Kategorie: S 186 U-Boot 36

S 186 U-Boot 36 – U-Boot der Klasse 212A

Das U-Boot U 36 mit der militärischen Kennung S 186 ist die sechste und letzte Einheit der Klasse 212A der Deutschen Marine. Gemeinsam mit dem Schwesterboot U 35 bildet es das technisch weiterentwickelte zweite Baulos dieser außenluftunabhängig angetriebenen U-Boot-Klasse.

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U 36 wurde bei der damaligen Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel unter der Baunummer 399 gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 19. August 2008. Das Boot wurde am 6. Februar 2013 erstmals zu Wasser gelassen und am 15. Mai 2013 feierlich getauft. Am 10. Oktober 2016 wurde U 36 für die Deutsche Marine in Dienst gestellt.

Zweites Baulos der Klasse 212A

Die ersten vier deutschen Boote der Klasse 212A, U 31 bis U 34, wurden zwischen 2005 und 2007 in Dienst gestellt. U 35 und U 36 gehören zum zweiten Baulos und erhielten verschiedene technische und bauliche Weiterentwicklungen.

Die Verbesserungen dienten unter anderem der Nutzung auf längeren internationalen Unternehmungen. Dazu gehörten weiterentwickelte Führungs-, Kommunikations-, Sensor- und Optroniksysteme sowie Anpassungen für den Betrieb in wärmeren Seegebieten.

Die Boote des zweiten Bauloses sind etwas länger und schwerer als die ersten vier Einheiten. Außerdem wurde ihre Fähigkeit zur Unterstützung von Spezialkräften verbessert. U 36 kann Kampfschwimmer und deren Ausrüstung verdeckt in die Nähe eines Operationsgebietes bringen.

Dienst im 1. Ubootgeschwader

U 36 gehört seit seiner Indienststellung zum 1. Ubootgeschwader. Sein Heimathafen ist Eckernförde.

Die Deutsche Marine führt U 36 weiterhin als eine der sechs Einheiten des Geschwaders. Das Boot wird für Ausbildung, Übungen und die Aufrechterhaltung der Fähigkeiten im Unterwasserseekrieg eingesetzt.

Zu seinen wesentlichen Aufgaben gehören:

die verdeckte Aufklärung,

die Überwachung von Seegebieten,

die Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe und U-Boote,

die Erstellung maritimer Lagebilder

sowie die Unterstützung von Spezialkräften.

Außenluftunabhängiger Antrieb

U 36 verfügt über einen kombinierten dieselelektrischen und außenluftunabhängigen Antrieb.

Bei Überwasserfahrt oder in Schnorcheltiefe kann der Dieselgenerator elektrische Energie erzeugen und die Batterien laden. Während der Tauchfahrt wird das Boot von einem Elektromotor angetrieben.

Für besonders lange und geräuscharme Tauchfahrten steht eine Brennstoffzellenanlage zur Verfügung. In ihr reagieren mitgeführter Wasserstoff und Sauerstoff miteinander. Dabei wird elektrische Energie erzeugt; als Reaktionsprodukt entsteht im Wesentlichen Wasser.

Da die Brennstoffzellen keine Außenluft benötigen und nur sehr geringe Geräusche erzeugen, kann U 36 über längere Zeit vollständig getaucht operieren. Die Deutsche Marine nennt für die Klasse einen hybriden dieselelektrischen Antrieb mit Brennstoffzellenanlage und eine Gesamtleistung von rund 3.100 Kilowatt.

Verdeckte Aufklärung und U-Boot-Jagd

Eine der wichtigsten Fähigkeiten von U 36 ist die verdeckte Überwachung von Seegebieten. Das Boot kann über längere Zeit verborgen bleiben, Schiffsbewegungen beobachten und Informationen sammeln, ohne seine eigene Position offenzulegen.

Dazu verfügt U 36 über mehrere aktive und passive Sonarsysteme. Bei der passiven Ortung werden die Geräusche anderer Schiffe und U-Boote aufgenommen, ohne eigene Schallimpulse auszusenden.

Die Informationen der Sonaranlagen, der Optronik, der elektronischen Aufklärung und der Navigation werden in der Operationszentrale zusammengeführt. Dort erstellt die Besatzung ein maritimes Lagebild, klassifiziert Kontakte und bereitet bei Bedarf den Einsatz der Waffen vor.

Seine geringe akustische und magnetische Signatur macht U 36 zugleich zu einem anspruchsvollen Gegner für Schiffe, Hubschrauber, Seefernaufklärer und andere U-Boote.

BALTOPS 2023

U 36 gehörte zu den deutschen Einheiten, die an der multinationalen Ostseeübung BALTOPS 2023 teilnahmen.

Die Deutsche Marine beteiligte sich an dem Manöver unter anderem mit Fregatten, Korvetten, Minenabwehreinheiten, einem Seefernaufklärer, Bordhubschraubern und U 36. Das U-Boot konnte innerhalb des Übungsszenarios für die verdeckte Aufklärung und als Ziel für die U-Boot-Abwehrkräfte eingesetzt werden.

BALTOPS dient der Zusammenarbeit der beteiligten NATO- und Partnerstaaten im Ostseeraum. Für U-Boot-Besatzungen bietet das Manöver die Möglichkeit, Verfahren gegen unterschiedliche Überwasser-, Unterwasser- und Luftstreitkräfte zu trainieren.

Northern Coasts 2023

Im September 2023 nahm U 36 außerdem an der multinationalen Marineübung Northern Coasts 2023 teil.

Das Boot wurde dabei als realer Ziel- und Gegnerdarsteller für die beteiligten Einheiten eingesetzt. Das Evaluierungsteam der Übung bezeichnete die Beteiligung von U 36 ausdrücklich als großen Zugewinn für die eingesetzten See- und Luftstreitkräfte.

Die Aufgabe des Bootes bestand darin, sich möglichst unentdeckt zu bewegen und die U-Boot-Abwehr der Übungsteilnehmer zu fordern. Der genaue Ausgang einzelner Gefechtsszenarien blieb aus operativen Gründen eingestuft.

Vorführung in der Eckernförder Bucht

Im Juni 2023 war U 36 auch an einer praktischen Fähigkeitsvorführung anlässlich des Antrittsbesuchs des Generalinspekteurs der Bundeswehr bei der Marine beteiligt.

Gemeinsam mit weiteren Schiffen und Booten sowie Marinefliegern demonstrierte U 36 in der Eckernförder Bucht Fähigkeiten der Deutschen Marine.

Bewaffnung

U 36 verfügt über sechs Torpedorohre mit einem Durchmesser von 533 Millimetern.

Als Hauptbewaffnung dienen drahtgelenkte Schwergewichtstorpedos des Typs DM2A4 Seehecht. Sie können gegen Überwasserschiffe und U-Boote eingesetzt werden.

Nach dem Abschuss bleibt der Torpedo zunächst über einen Lichtwellenleiter mit dem U-Boot verbunden. Dadurch kann die Besatzung aktualisierte Zieldaten übertragen und den Torpedo während seines Anlaufs nachführen.

Die offizielle Ausrüstungsübersicht der Bundeswehr nennt für alle Boote der Klasse 212A sechs Torpedorohre für den Schwergewichtstorpedo DM2A4.

Unterstützung von Spezialkräften

U 36 kann Kampfschwimmer und besondere Ausrüstung verdeckt in ein Einsatzgebiet bringen.

Die lange getauchte Einsatzdauer ermöglicht eine unbemerkte Annäherung. Das zweite Baulos wurde gegenüber den ersten vier Booten besonders auf die Zusammenarbeit mit Spezialkräften und auf längere internationale Unternehmungen ausgerichtet.

Neben dem Ein- und Ausstieg über die Torpedorohre stehen hierfür angepasste Einrichtungen im Turmbereich zur Verfügung.

Besatzung und Bordalltag

Die reguläre Besatzung umfasst etwa 28 Soldatinnen und Soldaten. Diese Besatzungsstärke wird von der Deutschen Marine für die Klasse 212A angegeben.

Trotz der gegenüber den früheren Küsten-U-Booten größeren Abmessungen bleiben die Platzverhältnisse an Bord eng. Unterkünfte, Arbeitsplätze, Kombüse, Operationszentrale und technische Anlagen liegen dicht beieinander.

Der Betrieb erfolgt im Wachsystem. Während ein Teil der Besatzung das Boot führt und überwacht, ruht der andere Teil oder führt Wartungsarbeiten durch.

Das Mehrbesatzungskonzept der Klasse ermöglicht es, Besatzungen auf unterschiedlichen Booten einzusetzen. Plattform und Besatzung sind daher nicht während der gesamten Dienstzeit fest miteinander verbunden.

Patenschaft

Die sächsische Stadt Plauen übernahm die Patenschaft für U 36. Bei der Taufe des Bootes am 15. Mai 2013 wurde die Verbindung zwischen der Stadt, dem Boot und seiner künftigen Besatzung offiziell begründet.

Die Patenschaft schafft eine Verbindung zwischen der Marine und der Bevölkerung der Patenstadt. Sie wird durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und Kontakte mit den wechselnden Besatzungen gepflegt.

Weiterer Dienst und Modernisierung

U 36 wird weiterhin als Einheit des 1. Ubootgeschwaders geführt. Gemeinsam mit den fünf Schwesterbooten bildet es den gegenwärtigen Bestand der deutschen Klasse 212A.

Die Boote sollen auch nach dem beginnenden Zulauf der neuen deutsch-norwegischen Klasse 212CD weiterbetrieben werden. Damit bleibt U 36 ein Bestandteil der deutschen Fähigkeiten zur verdeckten Aufklärung, zur U-Boot-Jagd sowie zur Landes- und Bündnisverteidigung.

Von Kameraden für Kameraden

U 36 bildet den Abschluss einer U-Boot-Klasse, die den deutschen konventionellen U-Boot-Bau grundlegend verändert hat.

Die Brennstoffzellenanlage, moderne Sonarsysteme und die niedrige Signatur ermöglichen lange und weitgehend unbemerkte Tauchfahrten. Einsatzfähig wird diese Technik jedoch erst durch die Besatzung.

Auf einem U-Boot ist jeder Kamerad auf die zuverlässige Arbeit der anderen angewiesen. Navigation, Sonar, Schiffstechnik, Kommunikation, Waffenanlagen und Versorgung müssen ohne Unterbrechung zusammenwirken.

Wochenlange Abwesenheit, wenig persönlicher Raum und die Verantwortung für das gesamte Boot verlangen Disziplin, Rücksichtnahme und gegenseitiges Vertrauen.

U 36 steht deshalb nicht nur für das letzte Boot der deutschen Klasse 212A. Es steht vor allem für die Frauen und Männer, die das Boot seit 2016 führen und seine Fähigkeiten bei Ausbildung und multinationalen Übungen unter Beweis stellen.

Technische Daten

Bootstyp: konventionelles Jagd-U-Boot mit außenluftunabhängigem Antrieb
Klasse: 212A
Baulos: zweites Baulos
Name: U 36
Kennung: S 186
Bauwerft: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
Baunummer: 399
Kiellegung: 19. August 2008
Erstes Zuwasserlassen: 6. Februar 2013
Taufe: 15. Mai 2013
Indienststellung: 10. Oktober 2016
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader
Heimathafen: Eckernförde
Patenschaft: Plauen
Status: aktive Einheit der Deutschen Marine

Länge: etwa 57,2 Meter
Breite: etwa 7 Meter
Tiefgang aufgetaucht: etwa 6 Meter
Verdrängung aufgetaucht: etwa 1.700 Tonnen
Verdrängung getaucht: etwa 1.980 Tonnen

Antrieb: dieselelektrisch mit außenluftunabhängiger Brennstoffzellenanlage
Dieselanlage: Dieselgenerator
Fahrmotor: Elektromotor
Propeller: einer
Höchstgeschwindigkeit über Wasser: etwa 12 Knoten
Höchstgeschwindigkeit getaucht: etwa 20 Knoten
Operative Tauchtiefe: nicht öffentlich bekannt

Besatzung: etwa 28 Soldatinnen und Soldaten
Torpedorohre: sechs Rohre mit 533 Millimeter Durchmesser
Hauptbewaffnung: Schwergewichtstorpedos DM2A4 Seehecht
Weitere Fähigkeiten: verdeckte Aufklärung, U-Boot-Jagd und Unterstützung von Spezialkräften