Kategorie: P6147 S47 JAGUAR

P 6147 – S 47 JAGUAR – Flugkörperschnellboot der Tiger-Klasse

Das Flugkörperschnellboot P 6147, später S 47 JAGUAR, gehörte zur Tiger-Klasse, Klasse 148. Mit vier Seezielflugkörpern vom Typ Exocet, zwei leistungsfähigen Rohrwaffen und einer Höchstgeschwindigkeit von annähernd 40 Knoten vereinte das nur 47 Meter lange Boot eine erhebliche Kampfkraft.

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Die JAGUAR gehörte zunächst zum 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg-Mürwik. Nach dessen Auflösung wechselte sie 1998 zum 5. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz und blieb dort bis zu ihrer Außerdienststellung im Jahr 2000 im Dienst.

Anschließend wurde das Boot von der griechischen Marine übernommen und als P 77 PLOTARCHIS SAKIPIS noch mehr als zehn Jahre weiterverwendet.

Bau und Indienststellung

Die JAGUAR wurde im Rahmen des deutsch-französischen Bauprogramms für die 20 Flugkörperschnellboote der Klasse 148 gefertigt. Grundlage war der französische Entwurf La Combattante II, der seinerseits stark von deutschen Schnellbootkonstruktionen beeinflusst war.

Die Bootskörper der Klasse entstanden überwiegend bei den Constructions Mécaniques de Normandie in Cherbourg. Acht Einheiten wurden nach der Lieferung der Kaskos auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack fertiggestellt. Die öffentlich zugänglichen Übersichten ordnen die einzelnen Bauabschnitte nicht immer eindeutig jedem Boot zu.

Am 13. November 1973 wurde das Boot mit der NATO-Kennung P 6147 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Innerhalb der Marine wurde es als S 47 geführt.

Von S 47 zur JAGUAR

Bei ihrer Indienststellung führten die Boote der Klasse 148 zunächst offiziell keine Tiernamen. Sie wurden hauptsächlich anhand ihrer Bootsnummern bezeichnet.

Die Besatzungen des 3. Schnellbootgeschwaders hielten jedoch an den Namen ihrer zuvor gefahrenen Schnellboote der Klasse 140 fest. Die Namen wurden im Bordalltag und bei den bestehenden Patenschaften inoffiziell weiterverwendet.

Im Jahr 1982 erkannte die Marine diese Namen offiziell an. Aus S 47 wurde damit die JAGUAR. Der Name erinnerte an das frühere Schnellboot JAGUAR der Klasse 140 und gab zugleich der gesamten vorherigen Schnellbootklasse ihren bekannten Namen.

Dienst im 3. Schnellbootgeschwader

Die JAGUAR gehörte zunächst zum 3. Schnellbootgeschwader im Marinestützpunkt Flensburg-Mürwik.

Zum Geschwader gehörten zehn Flugkörperschnellboote der Klasse 148:

S 41 TIGER
S 42 ILTIS
S 43 LUCHS
S 44 MARDER
S 45 LEOPARD
S 46 FUCHS
S 47 JAGUAR
S 48 LÖWE
S 49 WOLF
S 50 PANTHER

Die Boote wurden durch einen Tender unterstützt und waren vor allem für den gemeinsamen Einsatz in der westlichen Ostsee, den dänischen Meerengen und den angrenzenden Seegebieten vorgesehen.

Das Geschwader setzte damit die Tradition der zuvor gefahrenen Jaguar-Boote fort und bildete einen wesentlichen Bestandteil der Schnellbootflottille.

Auftrag des Flugkörperschnellbootes

Die JAGUAR war für schnelle und überraschende Angriffe gegen gegnerische Überwassereinheiten ausgelegt.

Ihre Stärken lagen in:

  • der hohen Geschwindigkeit,

  • der geringen Silhouette,

  • der starken Flugkörperbewaffnung,

  • der Nutzung von Küsten, Inseln und engen Gewässern,

  • sowie dem geschlossenen Einsatz mehrerer Schnellboote.

Im Verteidigungsfall sollten sich die Boote möglichst unbemerkt einem gegnerischen Verband nähern, ihre Flugkörper in einem koordinierten Angriff einsetzen und sich anschließend mit hoher Geschwindigkeit aus dem Gefahrenbereich lösen.

Die Tiger-Boote waren deshalb keine kleinen Fregatten für lange Einzelunternehmungen. Ihre eigentliche Stärke entstand im Zusammenwirken des gesamten Geschwaders mit anderen Booten, Aufklärungsflugzeugen, Hubschraubern und übergeordneten Führungsstellen.

Seezielflugkörper Exocet

Die Hauptbewaffnung der JAGUAR bestand aus vier Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet.

Die Flugkörper befanden sich in vier einzelnen Startbehältern hinter den Aufbauten. Nach dem Start flogen sie in sehr geringer Höhe über der Wasseroberfläche auf das zugewiesene Ziel zu.

Mit der Exocet konnte das kleine Schnellboot deutlich größere Kriegsschiffe außerhalb der Reichweite seiner Rohrwaffen angreifen. Ein aus mehreren Tiger-Booten bestehender Verband war in der Lage, innerhalb kurzer Zeit eine größere Zahl von Flugkörpern auf ein Ziel oder einen gegnerischen Verband abzufeuern.

Die erforderlichen Zieldaten konnten von den eigenen Sensoren, anderen Schnellbooten oder externen Aufklärungsmitteln geliefert werden.

Rohrwaffen

Auf dem Vorschiff stand ein vollautomatisches 76-mm-Geschütz von OTO Melara.

Es konnte gegen Überwasserschiffe, kleinere Boote, Luftziele und ausgewählte Küstenziele eingesetzt werden. Das Geschütz verlieh der JAGUAR auch unterhalb der Schwelle eines Flugkörpereinsatzes eine erhebliche Feuerkraft.

Auf dem Achterdeck befand sich ein 40-mm-Bofors-Geschütz. Es diente vor allem der Bekämpfung kleiner Seeziele und der Flugabwehr im Nahbereich.

Damit blieb das Boot auch nach dem Abschuss seiner vier Exocet-Flugkörper kampffähig.

Minenlegefähigkeit

Neben dem Einsatz gegen Überwasserschiffe konnte die JAGUAR auch zum Legen von Seeminen verwendet werden.

Je nach Minentyp konnten bis zu acht Minen mitgeführt werden. Dafür musste der Platz auf dem Achterdeck entsprechend vorbereitet werden.

Die Minenlegefähigkeit erweiterte das Einsatzspektrum der Klasse. Schnellboote konnten Sperren in Küstengewässern und Meerengen ausbringen und sich anschließend mit hoher Geschwindigkeit aus dem Gebiet zurückziehen.

Sensoren und Führungsanlagen

Die JAGUAR verfügte über Radar-, Navigations- und Feuerleitanlagen für die Aufklärung und Bekämpfung von See- und Luftzielen.

Zur typischen Ausstattung der Klasse gehörten:

  • das Seeraumüberwachungsradar Triton G,

  • das Feuerleitradar Castor 148,

  • ein Navigationsradar,

  • das Führungs- und Waffenleitsystem PALIS,

  • Einrichtungen zur elektronischen Aufklärung,

  • sowie ein Datenfunksystem für den Informationsaustausch im Verband.

In der Operationszentrale wurden die Informationen der Sensoren ausgewertet und den Waffenanlagen zugewiesen.

Die Boote wurden während ihrer langen Dienstzeit mehrfach modernisiert. Dabei wurden insbesondere die elektronischen Führungs-, Aufklärungs- und Selbstschutzanlagen an die technische Entwicklung angepasst.

Technische Daten

Kennung: P 6147
Bootsnummer: S 47
Name: JAGUAR
Klasse: 148
Klassenbezeichnung: Tiger-Klasse
Typ: Flugkörperschnellboot
Indienststellung: 13. November 1973
Außerdienststellung: 28. September 2000
Erster Heimathafen: Flensburg-Mürwik
Späterer Heimathafen: Olpenitz
Verbände: zunächst 3., später 5. Schnellbootgeschwader
Länge: 47 Meter
Breite: 7 Meter
Tiefgang: etwa 2,7 Meter
Verdrängung: rund 265 Tonnen
Besatzung: rund 30 Soldaten
Höchstgeschwindigkeit: etwa 38 Knoten
Reichweite: rund 570 Seemeilen bei 30 Knoten beziehungsweise etwa 1.600 Seemeilen bei 15 Knoten.

Internationales Funkrufzeichen: DRBG.

Antrieb

Die JAGUAR wurde von vier schnelllaufenden MTU-Dieselmotoren angetrieben.

Jeder Motor leistete etwa 3.600 PS und wirkte auf eine eigene Welle. Die Gesamtleistung betrug ungefähr 14.400 PS.

Mit dieser Maschinenanlage erreichte das Boot eine Geschwindigkeit von etwa 38 Knoten. Unter günstigen Bedingungen konnten Boote der Klasse auch Werte nahe 40 Knoten erreichen.

Die vier getrennten Antriebsstränge erhöhten die Ausfallsicherheit, bedeuteten für das technische Personal jedoch einen erheblichen Wartungsaufwand. Im Maschinenraum herrschten während der Fahrt starke Hitze, Lärm und Vibrationen.

Die Einsatzbereitschaft des Bootes hing deshalb in besonderem Maße von der Arbeit der Motoren- und Schiffstechnikbesatzung ab.

Bewaffnung

Die dokumentierte Hauptbewaffnung der JAGUAR bestand aus:

  • vier Seezielflugkörpern MM 38 Exocet,

  • einem 76-mm-Geschütz OTO Melara auf dem Vorschiff,

  • einem 40-mm-Bofors-Geschütz auf dem Achterdeck,

  • sowie einer möglichen Zuladung von bis zu acht Seeminen.

Die Kombination aus hoher Geschwindigkeit, kleiner Silhouette und starker Bewaffnung machte die JAGUAR zu einem ernst zu nehmenden Gegner für deutlich größere Überwasserschiffe.

Übungen und Geschwaderfahrten

Während ihrer langen deutschen Dienstzeit nahm die JAGUAR an zahlreichen nationalen und internationalen Manövern, Geschwaderfahrten und Ausbildungsabschnitten teil.

Die Ausbildung umfasste unter anderem:

  • Angriffe mit Seezielflugkörpern,

  • Artillerieschießen,

  • elektronische Kampfführung,

  • Nachtfahrten,

  • verdeckte Annäherungen,

  • Minenlegeübungen,

  • das Fahren in taktischen Formationen,

  • sowie die Versorgung durch Tender und andere Unterstützungsschiffe.

Besonders anspruchsvoll waren schnelle Fahrten im engen Verband. Kurs- und Geschwindigkeitsänderungen mussten von allen Booten nahezu gleichzeitig ausgeführt werden.

Die westliche Ostsee, die dänischen Meerengen und die schleswig-holsteinische Küstenlandschaft boten einerseits Möglichkeiten zur gedeckten Annäherung, stellten andererseits aber hohe Anforderungen an Navigation und Schiffsführung.

Patenschaft mit Wolfratshausen

Zwischen der JAGUAR und der bayerischen Stadt Wolfratshausen bestand eine langjährige Patenschaft.

Die Verbindung wurde über 24 Jahre durch gegenseitige Besuche, persönliche Begegnungen und Kontakte zwischen der Besatzung und Bürgern der Stadt gepflegt. Mit der Außerdienststellung der JAGUAR im Jahr 2000 endete diese Patenschaft.

Die Patenschaft war ein wichtiger Teil der Identität des Bootes. Für eine nur rund 30 Mann starke Besatzung besaß die enge Verbindung zu einer Patenstadt eine besondere Bedeutung.

Die JAGUAR trug den Namen und die damit verbundene Partnerschaft bei Übungen und Auslandsfahrten über viele Jahre durch Nord- und Ostsee.

Auflösung des 3. Schnellbootgeschwaders

Am 30. September 1998 wurde das 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg aufgelöst.

Die noch vorhandenen Boote LEOPARD, FUCHS, JAGUAR, LÖWE und PANTHER wechselten daraufhin zum 5. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz. Dort bildeten sie zusammen mit den noch vorhandenen Booten dieses Verbandes die letzte größere Gruppe der Klasse 148 in der Deutschen Marine.

Für die Besatzung der JAGUAR bedeutete dies nach fast 25 Jahren in Flensburg einen Wechsel des Heimathafens und der organisatorischen Zugehörigkeit.

Der Auftrag des Bootes änderte sich grundsätzlich nicht. Es blieb bis zu seiner Außerdienststellung ein Flugkörperschnellboot für den Einsatz in der Ostsee und den angrenzenden Gewässern.

Außerdienststellung

Am 28. September 2000 wurde S 47 JAGUAR nach fast 27 Jahren unter deutscher Flagge außer Dienst gestellt.

Damit endete zugleich die langjährige Patenschaft mit Wolfratshausen. Für das Boot selbst war die militärische Laufbahn jedoch noch nicht beendet.

Die JAGUAR gehörte zu mehreren Booten der Tiger-Klasse, die anschließend an die griechische Marine abgegeben wurden.

Übergabe an Griechenland

Bei der griechischen Marine erhielt die ehemalige JAGUAR den Namen PLOTARCHIS SAKIPIS und die Kennung P 77.

Sie wurde dort der Votsis-Klasse zugerechnet, zu der mehrere aus Deutschland übernommene Flugkörperschnellboote der Klasse 148 gehörten.

Unter griechischer Flagge wurde das Boot weiterhin als schnelles Flugkörperboot eingesetzt. Die Bedingungen des Ägäischen Meeres mit seinen zahlreichen Inseln und engen Seegebieten entsprachen grundsätzlich dem küstennahen Einsatzkonzept, für das die Klasse entwickelt worden war.

Zweite Dienstzeit als P 77

Als P 77 PLOTARCHIS SAKIPIS blieb die ehemalige JAGUAR noch mehr als zehn Jahre im Dienst der griechischen Marine.

Auch dort bestand ihre Hauptaufgabe in der schnellen Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten. Die vorhandenen Exocet-Flugkörper, Rohrwaffen und die hohe Geschwindigkeit machten die Boote trotz ihres Alters weiterhin verwendbar.

Die lange Nutzung zeigt zugleich die robuste Konstruktion der Klasse 148. Zum Zeitpunkt ihrer griechischen Außerdienststellung war die ehemalige JAGUAR bereits mehr als 37 Jahre alt.

Außerdienststellung in Griechenland

Am 10. Juni 2011 wurde die P 77 PLOTARCHIS SAKIPIS gemeinsam mit weiteren ehemaligen deutschen Tiger-Booten bei der griechischen Marine außer Dienst gestellt.

Damit endete die aktive militärische Laufbahn der früheren S 47 JAGUAR nach insgesamt fast 38 Dienstjahren unter zwei Flaggen.

Verbleib

Der endgültige Verbleib der ehemaligen JAGUAR ist öffentlich nicht eindeutig dokumentiert.

Nach Angaben aus dem Kreis ehemaliger deutscher Schnellbootfahrer war der Aufenthaltsort mehrerer 2011 außer Dienst gestellter griechischer Boote später nicht mehr bekannt. Eine gesicherte museale Erhaltung ist ebenso wenig dokumentiert wie ein eindeutig belegtes Datum der Verschrottung.

Nach der Außerdienststellung als P 77 PLOTARCHIS SAKIPIS im Jahr 2011 ist der endgültige Verbleib des ehemaligen Schnellbootes S 47 JAGUAR nicht zweifelsfrei dokumentiert.

Kameraden für Kameraden

Die JAGUAR war fast drei Jahrzehnte lang ein fester Bestandteil der deutschen Schnellbootflottille.

Der Alltag ihrer Besatzung wurde von wenig Platz, hoher Geschwindigkeit, starkem Seegang und der unmittelbaren Nähe zwischen allen Kameraden geprägt. Auf einem Boot mit nur rund 30 Mann kannte jeder die Aufgaben und die Verlässlichkeit des anderen.

Die Besatzungen hielten vier Hauptmotoren, Radar- und Waffenanlagen einsatzbereit, fuhren schnelle Manöver im engen Verband und trainierten den gemeinsamen Flugkörpereinsatz unter den besonderen Bedingungen der Ostsee.

Die langen Jahre in Flensburg, der spätere Wechsel nach Olpenitz, die Patenschaft mit Wolfratshausen und die zweite Laufbahn in Griechenland machen die Geschichte der JAGUAR zu einem besonderen Kapitel der Klasse 148.

Die Produkte zur P 6147 / S 47 JAGUAR erinnern an ein Flugkörperschnellboot des 3. und 5. Schnellbootgeschwaders – und vor allem an alle Kameraden, die unter deutscher Flagge auf diesem Boot gefahren sind.