Mit der Tiger-Klasse erhielt die Schnellbootwaffe der Bundesmarine eine moderne Generation von Flugkörperschnellbooten. An die Stelle des klassischen Torpedoangriffs trat der Einsatz von Seezielflugkörpern des Typs MM38 Exocet. Ergänzt wurde diese Hauptbewaffnung durch Artillerie, moderne Feuerleittechnik und die Möglichkeit zum Minenlegen. Die Klasse 148 hatte eine Verdrängung von rund 265 Tonnen, war etwa 47 Meter lang und führte unter anderem Exocet-Flugkörper, ein 76-mm-OTO-Melara-Geschütz und eine 40-mm-Bofors-Flak.
Die Kranich gehörte während ihrer deutschen Dienstzeit zum 5. Schnellbootgeschwader in Olpenitz. Gemeinsam mit den Booten S51 Häher, S52 Storch, S53 Pelikan, S54 Elster, S55 Alk, S56 Dommel, S57 Weihe, S58 Pinguin und S59 Reiher bildete sie den 148er-Bestand dieses Geschwaders. Das 5. Schnellbootgeschwader wurde von 1974 bis 1975 auf zehn Boote der Tiger-Klasse umgerüstet.
Am 22. September 1998 wurde die Kranich bei der Deutschen Marine außer Dienst gestellt. Anschließend wurde sie nach Chile abgegeben und dort als Serrano (LM-38) weitergeführt.
Aufgabe und Besonderheiten
Die Kranich war als Flugkörperschnellboot für den schnellen Angriff gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Ihre Stärke lag in hoher Geschwindigkeit, kleiner Silhouette, kurzer Reaktionszeit und der Fähigkeit, mit Exocet-Flugkörpern Ziele auf größere Entfernung zu bekämpfen.
Eine sichtbare Besonderheit der Klasse 148 waren spätere Nachrüstungen im Bereich der Feuerleitung, Täuschkörperausstattung und elektronischen Kampfführung. Einige Boote erhielten die EloKa-Anlage OCTOPUS, die besonders im Mastbereich erkennbar war. Dadurch konnten sich Boote derselben Klasse je nach Zeitraum äußerlich unterscheiden. Für diese Beschreibung wird OCTOPUS als wichtige spätere Nachrüstung der Tiger-Klasse erwähnt, ohne jeden einzelnen Bauzustand gesondert darzustellen.
Die Kranich wird häufig zusammen mit der S54 Elster als Boot des 5. Schnellbootgeschwaders dargestellt. Solche Darstellungen zeigen gut, wie stark die 148er-Boote mit ihrem flachen Rumpf, dem markanten Mast, den Exocet-Startern und der Artillerie das Bild der Olpenitzer Schnellbootzeit geprägt haben.
Technische Daten
Klasse: 148, Tiger-Klasse
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: S60 / P6160
Indienststellung: 17. Juli 1975
Außerdienststellung: 22. September 1998
Länge: ca. 47 m
Breite: ca. 7 m
Tiefgang: ca. 2,7 m
Verdrängung: ca. 265 t
Antrieb: 4 MTU-Dieselmotoren
Leistung: ca. 14.400 PS
Geschwindigkeit: ca. 38 kn
Besatzung: etwa 30 Soldaten
Bewaffnung:
4 × MM38 Exocet-Seezielflugkörper
1 × 76-mm-OTO-Melara-Geschütz
1 × 40-mm-Bofors L/70
Minenlegevorrichtung optional
Geschwaderzugehörigkeit
Die Kranich gehörte zum 5. Schnellbootgeschwader in Olpenitz.
Eine spätere Zugehörigkeit zu einem anderen deutschen Schnellbootgeschwader ist für die Kranich nicht anzusetzen. Sie wurde am 22. September 1998 außer Dienst gestellt und anschließend nach Chile abgegeben.
Rufzeichen
Internationales Funkrufzeichen: DRBT.
In älteren Übersichten erscheint außerdem das frühere Rufzeichen DSKT.
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die Kranich nach Chile verkauft und dort als Serrano (LM-38) weitergeführt. Die chilenische Außerdienststellung wird in Übersichten mit Dezember 2014 angegeben.
Von Kameraden für Kameraden
Die Kranich war das letzte Boot der 148er-Reihe und gehörte zu den Vogelbooten des 5. Schnellbootgeschwaders in Olpenitz. Mit ihr schließt sich die Reihe der Tiger-Klasse von S41 Tiger bis S60 Kranich.
Für ihre Besatzungen bedeutete der Dienst auf der Kranich hohe Fahrt, enge Räume, starke Maschinen, moderne Flugkörpertechnik und Kameradschaft auf engem Raum. Als Olpenitzer Schnellboot erinnert sie an die Zeit, in der die Boote der Klasse 148 über viele Jahre das Bild der Schnellbootwaffe der Bundesmarine prägten – von Kameraden für Kameraden. ⚓