Kategorie: Schulschiff DEUTSCHLAND

A 59 DEUTSCHLAND – Schulschiff der Bundesmarine

Die DEUTSCHLAND war das große Ausbildungsschiff der Bundesmarine und über mehr als ein Vierteljahrhundert eine schwimmende Marineschule. Von 1963 bis 1990 bereitete sie Generationen von Offizieranwärtern auf ihren späteren Dienst an Bord vor.

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Anders als die GORCH FOCK war die DEUTSCHLAND kein Segelschulschiff. Sie war ein voll ausgerüstetes Kriegsschiff mit Geschützen, Torpedorohren, U-Jagd-Waffen, modernen Ortungsanlagen und einer außergewöhnlichen kombinierten Antriebsanlage. Dadurch konnten die Lehrgangsteilnehmer nahezu sämtliche Bereiche des Borddienstes unter realistischen Bedingungen kennenlernen.

Bau und Indienststellung

Die DEUTSCHLAND wurde bei der Nobiskrug-Werft in Rendsburg gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 11. September 1959, der Stapellauf am 5. November 1960. Am 25. Mai 1963 wurde sie als A 59 in Dienst gestellt.

Sie blieb das einzige Schiff der Klasse 440. Ursprünglich war zeitweise der Name BERLIN vorgesehen, der jedoch aus politischen Gründen verworfen wurde. Mit einer Länge von 138 Metern und einer Einsatzverdrängung von rund 5.600 Tonnen gehörte die DEUTSCHLAND zu den größten Einheiten der damaligen Bundesmarine. Ihr Erscheinungsbild erinnerte an die Zerstörer der Hamburg-Klasse und die Tender der Rhein-Klasse.

Schulschiff mit Mehrzweckverwendung

Die DEUTSCHLAND wurde als Schulschiff mit Mehrzweckverwendung geplant. Ihre technische Ausstattung orientierte sich an den verschiedenen Schiffstypen der damals im Aufbau befindlichen Bundesmarine.

Bewaffnung, Elektronik, Schiffstechnik und Antriebsanlagen ermöglichten eine breit angelegte Ausbildung. Im Verteidigungsfall hätte das Schiff außerdem als Minenleger, Lazarettschiff oder Truppentransporter eingesetzt werden können. Aufgrund ihrer Größe und Ausrüstung war sie als Schiffstyp zwischen einem Zerstörer und einem kleinen Kreuzer angesiedelt. Für ihren Bau war deshalb eine besondere Genehmigung der Alliierten erforderlich.

Ausbildung der Offizieranwärter

Die wichtigste Aufgabe der DEUTSCHLAND war die praktische Ausbildung des Offiziernachwuchses. Die Offizieranwärter lernten an Bord nicht nur einzelne Fachgebiete, sondern den gesamten Betrieb eines Kriegsschiffes kennen.

Das Schiff war in fünf Divisionen gegliedert:

I. Division: Schiffswaffen und Decksdienst
II. Division: Schiffstechnik
III. Division: Schiffsoperation
IV. Division: Schiffsversorgung einschließlich Sanitätsdienst und Militärseelsorge
K-Division: Kadettenausbildung

Die Kadetten durchliefen die verschiedenen Bereiche und erhielten dadurch einen umfassenden Einblick in Navigation, Seemannschaft, Waffenbetrieb, Ortung, Funk, Maschinenanlagen, Versorgung und Führung an Bord.

Die Ausbildung war anspruchsvoll. Neben Unterricht und Übungen gehörten Seewachen, Gefechtsdienst, Hafenmanöver und die täglichen Arbeiten des Bordbetriebes zum Ausbildungsalltag.

Auslandsausbildungsreisen

Ein wesentlicher Bestandteil des Ausbildungsbetriebes waren die Auslandsausbildungsreisen. Während ihrer Dienstzeit führte die DEUTSCHLAND insgesamt 68 Ausbildungsreisen durch, darunter 35 große Auslandsausbildungsreisen.

Auf diesen Reisen besuchte das Schulschiff zahlreiche Häfen in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien. Die Zielhäfen reichten von Kopenhagen bis Tokio. Insgesamt legte die DEUTSCHLAND rund 730.000 Seemeilen zurück – eine Strecke, die etwa 33 Erdumrundungen entspricht.

Die Reisen dienten nicht nur der Ausbildung. Als großes und repräsentatives Schiff der Bundesmarine erfüllte die DEUTSCHLAND zugleich diplomatische Aufgaben. Hafenbesuche, Empfänge und Begegnungen mit ausländischen Marinen machten sie zu einer wichtigen Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland.

Leben an Bord

Die DEUTSCHLAND verfügte über eine Stammbesatzung von mehreren Hundert Soldaten und konnte zusätzlich bis zu 120 Kadetten aufnehmen. Zeitweise gehörten auch zivile Beschäftigte wie Stewards, Bordwäscher, Schneider, Schuhmacher und Friseur zur Besatzung.

Für die Lehrgangsteilnehmer bedeutete eine Reise auf der DEUTSCHLAND oft die erste längere Seefahrt. Enge Unterkünfte, wechselnde Wachen, Seegang und der geregelte Tagesablauf prägten das Leben an Bord.

Viele ehemalige Besatzungsmitglieder erinnern sich bis heute an lange Seewachen, Ausbildungsstationen, Hafenaufenthalte und die besondere Kameradschaft auf dem großen Schulschiff.

Das Ende des Schulschiffes

Für 1990 war eine umfassende Grundüberholung vorgesehen. Die Kosten wurden auf rund 40 Millionen DM geschätzt. Aufgrund dieser hohen Summe entschied die Marine, das Schiff nicht mehr zu modernisieren und ersatzlos außer Dienst zu stellen.

Die 68. Auslandsausbildungsreise wurde damit überraschend zur letzten Reise des Schulschiffes. Am 28. Juni 1990 wurde die DEUTSCHLAND außer Dienst gestellt. Die Ausbildung der Offizieranwärter erfolgte anschließend auf eigens zusammengestellten Ausbildungsverbänden der Flotte.

Nach der Außerdienststellung konnte das Schiff nicht als Museum erhalten werden. Die DEUTSCHLAND wurde verkauft und 1994 im indischen Alang abgebrochen. Damit endete die Geschichte eines der markantesten und bedeutendsten Schiffe der Bundesmarine.

Technische Daten

Schiffstyp: Schulschiff mit Mehrzweckverwendung
Klasse: 440
Kennung: A 59
Bauwerft: Nobiskrug, Rendsburg
Kiellegung: 11. September 1959
Stapellauf: 5. November 1960
Indienststellung: 25. Mai 1963
Außerdienststellung: 28. Juni 1990
Verbleib: 1994 in Alang, Indien, abgebrochen

Länge: 138 Meter
Breite: 16,5 Meter
Tiefgang: 4,5 Meter, mit Sonar 5,28 Meter
Verdrängung: rund 5.600 Tonnen
Stammbesatzung: rund 386 Angehörige
Ausbildungskapazität: zusätzlich bis zu 120 Kadetten

Antrieb:
Vier Dieselmotoren für die Außenwellen
Zwei Hochdruck-Heißdampfkessel
Eine Dampfturbine
Gesamtleistung rund 32.000 PS

Geschwindigkeit:
16 Knoten mit Dieselantrieb
bis zu 21 Knoten mit Diesel- und Dampfantrieb

Bewaffnung:
Vier 100-mm-Geschütze
40-mm-Flugabwehrgeschütze
Vier 533-mm-Torpedorohre
Zwei 375-mm-U-Jagd-Raketenwerfer
Wasserbombenablaufbühnen
Minenlegeschienen

Der Flugzeugabsturz über dem Skagerrak

Die letzte Auslandsausbildungsreise der DEUTSCHLAND wurde von einem tragischen Ereignis überschattet. Am 8. September 1989 stürzte Partnair-Flug 394, eine Convair CV-580 auf dem Weg von Oslo nach Hamburg, nördlich der dänischen Hafenstadt Hirtshals in das Skagerrak. Alle 55 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Die DEUTSCHLAND befand sich zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit dem Tender WERRA A 68 auf der 68. Auslandsausbildungsreise. Beide Schiffe wurden in die anschließenden Such- und Bergungsarbeiten einbezogen. Für die beteiligten Besatzungen wurde aus einer Ausbildungsreise innerhalb weniger Stunden ein schwerer und belastender Einsatz.

Die Kameraden bargen Opfer und Trümmerteile aus der See und unterstützten damit die Aufklärung des Unglücks. Nach den Erinnerungen beteiligter Besatzungsangehöriger wurden 51 der 55 Todesopfer geborgen; vier Menschen blieben vermisst.

Der Einsatz vor Hirtshals gehört zu den einschneidendsten Ereignissen der letzten Reise des Schulschiffes. Für viele Besatzungsmitglieder der DEUTSCHLAND und der WERRA blieb er weit stärker im Gedächtnis als die zuvor angelaufenen Häfen und die eigentliche Ausbildungsfahrt.

Damit endete die Geschichte der Auslandsausbildungsreisen der DEUTSCHLAND nicht allein mit einer letzten großen Seefahrt, sondern mit einem Einsatz, bei dem Seemannschaft, Pflichtbewusstsein und Kameradschaft unter besonders schweren Bedingungen gefordert waren.

Von Kameraden für Kameraden

Für Tausende ehemalige Marineangehörige war die DEUTSCHLAND weit mehr als ein Ausbildungsschiff. Sie war der Ort, an dem aus Offizieranwärtern Seeleute und spätere Vorgesetzte wurden.

Die Ausbildung an Bord vermittelte Fachwissen, verlangte aber ebenso Disziplin, Verantwortungsbewusstsein und Kameradschaft. Wer auf der DEUTSCHLAND gefahren ist, erinnert sich an ein Schiff, das nahezu alle Bereiche der damaligen Bundesmarine unter einem Deck vereinte.

Unsere Artikel zur A 59 DEUTSCHLAND erinnern an dieses außergewöhnliche Schulschiff und an alle Kameraden, die auf ihr gelernt, gelebt und gedient haben.

A 59 DEUTSCHLAND – schwimmende Marineschule und Heimat auf Zeit.