Kategorie: U 191 U-Boot 12

U 191 U-Boot 12 – Küsten-U-Boot und Sonarerprobungsträger der Klasse 205

U 191 U-Boot 12 war ein konventionelles Küsten-U-Boot der verbesserten Klasse 205 und die letzte fertiggestellte Einheit dieser Klasse. Das Boot stand – mit einer längeren Unterbrechung nach einer schweren Kollision – vom 14. Januar 1969 bis zum 21. Juni 2005 im Dienst der Bundesmarine und späteren Deutschen Marine.

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Während seiner außergewöhnlich langen Laufbahn wurde U-Boot 12 zunächst als reguläres Küsten-U-Boot im 1. Ubootgeschwader eingesetzt. Nach einem umfangreichen Umbau diente es später als Erprobungsträger für neue Sonar-, Ortungs-, Feuerleit- und Steuerungssysteme.

Bau und Indienststellung

U-Boot 12 wurde bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft in Kiel unter der Baunummer 1161 gebaut.

Die Kiellegung erfolgte am 1. September 1966, der Stapellauf am 10. September 1968. Am 14. Januar 1969 wurde das Boot unter der Kennung U 191 als U-Boot 12 für die Bundesmarine in Dienst gestellt.

Gemeinsam mit U-Boot 9, U-Boot 10 und U-Boot 11 gehörte U-Boot 12 zur verbesserten Ausführung der Klasse 205. Diese letzten vier Boote werden auch als Klasse 205 mod bezeichnet.

Der amagnetische Stahl von U-Boot 12

Die frühen deutschen U-Boote der Klassen 201 und 205 waren aus dem amagnetischen Stahl AM 10 gebaut worden. An diesem Werkstoff traten jedoch Korrosionserscheinungen und Risse auf, die zu erheblichen Einschränkungen und zur vorzeitigen Außerdienststellung mehrerer Boote führten.

Bei den späteren Einheiten der Klasse 205 wurden deshalb unterschiedliche amagnetische Stahlsorten erprobt. U-Boot 12 wurde aus Amanox 182 M 9 der Stahlwerke Südwestfalen gefertigt.

Der amagnetische Druckkörper sollte die magnetische Signatur des Bootes verringern. Dadurch war U-Boot 12 schwerer mit magnetischen Ortungsverfahren zu erfassen und weniger gefährdet durch Seeminen mit Magnetzündern.

Auftrag als Küsten-U-Boot

U-Boot 12 war ursprünglich für den Einsatz in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen vorgesehen.

Im Verteidigungsfall sollte das Boot gegnerische Überwassereinheiten, Nachschubverbände und mögliche Landungsfahrzeuge bekämpfen. Seine geringe Größe ermöglichte verdeckte Einsätze in flachen und stark gegliederten Seegebieten, in denen größere U-Boote nur eingeschränkt operieren konnten.

Die Bewaffnung bestand aus acht fest im Bug eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter. Aus ihnen konnten sowohl Torpedos als auch Seeminen ausgestoßen werden.

Ein Nachladen der Torpedorohre innerhalb des Bootes war nicht möglich. Neue Torpedos oder Minen mussten daher im Hafen oder mithilfe geeigneter Unterstützungseinrichtungen von außen übernommen werden.

Antrieb und Unterwasserfahrt

U 191 U-Boot 12 besaß einen diesel-elektrischen Antrieb.

Zwei Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben jeweils einen Generator an. Der erzeugte Strom versorgte die Batterien und den elektrischen Fahrmotor. Dieser wirkte über eine einzelne Welle auf den Propeller.

Während der reinen Unterwasserfahrt bezog der Fahrmotor seine Energie aus den Batterien. Bei Schnorchelfahrt konnten die Dieselmotoren betrieben und die Batterien geladen werden, während das Boot weitgehend unter Wasser blieb.

U-Boot 12 erreichte aufgetaucht eine Geschwindigkeit von etwa zehn Knoten. Unter Wasser waren bis zu 17 Knoten möglich.

Dienst im 1. Ubootgeschwader

Nach seiner Indienststellung wurde U 191 U-Boot 12 dem 1. Ubootgeschwader zugeteilt.

Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel. Von dort aus nahm das Boot an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und gemeinsamen Vorhaben mit deutschen und verbündeten Seestreitkräften teil.

Die kleinen U-Boote der Klasse 205 waren aufgrund ihrer geringen Abmessungen, ihrer niedrigen magnetischen Signatur und ihrer vergleichsweise leisen Unterwasserfahrt anspruchsvolle Übungsgegner für Überwasserschiffe und Marineflieger.

Mit der späteren Verlegung des 1. Ubootgeschwaders wechselte auch der Heimathafen von U-Boot 12 von Kiel nach Eckernförde.

Kollision mit dem DDR-Frachter FRITZ REUTER

Am 2. April 1971 kollidierte U-Boot 12 bei dichtem Nebel etwa sechs Seemeilen östlich von Fehmarn mit dem DDR-Frachter FRITZ REUTER.

Das U-Boot wurde bei dem Zusammenstoß schwer beschädigt. Aufgrund des Schadens musste U 191 am 30. April 1971 vorübergehend außer Dienst gestellt werden.

Zu Beginn des Jahres 1972 sollte das unbemannte Boot von Kiel nach Emden geschleppt werden. Während eines Sturms riss die Schleppverbindung. U-Boot 12 trieb daraufhin mehrere Stunden führerlos in der Nordsee, bevor es wieder in Schlepp genommen und nach Emden gebracht werden konnte.

Wiederherstellung und erneute Indienststellung

Bei den Rheinstahl Nordseewerken in Emden wurde U-Boot 12 von 1972 bis 1974 umfassend instand gesetzt und technisch verbessert.

Die Arbeiten gingen über eine einfache Reparatur der Kollisionsschäden hinaus. Das Boot wurde wieder für eine langfristige Nutzung vorbereitet und konnte anschließend in den aktiven Dienst zurückkehren.

Am 8. Januar 1974 wurde U 191 U-Boot 12 erneut in Dienst gestellt und kehrte zum 1. Ubootgeschwader zurück.

Damit begann die zweite und deutlich längere Phase seiner Laufbahn.

Weitere Verwendung als Einsatz- und Ausbildungsboot

Nach seiner Wiederindienststellung wurde U-Boot 12 erneut für Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und operative Vorhaben eingesetzt.

Das Boot diente sowohl der Ausbildung der eigenen Besatzungen als auch der Schulung von U-Jagdkräften. Überwasserschiffe, Marineflieger und andere U-Boote konnten mit
U 191 das Orten, Verfolgen und Bekämpfen eines kleinen konventionellen U-Bootes üben.

Die Besatzung bestand aus etwa 21 bis 22 Mann. An Bord herrschten äußerst beengte Verhältnisse. Schlafplätze, technische Anlagen, Gefechtsstationen und Aufenthaltsbereiche befanden sich unmittelbar nebeneinander.

Der Dienst verlangte daher Disziplin, gegenseitige Rücksichtnahme und ein besonders enges Zusammenwirken aller Kameraden.

Umbau zum Sonarerprobungsträger

Zwischen 1988 und 1990 wurde U-Boot 12 umfassend zu einem Versuchs- und Erprobungsboot für neue Ortungs-, Sonar-, Feuerleit- und Steuerungsanlagen umgebaut.

Das äußere Erscheinungsbild des Bootes veränderte sich dadurch deutlich. Der Rumpf wurde verlängert und an beiden Seiten mit auffälligen Längswülsten versehen. Auf dem Vorschiff entstand eine große Verkleidung beziehungsweise Kuppel für zusätzliche Ortungsanlagen.

Auch die vorderen Tiefenruder wurden verändert und in den Bereich des Turmes verlegt. Der Turmaufbau selbst wurde ebenfalls angepasst und verlängert.

U-Boot 12 konnte ein Schleppsonar mitführen und wurde über mehrere Jahre zur Erprobung neuer Unterwasserortungstechnik eingesetzt.

Bedeutung für die Entwicklung neuer U-Boot-Technik

Als Sonarerprobungsträger übernahm U 191 eine Aufgabe, die weit über den ursprünglichen Einsatz eines Küsten-U-Bootes hinausging.

Mit dem Boot konnten neue Sensoren und Verfahren unter realistischen Einsatzbedingungen erprobt werden. Dazu gehörten Systeme zur passiven Unterwasserortung, zur Entfernungsmessung, zur Zielverfolgung und zur Verarbeitung akustischer Informationen.

Die mit U-Boot 12 gewonnenen Erfahrungen flossen in die Weiterentwicklung deutscher U-Boot-Technik ein. Das Boot unterstützte damit auch Vorarbeiten für die späteren und wesentlich moderneren U-Boote der Klasse 212A.

Patenstadt Aulendorf

Die Patenschaft für U 191 U-Boot 12 übernahm die Stadt Aulendorf in Baden-Württemberg.

Solche Patenschaften verbanden die Boote der Bundesmarine mit Städten und Gemeinden im gesamten Bundesgebiet. Besuche, gegenseitige Einladungen und persönliche Kontakte stärkten die Verbindung zwischen Besatzung und Patenstadt.

Auch für die Kameraden von U-Boot 12 war diese Patenschaft ein fester Bestandteil der Tradition ihres Bootes.

Letztes aktives Boot der Klasse 205

U-Boot 12 überlebte sämtliche anderen aktiv eingesetzten Boote der Klasse 205.

U-Boot 9 und U-Boot 10 waren bereits 1993 außer Dienst gestellt worden. U-Boot 11 folgte im Oktober 2003. S 191 blieb dagegen noch bis 2005 im Dienst und war damit die letzte aktive Einheit der Klasse.

Seine lange Nutzung wurde vor allem durch die besondere Aufgabe als Erprobungsträger ermöglicht. Für reguläre Kampfeinsätze war das kleine Küsten-U-Boot zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr vorgesehen.

Außerdienststellung

U 191 U-Boot 12 wurde am 21. Juni 2005 in Eckernförde außer Dienst gestellt.

Damit endete nach mehr als 36 Jahren die Geschichte des letzten gebauten und zuletzt noch aktiven U-Bootes der Klasse 205. Zugleich endete die aktive Dienstzeit einer U-Boot-Klasse, die den Wiederaufbau und die technische Weiterentwicklung der deutschen U-Boot-Waffe entscheidend geprägt hatte.

Anders als U-Boot 9, U-Boot 10 und U-Boot 11 wurde U-Boot 12 nicht als Museumsschiff erhalten.

Verkauf und Verschrottung

Nach der Außerdienststellung wurde U-Boot 12 über die VEBEG zum Verkauf angeboten.

Am 4. Juli 2007 wurde das Boot an ein dänisches Verwertungsunternehmen verkauft. Im September 2008 erfolgte die Übernahme und Überführung nach Dänemark.

Dort wurde U 191 anschließend abgewrackt. Damit blieb das letzte aktive Boot der Klasse 205 nicht für die Nachwelt erhalten.

Bedeutung von U-Boot 12

U 191 U-Boot 12 besaß innerhalb der Klasse 205 eine außergewöhnliche Laufbahn.

Das Boot begann seinen Dienst als reguläres Küsten-U-Boot, wurde bei einer schweren Kollision beinahe zum Totalverlust und kehrte nach mehrjähriger Instandsetzung wieder in den aktiven Dienst zurück.

Durch den späteren Umbau zum Sonarerprobungsträger erhielt es eine völlig neue Aufgabe. U-Boot 12 wurde damit zu einer wichtigen Plattform für die Erprobung moderner Unterwasserortungs- und Führungssysteme.

Als letztes aktives Boot der Klasse 205 verband U 191 die frühen Jahre der Bundesmarine mit der technologischen Entwicklung der Deutschen Marine im 21. Jahrhundert.

Von Kameraden für Kameraden

Der Dienst auf U 191 U-Boot 12 verlangte von den Besatzungen über Jahrzehnte hinweg ein besonders enges und zuverlässiges Zusammenwirken.

Die Kameraden erlebten auf diesem Boot sehr unterschiedliche Phasen: den regulären Geschwaderdienst, die schwere Kollision von 1971, die Rückkehr nach der umfassenden Instandsetzung und schließlich die lange Verwendung als technisch stark veränderter Erprobungsträger.

Auf engstem Raum musste sich jeder auf den anderen verlassen können. Jeder Handgriff, jede Meldung und jede Entscheidung konnte für das Boot und die Sicherheit der gesamten Besatzung von Bedeutung sein.

Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen war U 191 deshalb weit mehr als ein Küsten-U-Boot oder eine technische Versuchsplattform. Es war ihr Boot, ihr gemeinsamer Arbeitsplatz und für einen prägenden Abschnitt ihres Lebens ihr Zuhause unter Wasser.

Unsere Artikel zu U-Boot 12 erinnern an das Boot, seine Besatzungen und an alle Kameraden, die zwischen 1969 und 2005 auf U 191 gefahren sind.

Von Kameraden für Kameraden – zur Erinnerung an das Boot, seine Besatzungen und die gemeinsam gefahrenen Seemeilen.

Technische Daten

Kennung: U 191
Bezeichnung: U-Boot 12
Klasse: Klasse 205 mod
Typ: Konventionelles Küsten-U-Boot, später Sonar- und Systemerprobungsträger
Bauwerft: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
Baunummer: 1161
Kiellegung: 1. September 1966
Stapellauf: 10. September 1968
Erste Indienststellung: 14. Januar 1969
Vorübergehende Außerdienststellung: 30. April 1971
Erneute Indienststellung: 8. Januar 1974
Endgültige Außerdienststellung: 21. Juni 2005
Baumaterial: Amagnetischer Stahl Amanox 182 M 9
Länge: ursprünglich etwa 44,3 Meter, nach dem Umbau etwa 46 Meter
Breite: ursprünglich etwa 4,6 Meter; nach dem Umbau durch seitliche Verkleidungen vergrößert
Tiefgang: etwa 3,8 bis 4 Meter
Verdrängung: ursprünglich etwa 419 bis 450 Tonnen aufgetaucht und 455 bis 500 Tonnen getaucht
Antrieb: Zwei Dieselgeneratoren und ein elektrischer Fahrmotor auf eine Welle
Dieselleistung: Zweimal etwa 600 PS
Leistung des Fahrmotors: etwa 1.500 PS
Geschwindigkeit: etwa 10 Knoten aufgetaucht und bis zu 17 Knoten getaucht
Reichweite: etwa 4.200 Seemeilen bei fünf Knoten in Überwasserfahrt
Bewaffnung: Ursprünglich acht Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter, auch zum Legen von Seeminen geeignet
Besatzung: etwa 21 bis 22 Mann
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, später Eckernförde
Patenstadt: Aulendorf
Umbau: 1988 bis 1990 zum Erprobungsträger für Sonar-, Ortungs-, Feuerleit- und Steuerungssysteme
Verbleib: 2007 nach Dänemark verkauft und 2008 dort abgewrackt