Mit der Tiger-Klasse erhielt die Schnellbootwaffe der Bundesmarine eine moderne Generation von Flugkörperschnellbooten. Im Mittelpunkt stand nicht mehr der klassische Torpedoangriff, sondern der Einsatz des Seezielflugkörpers MM38 Exocet. Ergänzt wurde diese Bewaffnung durch ein 76-mm-OTO-Melara-Geschütz, eine 40-mm-Bofors-Flak und die Möglichkeit zum Minenlegen.
Die Pinguin gehörte während ihrer deutschen Dienstzeit zum 5. Schnellbootgeschwader in Olpenitz. Gemeinsam mit den Booten S51 Häher, S52 Storch, S53 Pelikan, S54 Elster, S55 Alk, S56 Dommel, S57 Weihe, S59 Reiher und S60 Kranich bildete sie den 148er-Bestand dieses Geschwaders.
Am 28. Juni 2001 wurde die Pinguin bei der Deutschen Marine außer Dienst gestellt. Danach lag sie in Wilhelmshaven auf und wurde später abgebrochen.
Aufgabe und Besonderheiten
Die Pinguin war als Flugkörperschnellboot für den schnellen Angriff gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Ihre Stärke lag in hoher Geschwindigkeit, kleiner Silhouette, kurzer Reaktionszeit und der Fähigkeit, mit Exocet-Flugkörpern Ziele auf größere Entfernung zu bekämpfen.
Eine sichtbare Besonderheit der Klasse 148 waren spätere Nachrüstungen im Bereich der Feuerleitung, Täuschkörperausstattung und elektronischen Kampfführung. Einige Boote erhielten die EloKa-Anlage OCTOPUS, die besonders im Mastbereich erkennbar war. Dadurch konnten sich Boote derselben Klasse je nach Zeitraum äußerlich unterscheiden. Für diese Beschreibung wird OCTOPUS als wichtige spätere Nachrüstung der Tiger-Klasse erwähnt, ohne jeden einzelnen Bauzustand gesondert darzustellen.
Für die Pinguin ist ein später Ausrüstungszustand mit Feuerleitanlage Castor und EloKa-System OCTOPUS in Darstellungen ausdrücklich genannt. Für unsere Reihe bleibt das ein historischer Hinweis innerhalb der Beschreibung, nicht aber eine zusätzliche Designpflicht für jede einzelne Kachel.
Technische Daten
Klasse: 148, Tiger-Klasse
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: S58 / P6158
Indienststellung: 22. Mai 1975
Außerdienststellung: 28. Juni 2001
Länge: ca. 47 m
Breite: ca. 7 m
Tiefgang: ca. 2,1–2,7 m
Verdrängung: ca. 265 t
Antrieb: 4 MTU-Dieselmotoren
Leistung: ca. 14.400 PS
Geschwindigkeit: ca. 38 kn
Besatzung: etwa 30 Soldaten
Bewaffnung:
4 × MM38 Exocet-Seezielflugkörper
1 × 76-mm-OTO-Melara-Geschütz
1 × 40-mm-Bofors L/70
Minenlegevorrichtung optional
Geschwaderzugehörigkeit
Die Pinguin gehörte zum 5. Schnellbootgeschwader in Olpenitz.
Eine spätere Zugehörigkeit zu einem anderen deutschen Schnellbootgeschwader ist für die Pinguin nicht anzusetzen. Sie blieb bis zu ihrer Außerdienststellung beim 5. Schnellbootgeschwader.
Rufzeichen
Internationales Funkrufzeichen: DRBR. In älteren Übersichten erscheint außerdem das frühere Rufzeichen DSKR.
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung am 28. Juni 2001 wurde die Pinguin nicht an eine andere Marine abgegeben. Sie lag zunächst in Wilhelmshaven auf und wurde später abgebrochen. Schnellboot.net führt den Verbleib als „Verschrottet“; andere Angaben nennen den Abbruch im Jahr 2003.
Von Kameraden für Kameraden
Die Pinguin gehörte zu den Vogelbooten des 5. Schnellbootgeschwaders in Olpenitz und blieb bis in die letzten Jahre der Tiger-Klasse im Dienst. Sie steht damit für die späte Phase der Olpenitzer Schnellboote, in der die Klasse 148 noch einmal mit moderner Feuerleit- und EloKa-Technik weitergeführt wurde.
Für ihre Besatzungen bedeutete der Dienst auf der Pinguin hohe Fahrt, enge Räume, starke Maschinen, moderne Flugkörpertechnik und Verlässlichkeit im Verband. Als Boot des 5. Schnellbootgeschwaders erinnert sie an Ausbildung, Manöver, harte Seefahrt und Kameradschaft auf engem Raum – von Kameraden für Kameraden. ⚓