Kategorie: U 188 U-Boot 9
U 188 U-Boot 9 – Küsten-U-Boot der Klasse 205
U 188 U-Boot 9 war ein konventionelles Küsten-U-Boot der verbesserten Klasse 205. Das Boot gehörte zu den ersten deutschen U-Booten, bei denen die aus der sogenannten Stahlkrise gewonnenen Erkenntnisse umfassend berücksichtigt wurden.
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U-Boot 9 stand vom 11. April 1967 bis zum 3. Juni 1993 im Dienst der Bundesmarine. Während seiner mehr als 26-jährigen Laufbahn bewährte sich das Boot im Geschwaderdienst, bei nationalen und internationalen Übungen sowie bei der Ausbildung deutscher U-Boot-Besatzungen.
Heute ist U 188 U-Boot 9 als Museumsschiff im Technik Museum Speyer erhalten.
Bau und Indienststellung
U-Boot 9 wurde bei den Howaldtswerken in Kiel unter der Baunummer 1158 gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 10. Dezember 1964, der Stapellauf am 20. Oktober 1966.
Am 11. April 1967 wurde das Boot unter der Kennung U 188 als U-Boot 9 für die Bundesmarine in Dienst gestellt.
U-Boot 9 gehörte gemeinsam mit U-Boot 10, U-Boot 11 und U-Boot 12 zur verbesserten Ausführung der Klasse 205. Diese Boote werden deshalb auch als Klasse 205 mod oder U-Boot-9-Klasse bezeichnet.
Verbesserte Ausführung der Klasse 205
Die frühen Boote der Klasse 205 waren aus dem amagnetischen Stahl AM 10 gebaut worden. An diesem Werkstoff hatten sich jedoch Korrosionserscheinungen und Risse gezeigt, die zu erheblichen Einsatzbeschränkungen führten.
Bei den letzten vier Booten der Klasse wurden deshalb unterschiedliche neue amagnetische Stahlsorten erprobt. U-Boot 9 und sein Schwesterboot U-Boot 10 wurden aus dem Stahl AM 53 gefertigt.
Die verbesserte Ausführung erhielt außerdem einen strömungsgünstiger gestalteten Turm. Dadurch sollte insbesondere der Wellenwiderstand während der Schnorchelfahrt reduziert werden.
Auf dem Vorschiff befand sich ein zusätzlicher Hüllkörper für einen Schwinger der französischen DUUX-2A-Anlage. Dieses Passivsonar diente der Entfernungsmessung und verbesserte die Fähigkeiten des Bootes bei der Unterwasserortung.
Auftrag
U-Boot 9 war vor allem für den verdeckten Einsatz in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen vorgesehen.
Im Verteidigungsfall sollte das Boot gegnerische Überwassereinheiten, Nachschubverbände und mögliche Landungsfahrzeuge bekämpfen. Durch seine geringe Größe und seine guten Unterwasserfahreigenschaften konnte es auch in flachen und stark gegliederten Seegebieten operieren.
Die Bewaffnung bestand aus acht fest im Bug eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter. Aus den Rohren konnten sowohl Torpedos als auch Seeminen ausgestoßen werden.
Die Torpedorohre konnten nicht innerhalb des Bootes nachgeladen werden. Neue Torpedos oder Minen mussten deshalb im Hafen, im Dock oder mithilfe eines entsprechend ausgerüsteten Unterstützungsschiffes von außen übernommen werden.
Antrieb und Unterwasserfahrt
U-Boot 9 besaß einen diesel-elektrischen Antrieb. Zwei Mercedes-Benz-Dieselmotoren trieben Generatoren an, die den für den Fahrmotor und die Batterien benötigten elektrischen Strom erzeugten.
Der elektrische Fahrmotor wirkte über eine Welle auf den Propeller. Unter Wasser wurde die Energie aus den Batterien bezogen. Bei Schnorchelfahrt konnten die Dieselmotoren auch während einer weitgehend getauchten Fahrt betrieben werden.
Mit einer Unterwassergeschwindigkeit von bis zu 17 Knoten war U-Boot 9 unter Wasser deutlich schneller als in der Überwasserfahrt. Die für damalige Verhältnisse hohe Unterwassergeschwindigkeit war ein wesentliches Merkmal der kleinen deutschen Küsten-U-Boote.
Dienst im 1. Ubootgeschwader
U 188 U-Boot 9 wurde dem 1. Ubootgeschwader zugeteilt. Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel.
Das Boot gehörte zu den voll einsatzfähigen Einheiten der Klasse 205 und wurde für operative Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und gemeinsame Vorhaben mit verbündeten Seestreitkräften eingesetzt.
Während seiner langen Laufbahn nahm U-Boot 9 an zahlreichen nationalen und internationalen Übungen teil. Die kleine Silhouette, die geringe magnetische Signatur und die vergleichsweise leise Unterwasserfahrt machten das Boot zu einem anspruchsvollen Übungsgegner für Überwasserschiffe, Marineflieger und U-Jagdverbände.
Mit der späteren Verlegung der deutschen U-Boot-Verbände wechselte auch der Stationierungsort der noch im Dienst befindlichen Boote nach Eckernförde.
Leben und Arbeiten an Bord
Die Besatzung von U-Boot 9 bestand aus etwa 22 Mann. Auf dem kleinen Boot standen nur sehr begrenzte Wohn-, Arbeits- und Schlafräume zur Verfügung.
Viele Einrichtungen mussten mehrfach genutzt werden. Persönlicher Stauraum war kaum vorhanden, und nahezu alle Tätigkeiten fanden in unmittelbarer Nähe zu den technischen Anlagen, Torpedorohren und anderen Besatzungsmitgliedern statt.
Der U-Boot-Dienst verlangte daher ein besonders enges Zusammenwirken. Jeder Kamerad musste seine Aufgaben zuverlässig beherrschen und auch unter körperlicher Belastung, bei Wachwechseln und während langer Tauchfahrten konzentriert arbeiten.
Zusammenstoß im Oktober 1983
Im Oktober 1983 kam es südwestlich des Leuchtturms Kiel zu einem Zusammenstoß zwischen U-Boot 9 und dem britischen Bohrinselversorger MAERSK PLOTTER.
Bei der Kollision entstand nur geringer Sachschaden. Das Ereignis hatte keine vorzeitige Beendigung der Dienstzeit zur Folge, und U-Boot 9 konnte seine Laufbahn anschließend fortsetzen.
Eine außergewöhnlich lange Fahrleistung
Während seiner mehr als 26-jährigen Dienstzeit legte U-Boot 9 rund 174.850 Seemeilen zurück. Dies entspricht ungefähr acht Erdumrundungen.
Zusammengerechnet verbrachte das Boot nahezu zwei Jahre unter Wasser. Diese Fahrleistung verdeutlicht, dass U-Boot 9 nicht lediglich ein technischer Erprobungsträger war, sondern über Jahrzehnte intensiv im Flotten-, Übungs- und Ausbildungsbetrieb eingesetzt wurde.
Die lange Dienstzeit war zugleich ein Beleg dafür, dass sich der für U-Boot 9 verwendete Stahl AM 53 deutlich besser bewährte als der problematische Stahl der frühen Boote der Klasse.
Außerdienststellung
U 188 U-Boot 9 wurde am 3. Juni 1993 nach mehr als 26 Dienstjahren außer Dienst gestellt.
Letzter Kommandant des Bootes war Kapitänleutnant Christian Knop. Mit der Außerdienststellung endete eine der längsten Laufbahnen innerhalb der Klasse 205.
Das Boot wurde nicht verschrottet, sondern für eine museale Erhaltung übernommen.
Museumsschiff in Speyer
Nach seiner Außerdienststellung wurde U-Boot 9 zum Technik Museum Speyer transportiert. Für die Überführung musste das Boot auf dem Wasserweg über Nordsee und Rhein nach Speyer gebracht werden.
Heute ist U 188 U-Boot 9 dort als begehbares Museumsschiff ausgestellt. Besucher können die Enge des Bootes, die technischen Einrichtungen und die Arbeitsplätze der Besatzung unmittelbar erleben.
U-Boot 9 gehört damit zu den wenigen erhaltenen deutschen U-Booten der Nachkriegszeit und ist ein bedeutendes Zeugnis der Bundesmarine während des Kalten Krieges.
Neben U-Boot 9 blieben aus der Klasse 205 auch U-Boot 10 in Wilhelmshaven und U-Boot 11 auf Fehmarn als Museumsschiffe erhalten.
Bedeutung von U-Boot 9
U 188 U-Boot 9 verkörpert den erfolgreichen Übergang von den problembehafteten frühen deutschen U-Boot-Neubauten zu einer technisch zuverlässigeren Generation.
Die Erfahrungen aus der Stahlkrise waren bei seiner Konstruktion berücksichtigt worden. Mit dem Stahl AM 53, dem verbesserten Turmaufbau und den weiterentwickelten Sonaranlagen war das Boot erheblich leistungsfähiger und dauerhafter einsetzbar als die ersten Einheiten der Klasse 205.
U-Boot 9 leistete über mehr als ein Vierteljahrhundert einen wichtigen Beitrag zur Einsatzbereitschaft, Ausbildung und taktischen Weiterentwicklung der deutschen U-Boot-Waffe.
Sein Erhalt als Museumsschiff ermöglicht es heute, die besonderen Arbeits- und Lebensbedingungen einer U-Boot-Besatzung auch kommenden Generationen anschaulich zu vermitteln.
Von Kameraden für Kameraden
Der Dienst auf U 188 U-Boot 9 bedeutete über Jahrzehnte hinweg Leben und Arbeiten auf engstem Raum. Jeder Mann an Bord trug Verantwortung für das Boot und für die Sicherheit seiner Kameraden.
Während langer Tauchfahrten, bei Übungen und im täglichen Bordbetrieb entstanden Vertrauen und eine Kameradschaft, die häufig weit über die gemeinsame Dienstzeit hinaus Bestand hatten.
Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen ist U 188 nicht nur ein technisches Denkmal im Technik Museum Speyer. Es bleibt ihr Boot, ihr Arbeitsplatz und für einen prägenden Abschnitt ihres Lebens ihr gemeinsames Zuhause unter Wasser.
Dass U-Boot 9 heute erhalten und begehbar ist, bewahrt auch die Erinnerung an die vielen Kameraden, die zwischen 1967 und 1993 auf diesem Boot gefahren sind.
Unsere Artikel zu U-Boot 9 erinnern an das Boot, seine Besatzungen und an die gemeinsam zurückgelegten 174.850 Seemeilen.
Von Kameraden für Kameraden – zur Erinnerung an das Boot, seine Besatzungen und die gemeinsam gefahrenen Seemeilen.
Technische Daten
Kennung: U 188
Bezeichnung: U-Boot 9
Klasse: Klasse 205 mod
Typ: Konventionelles Küsten-U-Boot
Bauwerft: Howaldtswerke, Kiel
Baunummer: 1158
Kiellegung: 10. Dezember 1964
Stapellauf: 20. Oktober 1966
Indienststellung: 11. April 1967
Außerdienststellung: 3. Juni 1993
Baumaterial: Amagnetischer Stahl AM 53
Länge: etwa 44 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 4 Meter
Verdrängung: etwa 450 Tonnen aufgetaucht und 500 Tonnen getaucht
Antrieb: Zwei Dieselgeneratoren und ein elektrischer Fahrmotor auf eine Welle
Leistung des Fahrmotors: etwa 1.500 PS
Geschwindigkeit: etwa 10 Knoten aufgetaucht und bis zu 17 Knoten getaucht
Reichweite: etwa 4.200 Seemeilen bei fünf Knoten in Überwasserfahrt
Tauchtiefe: etwa 100 Meter
Bewaffnung: Acht Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter, auch für Seeminen geeignet
Ortungsanlage: Unter anderem DUUX-2A-Passivsonar
Besatzung: etwa 22 Mann
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, später Eckernförde
Zurückgelegte Strecke: Rund 174.850 Seemeilen
Verbleib: Museumsschiff im Technik Museum Speyer