Kategorie: U 185 U-Boot 6
U 185 U-Boot 6 – Küsten-U-Boot der Klasse 205
U 185 U-Boot 6 war ein konventionelles Küsten-U-Boot der Klasse 205 und gehörte zur ersten Generation der nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland neu entwickelten U-Boote. Das kompakte Boot war insbesondere für den Einsatz in den flachen und stark gegliederten Gewässern der Ostsee vorgesehen.
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U-Boot 6 stand vom 4. Juli 1963 bis zum 22. August 1974 im Dienst der Bundesmarine. Wie seine Schwesterboote U-Boot 4 bis U-Boot 8 wurde es aus dem amagnetischen Stahl AM 10 gebaut, dessen unzureichende Materialeigenschaften die Einsatzmöglichkeiten des Bootes später erheblich einschränkten.
Bau und Indienststellung
U-Boot 6 wurde bei den Howaldtswerken in Kiel gebaut. Die Kiellegung erfolgte am 8. November 1961, der Stapellauf am 30. Januar 1963.
Am 4. Juli 1963 wurde das Boot unter der Kennung U 185 als U-Boot 6 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Erster Kommandant war Kapitänleutnant Hans-Jochen Emsmann, der zuvor bereits das gehobene und wieder in Dienst gestellte U-Boot HAI geführt hatte.
U-Boot 6 gehörte zum ersten Baulos der Klasse 205. Diese Boote gingen aus dem ursprünglichen Entwurf der Klasse 201 hervor, wurden jedoch aufgrund zusätzlicher Anforderungen der Bundesmarine in einer überarbeiteten und verlängerten Ausführung fertiggestellt.
Auftrag
U-Boot 6 war als kleines Küsten-U-Boot für den Einsatz in der Ostsee und in den westlichen Ostseezugängen vorgesehen.
Im Verteidigungsfall sollte das Boot gegnerische Überwassereinheiten, Nachschubverbände und mögliche Landungsfahrzeuge angreifen. Seine geringe Größe ermöglichte den verdeckten Einsatz in vergleichsweise flachen Küstengewässern.
Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus acht fest im Bug eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter. Neben Torpedos sollten die Rohre grundsätzlich auch zum Ausstoßen von Seeminen verwendet werden können.
Der amagnetische Bootskörper sollte die magnetische Signatur reduzieren. Dadurch sollte das Boot schwerer durch magnetische Ortungsverfahren zu erfassen und weniger empfindlich gegenüber Magnetminen sein.
Die Stahlproblematik
U-Boot 6 wurde wie die übrigen frühen Boote der Klasse 205 aus dem amagnetischen Stahl AM 10 gefertigt.
Dieser neuartige Werkstoff sollte einen entscheidenden taktischen Vorteil bieten, erwies sich im praktischen U-Boot-Betrieb jedoch als ungeeignet. An den Druckkörpern der frühen deutschen Neubauten traten Korrosionserscheinungen und Risse auf.
Als das volle Ausmaß der später als Stahlkrise bezeichneten Materialprobleme erkannt wurde, befand sich U-Boot 6 bereits in einem weit fortgeschrittenen Bauzustand. Das Boot wurde deshalb fertiggestellt und in Dienst genommen.
Zur Begrenzung der Korrosion wurden verschiedene Schutzmaßnahmen angewendet. Dazu gehörten besondere Beschichtungen, Spritzverzinkungen und zusätzliche Opferanoden. Das grundsätzliche Problem des verwendeten Stahls konnte damit jedoch nicht dauerhaft behoben werden.
U-Boot 6 unterlag deshalb später erheblichen Sicherheits- und Einsatzbeschränkungen. Eine uneingeschränkte Verwendung als reguläres Kampfboot war nicht möglich.
Einsatz im 1. Ubootgeschwader
Nach seiner Indienststellung gehörte U 185 U-Boot 6 zunächst zum 1. Ubootgeschwader in Kiel.
Das Geschwader bildete den operativen Kern der neu aufgebauten U-Boot-Waffe der Bundesmarine. Mit den Booten der frühen Klassen sammelten die Besatzungen wichtige Erfahrungen im Betrieb moderner konventioneller U-Boote.
U-Boot 6 wurde für Ausbildung, Übungen und die Erprobung verschiedener Verfahren eingesetzt. Dabei standen insbesondere das Zusammenwirken der Besatzung, das verdeckte Operieren in Küstengewässern und der Betrieb der neu entwickelten Anlagen im Mittelpunkt.
Aufgrund der Stahlprobleme blieb die operative Nutzbarkeit jedoch beschränkt.
Erprobung des Minenlegens
Eine besondere Aufgabe von U-Boot 6 war die Erprobung des Minenlegens aus den Torpedorohren.
Für die neuen deutschen U-Boote war von Beginn an vorgesehen, dass sie neben Torpedos auch Seeminen einsetzen konnten. Da für die neuen Bootsklassen noch keine vollständig erprobten Systeme und Verfahren vorhanden waren, mussten entsprechende Versuche mit bereits fertiggestellten Booten durchgeführt werden.
U-Boot 6 wurde für diese Aufgabe zeitweise an die Erprobungsstelle 71 in Eckernförde abgegeben. Dort diente das Boot der praktischen Erprobung verschiedener Einrichtungen und Verfahren für den Minenausstoß durch die Bugtorpedorohre.
Damit leistete U 185 einen besonderen Beitrag zur Entwicklung der Minenlegefähigkeit der neuen deutschen U-Boot-Waffe.
Verwendung als Schulboot
Ab 1969 wurden U-Boot 4 bis U-Boot 8 bei der Ubootlehrgruppe in Neustadt in Holstein eingesetzt.
Auch U-Boot 6 diente dort überwiegend als Schul- und Ausbildungsboot. Wegen der Materialprobleme wurden die Torpedorohre schließlich dichtgesetzt, sodass das Boot nicht mehr für einen regulären Waffeneinsatz vorgesehen war.
An Bord konnten angehende U-Boot-Fahrer mit den technischen Anlagen, den Arbeitsabläufen und den besonderen Lebensbedingungen auf einem kleinen Unterseeboot vertraut gemacht werden.
Die Ausbildung auf U-Boot 6 umfasste das Zusammenwirken der verschiedenen Stationen, den Betrieb über und unter Wasser sowie das sichere Beherrschen der technischen Einrichtungen.
Trotz seiner eingeschränkten Kampffähigkeit erfüllte das Boot damit eine wichtige Aufgabe beim Aufbau und bei der personellen Weiterentwicklung der deutschen U-Boot-Waffe.
Verbandszugehörigkeit und Heimathäfen
Die Dienstzeit von U-Boot 6 gliederte sich im Wesentlichen in zwei Phasen.
Zunächst gehörte das Boot zum 1. Ubootgeschwader in Kiel. In dieser Zeit wurde es für den Geschwaderdienst, für Übungen und für technische Erprobungen eingesetzt.
Später wurde U-Boot 6 der Ubootlehrgruppe in Neustadt in Holstein zugeteilt. Dort lag der Schwerpunkt auf der Ausbildung von U-Boot-Besatzungen.
Zeitweise wurde das Boot außerdem bei der Erprobungsstelle 71 in Eckernförde für Versuche zum Minenlegen verwendet.
Außerdienststellung
Mit dem Zulauf der moderneren und technisch zuverlässigeren U-Boote der Klasse 206 verlor U-Boot 6 zunehmend seine Bedeutung als Ausbildungsplattform.
U 185 U-Boot 6 wurde am 22. August 1974 nach etwas mehr als elfjähriger Dienstzeit außer Dienst gestellt und aus dem Bestand der Bundesmarine ausgesondert.
Ein gesicherter späterer militärischer oder musealer Einsatz ist nicht dokumentiert. Das Boot blieb nicht erhalten.
Bedeutung von U-Boot 6
Die Geschichte von U 185 U-Boot 6 steht beispielhaft für die schwierigen Anfangsjahre des deutschen U-Boot-Neubaus.
Das Boot war Teil eines technisch ambitionierten Programms, dessen neuartiger amagnetischer Werkstoff sich im praktischen Betrieb als ungeeignet erwies. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse führten zur Erprobung besser geeigneter Stahlsorten und beeinflussten die Entwicklung der späteren deutschen U-Boot-Klassen.
U-Boot 6 besaß darüber hinaus durch seine Verwendung bei der Erprobungsstelle 71 eine besondere Bedeutung. Die mit dem Boot durchgeführten Versuche trugen zur Entwicklung von Verfahren für das Legen von Seeminen aus U-Booten bei.
Als Ausbildungsboot half U 185 zudem dabei, eine neue Generation deutscher U-Boot-Fahrer auf ihre späteren Aufgaben vorzubereiten.
Von Kameraden für Kameraden
Der Dienst auf U 185 U-Boot 6 verlangte von seiner Besatzung ein besonders enges und zuverlässiges Zusammenwirken. Auf einem Boot dieser Größe gab es kaum Rückzugsmöglichkeiten, und jeder Kamerad war unmittelbar auf die Arbeit des anderen angewiesen.
Auch unter den durch die Stahlprobleme verursachten Einschränkungen blieb der Dienst anspruchsvoll. Die Besatzungen, Erprobungskommandos und Lehrgangsteilnehmer sammelten auf U-Boot 6 Erfahrungen, die für den weiteren Aufbau der U-Boot-Waffe von großem Wert waren.
Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen war U 185 nicht lediglich ein frühes Küsten- und Schul-U-Boot. Es war ihr Boot, ihr gemeinsamer Arbeitsplatz und für einen prägenden Abschnitt ihres Lebens ihr Zuhause unter Wasser.
Unsere Artikel zu U-Boot 6 erinnern an das Boot, seine Besatzungen und an alle Kameraden, die während seiner mehr als elfjährigen Dienstzeit an Bord gefahren sind.
Von Kameraden für Kameraden – zur Erinnerung an das Boot, seine Besatzungen und die gemeinsam gefahrenen Seemeilen.
Technische Daten
Kennung: U 185
Bezeichnung: U-Boot 6
Klasse: Klasse 205
Baulos: Erstes Baulos
Typ: Konventionelles Küsten-U-Boot
Bauwerft: Howaldtswerke, Kiel
Kiellegung: 8. November 1961
Stapellauf: 30. Januar 1963
Indienststellung: 4. Juli 1963
Außerdienststellung: 22. August 1974
Baumaterial: Amagnetischer Stahl AM 10
Länge: etwa 44,3 Meter
Breite: etwa 4,6 Meter
Tiefgang: etwa 3,8 Meter
Verdrängung: etwa 419 Tonnen aufgetaucht und 455 Tonnen getaucht
Antrieb: Diesel-elektrischer Antrieb mit zwei Dieselgeneratoren und einem elektrischen Fahrmotor
Geschwindigkeit: etwa 10 Knoten aufgetaucht und bis zu 17 Knoten getaucht
Bewaffnung: Acht Torpedorohre im Bug; später dichtgesetzt
Besatzung: etwa 21 Mann
Verbandszugehörigkeit: 1. Ubootgeschwader, später Ubootlehrgruppe
Weitere Verwendung: Erprobung des Minenlegens bei der Erprobungsstelle 71
Heimathäfen und Standorte: Kiel, Neustadt in Holstein und zeitweise Eckernförde
Verwendung: Küsten-U-Boot, Erprobungsboot sowie Schul- und Ausbildungsboot
Verbleib: Nicht erhalten