Kategorie: U 190 U-Boot 11
U 190 U-Boot 11 – Küsten-U-Boot und Unterwasser-Zieldarstellungsboot der Klasse 205
U 190 U-Boot 11 war ein konventionelles Küsten-U-Boot der verbesserten Klasse 205 und gehörte zu den langlebigsten U-Booten der Bundesmarine und späteren Deutschen Marine.
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Das Boot stand vom 21. Juni 1968 bis zum 30. Oktober 2003 im Dienst. Während seiner mehr als 35-jährigen Laufbahn wurde U-Boot 11 zunächst als reguläres Küsten-U-Boot im 1. Ubootgeschwader eingesetzt. Nach einem umfangreichen Umbau diente es anschließend als Unterwasser-Zieldarstellungsboot für Torpedoschießübungen.
Heute ist U 190 U-Boot 11 als begehbares Museumsschiff im Hafen von Burgstaaken auf Fehmarn erhalten.
Bau und Indienststellung
U-Boot 11 wurde bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft in Kiel unter der Baunummer 1160 gebaut.
Die Kiellegung erfolgte am 1. April 1966, der Stapellauf am 9. Februar 1968. Am 21. Juni 1968 wurde das Boot unter der Kennung S 190 als U-Boot 11 für die Bundesmarine in Dienst gestellt.
Gemeinsam mit U-Boot 9, U-Boot 10 und U-Boot 12 gehörte U-Boot 11 zur verbesserten Ausführung der Klasse 205. Diese Boote werden auch als Klasse 205 mod bezeichnet.
Der besondere Stahl von U-Boot 11
Die ersten deutschen U-Boot-Neubauten waren aus dem amagnetischen Stahl AM 10 gefertigt worden. An diesem Werkstoff traten jedoch Korrosionserscheinungen und Risse auf, die zu erheblichen Einschränkungen und einer vorzeitigen Außerdienststellung mehrerer Boote führten.
Bei den späteren Einheiten der Klasse 205 wurden deshalb verschiedene neue amagnetische Stahlsorten erprobt.
U-Boot 11 wurde aus dem Stahl PN 18 S2 gebaut. Dieser Werkstoff bewährte sich besonders gut und wurde zu einer wichtigen Grundlage für spätere deutsche U-Boot-Konstruktionen.
Der amagnetische Druckkörper verringerte die magnetische Signatur des Bootes. Dadurch war U-Boot 11 schwerer mit magnetischen Ortungsverfahren zu erfassen und weniger empfindlich gegenüber Magnetminen.
Auftrag als Küsten-U-Boot
U-Boot 11 war ursprünglich für den verdeckten Einsatz in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen vorgesehen.
Im Verteidigungsfall sollte das Boot gegnerische Überwassereinheiten, Nachschubverbände und mögliche Landungsfahrzeuge bekämpfen. Seine geringe Größe ermöglichte Einsätze in flachen und stark gegliederten Seegebieten, in denen größere U-Boote nur eingeschränkt operieren konnten.
Die Bewaffnung bestand aus acht fest im Bug eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter. Aus den Rohren konnten sowohl Torpedos als auch Seeminen ausgestoßen werden.
Ein Nachladen der Torpedorohre innerhalb des Bootes war nicht möglich. Neue Waffen mussten daher von außen übernommen werden.
Antrieb und Unterwasserfahrt
U 190 U-Boot 11 verfügte über einen diesel-elektrischen Antrieb.
Zwei Dieselmotoren trieben Generatoren an, die elektrischen Strom für die Batterien und den Fahrmotor erzeugten. Der elektrische Fahrmotor wirkte über eine einzelne Welle auf den Propeller.
Während der Unterwasserfahrt bezog der Fahrmotor seine Energie aus den Batterien. Bei Schnorchelfahrt konnten die Dieselmotoren betrieben und die Batterien geladen werden, während das Boot weitgehend getaucht blieb.
U-Boot 11 erreichte aufgetaucht etwa zehn Knoten. Unter Wasser waren Geschwindigkeiten von bis zu 17 Knoten möglich.
Dienst im 1. Ubootgeschwader
Nach seiner Indienststellung wurde U 190 U-Boot 11 dem 1. Ubootgeschwader zugeteilt.
Der erste Heimathafen war Kiel. Von dort aus nahm das Boot an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und gemeinsamen Vorhaben mit deutschen und verbündeten Seestreitkräften teil.
Die kleinen U-Boote der Klasse 205 galten bei U-Jagdübungen als anspruchsvolle Gegner. Ihre geringe Größe, ihre niedrige magnetische Signatur und ihre vergleichsweise leise Unterwasserfahrt erschwerten die Ortung durch Überwasserschiffe und Marineflieger.
Mit der späteren Verlegung der deutschen U-Boot-Verbände wechselte auch U-Boot 11 nach Eckernförde.
Umbau zum Unterwasser-Zieldarstellungsboot
Vom 5. Januar 1987 bis zum 30. September 1988 wurde U-Boot 11 umfassend umgebaut.
Das Boot erhielt eine zusätzliche Außenhaut, die den eigentlichen Druckkörper umgab. Diese zweite Hülle sollte das Boot bei Torpedoschießübungen vor schweren Beschädigungen schützen.
Bei den Übungen wurden grundsätzlich Torpedos ohne scharfen Gefechtskopf verwendet. Dennoch bestand die Gefahr, dass ein Übungstorpedo das Zielboot unbeabsichtigt traf. Die zusätzliche Außenhaut sollte die Aufprallenergie aufnehmen und verhindern, dass der Druckkörper beschädigt wurde.
Durch den Umbau veränderte sich das äußere Erscheinungsbild von U-Boot 11 deutlich. Das ursprünglich schlanke Einhüllenboot erhielt einen breiteren und massiger wirkenden Rumpf.
Aufgabe als Zieldarstellungsboot
Nach Abschluss des Umbaus wurde S 190 als Unterwasser-Zieldarstellungsboot eingesetzt.
U-Boot 11 stellte bei nationalen und internationalen Übungen ein gegnerisches U-Boot dar. Andere U-Boote, Überwasserschiffe und Marineflugzeuge konnten an dem Boot ihre Ortungs-, Verfolgungs- und Bekämpfungsverfahren üben.
Die Besatzung von U-Boot 11 musste dabei vorgegebene Kurse, Geschwindigkeiten und Tauchtiefen einhalten. Gleichzeitig blieb der sichere Betrieb des eigenen Bootes unter den besonderen Bedingungen einer Torpedoschießübung jederzeit die wichtigste Aufgabe.
Durch diese Verwendung leistete U-Boot 11 über viele Jahre einen besonderen Beitrag zur Ausbildung von U-Boot-Besatzungen, U-Jagdkräften und Marinefliegern.
Leben und Arbeiten an Bord
Die Besatzung von U-Boot 11 bestand aus etwa 22 Mann.
Die räumlichen Verhältnisse waren äußerst beengt. Schlafplätze, technische Anlagen, Gefechtsstationen und Aufenthaltsbereiche lagen unmittelbar nebeneinander.
Ein Teil der Kojen wurde im Wechsel genutzt. Während ein Kamerad Wache ging, konnte ein anderer den frei gewordenen Schlafplatz übernehmen. Persönlicher Stauraum war nur in sehr geringem Umfang vorhanden.
Privatsphäre gab es an Bord praktisch nicht. Jeder Mann musste Rücksicht auf seine Kameraden nehmen und zugleich seine Aufgabe auch während langer Tauchfahrten jederzeit sicher erfüllen.
Lange Dienstzeit und Fahrleistung
U-Boot 11 blieb mehr als 35 Jahre im Dienst und gehörte damit zu den am längsten verwendeten deutschen U-Booten seiner Generation.
Während seiner Laufbahn legte das Boot insgesamt rund 177.900 Seemeilen zurück. Mehr als 15.500 Seemeilen davon wurden in getauchtem Zustand gefahren.
Diese Fahrleistung zeigt, dass U 190 über Jahrzehnte intensiv im Ausbildungs-, Übungs- und Erprobungsbetrieb eingesetzt wurde.
Außerdienststellung
U 190 U-Boot 11 wurde am 30. Oktober 2003 in Eckernförde außer Dienst gestellt.
Mit der Außerdienststellung endete nach mehr als 35 Jahren eine außergewöhnlich lange Laufbahn. Das Boot wurde jedoch nicht verschrottet, sondern für eine museale Nutzung erhalten.
Museumsschiff auf Fehmarn
Seit 2005 befindet sich U-Boot 11 im Hafen von Burgstaaken auf Fehmarn.
Das Boot wurde dort an Land aufgestellt und bildet das Herzstück des U-Boot-Museums Fehmarn. Besucher können S 190 betreten und nahezu den gesamten Innenraum durchqueren.
Die erhaltenen technischen Anlagen, Torpedorohre, Kojen und Arbeitsstationen vermitteln einen unmittelbaren Eindruck von den beengten Bedingungen, unter denen die Besatzung lebte und arbeitete.
Durch seinen auffälligen, nachträglich verbreiterten Rumpf ist U-Boot 11 heute zugleich ein weithin sichtbares Wahrzeichen des Hafens von Burgstaaken.
Bedeutung von U-Boot 11
U 190 U-Boot 11 besitzt innerhalb der Klasse 205 eine besondere historische und technische Bedeutung.
Der bei seinem Bau verwendete amagnetische Stahl PN 18 S2 bewährte sich und beeinflusste die weitere Entwicklung deutscher U-Boot-Konstruktionen.
Durch den späteren Umbau zum Unterwasser-Zieldarstellungsboot erhielt U-Boot 11 zudem eine Aufgabe, die weit über den ursprünglichen Einsatz eines Küsten-U-Bootes hinausging.
Das Boot unterstützte über viele Jahre die Ausbildung von U-Booten, Überwasserschiffen und Marinefliegern. Seine lange Dienstzeit machte es zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen U-Boot-Waffe während des Kalten Krieges und in den Jahren danach.
Heute erinnert das erhaltene Museumsschiff an die Technik dieser Epoche und vor allem an die Männer, die auf U 190 gefahren sind.
Von Kameraden für Kameraden
Der Dienst auf U 190 U-Boot 11 verlangte von der Besatzung ein besonders enges und verlässliches Zusammenwirken.
Auf einem U-Boot musste jeder Kamerad seine Aufgabe sicher beherrschen. Während langer Tauchfahrten, bei Übungen und insbesondere beim Einsatz als Zieldarstellungsboot war das Vertrauen in die Männer an der Seite unverzichtbar.
Die Besatzungen von U-Boot 11 trugen über Jahrzehnte Verantwortung für ein Boot mit einer außergewöhnlichen Aufgabe. Sie stellten sich bei Torpedoschießübungen als Ziel zur Verfügung, damit andere Einheiten unter möglichst realistischen Bedingungen ausgebildet werden konnten.
Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen ist U 190 heute nicht nur ein Museumsschiff auf Fehmarn. Es bleibt ihr Boot, ihr gemeinsamer Arbeitsplatz und für einen prägenden Abschnitt ihres Lebens ihr Zuhause unter Wasser.
Unsere Artikel zu U-Boot 11 erinnern an das Boot, seine Besatzungen und an alle Kameraden, die während seiner mehr als 35-jährigen Dienstzeit an Bord gefahren sind.
Von Kameraden für Kameraden – zur Erinnerung an das Boot, seine Besatzungen und die gemeinsam gefahrenen Seemeilen.
Technische Daten
Kennung: U 190
Bezeichnung: U-Boot 11
Klasse: Klasse 205 mod
Typ: Konventionelles Küsten-U-Boot, später Unterwasser-Zieldarstellungsboot
Bauwerft: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
Baunummer: 1160
Kiellegung: 1. April 1966
Stapellauf: 9. Februar 1968
Indienststellung: 21. Juni 1968
Außerdienststellung: 30. Oktober 2003
Baumaterial: Amagnetischer Stahl PN 18 S2
Länge: etwa 44 Meter
Breite vor dem Umbau: etwa 4,60 Meter
Verdrängung vor dem Umbau: etwa 450 Tonnen aufgetaucht
Verdrängung nach dem Umbau: etwa 520 Tonnen
Antrieb: Zwei Dieselgeneratoren und ein elektrischer Fahrmotor auf eine Welle
Geschwindigkeit: etwa 10 Knoten aufgetaucht und bis zu 17 Knoten getaucht
Bewaffnung: Acht Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter, auch zum Legen von Seeminen geeignet
Besatzung: etwa 22 Mann
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, später Eckernförde
Umbau: 1987 bis 1988 zum Unterwasser-Zieldarstellungsboot mit zusätzlicher Außenhaut
Fahrleistung: Rund 177.900 Seemeilen, davon mehr als 15.500 Seemeilen getaucht
Verbleib: Seit 2005 Museumsschiff im Hafen von Burgstaaken auf Fehmarn