von dort aus nahm sie an nationalen Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und internationalen Minenabwehrmanövern teil. Die Boote der Klasse 333 konnten außerdem zeitweise in den ständigen Minenabwehrverbänden der NATO eingesetzt werden.

Durch ihre Führungs-, Kommunikations- und Minenjagdausrüstung waren sie sowohl für eigenständige Einsätze als auch für die Zusammenarbeit in multinationalen Verbänden geeignet.

Patenschaft mit der Stadt Kulmbach

Namensgeberin des Bootes war die bayerische Stadt Kulmbach.

Zwischen der Stadt und der Besatzung entwickelte sich über viele Jahre eine enge Patenschaft. Gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Kontakte verbanden die Besatzungsangehörigen mit der Patenstadt.

Die angekündigte Außerdienststellung wurde in Kulmbach deshalb mit großem Bedauern aufgenommen. Zeitgenössische Berichte schildern, dass durch die Patenschaft zahlreiche persönliche Freundschaften entstanden waren.

Außerdienststellung

Die KULMBACH wurde im März 2012 außer Dienst gestellt.

Auch hier unterscheiden sich die Quellen geringfügig:

  • Das Historische Marinearchiv nennt den 21. März 2012.

  • Berichte zur offiziellen Abschiedsveranstaltung nennen den 31. März 2012.

Wahrscheinlich beziehen sich die Angaben auf unterschiedliche formale beziehungsweise zeremonielle Vorgänge. Für den Schiffsfinder sollte das im Historischen Marinearchiv dokumentierte Datum verwendet werden:

Außerdienststellung: 21. März 2012.

Mit ihrer Außerdienststellung endete eine fast 22-jährige Dienstzeit, davon rund neun Jahre als schnelles Minensuchboot und mehr als zwölf Jahre als Minenjagdboot der Klasse 333.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde die ehemalige KULMBACH zunächst als Auflieger im Bereich des Marinearsenals Wilhelmshaven geführt. Ein späterer Verkauf, eine Übergabe an eine ausländische Marine oder ein anderer endgültiger Verbleib ist in den verwendeten belastbaren Quellen nicht eindeutig dokumentiert.

 

Technische Daten

  • Ursprüngliche Klasse: 343 – Hameln-Klasse

  • Spätere Klasse: 333 – Kulmbach-Klasse

  • Ursprünglicher Typ: Schnelles Minensuchboot

  • Späterer Typ: Minenjagdboot

  • Kennung: M 1091

  • Rufzeichen: DRFU

  • Bauwerft: Abeking & Rasmussen, Lemwerder

  • Baunummer: 6415 beziehungsweise 13545

  • Stapellauf: 15. Juni 1989

  • Indienststellung: 24. April 1990

  • Umbau zum Minenjagdboot abgeschlossen: 24. September 1999

  • Außerdienststellung: 21. März 2012

  • Länge: etwa 54,3 Meter

  • Breite: etwa 9,2 Meter

  • Tiefgang: etwa 3 Meter

  • Verdrängung: etwa 635 Tonnen

  • Geschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Rumpf: nicht magnetisierbarer Stahl

  • Minenbekämpfung: SEEFUCHS-Identifizierungs- und Vernichtungsdrohnen

  • Letzter Heimathafen: Kiel

  • Letzter Verband: 3. Minensuchgeschwader

Bedeutung

M 1091 KULMBACH steht beispielhaft für den Wandel der deutschen Minenstreitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges.

Das Boot wurde ursprünglich für schnelles Minenlegen und klassisches Minensuchen gebaut. Durch den Umbau zur Klasse 333 erhielt es eine moderne Minenjagdausrüstung und konnte einzelne Unterwasserobjekte präzise identifizieren und bekämpfen.

Als erste fertiggestellte Einheit des Umrüstungsprogramms wurde die KULMBACH zum Namensgeber der gesamten Klasse. Ihre Laufbahn verbindet damit zwei Generationen und zwei unterschiedliche Verfahren der deutschen Seeminenabwehr.